Ironman Schweiz 26.7.2013

von Stephen Bode

So jetzt war es also soweit. In Zürich hatte ich mir ja als Ziel gesetzt einen Kona Startplatz abzugreifen. Die Vorbereitung war ok, also ging es am Donnerstag frohen Mutes nach Zürich. Die Verbindung ist einfach und unproblematisch. Vom Flughafen dann per Zug zum Appartmet, was fußläufig zum Wettkampf lag.

Tja, nur da fing es dann schon an. Heiß, heiß, heiß. Die wärmste Woche des Jahres mit Temperaturen zwischen 30 und 36 °C. Mit dem Abflug gab es dann auch postwendend die erste e-mail vom Veranstalter, das nach 17 Jahren das erst mal ohne Neo geschwommen werden muss. Schon mal Mist für schlechte Schwimmer wie mich. Also mental die Zielzeit mal schnell von sub 9:30 auf 9:40 hochgenommen.

Zur Organisation muss ich sagen, das alles reibungslos war. Nur das Flair hat so ein wenig gefehlt. Es spielt sich eigentlich alles auf einer großen Wiese ab. Eher wie so ein Volksfest. In der Stadt selbst kein Zeichen von Ironman. Keine Fahnen, keine Werbung noch nicht einmal Schilder an den Straßen.

Die Vorbereitung war ok, Schwimmen im See ist sehr schön, Wettkampfbesprechung nichts besonders und Bike check-in problemlos. Bei den Preisen muss man einfach nicht nachdenken, sondern eher nach dem Prinzip Augen zu und durch verfahren. Bratwurst im Brötchen 7.5 CHF, Fleischspieß 15 CHF und Getränk 5 CHF plus Pfand, naja... Am Wettkampftag bin ich dann also um 4:30 raus (war halt gleich um die Ecke) und auf zum Rad. Schnell alles vorbereitet und dann zum Schwimmen. Gestartet wurde aus einem Strandbad als Massenstart (wie gesagt ohne Neo). 2 Runden waren zu Schwimmen mit kleinem Landgang über eine Insel. Das Schwimmen war schon recht eng, aber bei 2000 Leuten auf einen Schlag auch nicht überraschend. Keine Welle, kaum Strömung und klares Wasser.

Die Zeit war ein Schock! Schon beim ersten Landgang war es langsam, aber es wurde noch schlimmer. Das seltsame war, dass ich mich nicht schlecht gefühlt habe. Vielleicht war das Problem, das ich seit 2 Monaten immer nur im Neo geschwommen bin und meine Wasserlage so versaut habe. Jedenfalls 1:28 h! Das war es eigentlich!! Sofort kam wieder die schlaue Weisheit hoch, dass man im Schwimmen nur Rennen verlieren kann und nicht gewinnen. Nun gut, halt schnell gewechselt und rauf aufs Rad. Die Radstrecke war schon eher mein Ding.

Viele lange flache Passagen, einige Anstiege, aber nicht zu lang und schnelle Abfahrten, die sehr gut einzusehen sind. Nun fing aber die Temperatur an massiv anzuziehen. Also immer fleißig trinken und eine Flasche mit Wasser zum Überschütten. Jetzt fing ich an, kräftig Mitbewerber einzusammeln. Die erste Runde hatte ich dann mit 2:25 durch, also durchaus OK. Zweite Runde wurde aber noch wärmer, so dass ich dann doch Abstand von fester Nahrung genommen habe. Es wurde aber deutlich leerer, also musste zumindest das ganz gut laufen. Dann aber der nächste Schlag. Bei KM 140 hat mich ein Auto geschnitten. Ich bin also mit Volldampf in den Zaun, hatte aber wirklich Glück im Unglück. Bisschen Blut, Anzug kaputt, aber Rad und Knochen heil. Es hat mich nur ca. 5 Minuten gekostet, alles wieder zu richten und weiter ging es. Man fährt aber auch die ersten Kilometer und insbesondere die Abfahrten mit deutlich mehr Respekt als vorher, da man dem Rad nicht mehr ganz so traut. Nun hatte ich also den Teil auch durch und stieg mit 5:02 von Rad. Mist also auch nicht unter 5 Stunden.

Jetzt Wechsel und auf die Laufstrecke. Die ist bis auf winzige Abstiege großteils flach, aber recht verwinkelt und mit vielen Schleifen. Jetzt war es nun richtig heiß. Für mich gefühlt nur Schwamm, Eis, Schwamm, Eis. Die Stimmung an der Strecke war ok, aber nicht überragend. Naja bei 35 Grad stehen wohl nur die eigenen Leute/Familie an der Strecke (vielen, vielen Dank dafür!) und der Rest versteckt sich irgendwo. Ich hatte keine Ahnung, wo ich liege, da der Athleten Tracker überhaupt nicht ging (total in der Zeit hinterher und keine Platzierung angezeigt). Michaela hat mir zwar immer zugerufen, dass sie nicht zu viele aus meiner AK vor mir gesehen hat, aber das habe ich eher als Durchhalteparole aufgefasst. Ich konnte mich nach schnellerem Start ab KM 10 so bei einem 5er Schnitt einpendeln, was deutlich langsamer war als geplant, aber angesichts der Temperatur wohl gut war. Ich muss schon sagen, dass es sehr schwer war, sich durchzukämpfen, da die Frustration durch das sehr schlechte Schwimmen riesig war. Irgendwann war dann doch die letzte Runde erreicht, und ich habe beim letzten Turn mal geschaut, wie viele Rotbänder ich sehe. Ich hatte 4 in unmittelbarer Nähe ausgemacht und mit 4 km Rest also noch mal zum Angriff geblasen. 2 hatte ich dann recht schnell und noch mal 2 Läufer 200 Meter bwz. 100 Meter vor dem Ziel. Na wenigstens eine kleine Genugtuung. Nach 3:30 war es dann zum Glück vorbei.

Rein ins Zelt, aber beim Anblick des warmen Essens war an Hunger nicht zu denken. Also ein bisschen Obst genommen, ordentlich getrunken und wieder raus. Ich hatte mich auch das ganze Laufen über auf ein alkoholfreies Erdinger gefreut, es gab dann aber auch nur eine andere Marke, die schrecklich geschäumt hat. Draußen habe ich mich dann auf die Wiese bei der Familie fallen lassen und war erst mal enttäuscht. Noch nicht mal unter 10 Stunden war es geworden. Nach über einer Stunde im Ziel kamen dann die Platzierungen rein. 11er in der AK bei 11 Plätzen!! Die Freude war absolut riesig und ich konnte es gar nicht glauben. Die anderen hatten scheinbar bei der Hitze genauso zu leiden wie ich. Was für eine Freude. Am nächsten Tag dann zur Siegerehrung und Startplatz abgeholt!

Alooha!! Demnächst gibt es dann noch einen Bericht!


© TriGe Sisu Berlin; 20.8.2013