Ironman Hawaii 2018 – das Rennen

von Micha Noll

Die Rennwoche war ja mit dem Bike Check-in am Freitag soweit beendet. Es stand dann noch mit dem Rennen am Samstag einmal Sport bis zur Saisonpause an. Der Wecker ging mal wieder zeitig um 3:30 Uhr. Nach Toast mit Honig ging es mit dem Shuttle zum Startbereich. Unsere Unterkunft war etwa 2,5 km entfernt, so dass ich zeitig da war. Los geht es da mit dem body marking, das ist nichts anderes, als dass einem die Startnummer mit den bekannten Abziehbildern aufgeklebt wird. Früher war das ja mit Stempel und Stempelkissen.

Dann kommt die Station, wo man gewogen wird. Das ist wohl zur Vorsicht, um bei möglichen späteren medizinischen Problemen das Refenzgewicht zu wissen. Ist man zu dehydriert oder es gibt ja auch die Fälle von übermäßiger Wasserzufuhr und man ist schwerer, die Salze sind ausgeschwemmt. Vorm Start nochmal Rad checken und dann ins Wasser. Der Start für die Alterklasse Männer war um 7:05 Uhr, man muss aber schon einige Minuten vorher rein. Es ist Wasserstart und alle müssen ja über die Treppe am Ausstieg rein. Bei den meisten Rennen ist mittlerweile Rolling start üblich, hier ist aber noch klassischer Massenstart.

Durch die große Leistungsdichte im Feld heißt das, dass man immer eine Menge Schwimmer um sich hat. Ich habe mich links außen einsortiert, um dem übelsten Gedränge möglichst zu entgehen. Geprügel war insoweit keines, aber man hat halt immer den Pulk um sich. Zum Überholen muss man sich Lücken suchen, aber das hat gut funktioniert. Um beim Schwimmen möglichst noch was zu gewimmen, hatte ich im Verlauf des Jahres noch in Material investiert. Ich hatte mit bei Stephan Schepe, unserem Schwimmtrainer, im Laden noch einen Schwimmanzug gegönnt. Er meinte auch, das bringt ein paar Sekunden auf 100 Meter. In der Tat war ich mit einer Zeit von 1:04 plus die Sekunden aus dem Wasser. Zuvor lagen meine Zeiten hier bei 1:08.

Dementsprechend motiviet ging es aufs Rad. Anfangs geht es auch eine Ortsrunde, nach gut 10 km raus auf den Queen K Highway. Durch die Leistungsdichte ist die Strecke ziemlich voll und man hat zu tun, die Abstände einzuhalten. Das erste Penalty-Zelt war auch gut besucht. Wobei die Zahl der Kampfrichter auf Motorrädern sicher auch steigerbar wäre. Ich habe immer dieselben zwei gesehen.

Auf dem Rad lief es bei mir gut, die Wattwerte waren vergleichsweise gering. Das lag sicher einerseits daran, dass ich durch Abstand halten ab und zu rausnehmen musste. Überholvorgänge habe ich, denke ich, in der geforderten Zeit von 25 Sekunden absolviert. Insgesamt konnte ich Plätze weiter gutmachen, zumindest habe ich mehr überholt, als überholt worden zu sein.

Auf dem Rückweg nach der Wende in Hawi und der anschließenden Abfahrt hatte ich mit dem üblichen Gegenwind gerechnet. Aber es blieb dieses Jahr ungewöhnlich ruhig. Das hat eine entsprechende Radzeit von letztlich 4:54 h begünstigt. Damit hatte ich zum 2. Wechsel zwei Einzelzeiten stehen, die den Traum von unter 10 Stunden befeuerten. Ich musste also einen Lauf von etwa 3:50 h schaffen. Eine Zeit, die ich in der Hitze hier schon geschafft hatte.

Es war also angerichtet. Die ersten 2 bis 3 km sind ja meist etwas zu schnell – in der Tat lag der Schnitt etwas unter 5 Minuten pro km, also rausnehmen. Ziel war, die km-Abschnitte in etwa 5:15 min zu laufen. Das ließ sich auch gut an. Die Strecke führt über den Alii Drive nach Süden, wobei die Wende dieses Jahr deutlch früher war. Dafür sollte es mehr km auf dem Highway und im Energy Lab geben. Den Teil durch den Ort konnte ich gut bewältigen, dann ging es auf den Highway. Dort war es beim letzten Mal so, dass ich in der Hitze eingegangen bin und ich rechnete damit, dass es auch dieses Jahr passieren kann.

Keine Ahnung, ob es die selbst erfüllende Prophezeihung ist oder ob wir bei Sisu vielleicht mal einen Mentaltrainer brauchen. Nach etwa 18 km auf der Laufstrecke fiel es mir immer schwerer. Das Tempo wurde von km zu km immer langsamer, so weit, dass trotz der guten Ausgangslage die 10 Stunden nicht erreichbar waren. Also das Ziel auf Daylight Finish definiert, was wiegt mehr? Die Hitze oder der Kopf, der bremst?

Ein Hitzeläufer werde ich jedenfalls nicht mehr (hurra Wales). Also durch das Energy Lab kämpfen zur zweiten Laufwende. Da stand die Luft mal wieder, und die Gedanken gingen nur bis zur nächsten Verpflegung, wo es Eis und kalte Schwämme gab. Durch die doch sehr ernüchternden letzten 24 km beim Lauf hatte ich vorm Ziel wenigstens Zeit in Ruhe die Flagge von Heike aufzunehmen und noch einen Fotostop einzulegen. Der letzte Sporttg der Saison war dann nach 10:37 Stunden beendet.

Das Ergebnis ist einerseits Schde, weil die Gelegenheit, die 10 Stunden zu knacken, da war. Aber 42 km Laufen in der Hitze sind lang und man weiß nie, wie man klarkommen wird. Letztlich hat es zum Daylight Finish gereicht.

Abends bin ich dann nochmal von unserer Unterkunft zur Finishline zum Schauen gegangen. Da ist schöne Stimmung, wenn auch die späteren Athleten mit Applaus empfangen werden. Die hohen Alterklassen sorgen da wirklich für Begeisterung.

Am Sonntag war dann Siegerehrung. Da gab es wieder etwas Hawaii-Folkolore und die Ehrungen. In der AK 50 wurde übrigens Iris Tiedeken als fünfte geehrt – sie ist ja einigen von uns noch als Scwimmtrainerin vor einigen Jahren bekannt. Die Ehrungen bei den Frauen ging bis zur W70. Bei dem Männern ging es erst mal bis M75. M80 war nicht mehr aufgerufen. Die Ehrung der Altersklassen ging aber weiter. Es gab tatsächlich die M85. Ein Japaner hat im Alter von 86 Jahren die Strecke in 16:55 Stunden bewältigt und damit das Zeitlimit von 17 Stunden geschafft. Da blieb niemand mehr sitzen. Das ist der älteste Finisher jemals.

Die Ergebnisse der Profis sind ja allen bekannt, deren Ehrung kam am Ende nach den Altersklassen. So jetzt ist Saisonpause, Ruhe reinbringen, bevor es im nächsten Jahr wieder losgeht. Für mich ist Roth angesagt, und da sind wir ja mit einigen Sisus wieder am Start. Da können wir uns alle auf den gemeinsamen Start und die Trainingsstunden freuen.

 


© TriGe Sisu Berlin; 13.10.2018