Bericht Challenge Roth (Langdistanz) - 8.7.2012

von Michael Noll

Langdistanz 3,8 – 180 – 42,2 km mit deutscher Meisterschaft

Liebe Sisus, ich habe ja kein Training und daher Zeit :-) Es wurde etwas länger... Außerdem habe ich in 2012 noch keinen Bericht geschrieben, da tobe ich mich also jetzt aus. Wem es zuviel wird: einfach Bilder schauen oder aufhören (wird auch nicht als DNF gewertet).

Dieses Jahr war ich zum 5. Mal in Roth dabei und es war - wie jedes Mal - ein unvergessliches Ereignis. Ich freue mich schon auf 2013, da werden Heike und ich als Zuschauer dabei sein und zwar am kleinen Anstieg in Unterrödel kurz vorm Solarer Berg: da wo es die schönen Bratwürste von der Feuerwehr gibt. Die Möglichkeit der Voranmeldung für 2013 am 9.7. habe ich nicht genutzt, wegen anderer Saisonplanung. Es sind jedoch schon Sisus für 2013 gemeldet, unsere Referees vom Ironman in Frankfurt, Daniel und Christopher, kamen extra auf dem Rückweg am 9.7. noch nach Roth um sich voranzumelden. Hier ist auch Christopers Bemerkung entstanden, ob mein diesjähriger Rennbericht ohne den Namen Lothar Leder auskommt - tut mir Leid, aber ich kann nicht anders…

Anreise war am Freitag vorm Rennen und wir haben es rechtzeitig geschafft das Abholen der Startunterlagen bis 18 Uhr zu erledigen. Damit konnten wir rechtzeitig zur Pasta-Party ins große Zelt. Nudeln, Kaiserschmarrn und Kuchen satt sowie alkoholfreies Weizenbier wird gereicht und es ist ein kleines Einstimmungsprogramm auf der Bühne. Es werden ein paar Profis interviewt, die um den Sieg kämpfen werden. Darüber hinaus kamen auch die - schon Triathlonlegenden - Jürgen Zäck und Lothar Leder zu Wort, die auch beide am Start waren. Gut gesättigt ging es freitags dann zeitig zur Bettruhe. Am Tag vorm Rennen mache ich immer vorm Frühstück ein kleines “Lockerungsläufchen” von etwa 20 Minuten. An diesen Morgen haben mir allerdings 15 Minuten gereicht, weil es geregnet hat. Die Wolken haben sich später verzogen und es blieb trocken. Ansonsten war das übliche Programm des Vortages des Rennens: Rad einchecken, Laufbeutel abgeben und Nudeln essen.

Am Renntag ging der Wecker um 3:30 Uhr los. Mein Start war um 6:30 Uhr, ich wurde in die erste Welle sortiert. Das Wetter am Morgen war gut: trocken und etwa 16 bis 17 Grad am frühen Morgen. Pünktlich um 6:30 Uhr fiel also der Startschuss für mich. In dieser Gruppe waren natürlich die Profis, die Athleten, die sich für eine Zielzeit unter 9 Stunden gemeldet hatten und weitere sonstige als schnell eingestufte Altersklassenleute. Das Schwimmen ging durch die ambitionieren Zeitziele in der Gruppe ganz gut zur Sache. Ab und zu hatte ich schon mal eine Hand am Kopf, aber das Schwimmbrillenband aus dem Grund auch unter der Badekappe. Ich habe versucht mich relativ außen zu halten und nach schätzungsweise 400m hatte sich die Lage im Feld so einigermaßen sortiert. Bei dem Schwimmkurs in Roth ist außen halten ohnehin kein nennenswerter Umweg: es wird im Main-Donau-Kanal in gerader Richtung geschwommen und die Wendeboje kommt nach gut 1,2 km. Nach der Wende kam dann der Rückweg zur Brücke am Start. Genau die Brücke, die auch immer proppevoll mit Zuschauern ist. Abgesehen davon sind auch am Ufer Leute, die auch mit Fahrrädern die ganze Schwimmstrecke verfolgen. Letztlich bedeutete die Schwimmzeit von 56:39 für mich persönliche Bestzeit. Als Zielzeit hatte ich unter 9:30, möglichst 9:20 angepeilt, sozusagen möglichst wenig Abstand zur Zeit von vor 2 Jahren. Diese 9:11 waren aber bei perfekten Bedingungen erreicht.

In der Wechselzone hatte ich dann noch Aufmunterung: Carola und Uwe hatten sich am Wechselzelt postiert, weil sie noch kurz Zeit bis zum Start ihrer jeweiligen Staffel hatten. Ich habe mich also auf Rad geschwungen und schon mal das erste Stimmungsnest angepeilt: die Biermeile in Eckermühlen, im Übrigen der Punkt an dem man mit dem Rad 3 Mal vorbeikommt. So gegen 7:45 Uhr kam ich dort also zum ersten Mal vorbei. Der Streckenpunkt machte auch zu dieser frühen Stunde seinem Namen alle Ehre. Den Radfahrern wurde schon zugeprostet, mit Sicherheit nicht die alk-freie Variante. Nach der Biermeile geht es in südlicher Richtung über Heideck und Thalmässing zum Wendepunkt nach Greding. Alles Orte mit so genannten Stimmungsnestern. Aber in den anderen Dörfern sind auch überall Leute draußen und geben wie die Radler Vollgas. Ich kann nur jedem halbwegs am Langstreckentriathlon Interessieren sagen - das muss man erleben, es ist nicht zu beschreiben.

Auf dem Abschnitt nach Greding war merklicher Gegenwind oder leicht schräg von vorne. War also insofern etwas bremsend, aber damit die Aussicht, dass auf dem Rückweg Rückenwind wäre. Die Radstrecke hat zwischenzeitlich seit meinem letzten Start in 2010 eine leichte Änderung. Vor Heideck geht es nicht geradeaus über eine Kuppe, sondern man muss links abbiegen, was die Gesamtstrecke in den 2 zu fahrenden Runden wohl um etwa 2km verlängert. Auf der Umfahrung ist auch eine Kuppe zu überwinden. Insofern dürfte das insgesamt die Radzeiten leicht verlängern. In Greding ist dann mit dem Kalvarienberg der größte Anstieg mit bis 10% Steigung zu überwinden. Dort haben sich unter anderem auch Sambatrommler postiert und für ordentlich Lärm gesorgt. Nachdem der Anstieg überwunden war, gab es tatsächlich den erhofften Rückenwind. Bei Obermässing kam dann die Abfahrt, bei der es schnell wird, man aber beachten muss, dass einige 180 Grad Kurven zu fahren sind. Es empfiehlt sich meiner Meinung nach, dort nicht alles zu riskieren. Zwar liegen Strohballen vor den Leitplanken, aber stürzen ist schlimmer, als ein vorsichtsbedingter Zeitverlust , der mit Sicherheit unter einer Minute bei 2 Runden liegt, wenn man etwas Risiko rausnimmt. Die Fahrt führte weiter in Richtung des Solarer Berges. Dem Stimmungshöhepunkt auf der Radstrecke schlechthin. Vorher gab es meinen Stimmungshöhepunkt an der Kuppe in Unterrödel, dort hatte sich Heike postiert. Tja und das ist die Stelle, an der ich dann wie schon erwähnt nächstes Jahr mit stehen werde: dort also fleißig lächeln Sisus. Auf Wunsch reichen wir auch die Bratwürste an. Die Geschwindigkeit am Berg sollte dabei keine Schwierigkeiten bereiten :-)

Nach der kleinen Abfahrt kommt dann in der Tat die Einfahrt in den Solarer Berg. Durch das trockene und warme Wetter platzte der Abschnitt mit Zuschauern aus allen Nähten. Bei der Annäherung hörte man das Brummen der Ratschen, der Lautsprecher, des Klatschens und Brüllens. Anfangs ist die Seite der Straße noch mit Gittern abgesperrt, später nicht mehr. Daher sieht man nur noch eine Menschenwand vor sich - von Straße keine Spur. Beim hochfahren öffnet sich vor jedem Radler die Gasse und zwar so rechtzeitig, dass man sich keine Sorgen machen muss, aus dem Tritt zu kommen. Es werden auch immer wieder Wellen angesetzt, die mit den Radlern zum höchsten Punkt mitgehen - wie gesagt, man muss es erlebt haben, absolut einmalig. Danach ging es also weiter zum Startgelände und ich nahm die zweite Runde in Angriff. Nach der ersten Runde lag ich bei einem Schnitt von etwa 37 km/h. Es sah also gut aus für mein erhofftes Zeitziel. Also wieder an der Biermeile vorbei in den Gegenwind Richtung Greding. Nach dem dortigen Anstieg gab es dann die Überraschung. Es war nichts mehr mit Rückenwind. Wir hatten schrägen Wind von vorne oder Gegenwind. Als Radler hat man ja eigentlich immer das Gefühl auf Runde immer Gegenwind zu haben. Wie aber auch am Montag nach dem Rennen auf der Siegerehrung gesagt wurde: Es war so heftiger Wind wie noch nie und 3 Viertel der Radstrecke musste gegen den Wind gefahren werden. Nach 135 km hatte ich leider dann etwas Krämpfe im linken hinteren Oberschenkel. Es waren also ein paar Dehnübungen auf dem Rad angesagt und dann einen Gang kleiner treten sowie gut trinken. Ich hatte dann zügig die Radflasche leergezogen und es ging dann auch recht schnell wieder besser. Nach dem Tief gab es dann bei km 152 einen für mich unglaublichen Moment. Ich hatte den Radler im blauen Anzug mit der Startnummer 8 überholt: Lothar Leder. Schön zersägt oder sollte man sagen abgeledert? Ich denke die Rückenansicht des Sisu-Rennanzugs ist aber auch durchaus ein Blickfang. Ein Hoch also auf unsere Trainings- Samstagsrunden mit Kaffee und Kuchen und natürlich auch die Fischbrötchenrunden nach Lübben im Spreewald. Ich muss auch noch erwähnen, dass ich donnerstags vorm Rennen arbeitsmäßig in Luckenwalde zu tun hatte und die Gelegenheit für eine Streuselschnecke genutzt habe. Für alle die es noch nicht wissen: dort gibt es die besten und bringen offensichtlich Power. Also auch ein lohnendes Ziel für eine Trainingsrunde. Die letzen knapp 30 km gingen also sehr beflügelt und die Wechselzone 2 hatte ich nach knapp unter 5 Stunden Rad erreicht. Mit der Zeit hatte ich bei den Bedingungen einige Plätze gut gemacht.

Dann folgte also der abschließende Marathon. Den ersten km hatte ich mit 4:15 mal wieder zu schnell angegangen. Das ist eigentlich der Klassiker nach dem Rad. Aber dafür gibt es ja die Uhr zur Kontrolle. Angepeilt hatte ich eine Laufzeit von etwa 3:20, wenn es traumhaft liefe etwas schneller. Ich hatte nach dem ersten Laufkilometer dann mein Tempo mit etwa 4:35 bis 4:40 gefunden. An der Lände führt die Strecke zum Kanal. Dort sind immer sehr viele Zuschauer versammelt und in der Menge habe ich dann die Aufmunterung von Martin vernommen, der auch zum schauen angereist war. Der besagte Sportfreund im blauen Anzug kam dann zwischen Laufkilometer 5 und 6 wieder vorbei. Aber egal, das eigene Tempo halten war wichtig. Die erste Laufwende war dann in Schwand, ich fühlte mich gut und lag nach 14 km mit 1:04 auf einer Marathonzeit von 3:15- wenn es so bliebe. Die Halbmarathonmarke liegt, wenn man auf dem Rückweg die Lände erneut passiert. Es sah weiter nach etwa 3:15 aus. In Richtung des zweiten Wendepunktes führte die Strecke durch den Wald nach Eckermühlen. Dort war dann Heike mit Freunden an der Strecke. Die Anwohner verkaufen dort übrigens zum mehr oder weniger Selbstkostenpreis Kuchen und Getränke an die Zuschauer und was es sicher wieder nur beim Triathlon in Roth gibt: Benutzung der Gäste-WC bei den Anwohnern für die Zuschauer - kein Problem, keine Frage! Ich näherte mich also dem zweiten Wendepunkt und mir kam Lothar Leder entgegen, etwa ein knapper km Vorsprung. Der Abstand hatte sich seit der ersten Wende bei km 13 nicht merklich verändert. Die ursprünglich angesagten Regenschauer blieben übrigens aus. So würde es am Nachmittag immer drückender. Ich versuchte also weiter mit Schwämmen zu kühlen. Bei km 32 wurde mein Lauftempo etwas beschwerlicher, den Schnitt konnte ich leider nicht mehr halten. Die Beine wurden schwerer. Rückblickend betrachtet hätte ich vielleicht das ein oder andere Gel mehr als die insgesamt 3 mit Wasser nehmen sollen anstatt ansonsten nur Iso-Getränke. Nach 39 Laufkilometern führt die Strecke in die Ortmitte nach Roth zur so genannten Prosecco-Meile. Das ist wieder ein absoluter Stimmungshöhepunkt: Man läuft in eine Gasse zwischen Tischen, an denen reichlich Zuschauer sind. Das gab noch mal die nötige Kraft für die restliche Strecke zum Ziel. Es wurde letztlich eine 3:25-er Laufzeit und mit etwas mehr als 9:26 hatte ich das Ziel erreicht. Für die windigen Bedingungen und die Wärme beim Laufen, hat es für mich gepasst. Auch wenn ich vielleicht einen Verpflegungsfehler beim Laufen hatte, wer weiß.

Beim Zieleinlauf hatte ich mich auf das alk-freie Weizenbier und die salzigen Brötchen gefreut. Das sollte aber noch dauern. Ich war einer der 27, die in der Tombola gewonnen hatten: Doping-Test. Ich wurde in Empfang genommen und nicht mehr aus den Augen gelassen. Weizenbier gab es erst mal nicht, weil man nur ungeöffnete Getränke nehmen darf. Ich folgte also ins Zelt für die Doping-Probe. Dort war schon Frauen-Prominenz aus dem selben Grund versammelt, die Profi-Männer waren schon weg. Das Los hatte noch ein paar Altersklassenleute getroffen. Profis und Amateure verband ein Ziel: möglichst schnell pinkeln können. Das ist aber nicht so einfach nach einer Langdistanz in der Wärme. Ich hatte dann nach einer guten Stunde 5 Flaschen 0,75 Liter Apelschorle getrunken. Dann wollte ich mal probieren, die Probe abzugeben. Das ist dann zum Glück gelungen. Formulare waren auszufüllen und nach gut 90 Minuten hatte ich die unerwartete Disziplin nach dem Zieleinlauf geschafft. Der nachfolgende Rest ist schnell geschildert. Wie immer in Roth: Bauch im Zielzelt mit Brötchen voll schlagen und danach zum Griechen und mit Gyros die Sache abrunden.

Im Rahmen der Roth-Challenge wurde eine so genannte Deutsche-Challengemeisterschaft ausgetragen, also nichts offizielles. Es gab noch die offizielle ETU-Europameisterschaft. Meine Zielzeit war vom Traumergebnis ähnlich wie vor 2 Jahren etwas entfernt, so dass es als Altersklassenfünfter nicht fürs Treppchen gereicht hat. Aber in der inoffiziellen Wertung für die deutschen Teilnehmer gab es dann am Montag doch noch den unerwarteten Gang aufs Podium.

Glückwunsch an alle, die tatsächlich bis hierher mit lesen durchgehalten haben. Aber Roth ist einfach immer wieder umwerfend. Ich wünsche allen Startern für 2013 viel Spaß und ebenfalls unvergessliche Eindrücke. Heike und ich freuen uns schon und werden die Eindrücke dann an der Strecke genießen (neben der Bratwurst) und Bilder machen. Allen also weiter viel Spaß und verletzungsfreie Zeiten. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!


© TriGe Sisu Berlin; 10.7.2012