Bericht Regionalliga Ost in Koberbachtal 23.6.2018

von Dirk Bettge

"So werden die Letzten die Ersten sein" (Matthäus 20,16)

So ist es im neuen Testament zu lesen. Da geht es zwar nicht um Triathlon, aber jedenfalls hat beim zweiten Regionalliga-Wettkampf im Koberbachtal erstmals ein M70er die Tageswertung gewonnen dank einer für die AK sehr guten Leistung und Zeitbonifikation von knapp einer Stunde. Da hatten selbst die Kolleg/inn/en vom TuS Neukölln keine Chance mehr, die eine W50erin auf den 4. Platz brachten. Aber fangen wir von vorne an.

Auch der zweite Wettkampf der Saison fand weit im Süden statt, gerade noch in Sachsen an der Koberbach-Talsperre. Die Regionalliga gastiert hier nach 2017 erst zum zweiten Mal. Also fuhren wir wieder 300 km nach Süden, Abfahrt um halb sechs morgens in Berlin, mein Wecker hatte 4:15 geklingelt. Ingo war schon vor Ort, und David wohnt derzeit in Sachsen, so dass er mit der Bahn anreiste. Für Alt-Sisu David sollte es nach mehreren Jahren Abstinez der erste Wettkampf sein (jetzt bei den Masters), außerdem sollte Christopher (unser jüngster) erstmals die Männer unterstützen und Lars wiederum die Masters, so dass wir beide Teams vollzählig am Start hatten.

Kühle 12 bis 13 Grad lautete die Wettervorhersage, Regen sollte sehr wahrscheinlich sein. Schien bei Abfahrt noch die Morgensonne, wurde es Richtung Ziel immer kühler und trüber. Die Wassertemperatur hätte zwar Neoverbot bedeutet, aber wegen der allgemeinen Kühle durften wir doch mit Neo starten. Alle Sisus legten sich Windwesten fürs Radfahren parat.

Pünktlich zum Einschwimmen erreichte die Regenfront die Talsperre. Die Tropfen fielen nicht allzu dicht, aber doch stetig, dies sollte bis zum Ende so bleiben. Da im Stausee viel Platz ist, konnten alle Startwellen mit wenigen Minuten Abstand auf die lange Reise über eine Schwimmrunde geschickt werden. Da ich im letzten Augenblick vor dem Start noch nach meinem Transponder rennen musste, habe ich vom Einstieg nicht viel mitbekommen, bin mit dem Startschuss (aus zwei Büchsen der örtlichen Schützen) ins Wasser gerannt.

Das Schwimmen verlief flüssig und unspektakulär, der Typ an meinen Zehenspitzen entpuppte sich als Ingo, mit dem zusammen ich an Land rannte. Davids Rad war schon weg, keine Spur mehr zu sehen, gute Leistung nach so langer Zeit! Also Neo über Uhr und Transponder würgen, Weste/Nummer/Helm an und ab auf die Straße zum Aufspringen. Die ersten paar Hundert Meter waren ordentlich geflickt und rumpelig, das würde hoffentlich nicht so bleiben. Tat es auch nicht, aber die Straßen waren mittlerweile komplett nass, immerhin nicht wirklich rutschig, da es em Freitag auch schon ordentlich geregnet hatte. Zweieinhalb Runden waren zu fahren, insgesamt bloß knapp 36 km, die es inbesondere bei Nässe in sich haben.

340 Höhenmeter und knapp Hundert Meter Höhendifferenz klingen nicht so schlimm, aber mehrere Ortsdurchfahrten mit Abbiegevorgängen wollen gemeistert sein. Schließlich geht's mit Highspeed und Rückenwind die Landstraße oberhalb des Stausees runter. Im leichten Gefälle fährt man schließlich im Ort mit 50 Sachen auf den Abzweig zu. Hier musste Ingo feststellen, dass seine Carbon-Felgen sich nicht wirklich bremsen lassen wollten, so dass er an den Helfern vorbei geradeaus fahren und Geschwindigkeit abbauen musste bis zum Stillstand, dann Wende und zurück zum Abzweig.

Um die Runde zu schließen, ging es von dort auf einen Verbundpflasterweg, zwei Fahrspuren mit Gras in der Mitte, erst rauf, dann eine Abfahrt durch den Wald. Ein Traum mit Zeitfahrmaschinen bei Regen, nur gut, dass wir das nicht vorher wussten. Mitte der zweiten Runde holte ich noch Sören ein, der ja 4 Minuten vorher gestartet war und offenbar einen mentalen Durchhänger hatte, sich dann aber sagte "nee, das geht jetzt gar nicht" und nochmal wieder richtig Druck machte bis ins Radziel. Ich muss schon sagen, ich war schließlich froh, dass die Radstrecke nicht länger war.

In der Wechselzone traf ich David an, der mit seinen Laufschuhen kämpfte, weil er kein Gefühl mehr in den Fingern hatte. Mit vereinten Kräften half ich ihm hinein, und wir gingen gemeinsam auf die Laufstrecke, die sehr rustikal über Stock und Stein und kleine Wege rund um die Talsperre verläuft und ebenfalls wenig ebene Passagen aufweist. Ich fühlte mich ein wenig schwer, David zog langsam davon, schließlich kam noch Heiko von hinten (wieso von hinten??), der hatte offenbar auch einige Minuten in der T2 zugebracht. Nach all den langen Wettkämpfen war Heiko sicherlich nicht in Bestform, aber wir brauchten ihn.

Lukas habe ich unterwegs gar nicht gesehen, der war beim Schwimmen ganz vorn dabei und wurde wiederum schnellster Sisu des Tages. Sören lief nach seinem Radtief noch ein ganzes Stück nach vorn (schnellste Sisu-Laufzeit). Große Klasse ist Christophers Leistung, der das erste Mal überhaupt für Sisu gestartet ist und dabei mit solidem Radsplit und hervorragender Laufzeit überraschte. Moritz war mit eilig geliehenem Rad unterwegs, da ist noch Luft nach oben. David war unser schnellster Master, Ingo kurz vor mir, dann Gregor und Lars.

Durch das Bonifikations-System bei den Masters muss hier alles noch umgerechnet werden. Wieder Mal war dies offenbar nicht mit dem Zeitnehmer abgestimmt, so dass es wiederum auch binnen 2 Stunden nach dem Wettkampf keine Ergebnisse und Siegerehrungen gab. War egal, wir waren ohnehin sehr bald abgereist, nicht aus Desinteresse, sondern, weil uns allen kalt war. Die Auswertung der Masters ergab, dass die Dresdner einen flotten M70er im Rennen hatten, der – unbemerkt im Rennverlauf – schließlich die Wertung für seinen Verein entscheiden konnte. Mit immerhin noch 9 Minuten Abzug als M50er bin ich auch ganz gut in der Tabelle mit dabei, die jüngeren hatten wieder das Nachsehen.

Was bleibt? Alle Sisus haben geliefert und gute Leistung gebracht, beide Mannschaften sind einen Platz weiter vorn gelandet als in Schneeberg. In nur eine Woche fahren wir schon wieder nach Sachsen, nämlich zum Teamsprint in Grimma. Da gibt es keine AK-Bonifikationen, daher halte ich mich zurück und werde die Teams nur medial begleiten.

Regionalliga Koberbachtal, Kurzstrecke 1,5 - 36 - 10 km

Maenner Einzelwertung, 42 im Ziel
Pl  Name                 Verein                     swim  T1   bike    T2   run    gesamt
==========================================================================================
 1  Repmann, Jonas       SG Friesen/Weltraumjogger  20:50 0:39   56:45 0:35 37:11  1:56:03
28  Jarius, Lukas        Sisu Berlin                20:59 1:09 1:03:26 1:08 43:49  2:10:34
31  Draffehn, Sören      Sisu Berlin                27:16 1:37 1:03:37 0:51 40:05  2:13:28  
32  Brandt, Christopher  Sisu Berlin                25:10 1:37 1:04:57 0:59 41:12  2:13:59
35  Pietsch, Heiko       Sisu Berlin                26:04 1:22 1:04:43 3:25 42:18  2:17:54
36  Jäger, Moritz        Sisu Berlin                23:20 1:24 1:12:16 1:16 45:29  2:23:49
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Maenner Mannschaftswertung, 10 Mannschaften
Pl Pl-Summe  Mannschaft
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 1  26  TSV 1880 Gera-Zwötzen
 2  32  Berliner Triathlon Team
 3  53  SG Friesen/Weltraumjogger
 8 126  Sisu Berlin
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Masters Einzelwertung, 34 im Ziel
 Pl  Name               Verein           AK   swim  T1   bike    T2   run    gesamt   Bonus Wertung
===================================================================================================
  1  Hübner, Gerhard    Dresdner Spitzen M70  28:12 2:22 1:15:50 2:43 64:44  2:53:52  58:15 1:55:37
 10  Bettge, Dirk       Sisu Berlin      M50  26:06 1:31 1:02:45 1:12 47:37  2:19:14   9:16 2:09:58
 20  Greve, David       Sisu Berlin      M40  24:38 1:04 1:04:10 2:01 44:27  2:16:23   0:00 2:16:23
 23  Hertzsch, Ingo     Sisu Berlin      M40  26:02 2:24 1:04:02 1:14 43:51  2:18:25   0:00 2:18:25
 27  Karow, Lars        Sisu Berlin      M45  31:02 1:48 1:10:35 1:39 46:27  2:31:32   4:38 2:26:54
 28  Weidner, Gregor    Sisu Berlin      M40  27:57 2:07 1:07:33 3:23 46:47  2:27:49   0:00 2:27:29
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Masters Mannschaftswertung, 9 Mannschaften
Pl Pl-Summe  Mannschaft
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 1  17  TuS Neukoelln
 2  46  A3K Berlin
 3  54  Dresdner Spitzen Tri Team
 4  70  BSV Friesen
 5  80  Sisu Berlin
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Alle Ergebnisse: Regionalliga Ost


© TriGe Sisu Berlin; 24.6.2018 .. 26.6.2018