Knappenman 27.8.2016

von Martin Seller

Zwei Wochen vor dem Saisonabschluss in Rügen stand als "Trainingswettkampf" der Knappenman in oder bei Lohsa, in der Nähe von Hoyerswerda auf dem Plan. Über die Location haben im letzten Jahr Denise und Janine bereits berichtet. Am Samstag findet dort die Lang- und Mitteldistanz statt, am Sonntag dann Sprint- und olympische Distanz. Auch für Jörg sollte es nochmal ein Test für den Berlinman werden. Tobias gab sein Debüt auf der Mitteldistanz. Für Danny vom TriTeam war es eine Tempoeinheit in seiner Vorbereitung für Kona.

Ich wollte bei diesem Testwettkampf mal eine etwas passivere Vorgehensweise beim Laufen testen. Sonst laufe ich die ersten 5km des Halbmarathons immer in unter 21min, um dann dem Tempo Tribut zollen zu müssen. Diesmal wollte ich also mit einem 4:25/4:30er Tempo loslaufen und mal schauen, ob ich das dann etwas entspannter bis zum Schluss durchlaufen kann. Dass ich diesen Plan dann komplett über den Haufen werfen werde, zeichnete sich schon morgens 9:30 Uhr beim Einchecken/ Startunterlagenausgabe ab. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt waren die Temperaturen enorm und der Schweiß floss allein vom Rumstehen. Die Langdistanzler startet 7:00 Uhr, die Mitteldistanzler 11:00 Uhr. Der See hatte 23,2 Grad, also Neoverbot. Gott sei Dank muss man sagen, denn ich hätte ungern in der prallen Sonne mit der schwarzen Pelle rumgestanden.

Der Schwimmkurs ist ein Dreieckskurs mit Landstart. Punkt 11 Uhr ging's los. Anfangs befand ich mich mitten in einer Gruppe gefangen, eine nächste Gruppe war leicht voraus. Die Prügelei hielt sich in Grenzen, wobei ohne Gerangel verläuft es niemals. Nach ca. 300m zog rechts ein schnellerer Schwimmer an mir vorbei und ich nutzte die Gelegenheit, auszuscheren und mich an seinen Füßen zur nä. Gruppe ziehen zu lassen. Nach der ersten Wendeboje hatte ich dann einen "passenden" Kollegen gefunden, der ein gutes Tempo zum Mitschwimmen hatte. Dank des klaren Wassers musste man nicht einmal den Kopf aus dem Wasser nehmen. 31:34 ohne Neo war für mich absolut zufriedenstellend.

Dann ab auf's Rad. Die Radstrecke verläuft auf einer gesperrten Landstraße zum Scheibesee, Runde rum und zurück Richtung Dreiweibener See. Dort war dann die Verpflegungsstation und der Wendepunkt. Die Strecke musste dreimal gefahren werden. Die Strecke ist flach, sehr schnell, aber verdammt langweilig. Spannend machten es nur am See die unsichtbaren Bodenwellen (aufgerissener Asphalt durch die Wurzeln der Bäume). Mitten aus dem Nichts gab es bei über 40km/h auf einmal einen Schlag am Lenker. Richtig spannend war es, wenn man gerade mit einer Hand gemütlich an der Flasche genuckelt hat.

Nach ca. 20 km kam dann Danny von hinten angeflogen. Kurzer Smalltalk, ob er noch einen Kaffee nach dem Schwimmen getrunken hatte und schon "flog" er weiter. Auf dem ersten Weg zum Wendepunkt fiel dann aus heiterem Himmel meine Kette nach außen und wickelte sich um meinen Kurbelarm. Mit viel Geduld und akrobatischen Künsten gelang es mir dann diese wieder auf's Kettenblatt zu bringen, was bei ovalen Blättern nicht ganz einfach ist. Dieses Missgeschick wollte ich dann Dani beim Wendepunkt zurufen, die mir aber dann gleichzeitig zurufen wollte, dass Danny beim Wendepunkt gestützt ist. Ich hörte also nur was von "Sturz" und sie hörte etwas von "runter geflogen". Ich hatte dann also in der zweiten Runde Zeit, mir zu überlegen, was sie wohl meinte und ihr haben andere Zuschauer geholfen, herauszufinden, was ich gerufen haben könnte. Danny konnte aber zum Glück direkt weiterfahren.

Die Hitze war inzwischen unbarmherzig, Schatten gab es eigentlich nur am Wendepunkt und die eine Verpflegungsstation für 30km waren echt zu wenig. So merkte ich dann auch nach 60km langsam, wie die Leistung abnahm. Dennoch konnte ich mit 264 Watt diesmal einen guten 38,5er Schnitt treten. Ist aber eben auch eine flache Strecke. Ich kam als 11. vom Rad, aber wusste, dass ich meinen Laufplan abhaken kann, wenn ich "unbeschadet" aus dieser Nummer rauskommen will. Denn es sollte ja nur ein Training sein und für Rügen in 2 Wochen wollte ich noch ohne Pause weitertrainieren können. Also meinte ich direkt zu Dani, dass ich hier einfach nur ein Koppelläufchen machen werde. Es waren 2 Runden um den Dreiweibener See zu laufen mit einer zusätzlichen Schleife mit Wendepunkt auf der Hälfte des Sees, um auf die 21 km zu kommen. Nach der ersten Runde hat man ein Rundenbändchen erhalten.

Schatten gab es vielleicht auf 5% der Strecke. Der Rest war in der prallen Sonne. In der ersten Runde war es verdammt einsam. Keine Zuschauer. Nur auf der Schleife sah man die anderen Läufer. Nach 8km kamen dann ein paar schnellere Teilnehmer vorbei und man sammelte einzelne Langdistanzler ein. Die taten mir heute besonders leid. 6 Radrunden und 4 Laufrunden fast ohne Zuschauer bei brütender Hitze - da gibt es definitiv schönere Langdistanzwettkämpfe. Ich habe jede Verpflegungsstation genutzt, um ausreichend zu kühlen und zu trinken. So kam ich dann auch wirklich unbeschadet ins Ziel.

Dort hörte ich dann leider, dass Danny falsch geleitet wurde und in eine dritte Laufrunde geführt wurde. Erst nach ca. 600m bemerkte er den Fehler und lief zurück. Dadurch verlor er seinen Podiumsplatz und war entsprechend frustriert. Einen offiziellen Protest bei den Kampfrichtern hätten ihn 25 Euro gekostet mit wenig Chance auf Erfolg, denn man sagte ihm, dass er am Ende selbst verantwortlich für die Streckenkenntnis ist. Die übereifrigen Ordner haben im Prinzip erst einmal jeden in die nä. Runde geschickt, da sie die Rundenbändchen nie rechtzeitig erkannt haben. Aber ich hatte nach der ersten Runde schon gecheckt, wo das Ziel ist und habe den Ordnern dann signalisiert, dass ich durch bin.

Tobias habe ich beim anschließenden Baden im See wieder getroffen. Er war super zufrieden mit seiner Mitteldistanzpremiere und einer Zeit unter 5 Stunden. Jörg hatte sich auch gut durchgekämpft, auch wenn die Hitze ihm ebenfalls sehr zugesetzt hatte.

Kann ich den Wettkampf weiterempfehlen? Ich weiß es nicht. Er ist flach und schnell, aber es sind kaum Zuschauer da. Dafür kostet er weniger als die Hälfte eines Ironman 70.3 oder Challenge-Wettbewerbes, aber noch mehr als der Spreewald Triathlon. Und für das Geld bekommt man auf der Radstrecke nur alte gebrauchte Trinkflaschen von irgendwelchen anderen Wettbewerben (u.a. Velothon, etc.). Das finde ich etwas unhygienisch.

Hier sind Links zu den Ergebnissen.


© TriGe Sisu Berlin; 31.8.2016