Ironman California 30.3.2010

von Sascha Kaschewski

Zuerst möchte ich dem Sieger des Ironman 70.3 California, Michael Raelert, für seine hervorragende Leistung gratulieren und auch dem zweitplazierten, Sascha, erwähnen, der sich insgesamt wacker bei seinem ersten Ironman geschlagen (4.54 Stunden). Zugegeben, ich bin nur zweiter deutscher geworden (241 Platz von 2226 Finishern).Es gab wohl nicht so viele schwachsinnige Deutsche, die nach diesem Winter, im März bereits Bestleistungen zeigen wollten.

Aber nun zur eigentlichen Veranstaltung. Nachdem ich gefühlte 50000 Unterschriften zur Absicherung der Veranstalter gegen alle möglichen Gebrechen geleistet hatte, gönnte ich mir ein Fett- und Carboloading bei einem chinesischem "All You Can Eat" Buffet. Sportlich nicht ganz optimal, aber äußerst lecker. Ist halt mehr was für die Moral und den ersten Ironman sollte man moralisch gefestigt angehen.

Zurück zum Hotel, welches nur ca. 1km vom Start des Ironman entfernt liegt. Nachdem üblichen verpacken der Sachen für den Wettkampf, musste nur noch der Wecker gestellt werden und der Schlaf konnte beginnen. Kaum hatte ich meine Pulsuhr berührt, um den Wecker auf 05.00 Uhr zustellen, verabschiedete sich diese, wegen schwacher Batterie. Geiles Timing!! Dies bedeutete, dass ich den Wettkampf ohne Uhr bestreiten musste. Glücklicher Weise hatte ich insgesamt noch 3 Wecker dabei. Man will seinen ersten Ironman ja nicht verschlafen.

Nach einer etwas unruhigen Nacht und klingelte um 05.00 Uhr (überhaupt nicht meine Zeit) der erste Wecker. In kurzen Abständen kamen noch zwei weitere Wecker zu Wort und sicherheitshalber noch das Telefon. Nach kurzem Frühstück schob ich mein gemietetes Rad in die Lobby des Hotels, wo ich auf weitere Teilnehmer des Ironman traf. Man hatten die Triathlontraumräder. Nicht meckern, mein Rad hatte ja auch zwei Reifen, wenn auch nicht die scheinbar hier geforderten Zipp Laufräder, und zwei Bremsen mit vier Bremsgriffen.

Um 06.00 Uhr hatte ich mein Fahrrad in der Wechselzone aufgebaut und meine Sachen zu Recht gelegt. Nun nur noch schnell das Dixi-Klo besucht und dann den Start der Profis um 06.40 Uhr angesehen. Mein Plan den Profis beim Start zuzusehen, wurde beim Anblick der Schlange vor den Toiletten zerstört. Ca. 400m bis zur Schüssel. Da mein Start "erst" um 06.57 Uhr sein sollte, machte ich mir Hoffnungen, das alles noch zeitgerecht zu schaffen. Um 06.45 hatte ich mein Ziel - die Toilette- erreicht. Nun musste es schnell gehen. Ich war ja noch nicht angezogen.

Ein Sprint zurück zu meinem Wechselbereich, raus aus den Klamotten und rein in den Neo. So schnell war ich noch nie in der Gummihaut. Kaum hatte ich ihn an, hörte ich den Sprecher sagen, dass die nächste Startgruppe die lila Badekappen sind. Das war ich! In 3min sollte ich schwimmen, aber ich war noch meilenweit vom Start entfernt. Der nächste Sprint stand an. Bei der nächsten Ansage: "Noch 1 min bis zum Start", erreiche ich die Bootrampe, von der ich in das Wasser komme und zum Startbereich ca. 50m entfernt schwimmen muss. Das schaffe ich! Noch einen Schritt weiter und mein großer Zeh erreicht den Pazifik. Dies war der letzte Moment, an dem ich meine Füße noch spürte. Wie sich später herausstellte, war die Wassertemperatur wahnsinnige 16° C. Hätte ich da vorher gewusst, hätte ich mein Bett nie verlassen. Da die Zeit knapp war, war auch an kurzfristige geistige Startabsage nichts mehr zu denken, also rein ins Ozeanbecken und hin zum Start. Kaum habe ich den Startbereich erreicht, geht der Kampf im Wasser los. Ich schwimme außen und fühle mich gut. Ein bisschen viel Salz habe ich schon geschluckt, aber alles noch im grünen Bereich, nur stellt sich die Frage, sind meine Füße beim Start mitgekommen?

So ein Schwimmen habe ich noch nicht erlebt, nicht dass ich bisher viele erlebt hätte. Nachdem ich mich anfangs noch aus dem Hauptfeld seitlich heraushalten konnte, wurde ich recht schnell durch einen netten Menschen auf einem Surfbrett angewiesen, etwas mehr in das Feld zu schwimmen. Von da ab begann ein Kampf auf Leben und Tod. Unzählige Male bin ich überschwommen worden, hatte mich mit meinen Armen bei Mitschwimmern verhakt, und bin an diversen Körperstellen berührt worden. Neben der Tatsache, dass so kein Schwimmen sondern nur ein Überleben für mich in Frage kam, konnte ich in dem Geplantsche auch kaum eine Steckenboje erkennen. Glücklicher Weise ging mein Überlebenskampf nach ca. 37 min (überhaupt nicht was ich mir vorgestellt hatte) zu Ende und hatte wieder festen Boden unter den Füßen. Nun schnelle kurze Schritte zu Wechselzone um die Zehen wiederzubeleben.

Dank der Hilfe einer netten Frau kam ich auch ganz gut aus dem Neo. Ohne ihre Hilfe würde ich vermutlich noch Heute mit dem Neo, wie ein Käfer auf dem Rücken, in der engen Wechselzone kämpfen. Kaum auf dem Fahrrad ging meine Aufholjagd los. Anfänglich war ich richtig stolz, wie gut ich an den anderen Teilnehmern vorbei kam. Auf der linken Seite konnte ich den Pazifik sehen und rechts war der Highway. Nach ca. 20 km war es vorbei mit meiner Herrlichkeit auf dem Rad. Ich wurde immer langsamer und zunehmend häufiger überholt. Erste Zweifel kamen auf. Wie sollte ich 90 km überleben, wenn ich nach 20 km schon fast vom Rad falle. Vom Gefühl her drückte ich ca. 5000 Watt in die Pedale und machte vermutlich (ich hatte keinen Tacho) 15 km/h. Kurz vor der inneren Aufgabe des Rennens stellte ich fest, dass meine vordere Bremse ihre Arbeit etwas zu ernst nahm. Nachdem ich sie gelockert hatte, war ich wieder im Rennen, aber das hatte Körner gekostet.

Kaum hatte ich mein Bremsenproblem gelöst, kam etwas ungewohntes in einen Wettkampf: Eine überholen verboten Phase. So etwas kannte ich noch nicht und scheinbar auch manche anderen Teilnehmer nicht, die trotzdem überholten (ich hatte übrigens keine Chance, sonst hätte ich es auch gemacht). Am Ende der Phase kam eine 90°-Kurve und dahinter ein Strafzelt. Alle die überholt hatte, konnte sich jetzt erstmal von der Anstrengung erholen. Hinter dem Strafzelt fiel mein Blick auf die nun vor mir liegenden Hügel des Marine Corps Truppenübungsplatzes, auf dem ich den Rest der Radstrecke absolvieren sollte. Die ständigen Hügel im Inland (insgesamt knapp 500 Höhenmeter)bin ich gut hinaufstiegen. Es überholten nur noch wenige auf ihren Millionen teuren Rädern, denen ich neidisch hinterher sah. Kurz vor Beendigung der Radstrecke, nach ca. 2.45 Stunden, bereitete ich mich auf mein erstes Absteigen vom Rad ohne Schuhe vor. Auf der Rolle hatte dies immer Problemlos funktioniert. Auch hier klappte es super, was zu einer hervorragenden zweiten Wechselzeit führte.

Nun war meine Lieblingsdisziplin, das Laufen dran. Wie erwartet lief es gut, auch wenn ich zu Anfang, auch mangels einer Uhr, etwas Zeit verschenkt habe. Der Lauf ging wieder schön am Strand entlang und wurde von vielen Zuschauern gesäumt. Ein super Erlebnis! Leider kam das Ziel, nach ca. 1.26 Stunden, viel zu früh. Es war ein super Erlebnis, dieser Wettkampf unter Palmen und macht Lust auf mehr. Nun darf ich mich also Ironman nennen, wenn auch nur "Mini-Ironman".


© TriGe Sisu Berlin; 11.5.2009