Bericht Ironman Wales 10.9.2017

in Tenby oder walisisch Dynbych-y-Pysgod

von Michael Noll

Nachdem Martin und ich uns nach dem Ironman in Frankfurt noch in Wales angemeldet hatten, war also nun 9 Wochen später nochmal die lange Distanz angesagt. Angereist sind wir am Donnerstag vor dem Rennen per Flug nach Bristol und hatten da abends noch eine Übernachtung in Flughafennnähe. Am Freitag ging es dann mit dem großen Mietwagen die gut 2,5 Stunden Fahrt nach Tenby. Dort hatten wir ein schönes B&B gebucht, alles in fußläufiger Entfernung zur Altstadt und zum Wettkampfgeschehen. Tenby ist ein schöner Badeort mit alter Stadtmauer. Er liegt auf Klippen und hat viele bunte Häuser.

Das Rennen an sich kannte ich ja schon von meinem Start vor 4 Jahren. In Frankfurt hatte ich beim Laufen in der zweiten Hälfte mit der Hitze zu kämpfen – ein Hitzerennen war in Wales nicht zu erwarten, und das sind dann Bedingungen, wo ich hoffte, gerade beim Laufen nicht zu viel einzugehen. Rennen mit Regen und kühlen Temperaturen hatte ich ja schon einige, so dass mich diese Aussichten auch nicht beunruhigt hatten. Das wichtigste Utensil im Wechselbeutel für Rad ist übrigens die gute Sisu-Windweste, die den Körper warm hält. Das funktioniert auch im Regen. Auch das kannte ich ja schon von vor 4 Jahren. Die Wechselbeutel wurden also entsprechend am Samstag mit dem Rad vorm Rennen eingecheckt. Die Zeiten der Ebbe wurden an den Vortagen immer genutzt Motivationssprüche in den Sand am Strand zu schreiben. Hatte ich bisher auch noch nicht gesehen – schöne Idee.

Am Sonntag war der Start für 7 Uhr terminiert. Um 6:30 laufen alle gemeinsam von der Wechselzone zum Schwimmstart. Da wird sich schon zum Rolling Start für das Schwimmen sortiert, um beim schmalen Abgang am Weg die Klippen runter fertig zu sein. Der Spaziergang zum Start ist auch der Weg von gut 1 km, den man nach dem Schwimmen auch zum Rad zurücklaufen muss. Daher gibt es einen extra Wechselbeutel für den Weg von den Klippen zum Rad zurück mit einem Paar Schuhen.

Geschwommen werden 2 Runden mit Landgang. Der Landgang ist eher von der längeren Sorte, sicherlich etwa 400 m am Strand eine große Wende. Das Wasser hatte 17 Grad und war mit Neo gut zu schwimmen. Das Meer war auch relativ ruhig. Es gab ein paar Bewegungen auf und ab, aber keine schwierigen Wellen. Das Schwimmen war nach gut 57 Minuten beendet. Den Neo also an den Klippen ausziehen, Schuhe an und mit dem extra Wechselbeutel und Neo drin zum Wechsel laufen.

Nachdem Windweste und Ärmlinge angezogen waren, ging es also auf die Radstrecke. Gefahren werden eine große und eine kleine Runde. Es geht ständig in Wellen auf und ab. Die Strecke hat viele Kurswechsel, so dass der Kurs unrhythmisch ist. Man muss ständig bremsen und wieder anfahren. Gespickt ist das auch noch mit 2 Rampen von 16% Anstieg zum Ende der jeweiligen Runden. Letztmalig bei km 170 und 174.

Von den Radbedingungen war das das härteste was ich bisher so erlebt hatte. Wir hatten Dauerregen und eben die kühlen Temperaturen. Darüber hinaus war Wind mit laut Wetterbericht durchschnittlich 50 bis 60 km/h, in Böen bis 80 km/h. Dementsprechend schwerer wurde der Radkurs. Durch den Wattmesser am Rad konnte ich mit Blick auf die Leistung fahren, was bei den Bedingungen gut war. Die Geschwindigkeit ist dann weniger aussagekräftig.

Nach etwa 45 Minuten Fahrzeit lag meine Leistung bei 275 Watt und damit über meinem Schnitt für eine Langdistanz. Ich habe etwas rausgenommen, um nicht zu sehr auszupowern. Am Ende waren es dann etwas mehr als 250 Watt. Die Leistung die ich auch in Frankfurt hatte, aber die Radzeit in Wales war 1 Stunde länger. Kurs und Bedingungen waren also nicht einfach. An der letzten 16%-Rampe ist auch schöne Zuschauerunterstützung. Da ist es richtig laut und ein kleines Solarer-Berg-Gefühl kam auf. Da standen auch einige verkleidete Zuschauer: als Mönche oder einer als Priester. Letzterer hat auch alle am Gipfel gesegnet. Mit einer 5:55 Radzeit kam ich zum Wechsel, ein Schnitt von 30,5 km/h. Also auch 15 Minuten langsamer als vor 4 Jahren. Dann ging es auf die Laufstrecke.

Unsere Frauen hatten im Live-Track die Platzierung verfolgt. Ich bekam den erfreulichen Zuruf Platz 1 in der Altersklasse. Die Radzeit war also für die Bedingungen doch gut genug, um für die erhoffte Hawaii-Qualifikation im Rennen zu sein. Gelaufen werden 4 Runden und dabei summiert sich das auch auf etwa 600 Höhenmeter. Es geht stadtauswärts bergan und dann zurück in die Altstadt. Dort läuft man kreuz und quer durch die Gassen. Damit ist dort gute Stimmung an der Strecke. Die Waliser lassen sich von Wind und Regen nicht abhalten. Da wird zum Teil in kurzen Hosen am Pub gestanden. Dort ist die Versorgung sichergestellt. Also da ist schon was los. Auf meinen Laufrunden konnte ich das Tempo ziemlich gleichmäßig halten. In der zweiten Hälfte war ich nicht so viel langsamer geworden. Trotz der Höhenmeter war meine Laufzeit besser als die im Hitzerennen von Frankfurt.

Am Ende war ich mit einer Zeit von 10:42 h im Ziel. Wie sich herausstellen sollte, hat das sogar für den Sieg in der Altersklasse gereicht. Das Ergebnis hatte dann doch meine Hoffnungen übertroffen, die mit Platz 5 als vermutlich letztem Platz für die Quali waren. Insgesamt waren die Bedingungen schon das krasseste, was ich bisher hatte, wobei Hitze ja immer für mich ihre eigenen Schwierigkeiten mitbringt. Aber irgendwie scheint mir Wales zu liegen. So jetzt ist Saisonende und die Gewissheit, dass es nächstes Jahr ein Hitzerennen gibt wenn es heißt 3,8 km Au Au Kai, 180 km Paikikala, 42,2 km Holo Holo.

 


© TriGe Sisu Berlin; 18.9.2017