Ironman Germany, Frankfurt/M 5.7.2009

von Michael Noll

Hitzeschlacht bei schwülen 30 Grad

Nachdem ich mich Ende Juni 2008 für den Ironman in Frankfurt angemeldet hatte, konnte ich nun am 5.7.09 teilnehmen. Im Gegensatz zu meiner Anmeldung im Jahr 2006 kam diesmal auch keine Autotür mehr auf der letzten Radausfahrt dazwischen. Von den Sisus war auch Matthias Rohra am Start, der seine erste Langdistanz in Angriff genommen hat (und seine Eindrücke sicher auch schildern wird).

Freitags vorm Rennen waren wir zum Langener Waldsee gefahren, um die Wettkampfschwimmstrecke zu besichtigen und auch die Schwimmmuskeln noch etwas zu bewegen. Für die halbe Stunde Bewegung haben wir auf den Neo verzichtet und festgestellt, dass die Brühe recht warm war. Ein Neo-Verbot zum Wettkampf wäre nicht überraschend gekommen. Auf der Wettkampfbesprechung wurde jedoch der Neo erlaubt, das Wasser soll unter 25 Grad gehabt haben. Den meisten wird es wohl recht gewesen sein, so auch mir, weil ich doch in relativ größerem Maß von der verbesserten Wasserlage profitiere. Die Wettkampfbesprechung endete mit dem Paukenschlag, dass 35 Namen aus den Altersklassen genannt wurden, die "nach vorne kommen" sollten. Die Genannten wurden dann zur Blutentnahme (Dopingkontrolle) gebeten. Insofern ein Novum, dass auch in den Altersklassen getestet wurde. Für die Aktion gabe es Beifall aus der Halle, wobei die 35 Ausgelosten überrascht an der Bühne standen. Wir Sisus gehörten nicht zu den Ausgewählten, so dass insoweit keine weiteren Eindrücke geschildert werden können.

Samstags war vorm Frühstück noch ein Läufchen zum aufwachen angesagt und das Rad war noch einzuchecken. Der Check läuft mittlerweile auch mit Foto, von wegen Klapprad rein und mit dem Carbon-Geschoss später raus. Wie üblich war der Vortag des Rennens ruhig.

Am Renntag bin ich zeitig um 4:30 Uhr mit dem Shuttle-Bus zum Start gefahren. Zum Glück so früh, ich habe nach dem Rennen gehört, dass ein späterer Bus im Stau stand und die Starter gut 2 km zum Start laufen mussten und es eng wurde, den Start pünktlich zu erreichen. Durch das Hinrennen waren die Betroffenen wohl optimal aufgewärmt, was bei der Wassertemperatur aber gar nicht nötig gewesen wäre...

Der Start erfolgte in 2 Gruppen, um eine Entzerrung auf der Radstrecke zu erreichen. So wie ich es später erlebt habe, ist das auch gelungen. Die Profis sind also mit etwa 300 Altersklassenathleten um 6:45 Uhr gestartet, der Rest um 7. Ich selbst war im großen Pulk um 7 mit etwa noch 2000 Startern dran. Es gab einen Wasserstart, ich habe mich wieder möglichst außen vorn einsortiert und kam auch gut weg. Zu schwimmen waren 2 Runden mit kurzem Landgang. Großes Geprügel habe ich zum Glück nicht erlebt. Vorgenommen hatte ich mit eine Zeit unter 1 Stunde, mit deiner 56-er Schwimmzeit kam ich dann zur Wechselzone.

Die Radstrecke führt vom See 12 km in die Innenstadt von Frankfurt, ab da beginnt die 84 km-Runde, die 2 Mal zu durchfahren ist. Die Strecke ist durchaus schnell, es gibt 4 Steigungen, die längste ist der Heartbreak Hill in Bad Vilbel mit etwa 1,5 km Länge. Nach den Anstiegen geht es länger gezogen abwärts, ansonsten ist die Strecke flach. Bei mir fing nach 50 km das Hinterrad an zu knacken, hat mich etwas nervös gemacht, dass noch 130 km zu fahren waren. Da aber nichts zu machen war und das Rad lief, ging es also ohne Unterbrechung weiter (hat auch letztlich gehalten). Nach der ersten Runde erschien noch eine Zeit unter 4:50 möglich zu sein, aber das Tempo konnte ich nicht die ganze Strecke halten. So 2 bis 3 Mal musste ich im Rollen einen leichten Krampf wegdehen, Hauptsache nicht anhalten. Mit der 4:55-er Zeit lag ich letztlich etwas günstiger als geplant. Erstaunlich auch, wozu die Hitze gut war. Im Kälterennen bei Regen letztes Jahr in Roth musste ich beim radeln noch 4 Pinkelpausen einlegen. Diesmal ging es ohne, hat also sicher auch 5 Minuten gebracht. Also nicht nur 3 Disziplinen und die Wechsel sind entscheidend... In den Dörfern an der Strecke ist tolle Stimmung, natürlich insbesondere an den Anstiegen. Das erleichtert die Sache doch merklich.

Ohne Panne ging es zum Wechsel, um die 4 Laufrunden am Main in Angriff zu nehmen. Die Laufrunden haben den Vorteil, dass sich die Zuschauer an der Strecke nicht wegbewegen müssen, und die Läufer mehrmals sehen können. So wird man als Aktiver immer wieder angefeuert. Ich habe jedenfalls noch keine Laufstrecke im Triathlon erlebt mit dieser Zuschauermenge. Die ersten beiden Runden liefen gut (mit dem üblichen Fehler, dass der erste km zu schnell war), so dass ich auf eine 3:20 gehofft hatte. Aber in den letzten beiden Runden ging es beschwerlicher. Aber nach dem Kälterennen letztes Jahr werde ich nicht über Hitze klagen. Die 2. Hälfte war also 10 Minuten langsamer, dann ging es zum Zieleinlauf am Römerberg. Man läuft durch ein Zuschauerspalier an Tribünen vorbei unter Lärm ins Ziel. Die Zuschauermenge am Ziel hatte ich bisher auch nicht erlebt. Alles im allem also ein Super-Tag, natürlich anstrengend, aber das ist ja nicht überraschend.

Die Siegerehrung war am folgendne Montag. Neben viel Applaus für die Leistungen gabe es Pfiffe für Faris Al Sultan. Dass er und Macca keine Freunde mehr werden, ist ja bekannt. Jedoch gratulieren die Geehrten auf der Bühne normalerweise dem besser Platzieren. Den Handschlag zu verweigern kam dann eben nicht so gut an...

Nächstes Wochenende ist dann Roth. Da werden wir unsere 5 Sisus vor Ort an der Strecke lautstark anschieben. Wer keine Riegel und Gels mehr im Rennen mag, kann mir Bescheid geben. Ich reiche die Bratwürste am Anstieg in Unterrödel gerne an. Gebt Vollgas, wir essen zeitig zu Abend und See you at the finish line!


© TriGe Sisu Berlin; 11.7.2009