Marathonschwimmen Bärwalder See 8.7.2017

von Denise Kottwitz

Für mich geht es diesmal zu einem reinen Schwimmwettkampf an den Bärwalder See. Der See ist ein gefülltes Tagebaurestloch und mit 13 Quadratkilometern der größte See Sachsens. Zum neunten Mal wird hier das Marathonschwimmen durchgeführt. Angeboten werden 1,5 km schwimmen im Dreieckskurs am Strand vom Boxberg, ein 4 km Schwimmen einmal quer von Klitten nach Boxberg und die Langstrecke von 7,5 km – von Uhyst nach Klitten und dann weiter auf der 4 km Strecke.

Ich starte auf den 4 Kilometern, und realisiere dass ich noch nie eine so lange Strecke am Stück geschwommen bin. Das Wasser hat 20 Grad, der Himmel ist bedeckt und wie die meisten anderen Schwimmer entscheide ich mich einen Neo zu tragen. Beim Abholen der Startunterlagen sind die Langstreckenschwimmer schon unterwegs, was an einer großen Anhäufung von Boten am Horizont zu erkennen ist. Zur Begleitung der Schwimmer werden nämlich sämtliche Wassersportler des Sees rekrutiert, ob Jetski, Segelschiff oder Motorboot.

Auf dem Bootssteg gibt es noch mal eine kurze Einweisung, dann gibt es einen Wasserstart und los geht's. Die Strecke ist deutlich durch große Bojen markiert. Am Beginn finde ich zum Glück eine kleine Gruppe, denn etwas gruslig ist es schon. Der See ist ziemlich dunkel, also Sicht nach unten gleich null. Der Wind ist doch spürbar, und vor allem die daraus resultierenden Wellen. Anfangs befürchte ich fast seekrank zu werden, doch dann schaffe ich mich mit den Wogen anzufreunden.

Ich folge einem Schwimmer dessen Anzug neonfarbenene Arme hat, die deutlich den Weg weisen. Dennoch immer wieder ein Blick auf die Bojen und Konzentration auf die Atmung um ein Wasserschlucken zu vermeiden. So verliere ich diesen Schwimmer, was aber nicht stört, da ich gefühlt die Parallele zu den Bojen gut halten kann. Ich schwimme so ziemlich allein, erkenne andere Sportler nur mit etwas Abstand nach vorn oder zur Seite. Dann wird es etwas langweilig. Ich hätte doch eine Uhr ummachen sollen, denn ich habe keine Ahnung wie lang ich unterwegs bin. Und es passiert nichts: keine Boje zu Umrunden, kein Landgang, kein Kontakt zu anderen Schwimmern. Ich freue mich wahnsinnig, dass die folgende Boje gelb ist, statt bisher rot. Vom Gefühl her könnte es die Mitte sein.

So motiviert überhole ich kurz darauf zwei Schwimmer. Und langsam, langsam erkenne ich mehr bunte Bojen und den roten Zielbogen am anderen Ufer. Das Ziel naht – langsam, aber es naht. Nun kommt der Wind und somit die Wellen von vorn: patsch eine Fuhre Wasser ins Gesicht. Patsch, Wasser schlucken! Also beim Orientierungsblick nach vorn nicht mehr atmen. Es gelingt mir irgendwie – jedenfalls kann ich vermeiden noch mehr Wasser zu schlucken.

Plötzlich sind mehr Schwimmer um mich herum – weiße Badekappen von der 1,5 Kilometer Strecke. Wir tragen nämlich grüne Kappen. Ich höre den Moderator, verstehen kann ich ihn nicht. Es wird hell unter meinen Beinen, aber ich scheitere am Aufstehen. Also noch ein paar Züge, dann endlich Boden unter den Füßen. Zielsprint unter den Torbogen. Vor mir zwei Frauen mit gelblichen Badekappen, oder auch grün?

Ich bin froh im Ziel zu sein, schlage bei Brause und Kuchen zu. Um mich noch ein paar mehr Mädels, so bin ich sicher kein Treppchenplatz erreicht zu haben. Der Sportler mit dem Neo-Neo kommt kurz nach mir an. Er meint wir haben 1:13 h gebraucht. Das überrascht mich etwas - ich hätte gedacht dass ich bei den Wellen mehr Zeit gebraucht hätte. Wir reden über die Monotonie der Strecke. Er meint, er packt immer seine Laufuhr unter die Badekappe, dann gibt es alle 1000 Meter einen Piepton und man weiß, wie weit man ist. Ich hätte nur Angst um den Verlust meiner Uhr!

Ich ziehe mich um (der Gepäcktransport vom Start steht schon da) und schaue mir noch die weiteren Schwimmer an. Ein buntes Gemisch von allen Strecken kommt an. Am Ufer kann man die Triathleten unter den Sportlern ausmachen: im Laufschritt ins Ziel, während die anderen eher etwas über den Strand stolpern. Gespannt gehe ich zur Siegerehrung, will sehen wer so alles vor mir war. Als bei der 4 Kilometerkategorie Platz 3 mit 1:30 h aufgerufen wird, staune ich: "Ich war ja viel schneller". Platz 2 wird aufgerufen, und ehe ich eins und eins zusammengezählt habe, höre ich auch schon meinen Namen als Gewinnerin! Na, da ist die Freude groß und ich erhalte einen Steinmännchen-Pokal. Die anderen Damen im Zielbereich waren wohl auf der kurzen Strecke unterwegs, oder mit Flossen. Diese Kategorie wird extra gewertet.

Zurück zum Ausgangspunkt geht es mit Booten. Ich lande in einem DLRG Boot, dass zwar als letztes in See sticht, aber richtig Gas gibt und die anderen überholt. Die Fahrt ist ein Riesenspaß und setzt diesem tollen Wettkampf noch eine Krone auf. Für mich ist diese Veranstaltung schon für das nächste Jahr vorgemerkt.

 


© TriGe Sisu Berlin; 17.7.2017