Langstreckenschwimmen Neuruppin 11.8.2012

von Christopher Kaan, Fotos: Daniel Meisen

Was treibt eigentlich jemanden an, bei einem 10 km Langstreckenschwimmen teilzunehmen? Ich muss ehrlich sagen, dass ich im Vorfeld des diesjährigen LSS Neuruppin mir mehrfach diese Frage gestellt habe. Die wahrscheinlichste Antwort: weil man es eben kann. Und so war ich auch gleich dabei, als Daniel mir von seinem Plan erzählte, dieses Jahr dort zu starten.

An der Anmeldung am Samstagmorgen um acht waren wir noch kurz versucht, uns einfach nur für die Hüpfburg anzumelden. Aber auch diese Versuchung umschifften wir erfolgreich und wurden um neun Uhr mit den anderen Teilnehmern der langen Strecken in einem DLRG-Bus zu unserem Startpunkt gebracht. Hieraus ersieht man schon einen wichtigen Aspekt der Veranstaltung: es werden keine Runden geschwommen, sondern man schwimmt dem Ziel entgegen. Dies ist ein durchaus motivierendes Argument mal endlich zum Ende zu kommen. Im Bus durften wir dann die Erfahrung machen, dass Smack-Talk keine Spezialität von Triathleten ist, Schwimmer können das auch. Also "eigentlich müsse man ja immer lange Trainieren", "Masters-Einheiten taugen für den LSS-Schwimmer nur zum Einschwimmen" und "wer nicht mindestens 10k Einheiten schwimmt, bricht maßlos ein". Statt mich zu beängstigen,belustigten mich diese Aussagen eher mehr, und dass obwohl meine längste Einheit in diesem Jahr gerade mal 5,2 km hatte.

Als erstes durften wir dann dem Start der längsten Strecke über 15km beiwohnen. Interessant war bei den Vorbereitung, wie dick und wo überall sich die Schwimmer mit Cremes und Vaseline behandelten. Viele hatten sogar extra Handschuhe dafür dabei, weil Vaseline an der Hand ja dazu führt, dass man das Wasser nicht mehr fassen kann. Es flutscht dann nur noch durch…

Dann wurden wir zu unserem eigenen Start gefahren. Schnell in den Neo reinsteigen, Nacken und Hals mit Vaseline einschmieren, je ein Gel in jeden Ärmel stecken und dann ins Wasser. Nach fünf Minuten einschwimmen erfolgte dann der Startschuss.

Zum Schwimmen an sich lässt sich relativ wenig sahen. Am Anfang kam ich ein wenig schwer in die Gänge, was mir einen kleinen Rückstand auf die Gruppe vor mir einhandelte. Als es dann aber in den Streckenschlag überging, konnte ich relativ schnell wieder aufschließen und ein paar schnelle Beine finden. Von diesen ließ ich mich dann noch an die nächste kleine Gruppe führen, und hänge mich dann dort ran. Nach weiteren 500 m merkte ich, dass mein Führungsschwimmer Daniel war, das passte ja gut. Er schwamm eine gute Pace, ließ nicht nach oder verursachte einen Führungswechsel, so dass ich die ganze Zeit hinter ihm blieb. Einzig wenn er aufgrund seiner beschlagenen Brille wieder Zick-Zack schwamm, folgte ich ihm nicht. Dann kamen wir aber immer wieder in der Mitte zusammen.

Nachdem der See sehr langgestreckt ist (ca. 14 km), muss man ihn auf dem Kurs nur zweimal kreuzen. Die erste Kreuzung erfolgte in der Mitte des Kurses, wo man genau von der anderen Seite auf den Hafen von Neuruppin zuschwimmen muss und dann wieder auf die andere Seite zurück. Auf diesem kurzen Stück, bei dem sich Schwimmer entgegen kamen, kreuzte dann ein Rentnerpaar in einem Tretboot und erfreute sich am Treiben unter ihnen im Wasser. Leider fehlte ihnen der Abstraktionsvermögen, dass sie durch ihr Boot immer wieder die Sicht auf die Bojen für die Schwimmer verdeckten, weshalb ich am liebsten Schiffe Versenken gespielt hätte.

Auf der anderen Seite wieder angekommen, machten wir einen kurzen Verpflegungsstop bei einem DLRG-Boot. Ich nahm kurz eine Banane an, kurz gekaut und dann weiter. Es war nun etwas mehr als die Hälfte rum, und die Arme wurden schwerer. Nachdem Daniel wieder ein paar Meter mehr gemacht hatte, konnte ich leider nicht mehr direkt aufschließen, und verlor damit leider Anschluss an ihn und einen Mitstreiter. So musste ich die letzten vier Kilometer alleine hinter mich bringen.

Nachdem ich an der nächsten Boje noch eins meiner Gels zu mir genommen hat, wurden die Arme wieder leichter und ich fing an, mich mit der Umgebung, Technikübungen und anderem zu beschäftigen. Das lief recht gut, einholen konnte ich die beiden vor mir nicht mehr, aber von hinten kam niemand mehr. Na ja, fast nicht, 200 m vor dem Ziel wurde ich dann noch von einem Schwimmer übersprintet, er wohl den Lurz gemacht hat.

Nach dem ich im Ziel den Körper dann wieder ans Stehen gewöhnt hatte, merkte ich, dass mich das ganze doch ziemlich angestrengt hatte. Vor allen Dingen Durst hatte ich. Glücklicherweise war das Zielbuffet grandios: Es gab sowohl einen Getränkewagen als auch einen großen Grillstand mit Salaten. Und all dies war im Startgeld von 15 Euro enthalten.

Alles in allem hat es viel Spass gemacht, und man kann später mal seinen Trainingspartner erzählen: "Damals, als ich 10 km durch den Neuruppiner See geschwommen bin…"




© TriGe Sisu Berlin; 15.8.2012