Deutsche Meisterschaften Duathlon 10-40-5 in Kalkar 29.3.2015

Sonja wird Deutsche Meisterin W20

von Dirk Bettge; Fotos: Susi

Strecke: 10 Lauf - 36 Rad - 5 Lauf; Wetter: 10 Grad, Regen, stürmisch

Angeheizt von der Planungseuphorie in der spätherbstlichen Wettkampfpause hatten Sonja und ich uns beide für die DM Altersklassen im Kurz-Duathlon angemeldet. Die guten Erfahrungen mit der Veranstaltung in Cottbus letztes Jahr und die Aussicht, in Kalkar im selben Wettkampf zu starten, ließ uns über die weite Anreise an den Niederrhein und den frühen Termin Ende März gnädig hinweg sehen.

Unser Quartier auf Burg Boetzelaer, Kalkar und der Rhein

Kalkar – war da nicht was? Das denken vermutlich eher die etwas älteren unter uns. Da sollte mal das erste deutsche Atomkraftwerk mit einem Brutreaktor entstehen, der mit den erzeugten Neutronen das sonst nicht nutzbare (aber in großem Überschuss vorhandene) Uran 238 in spaltbares Plutonium verwandelt. Auf diese Weise sollten die heimischen Uranvorräte viel länger nutzbar sein. Allerdings wird systembedingt nebenbei jenes waffenfähige Plutonium erzeugt, ein hochgiftiges Teufelszeug. Anfangs vielleicht eine verlockende Idee, aber nach gut 20 Jahren Planung und Bau sowie – inklusive Kostenexplosion – einige Milliarden D-Mark später wurde schließlich die politische Reißleine gezogen.

Wunderland Kalkar, Vorbereitungen in einer der Messehallen

Ich habe eine Weile gebraucht, um zu realisieren, dass das "Wunderland Kalkar", auf dessen Gelände der Wettkampf stattfinden würde, sozusagen auf den Ruinen der Atomfabrik entstanden ist. Maskottchen "Kernie" legt Zeugnis davon ab, interessanter Humor. Nach Studium der All-inclusive-Hotels im Wunderland hatten wir uns kurzerhand auf Burg Boetzelaer untergebracht, einer teilrestaurierten Anlage aus dem 13. Jahrhundert, sehr stilvoll und aufgrund des Preises garantiert ohne Pauschaltouristen.

Auch die kleinsten müssen raus in den Regen

Die Wetterprognose sah schon eine Weile vorher durchwachsen aus, aber Richtung Wettkampf verdichteten sich die Anzeichen, dass es anspruchsvoll werden könnte. 3 Tage vorher erließ die DTU schonmal aus Sicherheitsgründen ein Verbot von Scheibenrädern, außerdem wurde der Zieleinlauf vom Marktplatz Kalkar in die Messehalle verlegt (was für die mitgereisten Zuschauer ohnehin die bessere Variante war) und die Radrunde um eine Kopfsteinpassage gekürzt.

Offenbar hatten sich beim morgendlichen Blick nach draußen etliche Athleten im Bett umgedreht, so dass in der Wechselzone einiger Platz war. Die Teilnehmerzahl kam daher ans Vorjahr nicht heran. Aber wenn man schon extra angereist ist, verbieten sich solche Gedanken, obwohl der Wind in der Nacht schon bedenklich um den Burgturm pfiff. Zusammen mit der üblichen Nervosität macht das ganz schlechten Schlaf.

Aber nun zum Rennen selbst: Sonja würde die einzige Starterin in der W20 sein. Der Titel war ihr also sicher, daher wollte sie natürlich mit einer guten Gesamtplatzierung glänzen. Für mich ging es "nur" darum, in der AK45 nicht abgehängt zu werden. Trotz bis dato geringem Rennrad-Umfang (geschweige denn Zeitfahrmaschine) fühlte ich mich nach den Cross-Duathlons in den Vorwochen ganz gut vorbereitet. Sonja startete als erste mit der Frauen-Welle. Mit dem im Jugendbereich üblichen Schnellstart rannte sie optimistisch aus der Halle. Einige gute Läuferinnen waren allerdings am Start, so dass Sonja nach einer Weile reißen lassen musste, außerdem gab's etwas Magenprobleme. Jedenfalls kam sie als siebte zum ersten Wechsel. Aber siehe da – schneller Wechsel ist unter AK-Duathletinnen nicht so üblich, da wurde teilweise in aller Ruhe an- und umgezogen, und nach dem Sprung aufs Rad war sie schon am Podium dran.

Angesichts der wirklich schwierigen Verhältnisse auf der ansonsten komplett flachen Radstrecke mit Sturmböen und Dauerregen waren gute Radfahrerinnen gegenüber reinen Läuferinnen letztlich im Vorteil. So auch die spätere Gesamtsiegerin, die nach verhaltenem ersten Lauf Sonja auf der Radstrecke nach zwischenzeitlicher Führung auf den zweiten Platz verwies. Nach dem Radsplit war Sonja durchgekühlt und schon ganz schön fest, aber es reichte zur Verteidigung der Position. Gesamt-Zweite also und DM-Titel!

Ich war mit der M40/45-Welle eine knappe halbe Stunde später dran. Angesichts des straffen Gegenwinds auf dem Lauf-Hinweg nach Kalkar ließ ich die Renntaktik erstmal außenvor und versuchte, an einer kleinen Gruppe dranzubleiben. Nach der Wende ließ ich lieber weitere Konkurrenten ziehen als zu überdrehen. Aber die Abstände waren am Ende nicht so riesig, es waren wenige ganz schnelle Läufer in meiner Gruppe. Auf dem Rad konnte ich mich (das habe ich im nachhinein festgestellt) von AK-Platz 8 (von 11) bis auf 3 vorarbeiten. Der Seitenwind war so, dass man nicht leichtfertig eine Hand vom Lenker nehmen durfte und in den Kurven Vorsicht angesagt war. Dafür immer schön hochschalten, sobald es leichter zu werden schien. Den letzten Überholten hatte ich zu spät gekriegt, der kam ziemlich schnell wieder vorbei, doch die anderen kamen näher, aber nicht ran. Die letzte Runde war hart, und irgendwie blieb ich nach der ersten Zeitnahmematte in der Zielgasse stehe, bis mir zugebrüllt wurde, dass das Ziel erst da hinten sei. Mit dem Restadrenalin in den Adern konnte ich drohenden Platzierungs-Schaden verhindern.

Puh – nachdem wir uns der durchgeweichten Sachen entledigt hatten, konnten wir die Wartezeit bis zur Siegerehrung überstehen, Sonja hatte noch Zusatzschichten von Susi erhalten. Bei aller Freude, die Siergerehrung war etwas seltsam. Nachdem man angefangen hatte, einzelne AKs zu ehren, wurden erst alle weiteren dritten, dann alle zweiten und zum Schluss alle restlichen Meister geehrt. Dass die Athleten vielleicht gerne auf dem richtigen Treppchenplatz gestanden hätten, war den Veranstaltern offenbar egal. Eine Gesamtwertung wurden entgegen der Ausschreibung auch nicht vorgenommen. Daher erlaube ich mir, aus gegebenem Eigeninteresse im Folgenden eine "virtuelle" Gesamtwertung aufzuführen:

10-35,8-5; 96 Männer und 30 Frauen ab 20 Jahre im Ziel

Pl  Name           Verein                 AK  Pl  Lauf1 T1   Rad     T2   Lauf2  gesamt
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 1  Osterholt, Tanja   SG Borken          W40  1  44:05 1:21 1:06:00 1:07 22:35  2:15:08
 2  Bettge, Sonja      Sisu Berlin        W20  1  42:40 0:37 1:09:07 0:46 22:45  2:15:57
 3  Gollnick, Marion   Tria Hockenheim    W45  1  43:02 1:12 1:08:31 1:04 22:17  2:16:08
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 1  Hibbe, Tobias      Brander SV         M25  1  32:11 0:45   56:53 0:34 16:45  1:47:09
 2  Imhoff, Sven       LG Mönchengladbach M35  1  33:55 0:49   55:47 0:43 19:15  1:50:31
 3  Dürr, Christian    Hildener AT        M30  1  34:25 0:42   56:28 0:52 19:29  1:51:56
    ...
41  Bettge, Dirk       Sisu Berlin        M45  4  40:35 0:42 1:01:34 0:48 22:33  2:06:15
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Ergebnislisten: online beim Zeitnehmer oder als pdf

Veranstalter-Website

Nachtrag

Am Abend ging der Sturm dann so richtig los. Wir haben überlegt, ob wir uns trauen, nochmal das Haus zu verlassen, um zum Restaurant im nächsten Ort zu fahren oder ob wir dann unter einem umgestürzten Baum enden. Jedenfalls – wäre das Wetter einen halben Tag früher gekommen, hätte der gesamte Wettkampf abgesagt werden müssen. Während ich das hier schreibe (Dienstag Nachmittag) ist draußen auch noch ordentlich was los, heute morgen hat's geschneit, und wir haben gerade beschlossen, dass die Pflanzen noch bis nach Ostern im Keller bleiben dürfen.

Ein ganz großes Lob muss ich noch an Susi loswerden, die "ihre" Athleten mustergültig betreut und den logistisch nicht unanspruchsvollen Anfeuerungs- und Fotodienst gemeistert hat!


© TriGe Sisu Berlin; 31.3.2015