Davids Ausflug in den Radsport 2013

von David Greve

Alpenbrevet 31.8.2013 und Tour Challenge 5.-8.9.2013

Nach kleinen "Ausflügen" in den Radsport habe ich diesen Sommer beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen und in den Alpen zwei Radevents zu bestreiten. Die Wahl fiel auf das Alpenbrevet und das neue Etappenrennen der Tour, die Tour-Challenge.

Alpenbrevet

Beim Alpenbrevet stehen drei Strecken zur Wahl über 5, 4 oder 3 Pässe mit 276, 172 und 132 km Länge und 7.031, 5.294 und 3.875 Höhenmetern. Start und Ziel ist jeweils in Meiringen. Ich habe mich für die mittlere Tour entschieden, war frühzeitig angereist und das Wetter (Sonnenschein und Temperaturen jenseits von 20°C) ließen auf eine herrliche Ausfahrt schließen.

Auf dem Weg zur Startnummernausgabe passiert es dann: Auf völlig gerader Strecke, unbedrängt, ausgeruht und locker pedalierend stürze ich. Trikot, Radhandschuhe und Weste sind kaputt, meine Schulter schwillt binnen Minuten dick an, und ich kann den Arm kaum noch bewegen. Ich zögere, ob ich unter diesen Umständen überhaupt teilnehmen soll: Wiegetritt ist gar nicht möglich, Auf- und Absteigen aufs Rad eine Qual und selbst das Schalten tut weh. Meine Entscheidung: Unterwegs schauen, wie es geht und ggf. abbrechen oder nur die kurze Runde fahren.

Am Startmorgen ist alles noch viel schlimmer: Ich brauche so lange, um mich anzuziehen, dass ich fast zu spät zum Start komme und mich bei 2.500 Startern ganz hinten einreihen muss. Der Anstieg zum ersten Pass, dem Grimsel (2.160 m), zieht sich ewig hin. Auf gut 30 Kilometern sind über 1.600 Höhenmeter zu bewältigen, zwischendurch vernichten einige kurze Abfahrten bereits gewonnene Höhenmeter. Es ist noch sehr kalt und oben angekommen bin ich schon völlig hinüber und beschließe, die kurze Runde zu nehmen: Nach der Abfahrt auf 1.728 m hinab geht es zum 2.434 m hohen Furka-Pass hinauf. Hier bin ich 2009 schon im Schneetreiben auf vereister Straße gewesen und der Anstieg ist sehr moderat und flüssig zu fahren. Viele Radfahrer haben offensichtlich nicht diesen Weg genommen und diese wenigen sammle ich jetzt nach und nach ein.

Auf der rasenden Abfahrt ins Hospental und die Schöllenenschlucht sammle ich weiter ein und beim finalen Anstieg auf den Sustenpass (2.224 m) geht es mir richtig gut. Es ist inzwischen schön warm, die Schulter über die Stunden geschmeidig geworden und der Anstieg gleichmäßig zu fahren. Nach der Abfahrt und einer letzten "Schippe Sand" kurz vor Meiringen bin ich nach 5:31 h als 24. von 633 Startern im Ziel.

Ergebnisse hier

Impressionen von früheren Touren in den Alpen...


Furkapass, Flüelapass, Splügenpass, Albulapass und Julierpass

Tour Challenge

Nach einer kurzen Regenerationswoche, die meine Schulter wieder fit macht, stehe ich am Abend des 5. Septembers in Chur an der Startlinie zum Auftaktzeitfahren der Tour-Challenge: Auf knapp 11 km geht es rund 550 Höhenmeter bergauf. Wie erwartet, schlage ich mich eher mittelmäßig (es fehlte das Schwimmen davor ;-) und lande nach gut 27 Minuten auf Platz 96 von 289 Startern. Der Prolog geht nicht in die Gesamtwertung ein, deshalb sind viele Teilnehmer hier nicht am Start. Aber der Prolog entscheidet über die Startaufstellung – bei mir reicht es zu Startblock B.

Etappe 1

Morgentemperatur ca. 10°C und strahlender Sonnenschein. Es geht über 91 km von Chur nach St. Moritz und als Höhepunkt auf den 2.284 m hohen Julierpass. Die ersten 18 km sind neutralisiert, dann wird das Rennen eröffnet und eine wilde Horde Radfahrer rast die ersten Anstiege hinauf. Nach welligen Auftaktkilometern im Landwassertal startet der eigentliche Anstieg mit der alten Passstraße via Mon. Der Anstieg ist im Durchschnitt 10% steil und fordert bereits einige Körner. Nach kurzer Abfahrt geht es über die neue Passstraße nicht allzu steil zur Passhöhe hinauf. Ich kann mich in einer Gruppe mit Hendrik Grosser (TuS Neukölln) halten, aus der ich kurz vor der Passhöhe wegspringe. Im Ziel bin ich nach 3:18 h 46. overall.

Etappe 1

Wieder Traumwetter und hier auf 1.800 m Höhe Temperaturen um 5°C am Morgen. Die 132 km lange Etappe beginnt mit einer langen neutralisierten Abfahrt vom Maloja-Pass bis auf ca. 300 m Meereshöhe in Chiavenna. Dann geht es über den 2.113 m hohen Splügenpass, hinab ins Rheintal nach Thusis und zuletzt hinauf auf ca. 1.500 m Höhe nach Lenzerheide.

Wieder verhalte ich mich wie ein tapsiger Anfänger – Minuten vor dem fliegenden Start bei Chiavenna ziehe ich bei inzwischen gut 25°C endlich meine Windweste aus und finde mich am Ende des Feldes wieder. Auf dem langen Anstieg zum Splügen-Pass kurble ich mich langsam nach vorn. Irgendwann tauchen bekannte Gesichter um mich auf – mit den Jungs war ich schon gestern unterwegs! Es folgt die lange Abfahrt nach Thusis, auf der in einer ca. 15 Mann starken Gruppe das Tempo fast nie unter 50 km/h fällt. Stolz wie Bolle führe ich die Gruppe in den 700 m "hohen" Schlussanstieg – und explodiere grandios: An den extrem steilen Anfangsrampen, die noch dazu in der knallenden Sonne liegen, kann ich lediglich einen aus der Gruppe hinter mir lassen. Völlig ausgebrannt treffe ich als 41. overall nach 4:46 h in Lenzerheide ein. Vor dem morgigen Tag habe ich jetzt richtig Bammel!

Etappe 3

Etappe 3: Der Morgen ist grau und regnerisch – die Temperaturen bei ca. 10 °C erträglich. Irgendwann wird ein niesliger Dauerregen einsetzen, der den ganzen Tag anhält. Die Etappe führt von Lenzerheide zurück nach Chur: 107 km mit zwei Pässen, dem Albula (2.312 m) und dem Flüela (2.383 m). Die ersten Kilometer mit der ca. 15 km langen Abfahrt ins Landwassertal sind wieder neutralisiert. Vorsichtig tasten wir uns ins Tal. Heute quietschen weniger Carbonfelgen, viele haben Laufräder mit Alufelgen zwecks besserer Bremsbarkeit im Einsatz. Dennoch knallt es hier und da, wenn durch Dauerbremsen die Felge heiß geworden ist und dem Schlauch das Leben auspustet.

Heute mache ich alles richtig, halt mich konstant unter den ersten 30/40 Fahrern auf und kann beim fliegenden Start sofort mitmengen. Als es steiler wird, reißt die Spitze in drei Gruppen – ich kann mich in der dritten halten und als schließlich die Steigung nachlässt, gelingt es mir, der Gruppe mein Tempo aufzuzwingen. Auf der ersten Passhöhe fühle ich mich grandios – topp Beine, ich habe mich gut verpflegt, trotz des Wetters ist mir warm – wir sausen zu Tal gen Engadin. Früh erkenne ich bei dem Wetter meine Grenzen und wandere langsam ans Ende der Gruppe.

Vor einer leichten Kurve passiert es: Irgendwie gerate ich ins Rutschen, stürze bei ca. 40 km/h über die Leitplanke auf die dahinter liegende Wiese – doch leider ist zwischen Leitplanke und Wiese ein Weidezaun gespannt, in dem sich mein Fuß verfängt. Der Fuß wird um 90° nach innen verdreht, mehrere Bänder reißen, Knochen und Knorpel nehmen Schaden – statt ins Zeil fahre ich ins Krankenhaus, werde operiert, bin über einen Monat bettlägrig, stakse dann einen Monat mit Krücken herum und sitze am 17.11. zum ersten Mal wieder auf dem Fahrrad.

Ergebnisse hier


© TriGe Sisu Berlin; 27.11.2013