SCC Halbmarathon 1.4.2012

von Susi Bettge

Als ich etwa zwei Wochen vor dem Start die Aufforderung zugeschickt bekam, meine Startnummer von Donnerstag bis Samstag in Hangar 6 auf dem ehemaligen Tempelhofer Flughafen abzuholen, wurde mir erst so richtig klar, dass ich mich mal wieder für so ein Massenevent angemeldet habe. Die gerade erst verschmerzte Winterlaufserie erscheint mir da im Rückblick paradiesisch. Selbst den "Hubbel", über den man beim Halbmarathon 9 x rüberlaufen musste, habe ich im Laufe des Januars richtig liebgewonnen.

Am Samstag tobt sich vorfristig das Aprilwetter so richtig aus. Beim Aufstehen am Sonntag zeigt das Thermometer 0,1 °C, aber es ist sonnig und der Wind hat sehr deutlich nachgelassen. Also auf ins Getümmel! Rechtzeitig hat die BVG noch den Betrieb auf der U2 eingestellt, nachdem die S-Bahn auf dem Ostring ohnehin schon nicht fährt. Die Bahnen sind entsprechend gut gefüllt, der Fußweg zum Start auch, Einlaufen geht erst in einigen km Entfernung von der Startlinie, am Klo sind eben mal 20 Minütchen zu verwarten, und dann heißt es Durchdrängeln bis zu meinem Startblock D. Da gibt es einen Stau, weil durch den Mini-Eingang etwa genauso viele Leute rauskommen (was machen die hier?) wie reinwollen.

Als ich mich von hinten bis etwa zur Mitte des Startblocks durchgekämpft habe, soll gerüchteweise der Start für die Blocks A bis C schon erfolgt sein. Zehn Minuten nach der eigentlichen Startzeit, um 10:55 Uhr setze auch ich meinen Fuß auf die rote Startmatte, und meine Uhr läuft. Gerne würde ich auch laufen, aber es ist quälend voll vor mir auf der Strecke. Also durchgeschlängelt, so gut es geht. Etwa bei km 3 habe ich Carola eingeholt, die mir voller Enthusiasmus noch ein bisschen Anschub mit auf die Strecke gibt.

Bei km 5 bin ich genau im Zeitplan für meine erhoffte Zielzeit von 1:50. Das lässt aber schon erste Zweifel aufkommen, ob es mit der angepeilten Bestzeit auch klappt. Erfahrungsgemäß habe ich hinten heraus aus mir völlig schleierhaften Gründen immer nichts mehr zuzusetzen, um noch mal so richtig aufzudrehen (Tipps nehme ich gerne telefonisch, per Mail oder beim Training entgegen). Bis km 13 halte ich den notwendigen 5:12-er Schnitt pro Kilometer, dann werden die Durchgangszeiten langsam, aber stetig immer ein bisschen langsamer. Aber ich halte durch, bei km 16 wartet schließlich Manuela auf mich, die mir mit ihrer Anfeuerung nochmal ein wenig Schwung verleiht. Bei km 18 steht Hartmut, von dem ich lieber nicht mehr gesehen werden möchte, so wie ich mich inzwischen fühle. Aber sein Adlerauge ist wachsam - schon hat er mich!

Im weiteren Verlauf fühlen sich meine Waden so an, wie ich es vom Langstreckenschwimmen kenne: Ich bekomme Krämpfe. So ein Mist! Angesichts der wenigen verbleibenden Kilometer aber auch schon egal. Ich halte durch und bin nach 1:51:20 im Ziel - zwar keine neue Bestzeit, aber ich kann zufrieden sein. Völlig erledigt torkele ich fast dem Sanitäter auf die Füße, aber der hat angesichts der Läufermassen gerade einen Gähnanfall und übersieht mich gnädig. Mir tun alle Teilnehmer leid, die hinter mir versuchen ins Ziel zu kommen, weil gleich nach der ersehnten Matte sich schon wieder alles klumpt und die permanenten Aufrufe zum Weitergehen angesichts der Erschöpfung der Massen nur bedingt fruchten.

Ausgestattet mit Medaille, Schutzfolie, Wasser, Tee, Banane und meinem Kleiderbeutel verlasse ich das Geschehen und gelange mit der Bahn in Presspackung nach Hause. Das nächste Mal vielleicht doch mit dem Fahrrad?

Herzliche Glückwünsche an alle, die durchgehalten haben, vor allem die übrigen 14 Sisus im Ziel! Ganz besonders herzliche Glückwünsche an alle, die eine neue persönliche Bestzeit erzielen konnten und an Alicia, die bei ihrem Halbmarathon-Debüt einen ebenso guten AK-Platz herauslaufen konnte wie Top-Sisu Lukas Gingold!

Die Sieger und die Sisus:

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Platz Name                 AK    Pl Zielzeit
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    1 Ongori, Philes (KEN) W20    1 1:08:25
 1052 Susi Bettge          W45	176 1:51:20
 3305 Kerstin Kloßek       W30	538 2:04:55
 3509 Carola Tali          W40	577 2:06:09
 3800 Alicia Saucedo-C.    WU20  39 2:07:56
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    1 Koech, Denis (KEN)   MU20   1   59:14
  199 Lukas Gingold        M30   39 1:19:17
  254 Jochen Becker                 1:20:57
  269 David Greve          M35   52 1:21:30
  325 Julian Reichl        M20   85 1:22:29
  422 Bode, Stephen        M40   80 1:23:40
  479 Benjamin Bergau      M20  112 1:24:27
  849 Nikhil Bindra        M20  161 1:28:18
 2469 Sven Kopisch         M45  439 1:37:43
 2646 Frank Leindecker     M50  253 1:38:19
 4549 Daniel Meisen        M30  685 1:44:40
 5648 Uli Gohlke           M45 1070 1:48:02
 5803 Kai Ganowsky         M35  813 1:48:30
13843 Alex Pommerening     M40 2309 2:20:39
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© TriGe Sisu Berlin; 1.4.2012