Dresden City Triathlon 26.7.2014

von Denise Kottwitz

Bei der diesjährigen Wettkampfplanung bin ich auf den Dresden City Triathlon gestoßen, der in diesem Jahr in seine Premiere ging. Allein das Schwimmen in der Elbe lockte mich so sehr, dass ich mich auf das Abenteuer Erstausstrahlung trotz für einen City Triathlon typischer gigantischer Startgebühr (69-89 Euro, je nach Anmeldedatum) einließ. In den Tagen vor dem Wettbewerb kam ich jedoch ins Grübeln, ob diese Entscheidung richtig war. Abholen der Startunterlagen weit entfernt von der Wechselzone, keine Info über Parkmöglichkeiten, Duschen werden bei der Erstaustragung nicht angeboten und dann die Info in den Startunterlagen, dass man doch zum Schwimmstart alte Schuhe und Wechselsachen mitzubringen hat - da diese nicht zur Wechselzone zurück transportiert werden! Lediglich die Wettervorhersage: 22 Grad und Sonne versprachen einen perfekten Triathlontag.

So ging es am Sonntagmorgen nach Dresden. Die Startunterlagen waren in einem Hotel in der Prager Straße abzuholen - "dieses Ziel befindet sich an einer nichtbefahrbaren Straße", mit etwas Ortskenntnis konnte ich dann doch vor besagtem Hotel stehen und die umfangreichen Unterlagen abholen: Transponder, Startnummer, Radaufkleber und Badekappe. Dann fahre ich weiter zur Elbe und parke in der Altstadt, da ich nach dem Wettkampf sowieso noch etwas Sightseeing machen will. Direkt an der Wechselzone hätte es auch einen Parkplatz gegeben.

Von der Straße geht es auf grobem Kopfsteinpflaster bergab an das Elbufer, wo die Wechselzone - mit Blick auf die Frauenkirche - aufgebaut wurde. Schon beim Einchecken höre ich die Ansage, dass diese Rampe mit dem Rad laufend zur Radstrecke bewältigt werden soll - am besten wäre es wohl, das Fahrrad zu tragen. Das kann ja heiter werden: Fahrrad tragen habe ich nämlich gar nicht trainiert.

Ich finde ein nettes Plätzchen für mein Rad, richte die Wechselzone ein, ziehe ein paar alte Sportschuhe an und nehme meine Tüte mit Neo und Schwimmbrille. Es sind noch 90 Minuten bis zum Start. Schwimmstart ist aber 3,5 km flussaufwärts, es wird ein Shuttlebus angeboten. Auf diesen warte ich und viele andere Athleten aber fast eine halbe Stunde. Ärgerlich. Die meisten haben ihren Neo schon angezogen, und ich bewundere die kreative Auswahl an Schuhwerk: Hotellatschen, Socken oder museumsreife Pantoffeln. Schade, dass ich keinen Fotoapparat dabei habe. Inzwischen wurde aber auch bekannt, dass die Sachen wieder zurücktransportiert werden.

Im Bus ist dann eine großartige Stimmung, die aber mit zunehmender Fahrtdauer immer mehr verstummt: diese Strecke sollen wir nachher schwimmen? Da die Elbe hier einen Bogen macht, ist die Altstadt vom Startpunkt aus nicht zu sehen. Dafür kann man das Blaue Wunder, eine der Dresdner Elbbrücken und Wahrzeichen der Stadt bewundern, und sich am Anblick von Schloss Albrechtsberg mit Weinhängen erfreuen.

Im Übrigen hat die Wetterprognose recht gehabt, jedoch nicht den teilweise sehr heftigen Wind erwähnt. Ich laufe mich noch etwas am Elbeufer ein, dann treffe ich Dirk Lampe, den ich als weiteren Sisu Teilnehmer schon am Vortag auf der Starterliste entdeckt habe. Auch er stöhnt etwas über die Organisation, aber immerhin finde das Schwimmen statt. Dieses war nämlich wegen des geringen Wasserstandes kurz vorher auf der Kippe. Ich finde 83 Zentimeter Wassertiefe als sehr beruhigend.

Zuerst starten die Athleten der Sprintdistanz, dann dürfen wir in das Wasser. Es sind nur noch sechs Minuten bis zum Start, ich ärgere mich etwas dass es so knapp ist. Der größere Ärger kommt aber noch: auf spitzen Steinen balancieren alle ins Wasser. Ich lasse mich schon bei 30 cm Wassertiefe fallen und ziehe mich an den Händen ins tiefere Wasser - das ist weniger schmerzhaft. Dann die Überraschung: was für eine Strömung! Ich kann zwar von der Tiefe her stehen, aber die Strömung haut mich um. Selbst mit Brustschwimmen kann ich mich nicht im Bereich der Startlinie halten. Es helfen nur ein paar kräftige Kraulzüge. Oh nein noch drei Minuten bis zum Start - definitiv das härteste Einschwimmen meines Lebens. Alle Sportler schauen hoffnungsvoll, erwarten den Start, und kämpfen gegen die Strömung an. Dann endlich der erlösende Startschuss. Es sind 3,5 Kilometer zu schwimmen, auf Grund der Strömung soll das etwa einer Schwimmzeit von 1800 Metern Strecke entsprechen.

Man möchte meinen, die Orientierung ist einfach nur flussabwärts, doch weitgefehlt: die Elbe ist recht breit - ist es gut in der Mitte zu schwimmen, oder eher rechts. Oder links, wegen der Linkskurve die der Fluss hier macht? Ich schwimme eine Weile neben einem Kajak der DLRG, dann in der Flussmitte und beobachte eine Dreiergruppe rechts von mir. Ich bin schneller, ein Moment später treffen wir uns wieder. Beim Durchschwimmen der Waldschlößchenbrücke realisiere ich dass ich doch deutlich schneller unterwegs bin als in der Schwimmhalle. Das macht das Orientieren nicht einfacher, der kräftige Wind sorgt außerdem für ein paar Wellen. Dennoch erspähe ich bald die Bojen des Ausstieges. Hier gibt es wieder Steine: große und kleine, glatt und spitz - auf jeden Fall sehr schmerzhaft. Bin ich froh den weichen Sand des Ufers zu erreichen. Die Uhr zeigt 32 Minuten, für 3,5 Kilometer!!! Außerdem gibt es überraschend viele Zuschauer, die laut jubeln.

Bis zur Wechselzone ist es schon fast eine weitere Laufeinheit. Ich schnappe mir mein Rad und trage es ein paar Meter über das Kopfsteinpflaster. Da ich wie gesagt, das Ganze nicht trainiert habe, schiebe ich dann doch das Rad die Rampe hinauf. Hier geht es auf die Radstrecke: sechs Runden á 6,6 Kilometer. Ich habe etwas Sorgen, dass es zu eng wird auf der kurzen Strecke, aber es klappt alles wunderbar - alle fahren sehr fair und vorsichtig. Die ersten drei Kilometer laufen super, bis ich nach der Wende an den Wind erinnert werde. So geht es relativ monoton hin und her, Rückenwind und Gegenwind und so weiter. Im Prinzip immer die Elbe flussauf- und abwärts, parallel zur Schwimmstrecke. Wind und Wenden bringen Abwechslung, und so macht die Strecke trotz der vielen Runden Spaß. In der vierten Runde schwächele ich etwas und werde prompt von drei Frauen überholt. Am Beginn der letzten Runde entdecke ich Dirk hinter mir. Vor ihm die Wechselzone zu erreichen, gibt mir noch mal ordentlich Motivation.

Zum Laufen muss man wieder die Rampe hinablaufen. Ich entschließe mich die Radschuhe anzulassen - meine Füße mussten schon genug leiden. Gelaufen wird nun Richtung Altstadt, fast bis zur Semperoper, wo man von den Terrassen von Touristen angefeuert wird. Die Strecke ist 1,25 km lang, also achtmal zu laufen - oder vier Runden. Macht nur mäßig Spaß. Ich fühle mich in gutem Lauftempo, die Uhr sagt aber etwas anderes. Verunsichern lasse ich mich dadurch nicht, und erreiche dann nach 57 Minuten Laufzeit das Ziel. Bei der Strecke hatte man sich wohl etwas vermessen, GPS Uhrenbesitzer sprechen von zwölf Kilometern. Man kann sich die Diskussionen im Zielbereich vorstellen!

Dirk kommt kurz nach mir ins Ziel, wir genießen ein Erdinger. Die sonstige Zielverpflegung ist leider von Wespen belagert, und auch sehr mäßig. Die Ergebnisse gibt es digital auf Bildschirmen. Ich suche verzweifelt die AK W35, aber die Auswertung findet hier nur in Gruppen von 10 Jahren statt, und so erfreue ich mich an der Verjüngungskur in der W30, und auch noch den dritten AK Platz.

Für mich war es trotz aller organisatorischen Stolpersteine, und vor allem letzterer im Wasser ein schöner Wettkampf - das Erlebnis des Elbeschwimmens lässt alles andere in den Hintergrund rücken. Dennoch würde ich raten, noch ein bis zwei Jahre bis zu einer weiteren Teilnahme zu warten, ob sich dieser Triathlon etabliert und vielleicht an besserer Organisation gewinnt. Für einen anschließenden Altstadtbummel lohnt sich Dresden auf jeden Fall.

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© TriGe Sisu Berlin; 29.7.2014