Bericht Dolomiten-Radmarathon 1.7.2012

von Jan Heiland

Immer am ersten Sonntag des Juli bietet der Dolomiten Marathon die Möglichkeit, die Bergwelt der Dolomiten mit dem Rennrad und mit 10.000 gleichgesinnten auf gesperrten Passstraßen zu erobern. Das Panorama ist imposant, aber ebenso beeindruckend ist die Karavane von Rennradlern, die sich die Berge hochquält. Insgesamt sind 4090 Höhenmeter verteilt auf 5 Pässe und 138 km zu absolvieren.

Los ging es eigentlich um 6:30 Uhr. Mit meiner Startgruppe am letzten Ende des Feldes überquerte ich die Startlinie allerdings erst kurz vor 7, als die TV-Übertragung schon die ersten Halbprofis auf dem ersten Gipfel zeigte. Das prophezeite Gedränge auf der Straße ließ mir zunächst auch keine wirklich freie Fahrt. Das sollte sich erst nach dem zweiten Anstieg bessern. Zwar zieht sich das Feld bei den Abfahrten etwas auseinander, aber die hohen Geschwindigkeiten, die engen Kurven und der Nebenmann erfordern höchste Konzentration.

Nach 70 km und 2000 Metern Anstieg war ich noch bester Dinge. Man hatte mir zwar geraten, sich auf dem Flachstück zu schonen, aber die Ungeduld war dann doch größer als die Vernunft, so dass ich die flachen 20 km in zügiger Fahrt in einer gut harmonierenden Gruppe wechselnd in Führung und im Windschatten absolvierte.

Die Quittung kam dann im folgenden Anstieg. Die 10 km bei durchschnittlich 9,3 Prozent Steigung auf den Passo Giau überstiegen meine Kräfte, zumal meine Übersetzung am Rad nicht alpentauglich ist. So musste ich auf dem Weg zum Gipfel die eine oder andere Verschnaufpause einlegen. Das brachte die nette Erfahrung mit sich, von den Vorbeifahrenden zum Weiterfahren angefeuert zu werden. Überhaupt war die Stimmung im Feld sehr freundschaftlich und ich habe einige nette temporäre Bekanntschaften, vor allem mit Holländern, geschlossen.

Immerhin schaffte ich es auf den Gipfel ohne den Krankenwagen zu bemühen. Dieser war immer wieder im Einsatz, einerseits wohl wegen Kreislaufschäden ob der Anstrengung und der 30 Grad bis auf 2000 m, andererseits wegen zahlreicher Stürze auf den Abfahrten. Auch ich machte einmal Bekanntschaft mit dem Asphalt, als ich unverhofft in der Kurve die Haftung verlor. Bis auf ein paar Schürfwunden ging das aber glimpflich aus und ich konnte weiterfahren.

Nach 110 km stand der letzte Pass mit 700 Höhenmeter an. Diese waren aber schön auf 12 km verteilt, sodass ich die einigermaßen locker hochfahren konnte und wieder ein paar Plätze gutmachte. Dann noch eine Abfahrt und - verdammt, was soll das - nochmal ein paar Kilometer und 200 m Anstieg bis ins Ziel. Geschafft. Völlig ausgepumpt aber glücklich. Knapp 7 Stunden - der Sieger benötigte 4:30 - reichten für einen Platz im vorderen Drittel.

Insgesamt ist der Maratona d'les Dolomites ein tolles Rennen auf einer wunderbaren Strecke und ein Riesen-Event. Die große Teilnehmerzahl lässt sich nicht ausblenden - fällt aber durch gute Organisation nicht allzu negativ ins Gewicht. Von der Anmeldung, über Reperaturservices an der Strecke, bis zur Transponderabgabe ist alles bestens geregelt. Die Startnummern zum Beispiel enthalten Verpflegungsgutscheine, die dann im Ziel eingelöst werden können, falls man sich nicht auf den zahlreichen Verpflegungsstationen unterwegs schon schadlos gehalten hat.

Der Start kostet 80 Euro, sofern man in der Startnummernlotterie Glück hat. Aber auch die 200 Euro für ein Charity Startplatz lohnen sich, angesichts des tollen Erlebnisses und zumal man noch Trikot, Weste und weitere nützliche Dinge bekommt. Also, ich mache da im nächsten Juli wieder mit.


© TriGe Sisu Berlin; 7.7.2012