NordseeMan Wilhelmshaven 31.8.2008

von A. Dalisda

Mitteldistanz 2-84-20

Die Anreise zum "NordseeMan" an die Nordsee, genauer gesagt nach Wilhelmshaven, ist von Berlin aus betrachtet zwar recht weit, aber wer einmal beim NordseeMan teilgenommen hat, wird feststellen, dass sich diese Reise lohnt! Wer sich beim NordseeMan anmeldet und für das Wochenende (man sollte schon Fr. und Mo. frei nehmen um das Wochenende stressfrei genießen zu können) ein originelles und günstiges Quartier sucht, dem sei das Minensuchboot der Marinejugend empfohlen. Es steht während des NordseeMan als Übernachtungsmöglichkeit für die Sportler, Begleiter und Kamprichter -ja, wir haben uns untereinander alle gut verstanden!- zur Verfügung und liegt direkt am Bontekai, dem Veranstaltungsort, aber das nur am Rande.

Der NordseeMan unterteilt sich -neben den Kinder-/Jugendrennen und der Deutschen Handicap Meisterschaft über die Mittelstrecke, die erstmalig in diesem Jahr ausgetragen wird- in diesem Jahr in folgende Disziplinen: Jedermann-Distanz (am So.), Olympische Distanz (am Sa.) und Mitteldistanz (am So.).

Vor 2 Jahren habe ich beim NordseeMan in Wilhelmshaven meine erste Mitteldistanz in Angriff genommen, im letzten Jahr konnte ich durch den Unfall beim OstseeMan leider nicht teilnehmen, und in diesem Jahr dachte ich mir, probiere ich mal die Kurzstrecke aus. Anja hat sich für die Mittelstrecke entschieden, die sie in einer sehr zufriedenstellenden Zielzeit absolvieren konnte.

Mein Ziel beim diesjährigen NordseeMan ist es, meine bisherige "Bestzeit" einer Kurzstrecke aus dem vorletzten Jahr zu unterbieten und auf jeden Fall unter 2h 45min zu bleiben - eigentlich kein Problem angesichts der (bis auf einige teilweise etwas windige Passagen) schnellen Strecke, die Vorraussetzungen für mein persönliches Ziel und für einen neuen persönlichen Rekord über die Kurzdistanz sind also gegeben, zumal ich mich vor dem Start richtig gut fühle. Durch meine Langstrecke habe ich in diesem Jahr zwar fast ausschließlich GA1-Einheiten trainiert und so gut wie keine Tempo- oder Bergtrainings absolviert, aber selbst das stört meine unheimlich große Motivation nicht; ganz im Gegenteil, ich fühle mich sowohl körperlich als auch psychisch extrem gut vorbereitet für die anstehende Kurzstrecke!

Meine Auswertung der Zwischenzeiten beim OstseeMan hat ergeben, dass ich insgesamt 18 Minuten (davon 4 unverschuldet, wegen der etwas dusseligen Helfer, die mir meinen Kleiderbeutel während des Umziehens zum Radfahren verschwinden ließen) in der Wechselzone verbracht habe; eine Zeit, die eigentlich GAR nicht geht (wenn ich bedenke, seit wie vielen Jahren ich schon an Triathlon-Wettkämpfen teilnehme), aber okay. Wenn ich bedenke, dass es mir beim diesjährigen OstseeMan ja eigentlich nur um ein finish ging und mir die Zielzeit nicht wirklich wichtig war, dann kann ich die 18 min halbwegs verkraften, schön und zu entschuldigen ist solch ein langer Aufenthalt in der Wechselzone trotzdem nicht!

Um mein Ziel für den OstseeMan 2009, unter 12 Stunden zu bleiben, erreichen zu können, muss ich im nächsten Jahr etwas mehr speed geben, vor allem aber kann und muss ich bei der Wechselzeit kräftig Zeit einsparen: Max. 4 Minuten je Wechsel sind realistisch denke ich !? Aber zurück zum NordseeMan. Hier muss die Wechselzone zweifelsfrei sehr schnell wieder verlassen werden wenn ich meine Zielzeit erreichen möchte! Der Schwimmstart macht einen sehr angenehmen Eindruck. Das salzige aber glücklicherweise recht ruhige Nordseewasser im Hafenbecken (am Bontekai) hat knapp 20°C. Ohne Neoprenanzug ist es mir etwas zu kalt, aber mein shorty rettet mich, er ist genau das richtige "Kleidungsstück" für diese Temperatur. Im Gegensatz zum OstseeMan (wo ich gegen Feuerquallen und heftigen Wellengang ankämpfen musste) sind die Bedingungen im Meer zur ersten Disziplin in Wilhelmshaven also gut. Der Start"schuss" (in Form eines Signalhorns) fällt und der Wettkampf läuft sehr gut an. Als es nach ca. 500m "um die Ecke geht" (der Schwimmkurs ist als Dreieckskurs konzipiert), muss ich feststellen, dass es DOCH einen Widersacher -wenn auch nur einen kleinen- gibt: Der mittlere Abschnitt des Dreieckskurses zielt voll in Richtung Sonne, mit der Folge, dass ich ca. 250m lang nicht wirklich sehe, wo ich überhaupt hinschwimmen muss; zu diesem Zeitpunkt stelle ich schlauerweise fest, dass ich mir die Schwimmstrecke in Bezug auf die Sonnenlage vielleicht vor dem Start genauer hätte anschauen sollen und vielleicht doch lieber mit getönten Gläsern geschwommen wäre. "Hoffentlich schwimme ich jetzt nicht zickzack und vermiese mir unnötig meine Zeit" denke ich, aber nach 250m kommt die Erlösung, nun erkenne ich die gelbe Boje, auf die ich zusteuern muss, und ich habe wieder ein Streckenabschnittsziel vor Augen. Die Orientierung auf dem dritten und letzten Schwimmabschnitt fällt am Anfang erstaunlich schwer (da das Schwimmziel, das sich vor einem sehr großen Gebäude, dem OCEANIS-Erlebnispark, befindet eigentlich gut zu erkennen sein sollte), aber nach wenigen Schwimmzügen erkenne ich das Ziel und versuche, noch mal einen kleinen Zahn zuzulegen. Die Auswertung der Zeiten nach dem Wettkampf ergibt, dass ich 27 Minuten für die 1500m gebraucht habe; ein Wert, mit dem ich SEHR zufrieden bin (wenn ich bedenke, dass ich kpl. im Bruststil geschwommen bin und nicht wenige Kraulschwimmer im Hafenbecken hinter mir gelassen habe als ich mich auf den Weg zum Rad in die Wechselzone begebe.

Der erste Wechsel klappt so (zügig), wie ich ihn mir vorgestellt habe, und ich darf mich nun auf die Radstrecke (eine 2mal zu absolvierende Wendepunktstrecke) begeben. Mein Traum ist es, heute einen 40'er Schnitt zu erreichen, und obwohl es sehr gut läuft auf dem Rad, ich einige andere Athleten überhole und mich sehr sehr schnell unterwegs fühle, soll es am Ende leider nur für einen knappen 37'er Schnitt reichen - bis ich den gewünschten 40'er Schnitt erreiche, muss ich also doch noch ein wenig mehr trainieren!

Im krassen Gegensatz zur Langstrecke vor 3 Wochen (bei der es mir ja eigentlich nur um's Finishen ging und wo also auch das Tempo über alle 3 Disziplinen relativ "niedrig" war) habe ich mir für heute vorgenommen, richtig Gas zu geben ! Nach 38 km (als es kurz vor dem Ziel noch über eine Brücke mit einem kleinen "Anstieg" geht) auf dem Rad merke ich, dass ich mein Ziel, alles zu geben, erreicht habe bzw. nach dem Wettkampf erreicht haben werde, denn nach den 38 Rad km spüre ich meine Beine schon ziemlich heftig; so heftig, dass ich die Brücke (die wirklich vernachlässigbar wenige Höhenmeter hat!) im Wiegetritt passieren muss. "Ein Glück, dass beim Laufen andere Muskeln angesprochen werden" denke ich mir, als ich die letzten 2 km (in Gedanken schon auf der Laufstrecke) der Radstrecke in einem konstant hohen Tempo bewältige.

Der zweite Wechsel klappt NOCH besser als der erste Wechsel, nun steht also "nur" noch ein schneller 10 km Lauf bevor. Ein Freund, der neben Anja an der (Lauf-)Strecke steht und Aufnahmen mit seiner Videokamera macht, sieht mich, wie ich aus der Wechselzone gerannt komme und ruft mir zu "Lauf nicht zu schnell los, finde erst mal Dein Tempo". Sein Tipp war nicht unbegründet, denn -motiviert wie ich bin, heute eine persönliche Bestzeit zu erreichen- ich beginne die Laufstrecke in einem sehr hohen Tempo! Nach einigen Metern berücksichtige ich dann zwangsläufig den Tipp meines Freundes: Ich merke, dass ich VIEL zu schnell unterwegs bin auf den ersten Metern und pendle mich bei einem "angenehmen" Tempo ein.

Nach der Hälfte der Laufstrecke, als ich gerade unbemerkt versuche, ein wenig Tempo rauszunehmen, überholt mich die Startnummer 113 (mein "personal pace maker" für die Laufstrecke wie ich "Ekki" Warschewski nach wenigen Meter nenne). Ekki hatte ich zuvor auf dem Rad dreimal überholt, und er hatte MICH dann wiederum zweimal überholt. Beim Laufen sollte also die Entscheidung fallen! Trotz des hohen Lauftempos und meiner daraus resultierenden ungewohnt schnellen und "lauten" Atemfrequenz reicht es trotzdem für einen kurzen Klönschnack. Wir tauschen kurz unsere 10 km Zeiten aus (dummerweise gebe ich in dem Moment zu, dass meine 10 km Bestzeit 3 Minuten unter seiner liegt) und widmen uns wieder dem Rennen. Ab jetzt fühle ich mich wie Jan Frodeno, der sich (ungeachtet aller anderen Teilnehmer auf der Strecke) bei den olympischen Spielen als Zweiter über die Ziellinie laufen sieht und mir wird klar "Nee, den kannst Du nicht ziehen lassen, Du willst hier Erster werden !"! Leichter gesagt als getan, aber tatsächlich gelingt es mir, bis kurz vor dem Ziel, an Ekki dranzubleiben. Aufgrund seines recht hohen Lauftempos bleiben mir keine Reserven mehr, um ein kleines Duell (wie wir es uns -wennauch ungewollt- beim Radfahren geliefert haben) zwischen uns beiden zu provozieren, also bleibe ich bis kurz vor dem Ziel lediglich im Windschatten meines pace makers.

Kurz vor dem Ziel an meinem netten unbekannten Sportkameraden aus dem Windschatten vorbeizulaufen ist unfair denke ich mir, also frage ich Ekki provozierend (blöffend) "Na, noch Reserven für einen kleinen Zielsprint??". Zugegebenermaßen fällt mir diese Frage schwer, denn ich weiß, dass mein Laufabschnittsbegleiter, wenn er "Na klar, let's go" gesagt hätte, den Schlusssprint für sich hätte entscheiden können. Da von ihm aber nur ein "Nee, lauf mal" kommt denke ich "Okay, dann laufe ich mal...", ziehe noch mal das Tempo an und laufe ins Ziel. Ein anderer Athlet, den ich auf den knapp 400 noch verbleibenden Metern bis zum Ziel versuche einzuholen zeigt sich jedoch relativ unbeeindruckt von meinem Schlusssprint: Obwohl ich mit einem hohen Tempo von über 21 km/h in's Ziel sprinte (wofür ich im Ziel schmerzlich bezahlen sollte), legt der Kamerad Schnürschuh NOCHMAL einen Zahn zu und erreicht das Ziel, bevor ich es erreiche. Die Zieluhr zeigt 2h 27min an als ich meinen Transponder am Arm über den Zeitmesskasten der STGK führe. Wenn ich an mein Ziel (unter 2h 45min zu bleiben) denke, bin ich superzufrieden mit dieser Zielzeit! Für einen kurzen Moment führe ich mir Gerrit's Zielzeit (ca. 2h 04min ?) am Wehrbellinsee vor Augen, aber das ist für mich eine Nummer zu krass denke ich mir und genieße meine Zielzeit!

Nach wenigen Sekunden klopft mir dann die "113" auf die Schulter, und wir beide schnacken noch mal grinsend über unser kleines Duell!


© TriGe Sisu Berlin; 7.9.2008