Bericht Skatstadt-(Halb-)Marathon Altenburg 11.6.2016

von Denise Kottwitz

Vielleicht ist es etwas ungewöhnlich zum Beginn der Triathlon Saison bei einem reinen Halbmarathon zu starten… aber man muss die Feste feiern wie sie fallen. Dass man in Altenburg nicht nur Karten spielt, sondern auch eine tolle Laufveranstaltung organisieren kann, durfte ich an diesem Wochenende erleben. Dass es ein Lauf mit anspruchsvollem Höhenprofil wird, war mir vorher klar und ich freute mich darauf. Worauf ich nicht vorbereitet war: Kopfsteinpflaster. Schon der Weg am Freitagabend vom Hotel bis zum Abholen der Startunterlagen hatte es in sich - entsprechend nervös ging es Samstagvormittag an den Start. Immerhin, das Wetter spielte mit: 20 Grad, bewölkt und ein paar wenige Regentropfen.

Streckenbilder: marathon4you.de – da gibt es noch mehr

Gelaufen werden können 13,3 km, Halbmarathon oder die Runde zweimal als Marathon. Außerdem gibt es diverse kürzere Läufe für die Kinder. Auf der Halbmarathonstrecke waren diesmal 68 Frauen und 289 Männer unterwegs. Gestartet auf dem Markt, es ging gleich durch viele schmale Gässchen, bergab, bergauf und sehr kurvenreich, auf Kopfsteinpflaster höchster Vielfalt! Entlang des großen Teiches kurz auf einer Ebene, um dann lang ansteigend in einen Wald zu gelangen. Nach hoch, kommt wieder runter, dann mündet der Weg in den Rand eines Weizenfeldes. Heu verhindert die Sicht auf den unebenen Untergrund, läuft sich noch doofer als das Kopfsteinpflaster. "Zur Erholung" gibt es dann einen asphaltierten Radweg, natürlich auch bergauf und bergab, mit ein paar knackigen Kurven. Ich genieße die Strecke, laufe ein gutes Tempo.

Die Hälfte der Strecke ist geschafft und ich hole eine Frau ein, die sofort anzieht. Ich fasse es nicht: es liegen noch ein paar Kilometer vor uns, was hat die Konkurrentin vor? Sie bleibt erstmal an mir dran, die Strecke führt durch Kleingärten und an Einfamilienhäusern vorbei. Normalerweise eine ruhige Gegend, aber heute stehen überall jubelnde Menschen und bieten Getränke, Schwämme und sogar Eis an. Ich bin etwas gestresst, die Läuferin hängt immer noch an mir dran, wir sind schon bei Kilometer 14, ich habe echt keine Lust so bis zum Ende zu laufen. Es folgt eine Versorgungstation, dann drehe ich etwas auf, obwohl ich mit leichten Krämpfen an den Zehen der linken Fußes zu kämpfen habe. Es folgt eine Schleife durch den Wald, so dass man die Läufer nach einem entdeckt - ich habe die Dame abgehängt, und kann jetzt wieder entspannter laufen. Der Krampf bleibt leider.

Es geht lange bergab in Richtung Innenstadt, viele Kurven, aber meist Asphalt. Vom veröffentlichten Höhenprofil weiß ich, dass bei Kilometer 17 noch ein knackiger Anstieg lauert. Ich sehe ihn, es geht bergauf in den Schlossgarten. Was folgt ist einer der tollsten Momente in meinem Läuferleben: es ist steil und beschwerlich. Aber am Rand stehen ca. 1 Meter große gebastelte Schilder mit Motivationsparolen. Schild an Schild geht es bergauf, dazwischen motivierende Zurufe und am oberen Ende Cheerleader mit entsprechenden Einlagen. Der Berg ist geschafft, und ich dachte zu diesem Zeitpunkt, der Lauf auch fast. Aber Pustekuchen: es geht auf einer schmalen Gasse steil bergab, das anspruchsvollste Kopfsteinpflaster des Tages - es fehlen immer wieder Steine. Nur nicht hinfallen, meine Zehen krampfen immer noch. Abgesehen davon, habe ich immer noch Spaß.

Ich kann die Moderation des Zieleinlaufes schon hören - muss aber noch um das Residenzschloss laufen. Schlösser wurden schon immer auf Bergen gebaut, die Auffahrt ist mit herrlich großen Steinen gepflastert. Zum Ziel, um das Schloss herum, geht es wieder bergab - Achtung Treppe! Den Laufschritt zu so einer Phase noch mal verändern tut echt weh! Unten angekommen werde ich durch eine 1 Meter breite Gasse geleitet - es wird immer exotischer! Ohne die vielen, vielen Helfer wäre die Strecke, trotz Schildern und Pfeilen auf der Straße nicht zu finden. Die Menschen werden immer mehr und immer lauter. Mir ruft ein Mann zu "über eine Minute Vorsprung zur dritten…" Sollte ich tatsächlich so weit vorn sein? Er hat sich bestimmt vertan - er meint sicher ich bin dahinter. Woher soll er auch wissen, wieviel Vorsprung man hat, ist doch unlogisch! Auf dem Markt werde ich als eine der vorderen Frauen begrüßt, ich bin plötzlich total fertig, also das Rennen perfekt eingeteilt.

Ich bekomme im Ziel eine Medaille: "Herz 8" des Skatkartenspiels. In jedem Jahr ist es eine andere Karte, perfekt also für Sammler. Außerdem drückt man mir einen Zettel in die Hand: "Siegerehrung 12.20 Uhr, 2. Platz Frauen Halbmarathon". Ich bin überwältigt, damit habe ich nicht gerechnet.

Die Siegerin läuft heute einen neuen Streckenrekord und ich bin beeindruckt, wieviel schneller auf der Strecke noch möglich sein kann. Dennoch, die Ergebnisliste macht mich schon stolz: habe auch etwa 80% der Herren auf dieser Strecke hinter mir gelassen. Irgendwie scheinen mir anspruchsvolle Läufe zu liegen.

Auch ohne die gute Platzierung, muss ich sagen, dass der Lauf in die Liste meiner besten Lauferlebnisse kommt. Soviel Abwechslung vom Streckenprofil bekommt man selten, und es ist ein tolles Erlebnis, wie scheinbar eine ganze Stadt an der Veranstaltung mitwirkt. Im nächsten Jahr wieder? Vielleicht, denn schließlich erhalten Topplatzierte einen Freistart im Folgejahr. Da ich diesmal ambitioniert gelaufen bin, blieb keine Zeit für Fotos – die Bilder von der Strecke kommen von marathon4you.de – da gibt es noch reichlich mehr davon.

Pl Name                  VereinZ                   Zeit
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 1 Robe, Karoline        Lauftraining.com          1:26:54
 2 Kottwitz, Denise      Sisu Berlin               1:43:24
 3 Kesting, Theresa      SV Lerchenberg Altenburg  1:44:55
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 1 Rößler, Lars          PTSV Rosenheim            1:15:53
 2 Bernstein, Christian  SG Spergau                1:17:38
 3 Präger, Norman        Running Team Grafenberg   1:22:28
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© TriGe Sisu Berlin; 17.6.2016