Bericht Ironman Wales 10.9.2017

von Martin Seller

Auf das, was ich da erlebt habe, war ich einfach nicht vorbereitet. Das Wetter und die Schmerzen haben mich 10 Jahre altern lassen. Der Kurs an sich ist schon eine absolute Meisterprüfung. Aber das wusste ich anhand der Papierlage im Vorfeld. Wenn dazu aber noch Dauerregen, kalte Temperaturen und Wind von 52 km/h mit Böen über 80 km/h kommen, weiß ich nun, dass es definitiv nicht mein Rennen ist. Zudem kommt hinzu, dass die AK35 verdammt stark war. Es haben sich noch einige schnelle Leute in letzter Minute angemeldet, um einen Slot für Kona 2018 zu ergattern. Meine zwei, lange im Vorfeld ausgespähten Konkurrenten aus Deutschland, sind beide auch an den Qualiplätzen vorbeigeschrammt.

Zum Rennen: Ich hatte mich im Vorfeld (aufgrund der Wetterprognose) für ein enges Langarmshirt entschieden, welches ich unter meinen Rennanzug anziehen wollte. Zusätzlich hatte ich eine Windweste in den Radbeutel gepackt und wollte kurzfristig entscheiden, ob ich sie anziehe. Das Setup hatte ich einen Tag vorher beim Einschwimmen unter dem Neo ausprobiert und gemeint, dass das Langarmshirt die Schulter zwar etwas mehr belasten wird, aber der zusätzliche Wärmeschutz beim Schwimmen wichtiger ist. Die Wassertemperatur lag bei 17 Grad.

Doch leider lief die erste Schwimmrunde schon nicht ganz optimal. Bei dem Streckenabschnitt parallel zum Strand bin ich etwas zu weit außen geschwommen und musste dadurch zusätzliche Meter schwimmen, die nicht hätten sein müssen. Dies lief in der zweiten Runde besser, doch durch die Kälte bekam ich auf den letzten 1,5 km Wadenkrämpfe, sodass ich öfters die Beine unter Wasser anstellen musste und anschließend den Beinschlag komplett aussetzen musste. Dadurch lief das Schwimmen nicht wie gewünscht und ich bin bereits mit etwas Zeitrückstand aus dem Wasser raus.

Dann der nächste Fehler: Weil es noch trocken war, packte ich die Windweste wieder in den Beutel. Ich hab auf der Radstrecke dermaßen gefroren und gezittert wie Espenlaub, dass ich selbst meine Hände kaum spüren konnte. Dies macht die Abfahrten entsprechend schwieriger. Dazu kam nasses Laub und Schlamm auf den Straßen und der krasse Wind, der anfangs direkt von vorn kam und im Naturschutzgebiet dann teilweise leicht seitlich, sodass man sich extrem darauf konzentrieren musste, nicht vom Rad zu fliegen, oder in einen Graben zu steuern.

Das waren solche Bedingungen, bei denen man Samstags oder Sonntags aus dem Fenster schauen und entscheiden würde, nicht einen Fuß vor die Tür zu setzen. Ich hatte einfach keine Power, musste 2mal einen Dixiestopp einlegen und bin mit 15 min Rückstand auf Platz 9 der AK (letzter mutmaßlicher Hawaii-Slot) vom Rad runter.

Naja, wenn man im Kopf dann auch schon resigniert hat, kann man beim Laufen auch nicht mehr viel rausholen. Zudem kann man die Schmerzen auch nicht mehr so gut ignorieren. Selbst mein Kiefer schmerzte (keine Ahnung warum). Ich hätte unter 3:15 h laufen müssen, um noch eine realistische Chance zu haben. Dies ist bei diesem Kurs (500 Hm) aber nicht drin, zumindest bei mir nicht. Die ersten 21 km konnte ich noch in vernünftigen 1:51 h laufen. Danach ging einfach nix mehr.

Bei KM 25 bin ich dann noch in einem Schlagloch umgeknickt und hab mich so richtig schön auf die Fresse gepackt. Wie ich da so lag, kam noch ein fetter Krampf an der Oberschenkelrückseite. Zum Glück ist nix Schlimmeres passiert und ich konnte weiterlaufen. So hab ich mich dann noch 2 Runden ins Ziel geschleppt und war einfach nur froh, dass der Tag ein Ende hatte.

Am Montag bei der Slotvergabe wurden alle Slots in meiner AK direkt angenommen, sodass einige gute Leute leer ausgegangen sind, die sich in Wales etwas ausgerechnet haben. Zufrieden bin ich nicht, aber enttäuscht auch nicht. An diesem Tag war ich einfach nicht hart genug und es gab einfach wesentlich Härtere. Kona muss einfach noch ein paar Jahre auf mich warten.

Den nächsten Versuch werde ich vielleicht beim Ironman Zürich unternehmen. Ob 2018 oder 2019 weiß ich allerdings noch nicht. Ich muss erst die Schmerzen vergessen...

 


© TriGe Sisu Berlin; 18.9.2017