Bericht Ironman Hawaii 11.10.2014

von Michael Noll

Den Rennbericht wollte ich eigentlich früher schreiben. Wetter und Wind ist jedoch das beherrschende Thema. Im Laufe der Woche nach dem Rennen gab es eine Warnung, dass ein Tropensturm Richtung Hawaii zieht. Da dachte ich mir, dass ich dass ich dann die Zeit zum Schreiben nutze. Jetzt ist Freitag nach dem Rennen, der Sturm zieht wohl an den Inseln hier vorbei. Aber ich will ja keinen Wetter- sondern Rennbericht schreiben, aber das Thema Wind wird bleiben.

Nach dem Vorprogramm der Rennwoche ging es am Renntag um 3:45 raus aus den Federn. Obwohl, richtiger wäre ber den Federn, schließlich ist eine Decke hier nicht nötig bei 25 Grad in der Nacht. Vor Betreten der Wechselzone ist Body-marking angesagt. Die Startnummern kommen auf beide Oberarme. Das hat ein wenig an Atmosphäre eingebüßt: früher wurde mit Stempeln die Nummer aufgedrückt. Jetzt gibt es entsprechende Abziehbilder zum Anfeuchten und aufdrücken. Das dauert auch länger als das Stempeln. Da hier aber Tausende an Freiwilligen als Helfer dabei sind, war auch da kein Stau und es ging zügig. In der Wechselzone war das übliche Vor-Start-Gewimmel. Alle mussten noch die Räder aufpumpen, weil am Check-in am Vortag noch Luft abgelassen wurde, damit in der Hitze die Reifen nicht platzen. Neu war dieses Jahr, dass es erstmals Startwellen gab, um der Windschattenproblematik auf der Radstrecke zu begegnen. Erste Startkanone war für die Profi-Männer um 6:25, für die Profi-Frauen 6:30. Die Altersklassen-Männer starteten um 6:50 und schließlich die Altersklassen-Frauen um 7 Uhr.

Schwimmen ist ein Wasserstart und ist hier davon geprägt, dass man immer im Pulk schwimmt. Die Leistungsdichte ist sehr groß, so dass sich im Grunde nichts auseinanderzieht. Man müsste hier entweder 55 Minuten oder wohl mehr als 1:30 schwimmen, damit es etwas leerer wird. Mit meinen 1:08 beim Schwimmen kam ich also im Hauptfeld aus dem Wasser. Wechselbeutel geschnappt und aufs Rad. Die Radstrecke war dementsprechend gefüllt. Ich konnte jedoch von Anfang an Plätze gut machen und überholen. Nach der Ortsrunde geht es raus auf den Queen K-Highway durch die Lavafelder. Die Radstrecke war auch dort weiter gut gefüllt und es gab auch Pulk-Bildungen. Da wird jeder Teilnehmer mehrere Situationen gehabt haben, wo die 7 Meter Windschattenabstand nicht eingehalten waren. Das Leistungsniveau ist einfach zu ausgeglichen, als dass sich viel auseinanderzieht.

Normalerweise ist ja ortsauswärts Rückenwind bis Kawaihae (ca. km 70). Jedoch war dieses Mal auf der Ebene bei Waikoloa (ca. km 60) schräger Gegenwind in der Art, dass ich Mühe hatte 20 km/h zu fahren. Da kamen Zweifel über die erhoffte Radzeit von 5 Stunden auf. Schließlich sollte danach der Anstieg nach Hawi (Wendepunkt bei km 95) im Gegenwind noch kommen. Letzlich mussten aber alle gleich gegen den Wind treten. Die Zipp 808-Felgen haben bei Seitenwind jedenfalls gut gerüttelt. Ich musste mich teilweise gegen den Wind legen. Nach dem Rennen habe ich auch gehört, dass es einige Stürze gab, weil der Seitenwind nach Durchfahren einer windgeschützen Böschung danach die Räder von der Straße geweht hat. Es waren da wohl aber eher die Leichtgewichte betroffen (Also weiter schön samstags nach unserer Runde Kuchen essen!).

Bei der Auffahrt nach Hawi habe ich dann leider eine 4-Minuten-Strafe wegen Windschatten-Fahrens kassiert. In der Situation war nach meiner Meinung der Abstand gewahrt. Da waren einige andere engere Situationen, und vor mir gab es auch noch einen Pulk. Aber diskutieren nützt dann ja nichts. In Hawi habe ich also mit vielen anderen meine 4-Minuten abgesessen, bevor es auf den Rückweg ging. Die ungewöhnliche Gegenwindpassage des Hinwegs war nun Rückenwind, aber kurz danach gab es für die letzten etwa 40 km den üblichen schrägen Wind von vorne. Nach einer Radzeit von 5:11 (sozusagen netto 5:07) war ich dann in der Wechselzone 2.

Mein Traumziel war ja eine Zeit unter 10 Stunden. Das war zum Beginn des Laufs auch noch im Bereich des Möglichen. Es musste dann aber eine Marathonzeit von 3:30 her. Ein Tempo aus den langen Trainingsläufen und wie ich es auch schon in Langdistanzen gelaufen bin. Aus der Wechselone raus geht es nach einer kurzen Schleife auf den Alii-Drive in südliche Richtung. Dort gibt es einige Wellen, bis dann nach etwa 7 km der Wendepunkt kommt. Also zurück über die Wellen zur Ortsmitte Kona. Dort ist etwa km 16 und ich hatte zu dem Zeitpunkt meinen 5 Minuten-Laufschnitt, entspricht hier 8 Minuten auf die Meile. Als ich die Palani-Road hochgelaufen bin, kam mir Frodeno entgegen, der gerade in seiner letzten Meile war. Nach dem Anstieg der Palani-Road war also der lange Weg über die Wellen des Queen-K-Highway zum zweiten Wendepunkt im Energy-Lab angesagt. Für Hawaii-Bedingungen war es zum Laufen gar nicht mal so schlecht. Es kamen auch Wolken auf, so dass nicht immer pralle Sonne war. Aber dennoch heißt das hier über 30 Grad.

Es kam also wie es kommen musste. Ab etwa der Hälfte des Laufs war es nichts mehr mit dem schönen 5-er-Tempo. Ich musste einsehen, dass es wohl mit den unter 10 Stunden nichts wird. Der Highway zieht sich gefühlt ewig und die Abzweigung zur Wende im Energy-Lab wollte nicht kommen. Als ich den Abzweig erreicht hatte kam mit dann Andreas Raelert entgegen, er ist gegangen. Also auch die Prominenz musste kämpfen. Nach der Wende ging es dann sozusagen doppelt aufwärts: einerseits wieder hoch zum Highway und andererseits mental, dass es nun Richtung Ziellinie geht. Ich habe mein dann langsameres Lauftempo über den Highway wenigstens halten können, und das war schneller als Raelerts Geh-Tempo. Wenn schon nicht unter 10 Stunden, dann wenigstens Raelert beim Laufen überholt.

Am Ende waren es dann 10:16 mit der Zeitstrafe. Bei diesen Bedingungen sollte für mich keine bessere Zeit drin sein. Der 10-Stunden-Schlüssel liegt für mich hier in einem Lauf von 3:30. Die andere Variante ist eine Radzeit von 5 Stunden und einem 3:40-bis 3:45-Lauf. Das sollte nicht sein – aber das Ergebnis ist für mich ok. Iris Tiedeken ist einigen von uns ja noch als Schwimm-Trainerin bekannt. Sie war auch am Start und hat den 3.Platz in ihrer Altersklasse belegt.

Bei den Profi-Männern gab es ja das überragende Ergebnis aus deutscher Sicht mit Platz eins (Kienle), drei (Frodeno) und sechs (Frommhold, ein ehemaliger Sisu zu seiner Jugend-Zeit, jetzt Potsdam). So, die Saison ist vorbei. Beine hoch und nächstes Jahr geht es dann zu einem Rennen, das hier im Lava-Triathlonmagazin vorgestellt wurde: Roth mit "german beer and bratwurst and many spectators". Was da nicht stand ist das Beste: viele Sisus.


© TriGe Sisu Berlin; 18.10.2014