Bericht 27. Haspa Marathon Hamburg 29. April 2012

von Kerstin Kloßek, Fotos: Benjamin

Wetter: 18°C, bewölkt, leicht windig, es sind 11.000 Läufer am Start

Nach einer langen Vorbereitungszeit mit vielen Hochs und Tiefs, war es endlich so weit. Mein erster Marathon sollte in Hamburg statt finden. Ein Arbeitskollege, der bereits 6-mal am HH-Marathon teilgenommen hat, gab mir noch ein paar wertvolle Tipps und erzählte wie toll der Marathon in der Hansestadt sein soll. Das ließ die Spannung steigen.

In Hamburg angekommen, machen wir uns zunächst auf den Weg zur Marathonmesse, um die Startunterlagen abzuholen. Es läuft alles organisiert und unkompliziert ab. Und es bleibt noch genug Zeit für eine Bierverkostung mit Pils, Weizen und Radler am Krombacher-Alkoholfrei-Stand.

Bei Freunden aus Harburg, bei denen wir uns einmal mehr einquartiert haben, findet dann die obligatorische Pasta-Party statt. Von Nervosität noch keine Spur. Es werden schnell die wichtigsten Utensilien für den nächsten Morgen vorbereitet und dann geht es früh ins Bett. Das Einschlafen am Abend ist kein Problem. Von Nervosität immer noch keine Spur?!

Der nächste Morgen beginnt gegen 6 Uhr, schnell anziehen, frühstücken und ab an die Strecke. Es ist morgens noch ein wenig frisch, es sollen aber 18 °C werden, die Frisur sitzt und die Sonne scheint, Bestzeitenwetter also. Ziel ist es durchzulaufen und anzukommen, egal wie.

Wir steigen an der Reeperbahn aus, wo uns noch die letzten "Alkoholleichen" entgegen kommen. Der Start ist auf St. Pauli. Leider muss ich die Startzone "A" passieren und reihe mich ordnungsgemäß, ganz weit hinten in meinem Startblock "I" ein. Noch immer bin ich erschreckend ruhig und entspannt. (Hat mir jemand Valium in meinen Kaffee gerührt?). Das fühlt sich alles so unwirklich an.

Kurz nach 9 Uhr geht es dann endlich für mich los. Bloß nicht so schnell loslaufen heißt die Devise. Zum Auftakt geht es über Reeperbahn wo zu dieser Zeit nicht allzu viel los ist. Wir laufen leicht abwärts, vorbei an Leuten, die mit einem Prosecco in der Hand auf ihren Balkonen stehen und ihre Stereoanlage laut aufdrehen. Kurz darauf passieren wir in Othmarschen einige Rentner, die sich freuen, dass vor ihrem Altersheim endlich mal was los ist. Weiter geht's in Richtung Elbe und dann nach Altona. Irgendwann find ich dann mein Tempo und freue mich auf mein Support-Team (bestehend aus Benjamin) das bei Kilometer 10 am Fischmarkt auf mich wartet. Kurz davor stehen immer mehr Zuschauer an der Strecke. Ich biege auf die Hafenstraße ein und dann ist die Hölle los.

Bei Kilometer 14 geht es durch den etwa 400 m langen Wallring-Tunnel. Alle Läufer fangen an zu klatschen, das treibt noch einmal an. Nach einer Linkskurve geht es dann in Richtung Jungfernstieg, wo mein Supportteam wieder auf mich wartet. Ich trotte weiter. Bis Kilometer 21 fühle ich mich gut. Dann überwältigt mich eine kurze Panikattacke. Ich frage mich: Kannst du das Tempo halten und so ins Ziel laufen? Vielleicht ist es besser etwas langsamer zu laufen? Du weißt nicht, was noch auf dich zukommt, denn die Strecke ist etwas hügliger! Was machst du hier eigentlich? Und warum hat Dich eigentlich keiner davon abgehalten? Ein ewiges Hin und Her! Na gut, also ein Gang zurückschalten und auf Nummer sichergehen.

Nur kurze Zeit später gerate ich wieder in ein kleines Zwischentief und fechte einen Kampf mit meinem inneren Schweinehund aus. Es geht wieder Bergauf und wir haben leichten Gegenwind. Ich nehme mir einfach vor bis Kilometer 29 locker weiter zu laufen und dann ein Energiegel einzunehmen (vorbeugend und aus Angst später auf einem Hungerast rumzusitzen). Hhhm lecker "Strawberry", irgendwie muss man sich diese Dinger ja schönreden. Dann kann ich endlich die 30km-Marke sehen, lasse mich allerdings von dem Verpflegungsstand, der 100 m vorher aufgebaut ist, ablenken. Egal, weiter geht's nach einer kurzen Pause. Bei Kilometer 32 ruft mir Benjamin zu: "Jetzt beginnt der Marathon!". Wie? Jetzt erst? Ich bin doch schon mittendrin?! Von anderen Zuschauern kommen motivierende Worte: "nur noch 10 km". Stimmt, "nur" noch 10 km. Die nächsten 3 km laufen wieder recht gut und etwas zügiger.

Ab Kilometer 35 setzt dann ein stechender Schmerz in den Waden ein. Habe ich mir doch zu viel zugemutet? Ich versuche also wieder lockerer zu laufen. So, jetzt nur noch durchhalten. Nun ist es wirklich nicht mehr weit. In Eppendorf (ca. Kilometer 37,5) warten meine Hamburger Mädels auf mich und sind ordentlich am Anfeuern, so muss es sein. Die Stimmung in Eppendorf ist super. Genau das Richtige für die letzten 4,5 km. Nur noch 4,5 km? Das ging jetzt aber schnell. So, jetzt nur noch die gefürchtete Steigung bei Kilometer 41 bezwingen und der Marathon ist geschafft. Oh man, dieser Berg hier zieht sich aber hin. Seit wann hat Hamburg solche Steigungen? Also nochmal beißen. Dann geht alles noch schneller. Hinter der letzten Linkskurve sehe ich endlich das Ziel und kann es kaum glauben.

Am Ende laufe ich noch mit einem kleinen Endspurt in 4:35:15 über den roten Teppich ins Ziel und bin glücklich und zufrieden und ich bekomme sogar noch die Goldmedaille. Vielen Dank an mein Support-Team, das mich an 7 Stationen tatkräftig angefeuert und unterstützt hat.


© TriGe Sisu Berlin; 8.5.2012