Betrachtungen über ein Langdistanzrennen

(Ironman Austria, Klagenfurt 13.7.2008)

von Gerrit Wegener

Ontologische Fragestellungen gehören ganz sicher nicht hierher. Dies weiß man spätestens, wenn man auf die ungläubige Frage eigener Freunde, warum man sich in aller Welt 3,8km Schwimmen, 180km Radeln und dann auch noch einen Marathon antut, eigentlich gar keine rechte Antwort zu geben weiß. Eigentlich wollte ich ja nie! Aber dann, mit den Jahren des Trainings reifte auch in mir die Suche nach der Grenze. Einmal eine Langdistanz, das müsste mich doch belehren, was ich mir zutrauen könnte.

Dazu der wohl latent vorhandene Wunsch eines jeden Erdenmenschen, mitreden zu können - gleich worum es geht, also eben auch bei den Geschichte über den erlebten und durchlittenen Ironman. Ganz am Ende kommt noch die in ihrer Tiefe wohl jeglichen Sinnes entbehrende Frage einzelner Unverbesserlicher, wann auch ich einmal einen "richtigen Triathlon" machen würde. Angesichts der unvermeintlichen Finisher-T-Shirts diverser Triathlonveranstaltungen, die sich mittlerweile in meinem Schrank stapeln, brauchte ich eine Weile, um herauszubekommen, welch Signifikant sich mit dieser Bezeichnung in Verbindung bringen ließe… Es musste sich um die noch immer existierende Meinung handeln, Triathlon sei dass, was man tut, wenn man bar jeglichen Tempogefühls über mehrere Stunden über eine für die eigenen Möglichkeiten umgesetzten Trainings viel zu lange Strecke dümpelt, kurz gefasst: ein Amateur auf der Langdistanz.

Dies alles spielte also mit, als ich mich Anfang Juli auf den Weg nach Klagenfurt machte. Mein erstes Rennen hatte ich bereits gewonnen - nur wenige Minuten entscheiden nämlich über die Chance, tatsächlich dabei zu sein. Für den Ironman in Klagenfurt 2009 waren es 94 Minuten, die 2.200 Athleten aller Couleur benötigten, sich in die Starterlisten einzutragen.

Mein Training war dann jedoch anders gekommen als gewollt. Viel hatte ich gehört über lange ruhige Radausfahrten, stundenlanges Koppeltraining und einsame Läufe. Ganz anders die Realität, wenn sich das Training neben dem Alltag behaupten muß. So wurden die langen Läufe auf maximal 15km am Anschlag gestutzt, einzig der Halbmarathon im April bildete eine Ausnahme. Die langen Radausfahrten wurden zu einer kurzen aber harten Aneinanderreihung von Ortsschildsprints und Gegenwindpassagen in Einerreihe. Dafür hatte ich viel gekoppelt - allerdings mit der viel gepriesenen Jugend, d.h. im recht schnellen Wechsel von lediglich drei Radkilometern und einem Laufkilometer, dafür immer auf Sieg. Doch erinnerte ich mich auch des Bonmots, das einst Emil Zatopek nach seinem Sieg über den Marathon prägte: er habe alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte, doch hatte er gesiegt.

Nun, ein Sieg kam auf keinen Fall in Frage. Zumindest nicht der von der Presse umjubelte. Dafür ging es um den Sieg gegen den eigenen Schweinehund. Würde ich mich überhaupt eine so lange Zeit sportlich betätigen können?

Erste Erkenntnis: gleich wie oft ein Athlet an der Startlinie stand, beim ersten Ironmanrennen wird er neu geboren. Mit den Jahren hatte ich es mir angewöhnt eine Stunde vor Abfahrt zum Wettkampf erst meine Sachen zu packen - freilich, ab und an vergisst man dann auch das ein oder andere, aber eigentlich passt es immer auch wieder irgendwie. Dazu war die Zeit der Ankunft vor dem Start auch immer enger bemessen. In diesem Fall überlegte ich jedoch bereits Tage zuvor, was alles mit muss. Wieder und wieder wurden Sachen umgeschichtet, dazugenommen oder auch wieder verworfen. Auch die Vorbereitungszeit am Ort wurde lang. Mehrere Tage benötigte ich am Ende, um meine Startunterlagen zu bekommen, alle noch so unwichtigen Hinweise zu lesen - und dann doch nicht zu beachten - und letztlich die vielen kleinen Dinge in die viel zu kleinen Wechselbeutel zu verteilen.

Zweite Erkenntnis: jeder nach seiner Façon. Ich hatte alles vorbereitet, was es für den Rad- und Wechselbeutel-Check-In vorzubereiten gilt. Dachte ich zumindest, als ich das Hotel in Richtung "Ironman-City" verließ. Dort wuchs die Unsicherheit. Hatte ich gar alles vergessen. Zwei dünne Beutel hingen nun dort an den mir zugewiesenen Haken, schmächtig und gar traurig zwischen ihren dick aufgeblasenen Nachbarn, in denen mindestens meine halbe Reisewäsche für zwei Wochen Platz gefunden hätte. Doch versuchte ich mich zu beruhigen und konnte meinen mittlerweile panisch ansteigenden Blutdruck noch einmal senken, als ich mich bei einer letzten Kontrolle versicherte, all das eingepackt zu haben, was ich auch sonst benötige; dazu natürlich noch den Helm, da dieser nicht am Rad platziert sein durfte.

Doch war diese mühsam abgerungene Beruhigung gleich wieder passé, als ich mein Radel in den Wechselgarten schob. Zwischen tausenden von hochpreisigen Bolliden stand es dar. Mittlerweile auch schon einige Euro wert, doch längst nicht in die Bereiche vorgestoßen, die mir dort zu Gesicht kamen. Doch lernt man auf Kurzdistanzen schnell, dass für jedes Kilo, dass sich ein Athlet zu viel angegessen hat, rund 500Euro in die Ausrüstung investiert werden und ein schnelles Rad allzu oft darunter leiden muss, nie schnell gefahren zu werden. Warum sollte diese Erkenntnis nicht auch auf Langdistanzen zutreffen? Was mich jedoch vollends aus der Bahn warf, waren die Verpflegungspakete, die diesen Leichtgewichten unter den Rädern zugemutet werden. Mühsam werden mit der Kette und den Schrauben der Sattelklemmung wichtige Gramm am Gewicht gespart, um letztendlich mit mehreren Litern Flüssigkeit und der durchschnittlichen Wochenration einer fünfköpfigen Familie wieder mehr als ausgeglichen zu werden. Auf ängstliche Nachfrage wurde mir jedoch versichert, dass ich nichts verpasst hatte, und die vorgesehenen Verpflegungsstellen auf der Strecke auch tatsächlich am nächsten Tag aufgebaut werden würden. Na ja, vielleicht fürchtet der ein oder andere ja, auf den immerhin gut 20km von der einen Lab-Station - so heißt die Verpflegungsstation, wenn man erst einmal im professionellen Wettkampfgestehen angekommen ist - zur nächsten zu verhungern…

Also ging ich mit meinen mageren Wechselbeuteln, meiner kleinen Radflasche und den drei Gels für den allerschlimmsten Notfall scheinbar einen einsamen, eigenen Weg. Diesen ging ich auch mit meiner Angewohnheit, anderen Athleten gegenüber eine gewisse zutrauliche Freundlichkeit an den Tag zu legen. Auch dies wird einem in der professionellen Ironman-Familie schnell abgewöhnt. Ein einziges Mal war ich morgens laufen und schaute mir bei dieser Gelegenheit gleich den Schwimmausstieg an. Nun ist man kurz vor dem Wettkampf jedoch alles, aber nicht allein. So liefen, rannten und humpelten mehrere Athleten auf diesem Wege auf und ab und waren dank eindeutig zu identifizierenden Ironman-Logos auf sämtlichen Teilen ihrer Kleidung auch gut als Teilnehmer eben dieser Veranstaltung zu identifizieren, an der auch ich mich messen wollte. So sollte ein freundliches "Guten Morgen" beim Näherkommen eigentlich nicht fehl am Platze sein. Doch weit gefehlt. Was bei einem Wald-und-Wiesen-Triathlon in Brandenburg üblich ist, ist auf der Bühne des "richtigen Triathlons" ein wahrer Affront. Statt eines Grußes wurden mir abwertende Blicke zuteil. Hier ist man nicht durch den Sport verbunden, nein, auf diesem eisernen Sport gibt es keine Konkurrenten, hier gibt es nur noch Feinde und diese gilt es schon im vorhinein durch psychische Spielchen zu verunsichern, wenn nicht gar vernichtend zu verdammen.

All dies scheint zum Glück am Sonntagmorgen um 7Uhr vergessen. Das türkisfarbene Wasser des wunderschönen Wörthersees liegt in einer friedlichen Ruhe und begrüßt majestätisch das noch kaum geöffnete Auge des Athleten. Schweigend pelle ich mich in die Gummihaut und begebe mich zur Startlinie. Erstaunlich friedlich erfolgt dann der Start. Hier wird ein anderes Tempo vorgelegt, als in der sonst so beschaulichen Regionalliga Ost. Dies mag auch daran liegen, dass ich an diesem Tag wohl eher 4200m denn die vorgesehenen 3800m schwimme und jeden Umweg eingehe, nur um dem Schlägen meiner neu gewonnenen "Feinde" zu entgehen. Auf der Ideallinie freilich soll es anders zugegangen sein, höre ich später. Hier außen bedrängt mich einzig ein Paddler, der mir immer wieder signalisiert, ich solle weiter in die Mitte schwimmen. Er hat scheinbar keine Angst davor, dass ich geschlagen, getreten und zum Tauchen gezwungen werde, aber davor, dass ich statt die Wendeboje zu nehmen einfach in die unendliche Weite des Sees hinausschwimme. Auf dem Rückweg bin ich auf meiner selbst gewählten Linie dann tatsächlich ganz verloren. Meine Linie ist ein wenig zu einsam, denn zu meinem konfrontations-unwilligen Kurs kommen eine beschlagene Schwimmbrille und das Gegenlicht der noch tief stehenden Sonne hinzu. So schwimme ich beinahe an dem Eingang in den Kanal vorbei, der für die letzten 800m zur Wettkampfarena wird. Menschen schreien und versuchen einen voranzutreiben. Ich finde es aber viel angenehmer, mein Publikum zu beobachten und verzichte auf zu viel Stress. Es wird ja noch ein langer Tag werden. Am Ende ist die Schwimmzeit dann auch eher mäßig, aber was macht das schon im Vergleich mit dem, was mir nun bevorstehen wird.

Im Wechselzelt fühle ich mich anschließend wie bei Madame Tussaud. Das Bild, welches sich mir beim Eintritt bietet, scheint sich wenn überhaupt, dann nur marginal von dem zu unterscheiden, welches ich beim Verlassen noch erhasche. Hier ist schon einmal des Rätsels Lösung zu den ersten Wechselbeuteln gegeben. Der Inhalt des meinigen Beutels beschränkt sich auf Helm, Brille, Startnummernband. Die Mehrzahl scheint hier jedoch der Fraktion der Zwischen-den-Zähen-Abtrockner anzugehören und möchte auch modisch auf den folgenden Radkilometern ganz vorne dabei sein. Auch bei dem anschließenden Versuch, das Rad erst zu schieben und dann aufzusteigen bin ich erstaunt. All die Professionalität endet, wenn es gilt, ein sich bewegendes Rad zu erklimmen. Lieber anhalten, schrägstellen, Bein hinten rüber, dann wieder geradestellen, dann den ersten Fuß in die Pedale, dann den zweiten… ein wenig Wechseltraining könnte da so manche Minute sparen - würde das Publikum aber sicherlich um den einen oder anderen schönen Moment der Freude bringen.

Das Radfahren an sich ist vor allem durch Überholen geprägt. Hatte ich mir doch sagen lassen, dass das Rennen erst auf Laufkilometer 25 beginnt. So galt die Taktik der Zurückhaltung. An sich eine gute Idee, die jedoch in ihrer Umsetzung recht schmerzhaft ist, wenn man den einen um den anderen Athleten an sich vorbeiziehen sieht und nur sehr, wirklich sehr wenige selber überholt. Doch geht es schließlich nur um das Ankommen, nicht um die Zeit oder gar vernichtende Siege über die zahlreichen kleinen Feinde, die man sich mühsam in den vergangenen Tagen erschaffen hat. Der wohl bekannte innere Schweinehund wohnt heute nicht in meine Beinen, sondern hat es sich im Rücken bequem gemacht und es mir somit unbequem. Nach der ersten von zwei Radrunden fahre ich immer wieder freihändig. Hätte wohl doch einmal mehr als 100km mit dem Wettkampfrad fahren sollen. Merke: 40km drücken und 180km rollen sind eine grundsätzlich verschiedenen Belastung für das Gesamtsystem Körper. Über Zeiten und Geschwindigkeiten bin ich kaum informiert. Wie gewohnt bin ich ohne Uhr unterwegs und habe mal wieder vergessen, den Schnitt am Tacho auf Null zu stellen. Bei dem Versuch, dies auf dem Rad nachzuholen, ändere ich die Spracheinstellung meines Menüs, aber nicht den Schnitt, und fahre fortan spanisch weiter. Einzige Gewissheit, die mir der Tacho geben kann: die 180km waren ziemlich genau gemessen.

So ging es guter Dinge hinein in die zweite Wechselzone. Ja genau, nur noch 25km, dann würde der Ironman beginnen. All die Bilder, die ich zur Abschreckung meiner Freunde immer und immer wieder gesehen hatte, verbinden sich genau mit dem mich nun endlich erwartenden Leid. So zum Beispiel der harte Kampf um die Platzierungen der Frauen zwischen Sian Welch und Wendy Ingraham 1997 auf Hawaii (genannt: the crawl). Damals ging es auf allen Vieren über die Ziellinie. Es ist rational nicht zu erfassen, aber eben dieses Leiden macht die Begeisterung an der Strecke aus. Damit die muskulären Schmerzen nicht auch von Blasen begleitet werden, kam es für mich zu einem Comeback: nach dem Volkstriathlon 1999 an der Krummen Lanke, meinem ersten Triathlon, zog ich mir zum Laufen Socken an. Zuvor gab es noch ein wenig Vaseline und ich kam mir im Wechselzelt ein wenig vor, als sei ich gar nicht im Wettkampf, sondern bei der geruhsamen Vorbereitung zu einem solchen. Der Marathon konnte kommen.

Auch hier sollte es nach wohlgemeinten Hinweisen gelten, Ruhe zu bewahren. So lief ich in einem Tempo, welches ich auch bis zum Ende nicht mehr verlassen sollte, den Marathon an. Schrieb ich gerade Tempo? Korrektur: ich trabte von dannen. Zwei Runden mit je zwei Wendepunkten lagen vor mir. Auf dem Lauf dann endlich auch einmal der Blick in die Gesichter mir Bekannter, sowohl am Streckenrand, wie auch auf der Strecke. Immer wieder der Versuch, ruhig zu bleiben, gleich ob es gerade besser oder schlechter ging. Bloß nichts überstürzen und am Ende völlig entkräftet mit dem eigenen Ich kämpfen. Abwechslung auf den nur langsam vergehenden Laufkilometern gab es vom Wetter. Nach ersten Schauern auf der Radstrecke verstand ich nun, warum die Gallier um Asterix in ständiger Angst ihr Dasein fristeten, ihnen falle der Himmel auf den Kopf. Selten habe ich mit so viel Bewunderung das Naturschauspiel von Blitz und Donner vor schwarzem Himmel beobachtet, wie auf dem Weg zwischen Krumpendorf und Klagenfurt. Die Straße stand bis über die Knöchel im Wasser und die Frage an der Verpflegung - Verzeihung: der Lab-Station - ob ich einen Schwamm benötigte, kam auch eher verzweifelt denn ernst gemeint bei mir an. Dafür war das Angebot hinter diesen Schwämmen wahrlich reichlich. Auch hier hatten einige Athleten wohl mit einem Unterangebot gerechnet und liefen nun mit Startnummernbändern, garniert mit Nuckelfläschchen mit Wunderdrinks und allem, was die Sportlernahrungs-Industrie so hochpreisig auf den Markt schmeißt. Nun konnte ich beim Laufen mich noch nie ernähren, was bei den bislang absolvierte Stadtmarathons auch immer wieder zu Problemen mit Unterzuckerung ab Kilometer 30 führte. Doch was mir hier alles angeboten wurde, überforderte meine Entscheidungskraft. Ich entschied mich für die mir bekannte Cola. Ein wahres Wundermittel für die Laufstrecke, dass ich fortan wohl öfter zu mir nehmen werde. Vier Gels auf dem Rad und viel Cola beim Laufen waren an diesem Tag genau das Richtige für einen beschwerdefreien Magen und einen ausgeglichenen Zuckerhaushalt.

Mittlerweile wich der Regen wieder der Sonne sowie einer gewissen Schwüle und es ging gen zweite Laufrunde. Es kamen Kilometer 25 und das Warten auf die Krämpfe. Auch bei Kilometer 30 blieb ich von diesen verschont und bin dafür sehr, sehr dankbar. An eine Geschwindigkeitszunahme war jedoch nicht mehr zu denken. Zu lange war ich nun in diesem unteren Bereichen der Belastung unterwegs, als mich aus dem mich mittlerweile ereilt habenden Trott herauszukommen. Es ist, wie mit einer Handbremse beim Auto, hast Du diese erst einmal zu lange angezogen und ist es warm genug, so wirst Du sie kaum lösen können. Mit dem Lauftempo verhält es sich am Ende des Ironman wie es scheint ebenso. Es ging weiter zum Ziel. Die Hoffnung, auf Gehpausen zu verzichten, wurde erfüllt und es war nur noch eine Frage der Zeit, die mir ohne Uhr noch immer nicht bekannt war, dieses auch zu erreichen. Bei Kilometer 32 der Blick auf die große Uhr neben der Strecke und ich wurde mir bewusst, noch genügend Zeit zu haben, gar im einstelligen Stundenbereich zu bleiben. Eine gewisse Überraschung machte sich bei mir breit, denn nach dem kontrolliert-verhaltenden Radeln und Laufen hatte ich schon gar nicht mehr daran glauben wollen, dass dies überhaupt möglich sei.

Die Realisierung dessen, was ich an diesem Tag, in dem Moment des Zieleinlaufes vollbracht hatte, kam erst sehr viel später. Leider, denn kaum im Ziel wurde mir die Medaille übergehängt und ich sofort in der Begleitung einer herzigen Betreuerin zum "Ironman-Dome" geleitet. Erst auf der Massagebank wurde mir klar, dass ich nicht mehr lief und erst die sofort ausgehändigte Urkunde bestätigte mir, dass ich tatsächlich bis zum Ziel gelaufen war. Nach der vielen Cola und den süßen Gels auf dem Rad war die Freude über warme Suppe und Käsebrötchen groß. Noch ein kühles Getränk und dann ging es per Rad zurück zum Hotel.

Nach dem Wettkampf ist bekanntlich vor dem Wettkampf - in diesem speziellen Fall zumindest in bezug auf die Fragen der Freunde, die noch immer nicht begreifen, warum ich mir dies alles antat. Ehrlich gesagt, weiß auch ich es weniger als zuvor. Es war eine schöne Erfahrung, aber letztlich bei weitem nicht so emotional, wie gedacht.

Sechs Tage später stehe ich in Storkow am Start der Kurzdistanz und werde mich in den folgenden gut zwei Stunden mehr quälen müssen, als eine Woche zuvor. Hier gibt es kein Zurückhalten, Abwarten und Traben. Jeder Schritt tut richtig weh und die Erlösung, die sich mit der Ziellinie einstellt, ist ungleich größer.

Meinen Freunden muss ich antworten, dass der Ironman tatsächlich eine verrückte Idee war. Es ist eine Gradwanderung an der Grenze der Gesundheit. Für die lange Distanz habe ich viel zu wenig trainiert und zolle all jenen Bewunderung, die dieses Mehr an Training in ihr alltägliches Leben einzubauen fähig sind. Für all jene, die dies wie ich nicht schaffen, kann ich nur hoffen, dass sie so viel Glück haben, wie ich es hatte, und ohne gesundheitliche Folgen diese körperliche Belastung überstehen.


© TriGe Sisu Berlin; 1.9.2008