Bericht Challenge Kraichgau 15.6.2014

Im Land der 1000 Hügel

von Martin Seller

...und heftigen Winde. Dafür mild und Sonnenschein. Letztes Jahr noch als Zuschauer an der Strecke, sollte ich diesmal gemeinsam mit meinem Bruder wieder an den Start gehen. Im Vorfeld wurde heiß diskutiert, wie sich die Veranstaltung im Rahmen der Übernahme durch die WTC und als "Ironman 70.3 Kraichgau" verändern würde. Die Anwälte der Challenge Family schafften es, dass zumindest in 2014 der Name "Challenge" noch präsent sein wird.

Dies hatte aber so einige Kuriositäten zur Folge. Angefangen vom Teilnehmerrucksack (neben dem Ironman 70.3 Berlin-Rucksack auch wohl ein Sammlerstück), der sowohl das Challenge-, als auch das Ironman-Logo trug (siehe Bild), über die Ironman-Merchandise-Stände, die Ironman-Wechselbeutel, bis hin zu den Veranstalter, die auf Ihren Shirts vorne mit dem Challenge-Logo und hinten mit dem Ironman-Logo bedruckt waren.

Ansonsten war eigentlich alles gleich geblieben, da die durchführende Agentur die gleiche geblieben ist und die Helfer somit auch. Die Nudeln bei der Pastaparty waren ausreichen, zumindest wenn man gegen Samstagmittag gegessen hatte. Strategisch unklug war der Zeitpunkt der Wettkampfbesprechung. Die fand 16.30 Uhr im Zielort statt, während dessen ab 16.30 Uhr der Bike-Check-in am Startort (Hardtsee) begann.

Die Woche im Vorfeld war eigentlich klar, dass ein Neoverbot für's Schwimmen drohen konnte. Die heiße Woche davor ließ vermuten, dass der See sich relativ schnell aufheizen sollte. So kam es auch, dass am Samstagnachmittag eine Wassertemperatur von 24,4 Grad gemessen wurde und Neoverbot ausgesprochen wurde. Zumindest die Bundesligarennen am Samstag waren davon betroffen.

Für den Hauptwettkampf entschied die Rennleitung, die finale Entscheidung am nächsten Morgen zu treffen. Da ich mich auf Schwimmen ohne Neoprenanzug eingestellt hatte, blieb ich recht entspannt, auch wenn ich mit Neo ein etwas sicheres Gefühl gehabt hätte. Renntag: Morgens 5.00 Uhr klingelte der Wecker, da wir bei meinem Bruder im ca. 1h entfernten Stuttgart genächtigt hatten. Ich wollte eigentlich 7.30 Uhr vor Ort sein, um nicht in Zeitstress zu geraten und mich auch davor noch kurz einlaufen zu können. Mit 2 Kindern (u.a. ein 2,5monatiges Baby) kann das "Losfahren" aber nicht immer auf den Punkt geplant werden, bzw. der Plan auch eingehalten werden. Also verzögerte sich alles etwas. Knapp 55min vor Start waren wir dann auch am See in der Wechselzone.

Da hörten wir dann, dass die relativ kühle Nacht uns in die Karten gespielt hatte und der See auf 21,9 Grad abgekühlt war. Damit durfte nun offiziell mit Neopren geschwommen werden. - Jawohl!!! Eine Sorge weniger. Zeitlich hat dann doch noch alles geklappt, sodass ich mich selbst noch 15min einlaufen konnte. Dann schnell Neo an und in den Vorstartbereich. Die Profis sollten 5min vor den ersten Altersklassenathleten (die ersten 500 Athleten) starten.

Wie ich es in die erste Gruppe mit einer 2-stelligen Startnummer geschafft habe, weiß ich auch nicht. Da hat wohl jemand an mich geglaubt ;-). Damit stand mein Rad in der ersten Reihe am Ausgang, was ziemlich praktisch war. Dann ab in den See. Da es ein Wasserstart geben sollte, konnte man sich noch kurz bis zur Linie einschwimmen. Dann ging's schon los mit dem Start der Profis. Einige Agegrouper hatten es irgendwie verpeilt, dass NUR die Profis starten sollten und schwammen gleich hinterher. Die wurden dann aber nach ca. 100m von den Paddlern wieder eingeholt und durften zurückschwimmen. Deren Puls war damit aber schon auf Betriebstemperatur.

Dann erfolgte unser Start. Ich hielt mich mit meinem Bruder relativ weit links, da ca. 700-800 Meter gerade aus bis zur ersten Boje geschwommen wurde. Die ersten 100m wurden dabei ordentlich gesprintet und gedrückt und gezogen und getreten und und und. Irgendwann hatte ich dann aber Platz und konnte mein Tempo finden. Der See war super sauber, die Temperatur angenehm, nicht zu warm, aber definitiv nicht kalt.

Nach einer Weile fühlte sich das Schwimmen doch schon relativ lang an, doch der Blick auf die Uhr nach dem Wasser, verriet was anderes. Mit 31min war die Leistung doch recht solide und eine Verbesserung von 4min zu letztem Jahr. Dann rauf auf's Rad. Die ersten 10 km sollten flach sein, bevor es in die "1000 Hügel" gehen sollte. Mit 1000 Höhenmetern ist die Radstrecke doch sehr anspruchsvoll. Also dann erstmal Vollgas auf den ersten 10 km. Bloß als wir dann auf der Landstraße waren, war nix mit Vollgas. Der Wind blies kräftig von vorn, sodass man echt zu tun hatte, um halbwegs vorwärts zu kommen. Zwischenzeitlich fing ich laut an zu fluchen, da ich dachte, dass auf dem Rad heute nix gehen wird und mir die Kraft fehlte. Dazu trug auch noch bei, dass ich nicht nur überholen konnte, sondern auch überholt wurde und den Anschluss nicht mehr halten konnte.

Ich begann also mich auf die Berge zu freuen, da wir dann etwas aus dem Wind kommen würden. Den Gedanken legte ich aber recht schnell an der ersten Steigung ab. Das waren Rampen, die ich aus Berlin definitiv nicht kenne. Der Tacho zeigte gerade einmal 15-17 km/h an. Bei späteren Steigungen sogar mal nur knapp über 10. Wie soll denn da eine Radzeit unter 3 h drin sein? Aber wo's rauf geht, geht's irgendwann auch wieder runter. So kam es auch. Dies war aber auch nicht gerade einfach, da starke Windböen von der Seite das Rad ordentlich zum Wackeln brachte. Irgendwann ging's dann aber doch mit dem Radeln. Man war eigentlich immer von den gleichen Leuten umgeben. Mal wurde man überholt, mal überholte man wieder.

Immer interessant festzustellen, dass man einen Mitstreiter relativ locker überholt und denkt, dass man ihn abgeschüttelt hat und im nächsten Moment kommt dieser mit dem gleichen Tempoüberschuss an einem vorbei. Es wurde auch nicht immer unbedingt sauber in der Gruppe gefahren. Gott sei Dank blieb das den Wettkampfrichtern auf dem Motorrad nicht unbemerkt und sie haben dann durchgegriffen und Zeitstrafen verteilt. Ansonsten war in den Ortschaften immer eine super Stimmung, ähnlich wie in Roth (den Solarer Berg mal ausgenommen). Meine Radzeit pendelte sich dann noch auf 2:36 ein, dank der schnellen Abfahrten.

Dann ging's ans Laufen. Die Laufstrecke geht eigentlich auch nur hoch oder runter. So wirklich flach ist da nix. Entsprechend schwerfällig fühlte sich das auch an. Leider waren auch die KM-Schilder nicht richtig postiert. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich den ersten Kilometer über 5 min lief und den zweiten nur knapp drunter. Ach du Sch... Das wird nix heute. Der dritte km war dann aber knapp über 3 min. Ok, also stimmen die Distanzen nicht. Die Laufstrecke waren 3 Runden mit sehr viel Publikum. Aller 2 km gab's ne Verpflegungsstation. Top. Ich lief also einfach mein Tempo, wurde von der Familie und Freunden angefeuert, konnte dabei mehrfach den späteren Sieger, Sebastian Kienle und das Duell um Platz 2 und 3 dahinter verfolgen, da man sich mehrfach begegnete. Außerdem sah ich eine Teilnehmerin vom TuS Neukölln, die immer mittwochs vor uns im Ankogelbad schwimmt. Ich feuerte sie dann beim Laufen an.

Ich fühlte mich nicht wirklich schnell und rechnete mit einer Zielzeit um die 5h oder knapp drunter. Erst bei km 16 habe ich dann realisiert, dass es doch schneller sein muss. 2 km vor dem Ziel wusste ich, dass auch wenn das Tempo stetig langsamer wird und ich versuche nochmal etwas Gas zu geben, dann doch eine Zeit unter 4:45 drin sein könnte. So war es dann auch, ein Zielspurt in die Zielarena ließ die Zeit bei 4:45:39 stehen. Überrascht war ich über die doch passable Laufzeit von 1:32. Mehr wäre aber heute definitiv nicht drin gewesen.

Am Abend wusste ich aber nicht mehr, was anstrengender war - die unter 5h Wettkampf, oder die 5,5h Heimreise im Auto. Mein Fazit: Es waren die Deutschen Meisterschaften auf der Halbdistanz. Dementsprechend stark war auch das Teilnehmerfeld. Dennoch würde Platz 38 in der AK nicht für einen WM-Slot für die 70.3 WM in 2015 reichen. Da muss ich mich schon noch etwas strecken.

Insgesamt aber ein super schöner Wettkampf. Einzig die Verpflegung im Zielbereich hat nach Aussage von meinem Bruder stark abgenommen. Es gab Obst und richtig trockenen Kuchen. Das hab ich schon mal besser gesehen. Naja, die Übernahme durch die WTC hinterlässt doch seine Spuren. Mit dieser kritischen Bemerkung beende ich den Bericht und freue mich auf's Anfeuern der Sisu-Kollegen im Spreewald.

Ergebnisse hier


© TriGe Sisu Berlin; 18.6.2014