Ironman 70.3 Jönköping, Schweden 10.7.2016

von Martin Seller

Als im Sommer letzten Jahres bekannt wurde, dass es eine neue Halbdistanz in Schweden geben wird, kam Dani direkt auf die Idee dort zu starten. Jönköping liegt am Vätternsee, dem zweitgrößten See Schwedens (Umfang 550 km) und doppelt so groß wie der Bodensee. Dani hatte in der Nähe ein Semester lang studiert und kannte somit die schöne Gegend. Irgendwann zum Jahresende kam Danis Bruder auf die Idee, seine Schwester bei dem Rennen begleiten zu wollen. Matthias, der noch nie einen Triathlon gemacht hatte.

Wie es das Glück so wollte, lief die Vorbereitung alles andere als optimal. Matthias hatte gesundheitliche Beschwerden und hatte Sportverbot erteilt bekommen und Dani ist beim 5150 in Kraichgau blöde gestürzt und hatte sich u.a. den Ellenbogen gebrochen. Naja, und mir erging es 2 Wochen vor dem Rennen leider auch nicht besser. Ein Radunfall vor 2 Wochen mit Krankenhausaufenthalt haben mich auch 2 wichtige Trainingswochen gekostet.

Wir haben uns in der Nähe eine wunderschöne Ferienwohnung gemietet und sind Donnerstagnacht mit dem Auto über Kopenhagen, Malmö knapp 1100km nach Jönköping gefahren. Angekommen haben wir die Registrierung durchgeführt und ein bisschen entspannt.

Freitag sind wir mit dem Auto die Radstrecke abgefahren. Die hat es wirklich in sich. Es waren knapp 900 Höhenmeter zu bewältigen und diese eigentlich schon auf den ersten 50 km. Landschaftlich war die Strecke der absolute Knüller. Typisch Schweden: durch Wälder, vorbei an weitläufigen Wiesen und Seen. Hammer. Es ist nur eine Radrunde von 90 km zu bewältigen.

Freitagabend war noch das offizielle Racebriefing. Das Welcomebuffet gab es diesmal in 7 verschiedenen Restaurants im Ort. Anmerkung von Dani: "atmosphärisch nette" Restaurants.

Rennvortag

Morgens haben wir die Räder eingecheckt. Die erste Wechselzone war ungefähr 500 m weg vom Wasseraustieg. Man muss durch den ganzen Ort laufen. Wir haben noch gehofft, dass zumindest ein Teppich auf das Kopfsteinpflaster ausgelegt wird.

Nach dem Check-In sind wir dann die Schwimmstrecke abgeschwommen. Es war wahrscheinlich die einfachste Schwimmstrecke überhaupt. Gerade raus, unter einer Brücke durch, links abbiegen, 100 m geradeaus, wieder links abbiegen und gerade zurück. Also Orientierungsprobleme sollten nicht aufkommen. Geschwommen wird nicht im Vätternsee, sondern in dem kleineren "Binnensee" Munksjön, der durch einen kleinen Kanal mit dem Vätternsee verbunden ist. Dadurch war eine leichte Strömung im See zu verspüren.

Raceday

Für den Renntag war eigentlich komplett Regen angesagt. Morgens war es zwar bewölkt, aber trocken. Um 7 Uhr öffnete die Wechselzone, und wir richteten uns ein. Ab 8:30 Uhr sollte man dann zum Schwimmstart gehen. Es war ja auch ein längerer Weg zurückzulegen. Einschwimmen durfte man sich nur in dem kleinen Kanal zwischen den beiden Seen. Der Schwimmstart sollte als Rolling Start erfolgen, sodass alle 5 Sekunden immer 4 Athleten der insgesamt 2000 Starter die Startrampe in den See gelassen wurden. Vorher musste man sich entsprechend seiner Zielschwimmzeit einordnen.

8:53 Uhr: Die schwedische Nationalhymne wird live gesungen.

8:55 Uhr: Startschuss für die Profis mit internationaler Beteiligung (Frederic van Lierde, Ironman Weltmeister 2013; James Cunnama; Andreas Dreitz, Timo Bracht und und und). Anmerkung von Dani: Jodie Swallow ;-)

9 Uhr erfolgte der Startschuss für die Altersklassenathleten. Der Rolling Start funktionierte hervorragend. Ohne großes Gewühle ging es also über die 1,9 km. Das Schwimmen lief bei mir ganz OK, wobei man beim Schwimmen immer nie einschätzen kann, wie schnell man unterwegs ist. Irgendwann hängt man sich an ein paar Füße ran und schwimmt mit.

Am Ende waren es knapp über 31 min. Auf den 500 m Laufweg zur Wechselzone konnte ich bereits einige Leute überholen. Der Teppich war über die komplette Strecke zur Wechselzone verlegt – wie vorher gehofft. Dann ein schneller Wechsel und ab auf's Rad.

Dank meines Wattmessers konnte ich mich bei den Anstiegen komplett auf die Leistung konzentrieren, ohne zu überzocken. Teilnehmer, die einen am Fuße eines Anstiegs überholt haben, konnte ich an und nach der Kuppe entspannt wieder einholen.

Leider hatte ich das Gefühl, dass viele schwedische Teilnehmer nicht wussten, was 12 m Abstand bedeuten und anfangs viel gelutscht wurde. Auch wenn man einen Teilnehmer überholen wollte, hat dieser dann beschleunigt, sodass man kurz über seine Verhältnisse drücken musste, um vorbei zu kommen. Gottseidank kamen dann auch irgendwann ein paar Race-Marshalls und haben ein paar unfaire Sportskameraden rausgeholt.

Aus der Gruppe mit 15 Mann hat sich dann eine 5er Gruppe lösen können, zu der ich auch gehörte. Wir sind mit großzügigen 20m Abstand sauber gefahren und haben uns auch immer mal vorne abgewechselt. Man muss dann einfach auch taktisch fahren. Es bringt dann nix, Vollgas vorbei zu knallen, seine Körner zu verschießen, um am Ende wieder eingeholt zu werden. Denn auch wenn man 20m Abstand hält, bringt es einen enormen Vorteil, wenn jemand vorne das "Pacing" übernimmt und man sich danach orientiert.

Die Gruppe hat perfekt harmoniert und so kam dann auch eine 2:25er Radzeit mit 264 Watt im Durchschnitt zustande. Ich habe mich aber beim Rad auch absichtlich nicht zurückgehalten, weil ich durch den Trainingsrückstand wusste, dass ich beim Laufen nix gewinnen kann.

So kam es dann auch. Die ersten 5 km gehen erfahrungsgemäß immer recht einfach mit einem 4:05er/4:08er Schnitt. Danach fehlte dann einfach die Power und ich verfiel in mein Entspannungstempo und "joggte" die restliche Strecke.

Die Laufstrecke ist komplett asphaltiert und besteht aus 2,5 Runden durch die Stadt und am Vätternsee entlang. Wunderschön. Ich habe dann einfach den Wettkampf und den Support von Dani genossen. Dafür gab es auch einen Kuss zwischendurch, der zwei Schwedinnen hinter uns entzückte. Das Ziel kam nach einem langen Zielkanal mit vielen Zuschauer rechts und links, direkt vor dem Rathaus.

Die Zielverpflegung war überragend. Es gab frisch zubereitete Burger, die extrem lecker waren. Dann haben wir uns noch mit Florian Seifert aus Berlin unterhalten, der lange Zeit das Profifeld auf dem Rad angeführt hatte und damit die internationale Konkurrenz wohl etwas überrascht hatte.

Danach haben wir noch Matthias an der Strecke angefeuert, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte und das Rennen auch genossen hat. Nach knapp über 6 Stunden kam er dann auch zufrieden ins Ziel. Jetzt haben wir noch eine Woche Urlaub hier im schönen Schweden, bevor es nächstes Wochenende zum Anfeuern nach Roth geht.

Wir werden definitiv hierher zurückkommen. Schließlich will Dani hier auch nochmal starten. Hoffentlich ist der Wettkampf nächstes Jahr eine Woche später, dann kann ich sie nach dem Ironman Frankfurt wunderbar vom Streckenrand aus supporten.

Beste Urlaubsgrüße aus Schweden!

Ergebnisse gibt es hier


© TriGe Sisu Berlin; 13.7.2016