30. Leipziger Triathlon 28.07.2013

von Martin Seller

Zum Jubiläum des Leipziger Triathlons sind wir nun also dahin zurückgekehrt, wo alles 1996 angefangen hat mit meinem ersten Triathlonwettkampf. Damals gab's das Bruderduell noch nicht, da ich noch zu jung war, um über die Kurzdistanz zu starten. Ich durfte nur bei der Sprintdistanz ran. Doch heute sollte es zum Duell in der alten Heimat kommen. Eigentlich fühlte sich der Motor 14 Tage nach Roth wieder einigermaßen rund an. Zumindest die lockeren Trainingseinheiten liefen ganz gut.

Dennoch sollte der Wettkampf eher ein "schauen-wir-mal-was-überhaupt-geht"-Wettkampf werden, mit all den alten Trainingskameraden. Auch Maiki Petzold, der damals schon mit uns in Leipzig gestartet war, hat sich nach Roth so erholt, dass er die Veranstaltung zusammen mit seinem Vater beehren wollte. Ja, auch der Papa Petzold war mit am Start. Am Vortag hatte ich mir bei der Abholung der Startunterlagen etwas Sorgen wegen dem Neopren gemacht. Aber diesmal eher deshalb, dass kein Verbot ausgesprochen wird.

Der Veranstalter ist gleichzeitiger Besitzer eines Triathlongeschäfts und hatte einen Messestand mit Neoprenverkauf und Neoprentestschwimmen angeboten. Als Geschäftsmann durch und durch hatte er sicherlich mit Auge auf seinen Vertrieb, am Vortag noch eine Wassertemperatur von 22°C verkündet und dass man erst am Wettkampfmorgen entscheiden wird, ob Verbot oder nicht. Da ich Samstag im See ein bisschen geschwommen, konnte ich die Badewannentemperaturen aber fühlen und machte mir Sorgen, dass wenn Neopren erlaubt sein wird, ich wohl einen Hitzekollaps in dem Ding bekommen werde. Klar, man kann sich auch so dagegen entscheiden, doch als eher schlechter Schwimmer steht man da im Gruppenzwang.

Gott sei Dank kam dann am nächsten Morgen die Meldung, dass 25°C gemessen wurden und Neopren verboten wurde. Der Wetterbericht sagte eigentlich für Sonntag 38°C und Sonne satt voraus. Start sollte 11 Uhr erfolgen. Na vielen Dank auch. Doch irgendjemand hatte Erbarmen mit uns und es war bewölkt, regnete bis kurz vor den Start und hatte gefühlte 27-28°C. Also eingecheckt und ab zum Schwimmstart, der diesmal als Wasserstart erfolgte. Dort hatte ich noch Nourreddine und Peter von Sisu getroffen, die auch gestartet sind.

Das Schwimmen lief echt katastrophal diesmal. Ausgeschrieben war die Strecke mit 1.550 m. Es waren aber bestimmt 150 - 200 m mehr. Zumindest fühlte es sich verdammt lange an. Irgendwie hatte ich auch nicht die richtigen Beine erwischt. Das Wasser war super klar – der See gehört zu den Top 5 Seen in Deutschland. Jedenfalls nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich endlich wieder an Land. Die Uhr zeigte 30min und etwas an. Dann musste man einen Berg zur Wechselzone hinauflaufen. Oben rief mir meine Freundin und ein Kumpel zu, dass mein Bruder ca. 30 s vor mir ist – verdammter Mist – Schwimmchallenge verloren. Naja, da kommt ihm der frühe Schwimmunterricht in seiner Kindheit zu Gute – Danke an meine Eltern an dieser Stelle ;-) (ich hatte damals noch lieber Tennis gespielt). Ich sah ihn aber noch die Wechselzone verlassen, als ich an meinem Rad ankam. Dann ging's recht flott. Oberteil an und rauf auf's Rad.

Die Radstrecke war ein Rundkurs von 10 km, der 4 mal gefahren wurde. Nach ca. 7 km hatte ich meinen Bruder ein- und überholt (bin mit extra Druck an ihm vorbei, um ihn etwas zu schocken ;-) ). Außerdem wusste ich, dass am Rundeneingang meine Freundin und unsere Familie steht. Denen wollte ich natürlich zeigen, wer hier die Challenge gewinnt.

Doch kurz nach Beginn der 2. Radrunde ist mir plötzlich mein linkes Bein eingeschlafen. Ich habe mein Fuß nicht mehr gespürt und konnte überhaupt keinen Druck mehr auf die Pedale bringen. So heftig habe ich das noch nie erlebt. Ich bin auf dem Sattel hin und her gerutscht. Doch es wurde nicht besser. Natürlich kam inzwischen mein Bruder wieder vorbei und fuhr davon. Das Tempo ist gleich mal um ca. 10 km/h abgesackt. Im Wiegetritt konnte ich wieder Blut ins Bein bringen. So eine Sch... Ich dachte mir noch, Gott sei Dank ist das in Roth nicht passiert. Dennoch wunderte ich mich, warum das überhaupt passiert. Ich habe meine Position auf dem Rad nicht verändert.

Ich fuhr also mehr schlecht als recht weiter. Nach einer Weile aufrechtem Fahrens ging es etwas besser, doch sobald ich wieder auf dem Auflieger lag, kam es recht schnell zurück. Ich dachte ans Aufhören. So machte das alles keinen Sinn. Ich fuhr also an meiner Familie vorbei und rief denen zu, dass "mein linkes Bein tot sei" (Eingang 3. Runde) und dass "ich mein linkes Bein nicht mehr spüre" (Eingang 4. Runde). Danach habe ich von denen gehört, dass sie mich nicht richtig verstanden hatten und irgendwas von "Bein und mehr" gehört hatten, sich aber nicht denken konnten, was los war.

Irgendwann hab ich mir dann gesagt, dass ich dann einfach schaue, was beim Laufen so geht. Denn Laufen war immer noch meine stärkste Disziplin (vorallem ggü. meinem Bruder). In der Wechselzone stand dann auch meine Freundin und ich konnte ihr sagen, was los war. Sie meinte, dass mein Bruder nur ne knappe Minute vor mir sei. Ok, also Vollgas.

Die Laufstrecke war eine 5 km-Runde, die 2mal gelaufen wurde. Inzwischen kam auch die Sonne raus und es wurde verdammt drückend heiß. Nach ca. 2,5 km hatte ich meinen Bruder gestellt und bin an ihm vorbei. Das Laufen fühlte sich überraschend in Ordnung an. Bestzeiten waren aber sowieso nicht drin.

Also mit Genuss ins Ziel. Am Ende habe ich die sub 40 min beim Laufen um 2 s verpasst. Aber wen kümmert's. Am Ende hab ich das Bruderduell wieder für mich entscheiden können und war doch ganz glücklich über das Finish. 2:20 h ist definitiv ausbaufähig beim nächsten Mal. Aber dann mit frischen Beinen und einer vorher kontrollieren Bikeposition. Das Bikefitting muss ich mir wohl nun mal leisten.

Der Leipzig Triathlon ist wirklich eine schöne Veranstaltung. Das Finisherbuffet ist üppig und lässt kaum Wünsche übrig. Die Orga ist gut und man sieht auch berühmte Gesichter. Hier sind in der Vergangenheit schon einige Triathlongrößen gestartet. Neben Vielstarter Lothar Leder waren Andi Ralert, Norman Stadler und eben Maik Petzold schon am Start. Kann man nur empfehlen. Glückwunsch auch an die anderen beiden Sisus. Vielleicht "verirren" sich nächstes Jahr noch ein paar mehr nach Leipzig.


© TriGe Sisu Berlin; 3.8.2013