Bericht Quelle Challenge Roth (Langdistanz) - 18.7.2010

von Michael Noll

Langdistanz 3,8 – 180 – 42,2 mit deutscher Meisterschaft

In diesem Jahr war für mich nach Frankfurt in 2009 mal wieder Roth angesagt. Ist ja mit meiner 4. Teilnahme schon so was wie ein Heimrennen. Anreise war freitags vorm Rennen mit meiner Frau Heike. Auch für sie entwickelt sich das schon zum Heimspiel am Streckenrand an den üblichen Stellen auf der Brücke beim Schwimmen, in Unterrödel an der Radstrecke (also kurz vorm allseits bekannten Solarer Berg), an der Lände beim Laufen und eben beim Ziel. Carola war samstags angereist, so dass beide zusammen für die nötige Unterstützung an der Strecke gesorgt haben. Nach der Ankunft in Roth habe ich noch die Startunterlagen abgeholt, damit ich am Samstag vorm Rennen nur noch den Rad-check in erledigen musste. Insofern ist mein Samstagsprogramm auch schon geschildert. Die Wechselzone hat sich mit den Rädern unter den Schutzfolien gefüllt. Der Übergang vom Wasser zum Wechselzelt mit den Radklamotten wurde dann am Sonntag früh bestückt, so dass der Bereich vorerst leer geblieben ist, siehe Bilder. In Roth muss man dran denken, die Laufsachen schon zum Rad-Check in mitzubringen, weil die Wechselzone 2 in der Stadt ist und die Sachen dort hin transportiert werden.

Auch wenn mir die Strecke bekannt war, eine kleine Neuerung gab es doch. Die letzten Kilometer der Laufstrecke führten durch die Innenstadt, dafür war der 2. Wendepunkt nach der Brücke über den Kanal etwas früher.

Bei meinem letzten Start vor 2 Jahren hatten wir ja mit Regen und 13 Grad zu kämpfen, was auf dem Rad nicht lustig war. Insofern hatte ich mich auf ein Hitzerennen gefreut, waren doch die Temperaturen die letzen Tage über der 30 Grad-Marke. Wären also im Durchschnitt ideale Bedingungen. Jedoch hatten wir Glück, dass es sich zum Renntag etwas abgekühlt hat. Mit etwa 23 Grad gab es ideale Bedingungen und das nicht nur durchschnittlich. Neo-Verbot war übrigens kein Thema, weil das Wasser im Kanal durch den Schiffsverkehr gut umgewälzt wird und es mit knapp über 22 Grad nicht zu warm war.

In Roth gibt es mittlerweile 18 Startgruppen, damit die Radstrecke entzerrt wird und die gut 2800 Einzelstarter plus Staffeln ohne Windschattenprobleme über die Strecke kommen. Das Konzept ist aus meiner Sicht gelungen, ich habe nur 1 Athleten gesehen, der eine Zeitstrafe abbrummen musste.

Meine Startgruppe war um 6:20 Uhr zum Schwimmen aufgerufen und das Rennen konnte für mich beginnen. Nach meiner bisherigen Bestzeit in Roth vor 2 Jahren hatte ich mir eine 5-minütige Verbesserung auf 9:20, im Idealfall Richtung 9:15 erträumt. Da ich durch die Kälte in 2008 auf der Radstrecke bereits 4 Pinkelpausen einlegen musste, war meine Hoffnung groß, dass ich schon durch weniger kleine Zwangspausen Zeit gutmachen könnte. Angepeilt war also eine Einteilung mit unter 1 Stunde schwimmen, unter 5 Stunden Rad und ein Lauf unter 3:30.

Schwimmen war problemlos, die 100 Starter im Block kamen sich nicht in die Quere und ohne Geprügel war ich nach 58 Minuten in der Wechselzone. Die Radstrecke selbst ist unverändert, in den Dörfern auf der Strecke ist was los und es gibt die bekannten Stimmungshöhepunkte in Thalmässing, Kalvarienberg Greding, Unterrödel (mein persönlicher Stimmungshöhepunkt) und Solarer Berg. Ein wenig Roth-typischen Wind hatten wir nach dem Anstieg in Greding auf der folgenden Höhe, wobei Lanzarote-Starter wahrscheinlich nur gelächelt hätten. Durch die gute Witterung waren auch deutlich mehr Zuschauer an der Strecke als beim Regenrennen 2008. Damals gab es sogar Lücken am Solarer Beg, nicht so dieses Jahr. Man fuhr von unten in die bunte Menschenwand und fand die schmale Gasse.

2 km zuvor hatten Heike und Carola die Unterstützung an der Strecke geleistet und ich war neidisch auf die Bratwürste von der Feuerwehr Unterrödel, während ich mich von Riegeln und Gels ernähren durfte. Riegel in Bratwurstgeschmack wäre mal ne Neuerung, aber mein Grillteller sollte noch kommen.

Nach 2 Radrunden ging es in Eckersmühlen für die letzten km ab nach Roth zur Wechselzone 2. Mit der 4:51-er Radzeit war ich schneller unterwegs als erhofft. Die Zwangspausen konnte ich auf Null reduzieren. Es sah also weiter gut aus.

Beim Laufen hatte ich wieder den üblichen Effekt, dass der erste km zu schnell war. Die Uhr zeigte 4:14, es hieß also Tempo rausnehmen, um nicht einzugehen. Angepeilt hatte ich eigentlich Zeiten um 4:50 min/km. Ab dem 2. Laufkilometer hatte ich Zeiten von 4:30 und ein gutes Gefühl. Ich habe dann beschlossen, das Tempo weiter zu versuchen. Erster Wendepunkt der Laufstrecke ist nach 13 km in Schwand, jeder Teilnehmer wird vom Sprecher namentlich begrüßt und verabschiedet. Meinen Schnitt konnte ich weiter halten, die Hälfte des Laufes war mit einer 1:36-er Zeit absolviert. So ganz glauben konnte ich das nicht. Rechnen fällt ja im Laufe der Belastung etwas schwerer, aber ich kam auf eine Zeit unter 3:15, wenn das so weiter geht...? Danach kam dann doch eine etwas langsamere Phase mit 5-er Zeiten, ich habe erst mal aufgehört auf die Uhr zu sehen und bin nach Gefühl gelaufen. Auf dem Weg zum 2. Wendepunkt geht es wag vom Kanal (an Bratwürsten vorbei) und durch Eckersmühlen. Dort ist der Weg leicht ansteigend, Vorteil jedoch: nach der Wende geht es runter. Ich konnte danach wieder etwas Richtung 4:30 beschleunigen.

Der neue Laufhöhepunkt ist die Innenstadt von etwa km 39 bis 41. Im Grunde ist das eine neue Biermeile, die man von der Radstrecke in Eckersmühlen kennt. Darüber hinaus geben Einpeitscher mit Mikro auf der Strecke Vollgas. Ein absoluter Höhepunkt und bringt einen noch mal richtig voran. Die Streckenführung soll auch künftig so bleiben. Ein absoluter Gewinn!!! Am Ende hatte ich eine 3:17er Laufzeit und damit ein Gesamtergebnis mit 9:11:21 h, das ich nie erwartet hätte. Das hatte dann fürs Altersklassentreppchen gereicht und weil der Altersklassensieger aus Estland kam noch einen Platz besser in der Deutschen Meisterschaftswertung. Es war ein idealer Tag mit idealen Rennbedingungen.

Der traditionelle Abschluss war beim Griechen, diesmal im Biergarten draußen mit Grillteller.

Was gibt es sonst noch in Kürze zu sagen? Chrissie Wellington hat mal wieder einen Weltrekord aufgestellt und war 7. Im GESAMTklassement. Wahrscheinlich muss sie demnächst bei den Männern starten, damit die anderen Frauen noch Siegchancen haben. Sebastian Kienle hat einen neuen Radstreckenrekord aufgestellt. Der Gewinner bei den Männern schrammte am Weltrekord vorbei und hatte die viertschnellste je erreichte Zeit. Er meinte auf der Siegerehrung, dass er durch die Autos bei der Anreise motiviert wurde, alle Kennzeichen RH: Rasmus Henning.

Jedenfalls freue ich mich schon auf Roth 2011. Dann werde ich mit Heike am Streckenrand stehen (bei den Grillwürsten in Unterrödel) und insofern Carola ablösen. Dann kann ich mich an der Strecke revanchieren, sie übernimmt den aktiven Part, es gibt kein zurück (Bild).


© TriGe Sisu Berlin; 24.7.2010