Bericht Mecklenburger Seenrunde 30.5.2015

von Jörg Zotzmann

Wer für einen Langdistanz-Triathlon trainiert, muss natürlich auch lange Distanzen trainieren. 300 km Rad? Hört sich verdammt lang an, genau das Richtige für mein Training, dachte ich mir in meinem sportlichen Leichtsinn. Micha, Olaf, Martin und ich wollten in der Gruppe fahren, Kerstin wollte schon eine Stunde früher starten und sich dann von uns überholen lassen. Die Wettervorhersage war gemein zu uns, aber die Hoffnung stirbt zuletzt, bestimmt wird alles besser als befürchtet.

Am Samstag früh beim Aufstehen um 4:30 Uhr in einem kleinen Gasthof am Stadtrand von Neubrandenburg klopften aber schon die ersten Tropfen an die Fensterscheiben. Seit 4 Uhr gab es alle 5 bis 10 min einen Start von 20 bis 50 Fahrern, so dass die über 2000 Starter gut über die Strecke verteilt wurden. Um 6:05 Uhr bei 10 °C und leichtem Regen waren wir dann dran, kein wirklich angenehmer Start. Den ersten Kilometer ging es hinter einem Polizeiauto her durch Neubrandenburg durch. Kaum waren wir aus der Stadt, wurde der Regen stärker und nach 15 min habe ich dann ein kühles Fußbad in meinen Radschuhen genommen. Dann kam auch noch Gegenwind dazu und ich war mental schon fast so weit, diese Radrunde abzubrechen. Es hat dann noch mindestens 2 Stunden weiter geregnet, aber wir sind gut vorangekommen. Mir ging es dabei kräftemäßig zwar recht gut, mir wurde aber klar, dass ich dieses Tempo nicht 300 km lang durchhalten würde.

Alle 30 bis 50 km gab es eine Verpflegungsstelle, wir haben bei jeder zweiten gehalten. Bei km 78 dann erster Halt in Neustrelitz, heiße Suppe, Kuchen und Getränke konsumiert, Toilette besucht und weiter ging es. Auf den nächsten knapp 100 km wurde unsere Gruppe immer größer. Während die anderen drei Sisus sich in der Führung abgewechselt haben, bin ich langsam ans Ende der Gruppe gekommen wo mich unrhythmisches Fahren mit ständigen Geschwindigkeitswechseln viel Kraft gekostet hat. Bei km 130 haben wir dann tatsächlich Kerstin überholt. An unserem zweiten Halt bei km 176 gab es neben den üblichen Fressereien leckersten Zuckerkuchen, da haben wir ordentlich zugeschlagen. Ich war dann allerdings schon gut erschöpft und hätte die Gruppe auch längst verloren, wenn mir nicht Olaf und Martin beim "Lücke zufahren" geholfen hätten. Den Rest der Tour sind wir dann wieder zusammen gefahren und die drei haben sich beim Tempo nach mir gerichtet.

Inzwischen war doch tatsächlich die Sonne rausgekommen und hatte uns abgetrocknet, so dass man die Regenjacke ausziehen konnte. Bei Sonne hat das Fahren richtig Spaß gemacht und man konnte die Landschaft der Mecklenburger Seenplatte genießen. "Wat is dat schön hier!" Zwischendurch mussten wir aber wegen eines Gewittergusses wieder in die Regenjacken schlüpfen. Dazu gab es auch noch böse Windböen, die uns den Spaß verderben wollten. Und plötzlich war da ein Schild "Noch 100 km bis zum Ziel" und dann das nächste "Noch 90 km bis zum Ziel". Ich habe dann nur noch die Kilometer bis zum jeweils nächsten Schild gezählt. Letzter Halt war dann bei km 260, noch mal den Mund mit Schnittchen und Schoki vollstopfen, und auf in den Endspurt. Je näher wir dem Ziel kamen, umso häufiger passierten wir Stimmungsnester, in denen die Eingeborenen lautstark gejubelt haben. Einen solchen Enthusiasmus habe ich beim Velothon nicht erlebt.

Als ich das Schild "Noch 40 km bis zum Ziel" sah wusste ich, dass da nichts mehr schief gehen kann und habe meine letzten Körner verschossen. Wir sind immer schneller geworden und nach einem unfreiwilligen Halt an einer Bahnschranke mit knapp 50 km/h in Neubrandenburg eingeflogen. Die Zieleinfahrt war spektakulär mit namentlicher Begrüßung durch den Kommentator und dem Jubel hunderter Zuschauer, bei schönstem Wetter. Es erfolgreich hinter sich gebracht zu haben fühlte sich großartig an. Wie wäre es wohl bei durchgängig schönem Wetter geworden? Nach meinem Tacho haben wir für 297 km fast genau 10 Stunden Fahrzeit gebraucht, so dass der Schnitt nur ganz knapp unter 30 km/h geblieben ist. Das war dann doch noch besser als erwartet. An dieser Stelle vielen Dank an Micha, Olaf und Martin, dass sie mir über die Distanz geholfen haben.

Mit Organisation und Verpflegung auf der Strecke waren wir sehr zufrieden, die Nach-Ziel-Verpflegung hätte üppiger sein können. Die Strecke war sehenswert. Bis auf einen 300 m-Abschnitt mit grobem Kopfsteinpflaster, auf dem es mich dermaßen durchgeschüttelt hat, dass ich Angst hatte mir fliegen die Zähne aus dem Mund, war fast durchgängig guter bis sehr guter Straßenbelag vorhanden.

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© TriGe Sisu Berlin; 13.6.2015