Bericht Challenge Roth 12.7.2015

von Jörg Zotzmann; Fotos: Anne Martinsohn

Und plötzlich war er da, der Tag auf den ich ein halbes Jahr hintrainiert habe, der mich in dieser Zeit mit Vorfreude und Angst gleichermaßen erfüllt hat. Vom Einchecken in der Wechselzone bis zum Start hatte ich noch über 2 Stunden Zeit. Zum Glück konnte ich noch ein bisschen mit den anderen Sisus scherzen und habe kaum daran denken müssen, worauf ich mich eingelassen hatte. Bis jetzt war auch das Wetter fantastisch und ich entsprechend gut gelaunt. Die Starts wurden jeweils mit einer ohrenbetäubenden Böllerdetonation eingeleitet. Das gab schon mal die erste Gänsehaut, ist eben was anderes als eine Trillerpfeife. Auf dem Weg zum Schwimmstart dann die Menschenmassen und der Jubel am Ufer und auf der Brücke, zweite Gänsehaut. Ich hatte irgendwie das Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein. Das Wasser war sehr warm, ich bin nicht sicher, ob das wirklich unter 24 °C waren.

Dann kam mein Böller, los ging's, ganz entspannt, kein Gewühle, keine Waschmaschine, super. Ich habe schnell meinen Rhythmus gefunden und war auch bald beim ersten Wendepunkt. Auf dem Rückweg konnte ich dann schon ziemlich bald die Brücke sehen, die wollte aber irgendwie nicht näher kommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich dann endlich drunter durch geschwommen. Bis zur zweiten Wende und zurück zum Ausstieg ging es dann schnell. Im Wechselzelt war es zwar voll und hektisch, aber bei mir hat alles reibungslos und schnell geklappt. Ich habe mir dann aber noch viel Zeit für das Einschmieren mit Sonnenschutz genommen. Am Zeltausgang gab es Sonnenschutz für Rücken und Schultern und ich war froh, dass ich mich um den Rest selbst gekümmert hatte.

Die erste Runde auf dem Rad hat Spaß gemacht, ich fühlte mich gut und kam gut voran. Die Stimmungsnester waren super aber auch schnell wieder vorbei. Am Kalvarienberg habe ich dann das erste Mal erlebt, was es heißt, von der Menge nach oben getrieben zu werden. Das habe ich aber auch gebraucht, der Anstieg war elend lang. Früh am Morgen sagte mir noch jemand, das Sisu-Stimmungsnest würde in Unterrödel sein. Am Anstieg kurz danach waren sie dann auch und haben mich jubelnd begrüßt. Noch mit einem Grinsen im Gesicht bin ich nach Hilpoltstein reingefahren aber nach der nächsten Kurve ist mir die Kinnlade runtergefallen. OMG! Ein Anstieg vollgepackt mit tausenden Leuten und Jubellärm ohne Ende, Gänsehaut! Das ist also der Solarer Berg. Dass da tatsächlich eine schmale Gassen zum Durchfahren ist sieht man erst, wenn man eben durchfährt. Sehr geil!

Gegen Ende der ersten Runde wurde es dann windig. Mich hat noch die erste Frau überholt kurz bevor ich in die zweite Runde bin. Das Fahren fiel mir dann schon schwerer, was sicherlich nicht nur am Wind gelegen hat. Bei ca. km 110 habe ich dann Christopher überholt, den wollte ich eigentlich erst auf der Laufstrecke überholen. Ich habe gleich Angst bekommen, dass ich zu viel Druck mache, aber mein Tacho hat mir bestätigt, dass ich eher langsamer unterwegs bin als geplant. Kurz danach sah ich noch Nourreddine im Straßengraben stehen und vermutete, dass er eine Panne hat, der Pechvogel. Am Kalvarienberg war ich dann nicht mehr locker und musste mich hochkämpfen. Der Wind wurde noch stärker und spätestens nach dem Solarer Berg hatte ich keine Lust mehr auf Radfahren. Der Wechsel in die Laufschuhe ging wieder schnell und reibungslos, die Helfer waren super drauf. Ich wollte noch etwas Sonnenschutz auf die Arme nachlegen und habe danach gefragt. Aber leider gab es keinen in der Wechselzone, ich hätte mir also Sonnenschutz in beide Beutel packen sollen.

Gleich nach km 1 ist Olli an mir vorbei gesprintet. Die ersten 10 Laufkilometer gingen locker und flüssig, mir war aber zu warm und ich musste viel trinken. Radek, mit dem ich zusammen gestartet war, kam mir am Kanal entgegen und hatte schon einen riesen Vorsprung, saustark! Kurz darauf musste ich ganz plötzlich und ganz dringend für ca. 3 min auf ein Dixi verschwinden, zum Glück war da auch gerade eins, bis zur nächsten Verpflegungsstation hätte ich es nicht mehr geschafft. Von Schwand wieder zurück zum Kanal war die Lauffrische verflogen. Die Pausen an den Verpflegungspunkten wurden immer länger und meine Kraft immer weniger. Mein Magen wollte aber außer Wasser nichts mehr annehmen. Nach jedem Gel ist mir schlecht geworden und ich musste 1 bis 2 min gehen, damit es nicht gleich wieder rauskommt. Dann konnte ich aber wieder ein bis zwei zügige Kilometer laufen.

Geplant war alle 4 bis 5 km ein Gel zu nehmen, es ging aber höchstens die Hälfte. Die Hitze hat mir auch sehr zu schaffen gemacht und ich musste in der zweiten Hälfte des Laufes immer häufiger mal 100 m gehen. Nach km 30 kamen immer mehr Wolken und es schien auch etwas kühler zu werden. Als ich bei km 36 endlich den Kanal verlassen konnte und Richtung Roth gelaufen bin, bekam ich schon etwas Adrenalin ins Blut und bin bis zum Schluss durchgelaufen. Noch schnell durch Roth durch und dann Richtung Triathlon-Park und mir ging es plötzlich wieder super. Auf dem roten Teppich gab es noch einmal richtig Gänsehaut:

Das Ding ist im Sack! Ich hab's geschafft! Noch 200 m, da jubeln plötzlich die Sisus von rechts, suuuper! Einlauf im Stadion, die Menge tobt, Wahnsinn! Ich laufe durch das Tor und grinse von einem bis zum anderen Ohr, ist das geil, ist das schön, ich kann's kaum fassen! Hab ich gerade eine Langdinstanz gefinished? Jawohl, habe ich!!! Ich bin ein Eisenmann!

Neben dem sportlichen Höhepunkt war dieses Rennen aber auch emotional sehr aufgeladen. Das begann schon mit der Wettkampfbesprechung, bei der Felix Walchshöfer die Athleten mit warmen Worten begrüßte, den Sportsgeist beschwor und allen ein erfolgreiches Rennen wünschte. Unvergessen bleiben werden mir natürlich die brodelnden Stimmungsnester an der Rad- und Laufstrecke, die zur Ausschüttung von Glückshormonen und Gänsehaut pur führten. Und last but not least gab es auch bei der montäglichen Siegerehrung mehrere bewegende Momente, z.B. als Felix den über 6000 Helfern für ihr Engagement dankte, ein paar auf die Bühne rief und die Athleten mit minutenlangen standing ovations ihren Dank bekundeten. Völlig zu recht!

Wunderbar, dieser Triathlon. Ein unvergessliches Wochenende bei (wie Christopher so schön sagt) Sport mit Freunden. Hat viel, viel Spaß gemacht und tut auch gar nicht mehr weh. And when we swim, and when we ride, and when we run run run, we are triathlon!


© TriGe Sisu Berlin; 19.7.2015