Magdeburg-Marathon 19.10.2008

von David Greve

Der Marathon Magdeburg schrammt bei mir nur haarscharf an der Kategorie "Warum hast Du Dir das angetan?" vorbei. Nach einem ruppigen Auftakt von 10 km durch die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt über Kopfsteinpflaster, Parkwege und um enge Kurven entwickelt er sich nämlich im weiteren Streckenverlauf zu einem reinen Landschaftsmarathon. Und dass Landschaftsläufe nicht unbedingt dazu da sind, Bestzeiten zu knacken, hätte mir spätestens bei meinem etwas unentspannten Auftritt beim Schönefelder Airport Run auffallen müssen. Landschaftsläufe haben es nämlich so an sich, dass sie nicht entspannt wind- und sonnengeschützt, topfeben und von Tausenden von Zuschauern belagert durch Innenstädte verlaufen, sondern sie führen, wie es der Name ja schon sagt, durch die Landschaft.

Die Strecke

In Magdeburg bedeutet dies, dass die Strecke nach 8 km auf den Elberadweg einschwenkt und die Stadt nach 10 km in nördlicher Richtung verlässt. Es geht dann über Verbundpflaster durch die Elbauen, ehe nach ca.15 km die Strecke in weitem Zick-Zack ohne Windschutz über die Felder verläuft. Hier trifft man zwar auf weidende Kühe und Ziegen (!), Zuschauer sind aber absolute Mangelware.

Kurz nach km 20 das nächste Highlight - und high ist es im wahrsten Sinne des Wortes: Auf einem schmalen Pfad geht es hinauf auf die einzige Anhöhe weit und breit, den Weinberg von Hohenwarthe (75,4 m). Immerhin 35 Höhenmeter sind zu überwinden.

Kaum wieder unten geht es schon wieder hoch am Wasserstraßenkreuz Magdeburg, genannt "Blaues Kreuz". Das ist zumindest eine bedeutende Sehenswürdigkeit der Region, die man vielleicht nicht unbedingt im Rahmen eines Marathons kennen lernen möchte. Wer hier nämlich von der einen Wasserstraße zur anderen wechseln möchte, nimmt die "Abfahrt" "Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee". Denn der Mittellandkanal kreuzt hier in Form einer imposanten Brücke die Elbe. Als Läufer aber wird man hier nicht gehoben. Stattdessen geht es eine steile Rampe zur Brücke hinauf, den Kanal entlang über die Elbe, auf der anderen Seite wieder hinunter, durch einen dunklen, kopfsteingepflasterten Tunnel auf die andere Kanalseite dort wieder hinauf und zurück über die Elbe. Dies ist quasi der Wendepunkt der Strecke (bei km 23 - 27) - für viele Läufer übrigens auch der Wendepunkt ihres Laufes ;-D.

Zurück nimmt man fast die gleiche Strecke. Nur zwei kleine Handicaps sind zusätzlich eingebaut. Im Ort Hohenwarte warten mal wieder fieses Kopfsteinpflaster und engste Kurven. Dafür fehlt zurück der Weinberg, an dessen Fuße es stattdessen in stetem Auf und Nieder entlanggeht. Letzte Schwierigkeit kurz vor dem Ziel: Eine Fußgängerbrücke im Start- und Zielbereich auf dem Gelände der Magdeburger Messe, die vor allem hinunter noch einmal für viel Oberschenkelfreuden sorgt.

Der Lauf

Der Morgen ist ein wenig kühl (nun ja, es ist ja auch Mitte Oktober) und es weht ein frischer Wind aus südwestlicher Richtung. Um 10:00 Uhr erfolgt der gemeinsame Start für über 4.000 Läufer, die sich entweder Marathon, Halbmarathon oder einen 13 km-Lauf antun wollen - über 600 Läufer wählen die längste Strecke.

Kurz hinter km10 wird es einsam - nur noch wenige Läufer und Zuschauer sind unterwegs. Dafür sehe ich nicht weit vor mir die führende Frau vom OSC Berlin. Leider biegt die schon nach rund 13 km ab, um "nur" den Halbmarathon zu gewinnen. Jetzt sehe ich nur noch in weiter Ferne zwei weitere Marathonläufer - sonst scheine ich mich allein auf der Welt zu befinden.

So bei km 16 bekomme ich den ersten Psychokoller. Hier allein über die Wiesen zu traben, ist so gar nicht mein Ding. Obwohl ich mich noch sehr gut fühle, werde ich langsamer. Nur meine Freundin richtet mich moralisch auf: "Los jetzt, die zwei da vorne kriegst Du noch!" Denkste Puppe, die laufen genau mein Tempo und dass der Wind, der mich gerade schiebt, mir nachher ins Gesicht bläst, trägt auch nicht gerade zur Stärkung meiner Moral bei.

Zu allem Unglück pustet der Wind auf der Kanalbrücke besonders heftig - aber was ich in die eine Richtung an Zeit verliere, hole ich mit Rückenwind wieder raus.

Kurz nach der Brücke ein Erfolgserlebnis: Ich überhole den bislang Siebenten. Dafür habe ich über 11 min Rückstand auf den Ersten. Bei km 32 zerlegt's das Pärchen vor mir. Der eine hält stur sein Tempo trotz Gegenwind, während der andere Besuch vom Mann mit dem Hammer bekommt - wenig später dann auch von mir. Dabei bin ich inzwischen auch stehend k.o. - vielleicht sollte ich in Zukunft doch mal einen 30er ins Marathontraining integrieren ...?

Während ich auf den letzten km nur noch wenig schneller als 5er-Schnitt laufe, überhole ich noch einen von den lustigen Kniestrumpfträgern. Von hinten kommt aber niemand mehr, so dass ich völlig erschlagen mein bislang bestes Laufergebnis einfahre: Platz 5!

Die Zeit ist mit 2:55 h eher mittelmäßig - aber es laufen überhaupt nur 9 Läufer unter 3 h. Und alle haben offenbar heftige Schlachten mit dem Mann mit dem Hammer geschlagen. Denn alle legen erbärmliche Zeiten für die letzten 10 km hin. Dass muss wohl der Landwind über den Feldern gewesen sein! David Greve


© TriGe Sisu Berlin; 23.10.2008