Ironman Wales in Tenby 8.9.2013

von Micha Noll; Fotos: Heike

Nach längerer Überlegung im letzten Jahr hatte ich mich schließlich doch in Wales angemeldet. Die Schilderungen von Stephen aus dem letzten Jahr und meine Internetrecherchen über die Radstrecke hatten mich ja ins Zweifeln gebracht. Jedenfalls war dann der Entschluss gefallen, die Anmeldung auszufüllen und das mit Urlaub in Wales zu verbinden. Tenby ist wirklich ein schöner Ort mit Restaurants, Pubs, 2 Stränden, einer davon etwa 3 km lang. Es gibt einenen Wanderweg an der Küste entlang. Alles in allem also wirklich eine Reise wert. Unsere Ferienwohnung war in der Altstadt innerhalb der alten Stadtmauer. Aber ich wollte ja einen Rennbericht schreiben...

Der Ironman Wales hat so einige Besonderheiten: Da ist vor allem die Radstrecke mit etwa 2.500 Höhenmetern über teilweise sehr enge Straßen und vielen Kurven. Das Schwimmen ist am North beach, die Wechselzone auf einem Parkplatz, gut 1 km entfernt. Da ist also ein Extra-Lauf fällig und man ist zum Radfahren schon warm. Neben den üblichen Wechselbeuteln Bike und Run gibt es hier den weiteren Beutel in lila "Schwimmen und zur Wechselzone" mit einem weiteren Paar Schuhe (Laufschuhe oder Schlappen zum schnell überziehen). Die Laufstrecke ist insgesamt wellig über 4 Runden, also auch anders als z.B. Roth oder auch Frankfurt. Besonders ist auch, dass alle gemeinsam von der Wechselzone zum Schwimmstart den guten Kilometer um 6:15 Uhr gemeinsam gehen.

Unsere Ferienwohnung lag sehr günstig (wer also mal einen Tipp braucht: Chattaway House, Tenby) 500 m von der Wechselzone/Ziel und auch vom Schwimmstart, also in der Mitte der besagten Extra-Laufs.

Race-day 8.9.

Die Bedingungen waren zum Schwimmen ideal, 18 Grad warmes Wasser, hier ist Neo-Verbot kein Thema, aber es ist auch nicht zu kalt. Schwimmen war aber die wärmste Disziplin des Tages. Es sollte uns ein kühler Tag mit 15 Grad und auch Regenschauern erwarten (die bescheidensten Bedingungen in der Zeit unseres bisherigen Aufenthalts). Schwimmstart war um 7 Uhr, es geht wie erwähnt am North beach los. Etwa 150 Meter nach Wasserkontakt kommt die Boje zum links umschwimmen. Da insgesamt 2 Runden im Uhrzeigersinn geschwommen werden, hatte ich an der frühen ersten Boje mit einigem Gedränge gerechnet und versucht, mich eher außen zu halten. Eingeordnet hatte ich mich insgesamt aber eher im vorderen Startbereich. Ich kam insgesamt zu prügelfreiem Schwimmen. Das Feld hat sich in der ersten Schwimmrunde zügig sortiert. Beim Landgang hatte ich vom Streckensprecher die Zwischenzeit von 29 Minuten gehört, damit lag ich im erhofften Plan. In der zweiten Runde war auch freies Feld und Sicht, einserseits erfreulich, weil ich davon ausgehen konnte ganz gut zu liegen. Andererseits war die weit entfernte Boje Richtung Hafen schwer zu sehen und es war nicht ganz einfach, den geraden Weg zu schwimmen.

Nach dem Schwimmausstieg muss man eine Rampe vom Strand weg hoch in den Ort laufen. Am Geländer der Rampe hängen auch die lila Zusatzbeutel mit den Schuhen zum Lauf zur Wechselzone. Dort angekommen hieß es also erst Mal Windweste überziehen und auch Armlinge. Letzteres ist auch nicht so einfach, wenn man noch vom Schwimmen nass ist.

Fertig gewechselt hatte ich also die erwartet schwere Radstrecke in Angriff genommen. Man fährt in einer "8" zu einer Halbinsel raus und die zweite Schleife der Acht durch das Hinterland zur Küste nach Tenby. Den zweiten Kringel der 8 muss man 2 Mal fahren (also der schwerere Part). Die Strecke zur Halbinsel raus ist landschaftlich sehr schön, es hat durchaus wellige Anstiege, aber es ist der schnellere Teil. Ich konnte eingige überholen und Plätze gut machen. Nach etwa 60 km ist die erste Schleife der 8 geschafft. Dann kommt der hügelige Teil mit zum Teil sehr schmalen Straßen und Kurven. Es ist ständige Aufmerksamkeit gefordert, man muss wiederholt bremsen und antreten. Also so, wie ich es befürchtet hartte. Nach 90 km hatte ich etwa 2:40 Radzeit, aber die Erwartung, dass ich das nicht mal 2 nehmen kann, weil der zweite Kringel der 8 zwei Mal zu fahren ist. In der Tat ist dann, wenn man sich endlich bis Saundersfoot durchgekämpft hat eine nette 16%-Rampe zu erklimmen.

Die Übersetzung war also vorne klein und hinten groß, Power-Wiegetritt und die Wahnsinns-Geschwindigkeit von 8 km/h. Für die Insider: gut dass wir in Mallorca unser Bergzeitfahren am Ruhetag gemacht haben (Glückwunsch Rainer). Nach der Rampe gings wieder abwärts in den Ortskern Saundersfoot. Dann kommt ein längerer Anstieg hoch zur Straße zurück nach Tenby. Immerhin war da die Geschwindigkeitsanzeige wieder zweistellig. Wegen des zweiten Kringels der 8 durfte ich diesen Spaß auch gleich noch mal genießen, das heißt bei km 170 die 16%-Rampe. Da hatte ich einige sozusagen überrundet, die also bei km 130 lagen. Ich hatte noch nie beim Triathlon Wettkämpfer gesehen, die das Rad auf der Wettkampfstrecke geschoben haben. Der Irrsinn ist, das war nicht viel langsamer als mein Wiegetritt nach 170 km... Die Radstrecke hatte ich dann also nach mehr als 5:40 geschafft. Auf 5:40 hatte ich gehofft, lag also mehr oder weniger im Plan.

Zum Lauf ging es also auf die erste von 4 Runden. Der Kurs führt erst stadtauswärts einen Anstieg von 200 bis 300 m Länge hoch (etwa Willi-Steigung) und dann etwa 3 km ansteigend (etwa Postfenn-Steigung). Das ganze geht dann zurück und in kleinen Schleifen durch den Ort. Dort ist gut Stimmung an der Strecke und die Leute lassen sich durch Wetter nicht abhalten. Auf der Laufstrecke gibt es keine km- oder Meilenmarkierungen. Anhaltspunkte gibt es also damit nur nach den Runden. Die erste Runde lief gefühlt ganz gut und ich war nach etwa 50 Minuten durch. Von den Zeiten aus dem letzen Jahr dachte ich, dass ich 10 Stunden machen müsste für das Traumziel Chance aus Hawaii-Quali. Damit hätte ich 3:15 laufen müssen. Nach der ersten Runde war klar, dass ich die Zeit auf dem Kurs nicht laufen kann.

Heike war am Streckenrand von Stuart über den Live-Ticker beim Geburtstagsanruf informiert, dass ich nach dem Rad in der Altersklasse vorne liegen würde. Die Info bekam ich auf meiner zweiten Runde. Da hatte ich auch mein Tief im Lauf. Dass ich mich nicht hängen lassen soll, konnte ich nur mit jaja quittieren. Die dritte und vierte Runde ging gefühlt besser und ich hatte wahrgenommen, dass ich eigentlich nicht großartig überholt wurde von Läufern in derselben Runde. Das war ja durch die Rundenbändchen am Arm zu erkennen. Entweder waren die Läufer eine Runde zurück oder ich wurde überrundet von ohnehin weiter vorne liegenden Läufern. Nach der Zwischeninfo (danke an Stuart und Heike) hatte ich die Hoffnung, trotz der Laufzeit doch noch die Quali zu schaffen. 4 km vor Ziel flog jedoch ein Läufer an mir vorbei, der über den Buchstaben an der Wade erkennbar meine Altersklasse war. Da galt also der Grundsatz, eigenes Rennen machen und sehen was es wert ist.

Kurz vor dem letzten km hat mich noch ein Läufer eingeholt, dessen Altersklasse mangels Buchstaben auf der Wade nicht ersichtlich war. Der Startnummern nach zu urteilen, war ich davon ausgegangen, dass er nicht meine Altersklasse ist. Aber sicher war ich nicht, also versuchen dranzubleiben und vor dem Ziel wegkommen und sich nicht auf einen Spurt einlassen. Insofern habe ich frühzeitig versucht das Tempo hoch zu halten und bin die letzten etwas 500 m schneller gelaufen. Das hat ein paar Sekunden Abstand gebracht. Im Ziel hatte sich dann rausgestellt, er war Altersklasse 40, umsonst beschleunigt. Nach 10:31 h war der Sporttag für mich beendet. Aufgrund der Strecke war das wohl das härteste Rennen, was ich hatte. Vorteil ist, dass es kein Hitzerennen ist. Es ist insgesamt ein interessanter Wettkampf, wirklich mal anders und mit Stimmung im Ort an der Laufstrecke, egal wie die Bedingungen sind.

Jetzt ist Saisonpause bevor es nächstes Jahr wieder losgeht!


© TriGe Sisu Berlin; 29.9.2013