Bericht Quelle Challenge Roth (Langdistanz) - 12.7.2009

Text: Olli Neuendorf; Bilder: diverse Sisus

Nachdem jetzt ne knappe Woche vergangen ist und ich mein langes WE Revue hab passieren lassen, wollte ich ein paar Eindrücke hinterlassen, wer mich kennt weiß das ich mich schwer kurz fassen kann!!!!

Nach monatelangem Training, etlichen Schwimmkilometern, einigen tausend Radkilometern und mehren hundert Laufkilometern kam endlich der Tag X. Die Anreise am Freitag verlief ohne Probleme und das Problem ob wir alles in Caros roten Flitzer bekommen wurde dank genialer Packkunst mit einem JA belohnt. Unser Hotel lag leicht auswärts von Roth in Seeligenporten aber mit dem Auto alles wunderbar erreichbar. Am Freitag erfolgte nur ein kurzer Messebesuch wo wir auch gleich Jochen und Sylvia und später Stuart antrafen...bekannte Gesichter gaben schnell etwas von Heimat, da ich schon sehr nervös war was den Wettkampf anging. Abends gingen Stuart und ich zur Pastaparty wo David mit Freundin noch zu kam....das Essen und die Stimmung dort waren wirklich einmalig, auf der Bühne gab es neben traditioneller bayrischer Musik noch Interwies mit den startenden Profis....das Zelt bebte als die amtierende Weltmeisterin Chrissie Wellington dort stand und uns auf deutsch begrüßte.....Gänsehaut pur!!!!

Der Samstag verlief schon etwas hektischer, erstmal rumtelefoniert wegen einem Leihfahrrad inkl. Kindersitz oder Anhänger für Caro und Connor damit sie beim Wettkampf auch mobil sind. Wir hatten Glück und holten das gute Stück am Rothsee (Schwimmstart) ab, während Caro und Connor zur Pension zurück radelten machte ich eine letzte Runde auf dem Rad bevor ich es später zum Bikecheck bringe. Vor dem Bikecheck ging es erstmal wieder zur Messe zurück wo schon Bertram und Nana beim shoppen waren und wir Micha noch antrafen, zusammen ging es dann nochmal quer über die Messe. Am späten Nachmittag checkte ich dann mein Fahrrad endlich ein....unglaublich was man da wieder für Material sah, abgesehen von der riesen Wechselzone und den herrumrumlaufenden Profis kam wieder die Nervosität in mir hoch die sich aber wieder schnell legte als wir dann zum Essen mit den Sisus fuhren. Das gemeinschaftliche Essen war eine super gemütliche Runde bei einem Italiener....mit lecker Knobi Nudeln und zwei alkoholfreie Bananweizen ging es dann zur allerletzten Bettruhe...nur wenige Stunden bis der Wecker klingelt.

Punkt 03.45 wars dann soweit, so schnell war ich selten aus dem Bett und gönnte mir ne kurze Dusche und mein Baguette was ich am Vorabend noch schnell beim Cafe gekauft hatte. Kurz nach fünf fuhr mich dann Caro schnell zum Schwimmstart wo sie mich dann kurz vor der berühmten Brücke raus ließ, ich hörte schon von weiten Musik und ein Sprecher in mehreren Sprachen Ansagen machen, der Gang über die Brücke um zum Schwimmstart zu kommen waren gefühlte Stunden lang, soviele Menschen, dann diese emotionale Musik, ein dicker Kloß im Hals machte sich bemerkbar auf den letzten Meter zur Wechselzone.

Im Wechselgarten prüfte ich noch schnell ob noch alles am rechten Platz war und versuchte mich abzulenken indem ich die anderen Sisus suchte, Jochen und Stuart hab ich auch gefunden, ein letztes Shakehands ein paar aufbauende Worte und dann machten sie sich schon im Neo umgezogen langsam fertig Richtung Schwimmstart....ich hatte ja noch viel Zeit da ich bei meiner Nikolausaktion keine Zeiten angeben konnte und somit in die letzte Startwelle rutschte....aber mein Ziel war ja wirklich nur finishen. Ich verfolgte noch die einzelnen Startwellen und es herrschte totale Volksfeststimmung morgens um sieben Uhr....man hat es mir ja oft beschrieben....aber hautnah erleben ist doch was anderes....bzw mitten drin zu sein, denn in wenigen Minuten wurde dann die letzte Startergruppe aufgerufen....die pinken Badekappen!!!!

Ab jetzt vergingen die nächsten Stunden wie von alleine....ich sortierte mich ganz weit vorne ein und als der Startschuß endlich fiel dachte ich mir noch....sowas bescheuertes hier mit zu machen!!!!

Die Zeit im Wasser verlief problemlos und ich konnte sogar ein paar Schwimmer von der Vorgruppe einsammeln....ein gutes Gefühl...man musste eine Runde auf dem extra gesperrten Main-Donau Kanal absolvieren, ich kam recht fit aus dem Wasser raus, schnappte mir meinen Kleiderbeutel und zog mich fix um für die Radeinheit.

Es waren zwei Radrunden zu absolvieren und ich freute mich schon auf die Sisus am Streckenrand und auf die berühmten Stimmungsnester unterwegs. Gott sei Dank hat das Wetter mitgespielt und man konnte ohne sich groß einzupacken gleich los fahren....es war genial aus der Wechselzone von so vielen Leuten angefeuert zu werden und bevor es auf die gesperrte Bundesstraße ging standen schon die ersten Sisus dort und feuerten uns tatkräftig mit an, Gänsehaut pur!!!!

An der großen Campingwiese vorbei am Rothsee saßen schon die nächsten Sisus und gaben ihren Beifall dazu....jetzt bloß nicht übertreiben auf der Radstrecke...oft genug wurde mir das gesagt und als recht unerfahrener Triathlet versuchte ich mich daran auch zu halten....aber wer die Stimmungsnester kennt weiß das das fast unmöglich ist....werde nie vergessen wie kurz vorm Solarerberg Frau Wellington an mir vorbei fuhr....wie soll man da bitte ruhig bleiben, also hinterher und diese Welle der Begeisterung voll mitgenommen.

Die zweite Radrunde wurde schon wesentlich ruhiger was auch am zunehmenden Wind lag. Nach den absolvierten 180km kam dann endlich die lang ersehnte zweite Wechselzone in Roth...nach etwas über 6std machte sich auch die Blase kräftig bemerkbar, die Angst wie auf Eiern zu laufen nach der Radtour wurde mir nach den absteigen sofort genommen....ab ins Zelt gefolgt von einer netten Helferin, Schuhzeug gewechselt, Schultern eingeschmiert, Cap auf und sofort die Pippibox aufgesucht....jetzt nur noch den Marathon!

Auch da hörte ich zahlreiche Stimmen im Kopf "lass es ruhig angehen" aber die vielen Menschen und die Beine wollten einfach nicht ruhig, also lief ich einfach das Tempo wo ich mich wohl fühlte und dachte es wird schon gut gehen. Kurz bevor wir an den Kanal entlang laufen mussten sah ich dann wieder meine Sisus die man wieder sehr lautstark hörte. Caro lief noch einige Meter mit und fragte nach dem Befinden und ich konnte ehrlich antworten es ging mir ausgezeichnet bis zu diesem Zeitpunkt. Nach ca. 8km traf ich endlich mal ein aktiven Sisu. Jochen der glückliche hatte ca. die doppelte Anzahl der Kilometer schon hinter sich und machte noch einen frischen Eindruck. Bei 10km kam dann der erste Wendepunkt wo man eine Ortschaft durchläuft. Man wurde mit Namen empfangen und auch hier hatte man keine Chance zu gehen, die Menschen feuerten und peitschten einen so heftig an, meine Beine wurden immer leichter, für meine erste Langdistanz ein bisher perfektes Rennen und ich fing schon an im Kopf zu rechnen was für Zeiten rauskommen könnten wenn ich das alles jetzt noch durch halte. Nach der Hälfte des Marathons kam ich wieder an meinen Sisus vorbei, mein Sohn Connor lief mir entgegen und ich hatte immer noch diese leichten Beine. Ich nahm ihn ein paar Meter auf den Arm mit und dachte noch in ca. 2std läufst du so durchs Ziel, ein unbeschreibliches Gefühl.

Die weiteren Kilometer vergingen recht schnell und alles sah noch so aus als würde ich den Marathon spielend durchlaufen. Kurz vor dem dem letzten Wendepunkt kam mir Jochen gehend mit einem anderen Athleten wieder entgegen, jetzt lagen noch ca. 2-2,5 km zwischen uns. Jetzt malte sich in meinem Kopf sogar ein gemeinsamer Zieleinlauf ab. Also weiter laufen, die Beine sind ja noch leicht. Viele sagen der Marathon fängt ab Kilometer 25 an, dann fängt es an weh zu tun. Bei mir hat er sich noch bis Kilometer 28 Zeit gelassen. Ich hatte das Gefühl mir hat jemand mit einem Knüppel auf die Beine eingeschlagen, so plötzlich kam es. Die Oberschenkel verkrampften mit den Waden zusammen, das Knie tat weh und die Füße machten sich auch das erste mal am Tag bemerkbar, und das knappe 14km vor der Ziellinie. Bis zum letzten Wendepunkt musste ich abwechslend ein paar Schritte gehen und langsam weiter traben. Das Spiel ging eine ganze Weile gut bis Kilometer 34 ungefähr, wo man das letzte Stück am Kanal zurück nach Roth läuft. Ab diesen Zeitpunkt waren die Pläne über bestimmte Zeiten oder gemeinsame Zieleinläufe komplett verdrängt, nur noch durchkommen egal wie. Das Spiel mit gehen und traben funktionierte auch nicht mehr, es war mehr ein humpeln in sehr kurzen Schritten. Kilometer für Kilometer kam ich dem Ziel so näher, unterwegs sah ich dann zum ersten Mal jemanden schon das rote Finisher Shirt tragen, das gab kurz nochmal Motivaton zum traben. Es waren vielleicht wenns hoch kommt 10 Meter, es ging nichts mehr und zum ersten Mal an diesem Tag hatte ich auch keine Lust mehr, aber paar Kilometer hatte ich noch vor mir. Viele Läufer überholten mich sogar im gehen.

So hatte ich mir den letzten Teil bestimmt nicht vorgestellt, jetzt bloß nicht anhalten oder hinsetzen. Ich wäre wahrscheinlich nicht mehr allein hoch gekommen. Als ich noch einen Kilometer vor mir hatte konnte man schon den Sprecher hören und auch sowas wie Musik, die Schritte wurden etwas schneller und als dann die ersten Absperrgitter zu durchlaufen waren und die Menschen meinen Namen riefen und wieviel Meter noch bis zum Ziel sind, war auch wieder ein kurzes lachen drinne im sehr kleinen Laufschritt. Es wurde immer lauter um mich herrum und endlich kam der Moment wo man auf dem Teppich die letzte Runde dreht. Connor kam mir entgegen gerannt und jetzt noch die letzten Meter durchs Ziel, seinen eigenen Sohn auf den Händen durchs Ziel tragen wie knapp vor einem Jahr bei meinem Triathlondebut beim Berlinman. Was für Glücksgefühle und Emotionen da einen durch den Körper und Kopf gehen kann man schlecht beschreiben, ich will auch nicht abstreiten das in solchen Momenten auch ich feuchte Augen bekomme. Monatelanges Training, schmerzhafte Verletzungspausen und immer diesen kurzen Augenblick vor Augen wie man die Ziellinie überquert und als Krönung meinen Sohn Connor auf dem Arm, dann ist es wieder ein geiler Schmerz der einen auf solchen Wettkämpfen begleitet.

Nach dem Zieleinlauf ging es erstmal ins trockene Zelt zur Massage. Der Sonntag wurde mit einer heißen Dusche, einer Käsesemmel und einer warmen Rinderbrühe beendet was es nahrungstechnisch angeht. Caro war schon so lieb und machte sich auf dem Weg zur Pension das Fahrrad gegen das Auto zu tauschen, Bertram wartete am Ausgang und zeigte mir noch den Weg zur Wechselzone um mein Fahrrad auszuchecken. Pünklich zum Feuerwerk trafen dann Caro mit Connor dann ein um mich einzusammeln...ich wollte nur noch ins Bett.

Am nächsten Morgen kam dann der zweite Hammer...was sich am Vortag schwer anfühlte wog jetzt ne Tonne, die ersten Schritte zur Dusche taten sehr weh und von den Treppen zum Frühstück gar nicht erst zu reden. Aber ich musste ja nur noch meine Tasche packen und sie ins Auto verstauhen anschl. zur Siegerehrung wo ein kaltes Erdinger mit den anderen Sisus auf mich wartete. Die Siegerehrung war ein voller Erfolg und es hat nochmal spaß gemacht auf den Bänken zu stehen und neue Rekorde zu beglückwünschen. Jochen und Micha trugen sich gleich in die Starterliste für 2010 ein, ich werde eine Langdistanzpause einlegen und 2010 als Zuschauer am Streckenrand stehen und unsere Sisus anfeuern wie sie es auch mit mir gemacht haben.

Auf dem Heimweg wurde dann nochmal eine verdiente Pause beim Restaurant des Vertrauens eingelegt, gut gestärkt sind wir dann in Berlin angekommen, jetzt ist erstmal eine Sportpause angesagt und ab August bereite ich mich dann auf den letzten Triathlon für 2009 vor....und im Kopf geh ich schon wieder die Wechselzone in Roth durch....denn 2011 möchte ich wieder an den Start....da ist noch eine Rechnung was den Marathon betrifft offen!!!!

Zum Schluß möchte ich mich bei allen bedanken die mich während der Trainingsphase immer wieder neu motiviert haben grade in der Verletzungzeit hatte ich manchmal kleine Zweifel ob ich früh genug fit werde. Bei allen Leuten die mich während des Wettkampfes so stark angefeuert haben das ein Aufgeben nie in Frage kam.

Carola die es mir zum zweiten Mal ermöglicht hat unseren Sohn Connor durch Ziel zu tragen...etliche Stunden am Streckenrand verbracht hat und mit dem Fahrradanhänger einige Kilometer zurück gelegt hat....großen Respekt und tausend Dank dafür!!!

Und auch bei Bertram und Nana die mir immer mit wertvollen Tipps und Ratschlägen zur Seite standen und mit mir viele Radkilometer absolviert haben...ich freu mich schon auf die nächsten gemeinsamen Ausfahrten.


© TriGe Sisu Berlin; 21.7.2008