Bericht Ironman Hawaii 10.10.2009

von Michael Noll

Ironman Kona, Hawaii: 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren, 42,195 km Laufen. Vollständige Ergebnislisten unter ironmalive.com

Es ist nun Dienstag, 20.10. um 19:45 Uhr Ortszeit in Kona, Heike und ich warten am Flughafen auf den Rückflug.; Zeit also, den Rennbericht zu schreiben, um ihn zuhause mit Bildern in den PC zu speisen.

Als Triathlet ist man ja häufig mit der Zahl 3 befasst; aber als wir vor knapp 3 Wochen donnerstags gestartet sind, war noch nicht absehbar, dass mehrere 3-teilige Langdistanzen anstrengender als gedacht würden. Es begann mit dem Hinflug in Tegel nach Frankfurt, es sollte um kurz nach 6 Uhr losgehen, damit die 8 Uhr-Maschine in Frankfurt nach Chicago erreicht wird. Um 6:30 durften alle das Flugzeug wieder verlassen – Triebwerkschaden. Wir mussten also umgebucht werden und hatten insofern Glück, dass es eine Möglichkeit gab, am gleichen Tag wenigstens noch bis Honolulu statt bis Kona zu kommen. 3 Teilstrecken führten uns also über Frankfurt, mit kurzem 1. Wechsel nach Vancouver. Für den dortigen 2. Wechsel hatten wir 3 Stunden Zeit, für mich als bekanntem Langsam-Wechsler also eigentlich ideal. Die Hälfte der Zeit ging schon mal auf das Warten auf den Radkoffer drauf. In Vancouver konnte schon die Einreiseformalität für die USA erledigt werden. Nach weiteren vielen Schwierigkeiten beim Check-in zum Weiterflug wurde es knapp: 5 Minuten vor geplantem Weiterflug hatten wir die Prozedur hinter uns und die 3 Stunden aufgebraucht. Aber der Abflug verzögerte sich um weitere, nein nicht 3, sondern 2 Stunden. Letztlich waren wir nach 33 Stunden in 3 Etappen in Honolulu angekommen. Allerdings ohne Radkoffer, der kam nicht mit. Am folgenden Freitag ging es dann weiter nach Kona, der Radkoffer kam dann Samstags nach. Damit war die komplette Ankunft nach 3 Tagen geschafft.

Die Rennwoche vorm Wettkampf ist ein Erlebnis, man spürt das größer werdende Prickeln, insbesondere beim morgendlichen schwimmen am Pier. Mit dem Rad habe ich noch 2 Ausfahrten gemacht, wäre der Radkoffer pünktlich gewesen, hätten es 3 sein können. Sonntags vorm Rennen bin ich die Wettkampfstrecke vom Wendepunkt in Hawi zurück nach Kona gefahren (84 km). Nach Hawi wurden wir mit dem Schulbus gefahren, die Räder kamen in LKW mit. So konnte ich noch Bilder von der Wettkampfstrecke machen. Ansonsten war in der Wettkampfwoche noch die Nationenparade und natürlich das Einchecken der Räder am Freitag für die Profis und die Age-Grouper. Auf den Spaß-Unterhosenlauf am Donnerstag habe ich verzichtet, weil wir einen Hubschrauberflug im Vulkan-Nationalpark gebucht hatten.

Zum Rennen am 10.10. gilt wieder mal, das letzte Rennen war immer das härteste. Mein Quali-Wettkampf in Frankfurt war ja schon sommerlich heiß, aber es sollte sich herausstellen, dass Kona die Temperaturen bei weitem toppt. Angeblich waren es 35 Grad im Schatten, aber den gab es nicht… Startschuss zum schwimmen für die Age-Grouper war um 7 Uhr. Durch die große Fläche am Pier Richtung Ufer war ein Start ohne Gedränge möglich, das Feld konnte sich schön in die Breite ziehen. Jedoch war es unterwegs ziemlich voll, weil sich das Feld nicht so weit auseinander zieht, die Leistungsdichte ist doch größer als im Quali-Wettkampf. Es waren ständig Schwimmer um einen rum gewesen. Man findet so aber garantiert jemanden, wo man sich im Wasserschatten ranhängen kann. Manchmal ist der Schattenplatz schon besetzt und man muss anderweitig sehen. So hatte ich auch kein Auge für Schildkröten und Delphine, die beim Training noch zu sehen waren. Aber die Tiere waren bestimmt durch die 1800 Starter, die das Wasser aufwirbelten, ohnehin verscheucht. Dank meines neu erworbenen Schwimmanzuges für Rennen mit Neo-Verbot konnte ich nach einer 1:04-Zeit aus dem Wasser und die Radstrecke in Angriff nehmen.

Anfangs ging es mit Windunterstützung schräg von hinten Richtung Hawi. Etwa 20 km vor der dortigen Wende, als die Straße den Knick nach rechts machte, kam dann der Wind von vorne. Damit das ganze den schönen Radschnitt auch weiter senkt, steigt die Straße auch an. So konnte ich auch mal das Gefühl unserer Lanzarote-Starter von Mai genießen… Als ich etwa 80 km absolviert hatte, kamen die ersten Profi-Männer zurückgeballert. Neidisch habe ich auf deren Rückenwindunterstützung bei Gefälle geblickt. Aber das sollte bei mir ja auch nach dem Wendepunkt kommen. Die letzten 50 km der Radstrecke (nach dem besagten Straßenknick) lagen dann allerdings wieder im Gegenwind, schräg von vorne. Mit einer 5:09-er Zeit auf dem Rad war ich dann zufrieden und mein Traumziel "vorne die 9" erschien noch möglich. Dazu musste eine Marathonzeit von unter 3:40 her, also in etwa mein Frankfurt-Lauftempo. Es begann auch ganz gut bis zur ersten Wende auf der Laufstrecke auf dem Alii-Drive etwa bei km 8. Ich lag noch in etwa auf dem Schnitt von 5 Minuten pro km. Aber ich bekam langsam das Gefühl, dass mir die Hitze doch etwas mehr als erwünscht zu schaffen machen könnte. Es ging über die Wellen des Alii-Drive zurück, bei km 15 kam ich an unserem Hotel vorbei. So locker lief es da bei mir nicht mehr, es kam langsam der Gedanke, dass ich mich an diesem Tag für nichts qualifizieren musste und ohne Stress zu Ende laufen könnte.

Die Hälfte der Marathon-Distanz habe ich, glaube ich, nach etwa 1:52 absolviert. So genau weiß ich das nicht mehr, die Erinnerung muss weggebrannt worden sein. Jedenfalls weiß ich noch, dass ich gedacht habe, dass ich unter 10 Stunden hätte bleiben können, wenn ich leicht hätte zulegen können. Aber zu dem Zeitpunkt war die Laufstrecke draußen auf dem Highway ein Backofen in der prallen Sonne. Das ganze noch auf schwarzem Asphalt bei schwarzem Lava-Gestein ringsum, auf dass alle Hitze abgestrahlt wird, macht dann sicher Temperaturen wie in der Bio-Sauna. Nur läuft dort keiner Marathon. Ich hatte mir Eiswürfel unter die Kappe gesteckt, um etwas Kühlung zu haben. Jede Meile war eine Verpflegungsstation (so weit erstreckten sich immer meine jeweiligen Laufgedanken), wo ich neues Eis nachgelegt habe. Die Würfel waren zwischenzeitlich geschmolzen und das ohne dass ich merklich Kühlung gespürt hatte. Ich hatte auch Eiswürfel klein gekaut, um vielleicht von innen zu kühlen. Groß gespürt habe ich davon aber auch nichts. Es nahm aber wenigstens etwas den Iso-Getränkegeschmack, das kommt einem ja irgendwann auch zu den Ohren raus. Die Mischung aus Hitze und dem Kopf, der nicht schneller wollte, ließ eine bessere Laufzeit als 3:55 nicht zu. Jedenfalls hatte ich dafür keine muskulären Schwierigkeiten.

Am Ende war ich mit meiner Zeit von knapp unter 10:16 zufrieden, unter 10 Stunden sollte nicht sein. Genossen habe ich dann die Massage im Ziel, über die Zielverpflegung verliere ich nicht viele Worte. Es war halt ein Rennen in den USA, mehr als Labber-Pizza gab es nicht. Das ist bei den europäischen Rennen doch deutlich besser. Mein Favorit ist da weiter Zürich.

Nachfolgend haben wir noch mit Kauai und Oahu 2 weitere Inseln besucht (es mussten ja insgesamt 3 sein). Auf Oahu haben wir die letzten 3 Urlaubstage verbracht. Für die Filmfans: Das Anwesen von Mr. Masters aus Magnum PI haben wir nach weniger als 3 Stunden Wartezeit gefunden. Betreten konnten wir es nicht und mussten mit dem schwarzen Tor, bekannt aus dem Fernsehen, Vorlieb nehmen.

Jetzt ist erst mal noch Pause, aber so langsam freue ich mich schon wieder auf das gemeinsame Training nach 3 Wochen Unterbrechung. Das nächste größere Highlight steht ja mit dem Sisu-Radtrainingslager im dritten Monat 2010 an. Wird sicher 3-fach Spaß bringen und eine gute Grundlage für Roth im nächsten Jahr.


© TriGe Sisu Berlin; 24.10.2009