Neuruppiner Triathlon 27.6.2015

von Denise Kottwitz

Entgegen meiner Gewohnheiten, bei Wettkämpfen in der Niederlausitz oder mindestens südlich von Berlin zu starten, entscheide ich mich, in diesem Jahr die olympische Distanz beim Neuruppin-Triathlon zu bezwingen. Erstens passt dieser Wettkampf zeitlich sehr gut, zweitens habe ich seit 2009 gute Erinnerungen an diesen Triathlon und drittens zählt die Finisher-Tasse von damals zu meinen Lieblingstassen, und wenn die mal in der Spülmaschine ist könnte eine zweite Tasse der Sorte nicht schaden.

Die Fahrt nach Neuruppin ist am Samstagmorgen kurzweilig. Die Temperaturen sind zum Glück wieder über 20 Grad geklettert, so dass der Regen schon fast zweitrangig ist, zumal dieser, in Neuruppin angekommen, ganz aufhört. Das Jahnbad, Ort der Veranstaltung, ist schnell gefunden, die Startunterlagen erhalte ich schnell und geselle mich so zu meinen Konkurrentinnen – denn den Damen wird ein spezieller Bereich in der Wechselzone zugewiesen.

Entgegen der letzten Jahre sind die 180 möglichen Startplätze mit 70 Anmeldungen spärlich besetzt, was wohl an der Konkurrenz des Werbellinsee-Triathlons am gleichen Wochenende liegt (Anmerk. Website: sowie Regionalliga in Erfurt und Bundesliga in Düsseldorf). Somit treffe ich außer Gerald vom Tri Team und gemeinsamen Lauftraining auch auf keine weiteren Bekannten.

Geschwommen wird ein Dreieckskurs à 750 m im Neuruppiner See, allerdings entgegen des Uhrzeigersinns - sehr außergewöhnlich. Wassertemperatur angeblich 17 Grad, Start aus dem Stand in hüfttiefem Wasser, auf Grund der geringen Teilnehmerzahl kaum Rangeleien und dank meiner Schlüsseleinheit Briesenseeschwimmen auch alles problemlos, und mit gefühlt gutem Tempo. Als ich nach zwei Runden aus dem Wasser steige trifft mich der Schock: über 30 Minuten! Entweder war die Strecke länger oder ich bin in einen Minutenschlaf gefallen. Als ich die Wechselzone erreiche und noch die Masse der Damenräder stehen sehe bin ich etwas beruhigt. Als ich das Fahrrad greife höre ich die Ansage: "Erste Frau auf der Radstrecke". Na, so schlecht war dann mein Schwimmeinsatz wohl nicht. Ich werde dann als zweite Frau auf dem Rad angekündigt.

Auf geht es durch ein paar Kreisverkehre, schön vorsichtig auf Grund des nassen Asphalts. Dann geht es die gerade Landstraße hinaus, ich erkenne meine Konkurrentin, schaffe immer mehr aufzurücken und bei einem kleinen Anstieg bei Kilometer fünf zu überholen. Bis zum Wendepunkt bei Kilometer 20 geht es fast hauptsächlich gerade aus, aber hügelig auf und ab. Natürlich werde ich immer wieder von ein paar männlichen Waden überholt. Eine Frau ist nicht dabei, und nach der Wende merke ich dass ich auch einen kleinen Vorsprung erarbeitet habe. Ich errechne mir schon Treppchen-Chancen, weiß aber dass für eine gute Läuferin unter den Konkurrentinnen der Abstand zu gering ist.

Die Wechselzone erreiche ich immerhin als erste Frau, werde auch von der Moderation als Führende angekündigt, was einen tosenden Applaus auslöst. Unglaublich, am liebsten würde ich stehen bleiben und diesen Moment genießen. Ich öffne alle Synapsen meines Nervensystems, um diesen Augenblick in meinem Kopf für ewig festzuhalten. Dann widme ich mich dem Laufen.

Es geht durch den Stadtpark mit leichten Anstiegen und ein paar Unebenheiten auf dem Boden. Nach 2,5 km ist die Wende erreicht, auf dem Rückweg sehe ich meine Konkurrentin - ca. 500 Meter Rückstand. Also Ausruhen ist nicht. Zurück in die Wechselzone und noch mal auf die Laufrunde. Ich schaue mich nicht um, laufe stur bis zur Wende. Wenn ich bis dahin nicht eingeholt werde gibt es eine Chance auf den Sieg. Noch ein paar Meter, ich schaue: keiner da! Aufatmen. Zurück Richtung Ziel – ich habe sogar noch etwas mehr Vorsprung gewonnen. Dennoch die letzten zwei Kilometer müssen noch gelaufen werden. Auf der letzten Kurve schaue ich dann doch noch nach hinten, freie Bahn – ich genieße den Zieleinlauf. Zeit abpiepsen, höre die Ankündigung meines Sieges und mache einen Luftsprung. Die Tasse gibt es auch gleich.

Was danach passiert ist unglaublich, ich hätte nie gedacht wie viele Leute den Zieleinlauf verfolgen. Jeder Zweite gratuliert mir, auch später als ich schon längst umgezogen bin. Sogar die lokale Presse will ein Interview von mir. Leider zieht ein fieses Gewitter auf, und die Siegerehrung wird im Eiltempo durchgezogen. Ich habe auch vergessen, noch ein paar Fotos zu machen. Für mich persönlich bleiben jedoch genug Bilder im Kopf, und mir fällt ein: wir machen das hier alle nur zum Spaß. Training zum Spaß, Wettkämpfe zum Spaß - aber eins steht fest: Gewinnen macht auch richtig Spaß!


© TriGe Sisu Berlin; 1.7.2015