Mannschaftszeitfahren Hamburg-Berlin 14.10.2017

von Christopher Kaan

"Berlin, Berlin, wie fahren nach Berlin!" – so riefen wir früher immer in meiner Basketballmannschaft, wenn wieder die Pokalspiele des DBB anstanden. Aber natürlich fuhren wir nie nach Berlin, dies ist im Basketball wie im Fußball doch den Mannschaften der ersten Ligen vorbehalten. Allerdings kam mir dieser Spruch in den Sinn, als wir am 14.10.2017 die ersten Kilometer des Mannschaftszeitfahrens Hamburg-Berlin in Angriff nahmen.

Aber alles der Reihe nach. Nach einem etwas ruhigeren Jahr hatte ich mir ja in der Mitte der Saison in den Kopf gesetzt, doch mal wieder ein wenig mehr trainieren zu wollen. Und um dies auch wirklich zu tun, bedurfte es eines trainingswürdigen Ziels. Schnell war auch ein Team zusammengetrommelt: Sven Scherner, Daniel Meisen, Michael Vonderbank und ich gingen für Sisu an den Start. Dazu holten wir uns noch Hans Vieten, einen Freund von Sven, den wir schon von längeren Touren her kannten. Ausserdem sollte er die notwendige Grundausdauer mitbringen, schließlich hatte er gerade den Klassiker London-Edinburgh-London gefinished. Und dann wurde spätestens ab September fleißig trainiert, die 280 km fahren sich ja nicht von alleine. Außer bei Daniel, der seine Jahreskilometer mit der Tour verdoppeln sollte (und -SPOILER- dies auch schaffte).

Das "Rennen" an sich ist gut organisiert, aber keine all-inclusive Veranstaltung, was man aber für 25€ Startgeld auch nicht erwarten kann. Die Tour ist eine für selbstständige Fahrer, d.h. neben der eigenen Verpflegung beim Supermarkt o.ä. muss man sich auch den besten Weg selbst suchen. Inbegriffen ist aber erstmal ein umfangreiches Frühstückbuffet am Start und eine Verpflegung bei der ersten (und einzigen!) Kontrolle in Dömitz nach Kilometer 95. Und obwohl als Zeitfahren bezeichnet, sind Zusammenschlüsse mit anderen Fahrern und Gruppen erlaubt.

Der größte Risikofaktor neben dem Zustand der eigenen Beine ist definitiv das Wetter. Allerdings war die Wettervorhersage im Gegensatz zu den verregneten Trainingswochen davor sehr in unserem Sinne und trafen wir uns zu viert in Hamburg bei einem italienischen Restaurant mit Hotel - Michael Vonderbank musste leider aus familiären Gründen eine Woche vorher absagen.

Nach einem kurzen Anrollen zum Start, Gepäckabgabe und Frühstück fuhren wir dann los. Der Start ist relativ unspektakulär, es werden nach und nach die Gruppen auf den Weg gesandt, meist mit 1-Minuten-Abstand. Nach uns sollten Freunde von Hans starten, die dann die Tour mit uns in Angriff nehmen wollten. Diese hatten aber genauso wie wir zunächst Probleme mit der Orientierung, so dass wir uns nicht fanden.

Wir rollten also los und versuchten den Weg zu finden. Dies gestaltete sich zeitweise auch schwierig, da bei dem trüben Wetter das Ablesen des GPS-Displays einige Probleme machte. Jedenfalls waren wir nicht die einzigen, dies es am Anfang schwer hatten und Umwege fuhren. Einmal landeten wir sogar auf dem Feldweg, aber das war glücklicherweise dann auch der einzige wirkliche Fehlgriff.

Nach ca. 40 km hatten wir dann auch unseren ersten festen Begleiter, der uns bis zum Ende erhalten blieb. Während er am Anfang nur unseren Windschatten nutzte, reihte er sich immer mehr ein und leistete am Ende auch viel Führungsarbeit - vor allem, nachdem wir auf ich gewartet hatten, als einen Schlauchreifen wechseln musste. Nach der Kontrolle in Dömitz, die wir nach einem Brötchen und einer kurzen Pipi-Pause schnell hinter uns ließen, kam dann ca. bei Kilometer 140 eine Gruppe von hinten an uns herangefahren: Hans Bekannte von Cycology Berlin. Mit diesen und unserem Begleiter bauten wir dann eine gut arbeitende Gruppe auf, was den Schnitt erheblich hochzog und auch aus kommunikativen Gründen sehr gut war, waren wir doch vorher hauptsächlich Einerreihe gefahren.

Und während der Vormittag hauptsächlich grau war, kam am Nachmittag tatsächlich die Sonne raus. Und so erreichten wir mit der untergehenden Sonne und einer Fahrtzeit von knapp unter 10 Stunden das Berliner Ortsschild. Das Ziel ist das in Gatow, was nochmal 10 km quer durch Spandau bedeutet und den Schnitt nochmal ganz schön runterreißt. Glücklich aber müde erreichten wir dann das Wassersportheim und durften uns an einem Eintopf und einer Cola gütlich tun.

Insgesamt war es mal wieder eine tolle Veranstaltung, wobei das Wetter diesmal excellent war. Neben dem fehlenden Regen hatten wir die meiste Zeit Rücken- oder Seitenwind, was man vor allem merkte, wenn wir mal 50m in die andere Richtung fahren mussten. Und obwohl die Beine ganz schön wehtaten, haben wir es doch gut geschafft. Bei solchen Bedingungen fahre ich das gerne wieder, beim letzten Mal habe ich ja ein paar Jahre zur erneuten Motivation gebraucht. Und zur Legendenbildung hilft es halt: "Damals, als ich mit dem Fahrrad von Hamburg nach Berlin gefahren bin…"

 


© TriGe Sisu Berlin; 24.10.2017