Rennsteiglauf 17.5.2014

von Michael Noll

Sisu war in diesem Jahr wieder am Rennsteig vertreten. Rainer und Daniel sind den Halbmarathon von Oberhof nach Schmiedefeld gelaufen. Für mich stand der lange Kanten von Eisenach nach Schmiedefeld über 72,7 km an. Unsere Lauftrainingsgemeinschaft mit dem Tri-Team hat ergeben, dass wir alle Laufstrecken abgedeckt haben. Tobias ist den Marathon (43,5 km) von Neuhaus nach Schmiedefeld gelaufen. Nach einer kurzen Nacht war für mich um 2:30 Uhr Frühstück angesagt, der Bus zum Start nach Eisenach fuhr um 3:30 Uhr ab. Der Starschuss fiel um 6 Uhr.

Der Gedanke, die lange Strecke mal zu probieren, schwelte bei mir ja schon länger. In diesem Jahr habe ich die Gelegenheit genutzt, weil der lange Triathlon erst später als üblich ansteht. Die Strecke hat mir schon Respekt eingeflößt, schließlich hieß es nicht nur die knapp 73 km zu laufen, sondern eben über die Anstiege des Rennsteigs. Da der Zielort deutlich höher als der Startort liegt, war die Gesamtstrecke also insgesamt mehr hoch als runter. Die ersten 25,5 km von Eisenach führen im Grunde nur ansteigend zum großen Inselsberg. Es gibt einige flache Passagen oder mal kleine Zwischengefälle, die man dann aber wieder erneut hoch muss. Ich wollte keinesfalls zu schnell angehen und hatte mich in der Mitte des Feldes von etwa 2200 Startern einsortiert. Die Einteilung wollte ich mit 6 Minuten pro km angehen. Nach dem Motto: ein 6 Minuten-Kilometer ist genauso weit wie ein 4 Minuten-Kilometer.

Am Anfang war es noch gut gedrängt durch das doch recht große Feld und ab dem Ortsausgang auch auf schmalem Waldweg. An einer Stelle war sogar kurz Stau. Nach etwa 4 bis 5 km hatte es sich aber so langsam sortiert, zumal dann der Waldweg auch breiter wurde. Die Strecke hat insgesamt Passagen mit moderatem Anstieg wie z.B am Postfenn im Grunewald, aber auch mal wie am Kilometerberg von unserer MTB-Runde im Winterduathlon. Es gibt aber auch noch steilere Rampen, wie man sie z.B. am Drachenberg vorfindet. An den Passagen gibt es dann die unterschiedliche Taktik von Gehen oder langsam traben. Ich hatte mich jeweils fürs Traben entschieden. Interessant sind auch die Verpflegungsstationen bei dem Ultra-Lauf.

Wir kennen es ja aus dem Triathlon, dass es Obst, aber eben auch Riegel und Gels gibt sowie Iso-Getränke. Obst war hier auch zu finden. Ebenso Wasser oder Cola aber keine Iso-Getränke. Riegel gab es gar nicht, Gels an einer Station. Limo und Tee war überall vorhanden. Für mich neu war Haferschleim-Suppe. Das gab es in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Ich hatte mal Himbeer, ist wirklich nicht übel. Öfter gibt es auch Kuchen und vor allem Schmalzstullen. Die werden auch individuell gesalzen. Ist nicht schlecht, wenn man daran denkt, dass einem im Triathlon irgendwann der Süßkram überläuft... und bei ruhigem Lauftempo geht auch mal eine kleine Stulle, der Magen wird so auch nicht zu leer. Der Brüller war an einer Station: warme Wiener W rstchen gerne auch mit Ketchup oder Senf. Da habe ich schon gezuckt, aber ich hatte Respekt, dass das zu heftig wird. Gelaufen bin ich im Radtrikot, weil da Taschen dran sind und ich so 4 Gels mitnehmen konnte.

Mein Tempo von 6 Minuten konnte ich durchschnittlich konstant über den besagten Inselsberg halten. Auch die folgenden An- und Abstiege konnte ich im gleichen Tempo laufen. Rechnen war insofern einfach, weil alle 5 km ein Schild stand und ich ja nur volle und halbe Laufstunden ermitteln musste. Bei km 54 kommt man am Grenzadler in Oberhof vorbei (ist ja bekannt aus dem Biathlon-Weltcup). Dort besteht eine offizielle Austiegsmöglichkeit mit Zeitnahme. Keine Ahnung, ob das jemand gemacht hat. Alle Mitläufer, die ich gesehen habe, sind zur Verpflegung und weiter. Danach hatte ich das Gefühl, dass es immer noch ganz gut ging und bin zumindest subjektiv etwas schneller geworden. Jedenfalls konnte ich ab km 55 für weitere knapp 15 km weitere Läufer überholen ohne selbst eingeholt zu werden. Das Feld ist dann natürlich auseinander gezogen, aber man läuft dennoch nie allein. Jemand ist immer in Sichtweite.

Die restliche Strecke von Oberhof ist bis auf eine Passage identisch mit dem Halbmarathon, den ich ja aus den Vorjahren kannte. So geht es bei km 64 von der Schmücke abwärts über einen schmalen Wege mit Baumwurzeln. Man muss bei einem Cross-Lauf schon deutlich mehr auf seine Schritte aufpassen. Die letzten 3 bis 4 km zum Ziel gehen bergab. Da waren die Beine etwas fester geworden, so schnell bergab wie erhofft ging es nicht mehr. Da wurde ich auch wieder überholt. Aber egal, am Ende standen nicht ganz 7:13 Stunden auf der Uhr, also genau 6 Minuten-Tempo.

Video 1, Video 2

Die Sisu-Reisegesellschaft stand im Zeilkorridor und hat mich dann für die letzten Meter motiviert. Insgesamt ist der Lauf eine lohnende Sache, aber es muss halt in die Triathlon-Saison passen. Insofern ist das für mich selbst sicherlich nichts, was ich jedes Jahr machen würde. Aber warum nicht irgendwann mal wieder. Das schöne ist, man hat keinen Zeitstress. Was gibts sonst noch besonderes... Älteste Teilnehmerin über die lange Stecke 73 Jahre, ältester Teilnehmer 77 Jahre. Unglaublich, Respekt. Ach ja und Wintersportprominenz war auch wieder aktiv. Bei der langen Stecke war Axel Teichmann (Ski-Langlauf) dabei. Beim Halbmarathon in den Vorjahren hatte ich ja mit Juliane Döll und Andrea Henkel Biathletinnen gesichtet. Da wir alle aktiv waren, gibt es Bilder nur von der Zielfete. Das ist auch immer wieder irre, wenn im Reisen-Zelt etwa 5.000 Leute Wanderlieder singen. Die Fete rundet die Anstrengung ab und ist eine Anstrengung ihrer eigenen Art...


© TriGe Sisu Berlin; 20.5.2014