Deutsche Meisterschaften Jugend/Junioren Grimma 14./15.7.2012

von Dirk Bettge

Diesmal also Grimma an der Mulde in Sachsen – wieder ein neuer Ort im dritten Jahr. Allen Nichtkennern ist Grimma noch am ehesten bekannt durch das "Jahrhundert-Hochwasser" 2002, in dessen Verlauf die Mulde nach heftigen Regenfällen so stark anschwoll, dass das Wasser auf halber Höhe des Obergeschosses stand, Häuser und Brücken weggerissen wurden. Davon hat sich die ausnehmend hübsche Stadt Grimma weitgehend erholt, nur an einigen Stellen sind in beeindruckender Höhe noch alte Wasserschadenskanten zu sehen. In der Mühlengaststätte zeugt eine Fotoausstellung vom zehnten Jahrestag der großen Flut. Am letzten Wochenende jedoch lag die Mulde friedlich da, allerdings ließen die immer wieder niedergehenden Gewitterschauer nichts gutes ahnen. Den ersten Versuch zur Radstreckenbesichtigung brachen wir zwei Straßen von der Pension entfernt ab, um nicht weggespült zu werden. Doch wie durch ein Wunder ging der letzte Schauer kurz vor dem ersten Wettkampf nieder – alle Wettkämpfe fanden letztlich bei Sonnenschein statt!

Der Zeitplan und das Layout der Wettkampfstrecken samt 2 Wechselzonen ist nichts für einfache Gemüter. Studieren war angesagt, um herauszufinden, welche Startwellen man als Zuschauer unter einen Hut bekommen konnte. Wechselzone 2 lag hinter dem Marktplatz in der Innenstadt, dort wurden die Laufschuhe deponiert. Als Sonja sich dorthin auf den Weg gemacht hatte, ging der große Weltuntergangsschauer nieder (s. Bild oben). Wechselzone 1 lag fast ohne Laufweg direkt am Schwimmausstieg. Überhaupt war die Schwimmstrecke dank der direkt darüber befindlichen Hängebrücke sehr zuschauerfreundlich und fotogen.

Die Mädchen Jugend A, zu deren älterem Jahrgang Sonja dieses Jahr gehört, waren als zweite Startwelle am Samstag Nachmittag dran. Von Berliner Seite gingen Sonja und Isabel Krüger vom TuS Neukölln an den Start. Unerwartet waren für alle Wettkämpfe Neos erlaubt. Vielleicht auch ein Sicherheitsaspekt, obwohl die Mulde keine sonderlich starke Strömung aufwies. Der Wasserstart gegen die Strömung ging problemlos vonstatten, Sonja konnte sich diesmal an der Seite aus den Prügeleien raushalten. Nach einem guten Beginn im Mittelfeld musste sie die schnelleren Schwimmstaffeln ziehen lassen und ging mit 2 Minuten Rückstand auf die Radstrecke, hinter den größeren Gruppen.

Der Radkurs in Grimma ist durchaus interessant und selektiv. Nach dem Aufstieg sollte man die Füße schnell in den Schuhen haben, denn als erstes kommt gleich der Anstieg zum Prophetenberg, eine kurze 10-prozentige Steigung, die natürlich alle im Wiegetritt hochfahren, was die Lunge hergibt. Nach ein paar Kurven geht's dann auf der Hauptstraße mit 50 bis 60 Sachen runter und durch eine Linkskurve Richtung Innenstadt. Dann folgen ein paar enge Kopfsteinpassagen, am Marktplatz vorbei und durch eine lange Nebenstraße wieder zurück zum Berg, das ganze viereinhalb mal zu fahren, also fünfmal den Berg rauf. Sonja hatte nur eine Mitstreiterin, die gleichwertig mitfuhr. Die beiden sammelten etliche Triathletinnen auf und hängten sie wieder ab, arbeiteten sich so langsam aber kraftzehrend nach vorne. Der Abstand zu den größeren Gruppen wurde trotzdem größer, da kann man nicht viel machen. Teamkollegin Isa hing nach dem Schwimmen eine Minute weiter vorne knapp hinter der zweiten Radgruppe und konnte die Lücke zufahren – eine gute Ausgangsposition, wenn auch Top Ten bereits außer Reichweite schien.

Der Radabstieg lag hinterm Rathaus. Dort wurden die Räder in Gestelle gehängt (und dort gleich von Helfern eingesammelt) und dahinter der restliche Wechsel erledigt. 4 flache Laufrunden durch die Innenstadt waren nun noch zu rennen, insgesamt 5 halbwegs ehrlich vermessene Kilometer. Sonja hatte auf dem Rad offenbar alles gegeben und sah schon nach einer Runde ziemlich angestrengt aus. Wunder gab es daher keine mehr, mit einer noch ordentlichen Laufzeit konnte sie ihre Platzierung halten und den Jubel im Ziel entgegennehmen – Platz 29 von 43. Kollegin Isa hatte diesmal einen perfekten Wettkampf und lief mit einer tollen Zeit bis auf Rang 15 vor – es sei ihr vergönnt, war sie doch letztes Jahr in Braunschweig auf dem Rad von der Strecke geweht worden.

Wieder haben wir festgestellt, dass eine deutsche Meisterschaft eine ganz andere Nummer ist als lokale Wettkämpfe, als Regionalliga- und selbst als 2. BuLi-Rennen. Die Leistungsdichte ist enorm hoch und steigt mit zunehmendem Alter der Teilnehmerinnen weiter an. In die Spitze kommt man hier eigentlich nur im Sportinternat. Der Triathlon ist im Jugendbereich offenbar als Sportart bekannt, für die sich der Einsatz lohnt, mit Fernsehberichten und Olympiapräsenz. Alles allerdings mit den von uns Erwachsenen so misstrauisch beäugten Windschattenwettkämpfen. Nächstes Jahr ist Sonja dann bei den Juniorinnen, wo erfahrungsgemäß das Starterfeld drastisch kleiner ist. Viele hören vermutlich nach dem Abitur auf oder gehen auf die längeren, windschattenfreien Strecken. Wir werden sehen.

Bleibt noch zu sagen, dass die Veranstaltung in Grimma sehr professionell organisiert war. Sahen der Lageplan und erst recht der Zeitplan sehr kompliziert aus, hat doch alles reibungslos geklappt, zumal das Wetter letztlich mitgespielt hat. An beiden Wechselzonen waren professionelle, sachkundige, nicht nervende Sprecher im Einsatz. Die Sachen aus Wechselzone 1 wurden von Helfern in die Innenstadt gebracht. Die Räder und Helme in Wechselzone 2 wurden sofort eingesammelt und in einer eigenen Ausgabezone gesichert, wo sie später ausgelöst werden konnten. Insgesamt waren angeblich 300 Helfer im Einsatz, was stimmen könnte. Abgesehen von den kilometerlangen Fußwegen war es auch für die Zuschauer eine sehenswerte Geschichte. Einzig die Radstrecke ist nicht ohne. Einerseits interessant zu fahren (habe ein paar Runden gedreht), aber bei Regen stellenweise gefährlich.

weibliche Jugend A, 43 im Ziel
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 Pl  Name              Land            gesamt      swim      T1       bike      run
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  1 Wilm, Sarah    Baden-Württemberg   1:06:03.58  11:17( 6) 0:50(19) 36:56( 6) 17:00( 2)
 15 Krüger Isabel  Berlin              1:10:17.53  11:57(23) 0:49(17) 38:41(15) 18:50(11)
 29 Bettge Sonja   Berlin              1:14:32.65  13:18(37) 0:45( 8) 39:50(27) 20:39(31)
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Fotos von allen Wettkämpfen: Picasa-Alben

Weitere Berliner Ergebnisse: Bericht von Joachim Hergesell auf der BTU-Seite


© TriGe Sisu Berlin; 17.7.2012