Müggelseeschwimmen 20.8.2017

von Denise Kottwitz

12,5 Grad zeigt das Thermometer am Sonntagmorgen – super, dass ich mich zu einem Langstreckenschwimmen mit Neoverbot angemeldet habe! Moritz, Ulli und ich wollen beim diesjährigen Müggelseeschwimmen teilnehmen: 3,5 Kilometer von Friedrichshagen nach Rahnsdorf, einmal quer über den See.

Für Moritz ist es der erste Wettkampf nach seiner Verletzung, Ulli hat reichlich Langstreckenschwimmen in diesem Jahr bestritten, und ich war noch kein einziges Mal ohne Neo in diesem Jahr in einem See schwimmen. Die Wassertemperatur sagt 22 Grad, die Sonne scheint am Himmel. So bin ich optimistisch, dass es nicht zu sehr kalt wird.

Gestartet wird in Wellen á 50 Personen mit Abstand von 3 Minuten, vermutlich nach Anmeldedatum eingeteilt. Moritz startet in der zweiten Welle, Ulli und ich gemeinsam in Welle acht. Nach dem Sammeln im Vorzelt geht es auf den Steg, schon wird uns ein "noch eine Minute" zugerufen. Also Sprung ins Nass – ich empfinde es nicht so kalt – und schon geht es ohne Einschwimmen los.

Es ist kein Gedränge, doch schon nach ein paar Metern muss ich kurz zum Brustschwimmen übergehen und mich über die Lage informieren: es ist Schwimmen angesagt! Dabei hatte ich mir nach ein paar unschönen Erlebnissen geschworen, nie wieder ohne Einschwimmen loszulegen. Also Luftholen und schön ruhig weiter. Dann läuft es gut. Boje eins, Boje zwei – ah da ist Ulli neben mir, ich verliere ihn aber gleich wieder.

So geht es gut bis Boje fünf. Die Wellen werden heftiger, kommen von hinten. Ich schaukle hin und her. Meinem Magen wird flau. Ein paar Brustzüge, es geht wieder. Bis Boje sechs. Meinem Magen ist immer noch flau. Brustzüge, tief durchatmen. Ich habe Angst! Ein Rettungsboot ist in der Nähe. Also kann nichts passieren. Aber meine Beine zittern. Ich versuche mich zu beruhigen, denke an Kochrezepte. Geht nicht, Verlangen nach Essen ist gerade nicht vorhanden. Ich zwinge mich in den Kraulzug: eins, zwei, drei Atmen, eins, zwei, drei Orientieren. Ich ziehe an anderen Schwimmern vorbei, muss mir bewusst machen, dass ich gut schwimme und schon unter viel schwereren Bedingungen geschwommen bin. Dann geht es wieder, ja macht sogar Spaß.

Nur noch zwei Bojen, der Zielstrand ist schon sichtbar. Aber Wind und Wellen werden noch mal heftiger. Ich bin ganz schön platt! Ich versuche wieder mit ein paar Brustzügen ruhig zu bleiben. Überraschenderweise überhole ich damit weitere Schwimmer. Vielleicht sollte ich langsamer schwimmen und somit ruhiger bleiben. Aber langsamer geht nicht, dann brauche ich ja noch länger bis zum nächsten Ufer.

Die letzte Boje und viele Algen tauchen auf – die pieksen. Jetzt nur den Kraulschlag durchhalten, je tiefer, umso mehr Gestrüpp. Die Pflanzen sind gut, sie lenken mich ab, und so ist dann doch plötzlich wieder Boden unter meinen Füßen. Bin ich glücklich! Zeitnahme ist an einem kleinen Zelt am Steg, dann geht es gemütlich zum Strand. Ich sehe Ulli, der kurz vor mir angekommen ist. Wir freuen uns, es geschafft zu haben, Moritz ist schon umgezogen und kann den Moment fotografisch festhalten.

Eine warme Dusche und Suppe tun gut, wirklich gefroren habe ich während des Schwimmens nicht, aber die Finger sind doch etwas taub. Zudem wird es immer dunkler, und es fängt zu regnen an. Gut dass das Schwimmen vorbei ist.

Wir wollen nach unseren Zeiten schauen. Es beginnt die Siegerehrung mit den Altersklassen rückwärts. Ulli hat die AK gewonnen. Als wir gegen die W35 kommen, meint Moritz: "Jetzt bist du dran". Ich halte es mit der heutigen Leistung für vollkommen ausgeschlossen – bin dann aber doch noch AK zweite. Welche Überraschung. Zeit ist auch gut, frage mich, wie es ohne Seekrankheit geworden wäre. Moritz ist etwas enttäuscht, aber auf unter einer Stunde auf der Strecke bei quasi einarmigem Schwimmen und mit enormen Trainingseinbußen in den letzten Wochen kann man durchaus stolz sein.

 

Pl  AK    Name             Verein             Zeit  
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 1 W20 1  FATUM Alisa      SSV Leutzsch       42:55
33 W35 2  KOTTWITZ Denise  Sisu Berlin      1:04:09
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 1 M20 1  REUSS Eric       SC Magdeburg       39:03 
47 M35 8  JAEGER Moritz    Vfl Zehlendorf     59:31
71 M65 1  ZECH Hans-Ulrich Sisu Berlin      1:03:11
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© TriGe Sisu Berlin; 21.8.2017