Goitzsche Halbmarathon 7.5.2017

von Denise Kottwitz

Für mich ging es letztes Wochenende nach Bitterfeld-Wolfen. Während der Ort nicht unbedingt zu den Sehenswürdigkeiten dieser Welt zählt, ist der dortige Goitzsche See (spricht man "Gottsche" aus, wie ich vor Ort gelernt habe) definitiv eine Reise wert. Auf dem Programm stehen ein Marathon (um die Goitzsche und den angrenzenden Seelhauser See), ein Halbmarathon um die Goitzsche (die Strecke ist länger und daher gibt es einen Shuttlebus zum Start) und ein 10 Kilometer-Lauf am Ufer des Sees als Wendepunktstrecke.

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, verschicken die Veranstalter vor dem Lauf noch einmal folgende Liste:

  1. Startnummer mind. eine Stunde vor Startzeit im Meldebüro abholen
  2. Tombola Los einwerfen
  3. Umkleiden direkt neben dem Meldebüro nutzen
  4. Bei Bedarf Kleiderabgabe im Meldebüro
  5. Startnummer von vorne sichtbar am Shirt anbringen
  6. Toilettengang
  7. Halbmarathon Läufer Shuttlebus bis 10 Uhr nutzen
  8. dem Start entgegenfiebern
  9. beim Lauf sein bestes geben
  10. Finisher Medaille entgegen nehmen
  11. auf Siegerehrung warten
  12. Urkunde entgegennehmen oder im Internet ausdrucken
  13. Tombola
  14. Bewertung abgeben

Damit kann nichts mehr schiefgehen! Ich schaue mir am Sonntagmorgen den Start der anderen Läufe an, und habe dann noch 90 Minuten Zeit, bis es auf meine Strecke geht. Dazu muss ich etwa 3,5 Kilometer entlang des Sees bis zur Startlinie. Ich warte erst kurz auf den Shuttlebus, entscheide mich dann doch, die Strecke zum Warmlaufen zu nehmen – und den See zu genießen.

Der Startbereich ist dann recht unspektakulär: eine Linie auf dem Boden. Ein letztes Mal an den Schnürsenkeln rumgezuppelt und schon geht gemeinsam mit 150 Läufern los. Die Strecke ist leicht wellig, aber tadelloser Asphalt. Das Wetter ist perfekt: um die 16 Grad, fast kein Wind, leicht sonnig. Ich schlage ein ähnliches Tempo wie in Warschau an, will schauen was da rauskommt. Ein großer Kampf um eine neue Bestzeit soll es nicht werden. Ich bin eher neugierig, wie sich der größere Fokus auf das Radtraining in den letzten Wochen und die Vorbelastung einer fast vollen Trainingswoche auswirken.

Am Anfang läuft es gut, bei Kilometer zwei stoße ich mit einem Läufer zusammen. Ich sage zu ihm, dass es doch viel zu früh für Machtkämpfe sei. So komme ich mit Stefan ins Gespräch und nach einer kurzen Abklärung der angepeilten Zielzeit, entscheiden wir unausgesprochen, es gemeinsam zu versuchen. Dies erweist sich als gute Entscheidung, denn die nächsten Kilometer fühlen sich an, als würden wir schon seit Jahren gemeinsam trainieren. Das Tempo ist ideal und Stefan zählt die Läufer, die wir überholen.

Bei etwa der Hälfte der Strecke entdecke ich eine Frau in Begleitung eines Fahrrads vor mir. Auf meine Frage, ob es sich dabei um das Führungsfahrrad der Frauen handeln könnte, antwortet Stefan: "Da waren beim Start so viele große schlanke Frauen mit langen Beinen, die sind bestimmt schon weit vorn." Ein paar Meter weiter schließen wir auf das Führungsrad auf, und ich nehme den Kommentar von eben als Kompliment.

Die Frau, die wir überholen, ruft uns zu, dass wir den Herrn im roten T-Shirt am Horizont noch einkriegen sollen – der will nämlich vor der ersten Frau ankommen und ich soll ihm diese Genugtuung nicht gönnen. So geht unsere Aufholjagd weiter, obwohl es sich nicht wie eine Jagd anfühlt. Zwei Drittel der Strecke sind geschafft, auch wenn ich es schon gut in den Beinen merke, schaffe ich das Tempo zu halten. Stefan prognostiziert eine 1:42 h. Ich erwähne, dass meine Bestzeit bei 1:41:28 liegt und erhalte ein "das schaffen wir". Zudem nähern wir uns dem roten T-Shirt, nach Hinten ist weit und breit niemand zu sehen.

Von der Laufstrecke kann man nur gutes berichten, ein kleiner Abstecher auf einen Feldweg bringt etwas Abwechslung vom Asphalt. Die Natur zeigt sich im tollsten Frühlingskleid, und es gibt immer wieder schöne Blicke auf das Wasser. Erst auf dem letzten Kilometer erfasst uns ein stärkerer Gegenwind, und Stefan erhöht zusätzlich noch das Tempo. Ich kann noch einigermaßen mitgehen, auf der Zielgerade erreichen wir das rote T-Shirt. Stefan und er sprinten um die Wette, da kann ich nicht mehr mithalten. Außerdem muss ich meinen Zieleinlauf als Gewinnerin genießen, einen Laufwettbewerb habe ich bis dato noch nie gewonnen! Nebenbei wurde es dann auch noch Bestzeit.

Als Gewinnerpreis gibt es ein Fässchen Bier, hoffentlich gibt es in diesem Jahr noch Grillwetter! Ich bleibe auch noch bei der anschließenden Tombola, wo aus den Startnummern gezogen wird und Preise an noch Anwesende vergeben werden. Dort gewinne ich leider nicht. Neben vielen kleinen Gewinnen wie Schwimmbrillen, Personenwaagen, Radios oder Taschen lassen sich die Hauptpreise wirklich sehen: ein Fahrrad, ein Fernseher, ein WeberGrill oder Übernachtungsgutscheine auf einem der hiesigen Hausboote im Wert von 500 Euro. So gibt es bei dem Lauf viele Gewinner.

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1. Denise Kottwitz, Sisu Berlin,        1:40:43 
2. Claudia Busse, Frei für Busse        1:43:45 
3. Janet Fieker, Rad Union Halle        1:47:42
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1. Sebastian Huhn, LG eXa Leipzig e.V.  1:20:01 
2. Thomas Erxleben, VS                  1:21:49  
3. Jens Steiner,                        1:21:59
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© TriGe Sisu Berlin; 12.5.2017