Ironman Mallorca 26.9.2015

von Martin Seller

Angereist sind wir bereits am Mittwoch, um noch ausreichend Zeit für die Akklimatisation zu haben, schließlich wurde es daheim inzwischen doch etwas kühler. Außerdem waren es ja noch offiziell unsere Flitterwochen! Mallorca versprach 27 Grad und Sonne satt. Nur am ersten und letzten Tag war es bedeckt, regnerisch, aber warm und mild.

Diesmal hatten wir über Airbnb ein Apartment in Alcudia angemietet, ca. 2,5 km weg vom Start. Der Radtransport und die Anmietung vom Mietwagen liefen problemlos und wir konnten mittags unsere Unterkunft beziehen. Danach einkaufen, Startunterlagen abholen und ne kleine Runde schwimmen im Meer. An das Salzwasser muss man sich auch erst einmal gewöhnen. Vielen Dank an dieser Stelle an Stephen, der mir den Tipp für das Schwimmen mit dem Kaugummi gab. Hat hervorragend funktioniert.

Als "AWA-Bronzeathlet" (All World Athlete - ein Rankingsystem für Altersklassenathleten weltweit) habe ich mit der 196 eine niedrige Startnummer und eine goldene Badekappe bekommen. Dies hatte den Vorteil, dass man bei der ca. 500 m langen Wechselzone erst fast am Ausgang stand und sein Rad nicht so lange schieben musste. Außerdem war ich aus den restlichen roten Badekappen besser erkennbar.

Donnerstag hieß es, Rad aufbauen, eine Stunde locker radeln und über die Expo zu schlendern. Vielleicht gibt es ja noch was an Material, was man sich kaufen kann. Überall wurden noch schnell Swimsuits angeboten, da Neoverbot bei einer Wassertemperatur von über 25 Grad angekündigt war. Doch bereits am Abend stand auf der offiziellen Facebookseite, dass Neo wohl doch erlaubt sei, da eine Temperatur von 24,4 Grad gemessen wurde. Gott sei Dank, hatte ich meinen Neo NICHT wie eigentlich geplant Zuhause gelassen.

Freitag hieß es dann Bike Check-In und Wettkampfbesprechung. In dieser wurde vom deutschen Wettkampfleiter auch die Erlaubnis des Neoprens mit etwas Kopfschütteln bekannt gegeben. Die Temperatur hat die balearische Triathlonunion gemessen ;-) Außerdem war die Rede dieses Jahr einen Rolling-Start beim Schwimmen durchzuführen, um den Stress etwas zu reduzieren und das Feld etwas auseinander zu ziehen und damit die Windschattenproblematik auf der Radstrecke zu lösen. Dies wird neuerdings beim Großteil der Ironmanveranstaltungen so praktiziert.

Demnach ging ich davon aus, dass wie in Zürich oder Melbourne, alle 10 Sekunden immer nur 10 Athleten ins Wasser geschickt werden. Hier war aber nur die Rede davon, dass es verschiedene Startblöcke gibt, in die man sich einordnen soll. Es gab einen für unter 1 Stunde, dann 1:00-1:15; 1:16-1:30 und so weiter. Ok, also alle Infos aufgenommen und ab nach Hause. Dani hat noch Nudeln gekocht und wir haben die strategische Verpflegung während des Wettkampes geplant.

Samstag: Raceday

Punkt 4 Uhr klingelte der Wecker. Dann schnell 2 Kaffee und Müsli, Sachen gepackt und ab zur Wechselzone. Dani ist mit dem Auto gefahren und ich bin die 2,5 km bis dahin eingelaufen (unter dem Beifall betrunkener Engländer, die gerade aus der Disco kamen...). Ab 5:30 Uhr war die Wechselzone geöffnet und man hat noch die letzten Vorbereitungen getroffen. Es lag ein Knistern in der Luft

7:30 Uhr sollte der Start der Profis erfolgen, 7min später dann der restlichen 2.500 Startern. Da ab 7:00 Uhr die Wechselzone wieder geschlossen wurde, liefen alle zum Vorstart, wo man sich in einem separaten Bereich einschwimmen konnte. Dies erfolgte aber noch in Dunkelheit, was es spannend machte, nicht mit anderen im Wasser zu kollidieren.

Kurz vor halb acht ging es dann in den Startbereich. Brav sortierte ich mich in den Bereich 1:00-1:15 ein, um nicht von schnelleren Schwimmern überschwommen zu werden. Zumal die Schwimmstrecke über 2 Runden (2,4 km und 1,4 km) mit einem Landgang (sog. "Australien Exit") ging und damit tendenziell langsamer ist.

Um Punkt 7:30 Uhr mit dem Start der Profis ging die Sonne auf und es wurde hell. Die Stimmung war Wahnsinn. Der "Wellenstart" der Altersklassenathleten erfolgte aber dann irgendwie doch als Massenstart, denn alle liefen sofort los. Der einzige Unterschied war wohl, dass es diesmal eine Zeitmatte vor dem Wasser gab und jeder also eine Nettozeit hatte und damit auch der letzte eine faire Zeitnahme hatte.

Also, rein ins Gewühle. Die Einordnung in die 1:00-1:15 erwies sich als strategisch ungünstig. Es war wie in einem Computerspiel. Da ne Lücke - Gas geben - abbremsen - Gas geben - dort ne Lücke - rechts vorbei - links vorbei - einfach zwischendurch. Gefühlt wühlte ich mich die ersten 2 km der ersten Runde nur durch das Feld. Weiter draußen auf dem Meer kamen dann auch noch ein paar Wellen dazu, aber nix Wildes. Richtig beeindruckend war der Ausblick zur linken Seite. Bei jedem Atmen über links sah man die Sonne weiter über dem Meer aufgehen. Jetzt wäre eine Google-Brille ideal gewesen, mit der man direkt Fotos machen kann.

Das Wasser wurde zum Strand hin sehr schnell flach und einige fingen schon recht früh an zu laufen. Ich versuchte allerdings solange weiter zu schwimmen, bis ich mit der Hand den Boden berührte. Das funktionierte ganz gut. Kurzer Blick auf die Uhr sagte knapp 36min für die ersten 2,4 km. Dann kurz gelaufen, rum ums Eck, Dani gewunken und wieder rein ins Wasser.

Die letzten 1,4 km vergingen recht schnell und ich schwamm wieder solange wie möglich bevor ich ins Laufen überging. Dani gewunken, mich über die Zeit gefreut - 57 min, wie geil! - und ab zum Rad.

Die Radstrecke kennen viele von uns ja aus unserem Trainingslager im März. Der erste Teil ist der schnellere, da der große Berg erst nach 110 km kommen sollte. So konnte ich anfangs gut Tempo machen und die ersten 90 km in 2:27 abspulen. Man muss dazu sagen, dass diesmal sehr sauber gefahren wurde. Zumindest in meiner Umgebung. Nach knapp 90km kommt man an der Wechselzone vorbei, muss dann aber weiter in den Norden und ins wunderschöne Tramuntanagebirge und vorbei an unserem März-Hotel.

Bei km 110 ging dann der 10 km lange Anstieg zum Kloster Lluc und zur Tankstelle los und das Tempo natürlich schlagartig runter. Es überholten mich dann die schweizerischen und spanischen Kollegen. Ja ja, Willi ist eben nicht Kloster Lluc. Bei der Abfahrt konnte ich wieder ein paar Plätze aufholen. Danach hieß es nochmal Kopf runter und durchhalten. Mit der Radzeit von 5:10 war ich sehr zufrieden.

Dann ab in die Laufschuhe und los. Dani gab mir gleich nach dem Wechsel noch meine Kappe und ein paar aufmunternde Worte. Die bewirkten gleich, dass ich doch recht hart anlaufen konnte. Ich musste mich eher bremsen, da 4:10er Kilometer nicht im Plan standen. So habe ich dann nach 2km etwas verlangsamt. Dennoch fühlte ich mich gut und wusste, dass der Einbruch bestimmt später noch kommen würde und was ich vorher im Sack habe, habe ich im Sack. So pendelte sich das Tempo dann auf ein 4:35er Schnitt ein, was auch ein mich begleitender dänischer Kollege honorierend anmerkte.

Die Laufstrecke ist eine 9,5 km-Runde, die 4,5 mal gelaufen wird. Überall stehen Leute, die anfeuern und eine tolle Stimmung machen. U.a. läuft man direkt an der Strandpromenade entlang. 2 mal pro Runde stand auch Dani anfeuernd am Rand und motivierte mich damit, dass wohl viele Zuhause mitfiebern.

Leider bekam ich schon recht früh Magenkrämpfe, die ziemlich unangenehm waren. Ich wusste nicht, ob es an den kalten Getränken lag, oder ich nicht genug zu mir genommen hatte. So entschied ich mich dazu, in den Verpflegungsstellen zu gehen, um ausreichend Flüssigkeit und dies auch langsamer zu mir nehmen zu können. Gott sei Dank gelang es mir danach immer wieder loszulaufen.

Auch die Rechnerei begann früh. Wie schnell muss ich laufen, um noch unter 10 h zu bleiben? Egal, jeder Kilometer zählt. Ich muss noch Zeit rausholen, um dann am Ende auch mal längere Gehpausen einlegen zu können. Nach 1:41 war der Halbmarathon rum. Hmm, also die zweite Hälfte in 2h würde knapp reichen. Nee, noch geht's, also nix riskieren.

Natürlich ging das Tempo aber runter und statt 4:45 lief ich die Km zwischen 5:20 und 5:40min. Aber 2 h-Halbmarathon bedeutet einen 5:40er Schnitt. Aber mit jedem Kilometer, den ich schneller laufen konnte, baute ich mir ein "Polster" auf. Also, Strategie beibehalten. Dies ging auch ganz gut und langsamer wurde ich auch nicht mehr. Am Ende konnte ich sogar wieder etwas schneller laufen. "Wieder ein Kilometer weniger bis zur Offseason!"

Die letzten 2km verliefen wieder auf der Strandpromenade. Ich habe bewusst darauf geachtet, diese letzten Momente zu genießen. Und dann kam die Zielgerade. Ich kannte meine Gesamtzeit nicht, wusste aber, dass es für unter 10h gereicht hat. Dann sah ich die Uhr und dass es noch unter 9:55 sein wird. Im Vergleich zu Roth 2013 habe ich den Moment einfach nur genossen. BÄÄM! Was ein geiler Wettkampf. Im Ziel empfing mich dann wieder Dani freudestrahlend.

Danach haben wir noch 2 Tage Mallorca genossen und sind am Montag nochmal mit dem Rad nach Petra gerollt zu "Café con Leche" und "Boccadio". Ich kann diesen Wettkampf nur jedem empfehlen. Die Landschaft ist der Wahnsinn, die Stimmung super und ich kann keinen einzigen Kritikpunkt an der Organisation finden. Ich werde diesen Ironman definitiv noch einmal machen, irgendwann...


© TriGe Sisu Berlin; 4.10.2015