Bericht Challenge Roth 17.7.2016

von Janine Steinbeiß

Es ist nicht lange her (vielleicht 3 Wochen), als ich endlich mal alle Fotos von meinem Handy auf den PC übertragen habe. Unter anderem auch das hier, ein Screenshot vom 13.07.2015...

... der Tag an dem ich mich für Roth angemeldet habe. Seit 1 Jahr und 3 Tagen ist also kein Tag vergangen an dem ich nicht an die Challenge Roth gedacht und/oder zig tausende Kilometer auf dem Rad, beim Laufen oder beim Schwimmen abgespult habe. Wir reisten bereits am Donnerstag an, damit ich vor dem Rennen noch möglichst viel Zeit für alles organisatorische (Startunterlagen, letzte kurze Radausfahrt und Laufeinheit) und die nötige Entspannung hatte.

Und dann war der Tag endlich gekommen, an dem sich alle Anspannung, Aufregung, Angst/Sorge, Respekt und Vorfreude mit einem Kanonenschlag entladen sollten (hier auf dem Foto, wie man sieht, noch nicht):

Geschlafen bzw. geruht hatte ich in der Nacht ziemlich gut, und morgens beim Aufstehen merkte ich, dass irgendwie schon das alles gut gehen würde. Mein wichtigstes Ziel würde das Ankommen sein. Ein Weiteres wenigstens eine Disziplin in meiner Wunschzeit (z.B. Radfahren in 6 h) zu schaffen. Ob es für mein Traumziel von 12 Stunden reichen würde, traute ich mich dennoch nicht zu stark zu hoffen. Zu lang sind die Distanzen und zu viel kann passieren.

Der Check-In in die WZ1 klappte gut und entspannt nur wenige Meter hinter Jan Frodeno (der glaube keinen Schritt ohne Kameras machen konnte). Dann die Flaschen am Rad angebracht, zum 100sten Mal den Inhalt sämtlicher Beutel überprüft und nochmal die Wege in der Wechselzone angeschaut. Die Zeit bis zum ersten Start der Profis verging unheimlich schnell. Auch wenn man den Start als Teilnehmer nicht sehen kann, allein der Jubel vom Publikum und das erste Rumsen der Kanone um 06:30 Uhr sind Gänsehaut pur!

Für mich startete dann das Rennen um 6:50 Uhr in der ersten Frauengruppe. Mein Ziel war es, ruhig anzugehen, mich aus größerem Getümmel rauszuhalten, schnell meinen Rhythmus zu finden, keine Panik im Wasser zu schieben und das Schwimmen vielleicht sogar ein bisschen zu genießen. Und mein Plan sollte haargenau aufgehen! Mit 1:22 h lag ich auch genau in meinem Zeitplan (1:20 bis 1:30 h).

Dann ging es auf die Radstrecke. Mir wurde ja vorher schon von allen Seiten gesagt, dass diese sehr schnell und auch relativ einfach aber dafür stimmungsgeladen sein würde, aber glauben kann man es trotzdem erst wenn man es selbst erlebt. KRASSE SCH****! Was der Landkreis Roth da an Stimmung abfackelt ist einfach unglaublich! JA, das treibt wirklich an! Sogar so sehr, dass ich meine Familie am Streckenrand fast gar nicht zu Gesicht bekommen habe (unten drittes Foto), weil ich einfach zu früh durch war und wir uns irgendwie "verpasst" haben. Die 180 km waren für mich sehr kurzweilig, auch wenn meine Beine sich auf den letzten 60 Kilometern schon soooo leer angefühlt haben. Meine Durchgangszeiten auf km 60 und 120 lagen laut meiner Uhr im Bereich meiner Traum-Radzeit, "unglaublich" dachte ich und hoffte, dass ich das bis in die WZ2 halten kann. Dort hab ich dann natürlich vergessen auf die Uhr zu schauen. Aber beim Absteigen nicht zu stürzen oder in den Radschuhen nicht umzuknicken war natürlich wichtiger. Später sollte sich dann zeigen, dass ich mein Wunschziel von 6 Stunden mit 5:55 h knapp unterboten hatte.

Der Wechsel zum Laufen fühlte sich so wackelig wie schon lange nicht mehr an. Aber das hatte sich ja auf den letzten 60 Radkilometern schon etwas angedeutet. Also konzentrierte ich mich darauf, nicht zu schnell anzugehen und dafür lieber kontinuierlich durchzulaufen. Die ersten 5 Kilometer waren trotzdem hart, auweia! Und auch hier sah ich meine Family nur ganz kurz und rein zufällig kurz hinter der WZ2, weil sie noch gar nicht mit mir gerechnet hatten.

Die Sonne hatte sich schon ab dem letzten Drittel der Radstrecke entschieden, doch raus zu kommen. Dadurch war es für den Marathon auch noch ordentlich warm von oben (wenn auch kein Vergleich zum letzten Jahr!). Meinen Rhythmus fand ich dann zum Glück doch irgendwann und konnte mich über einige Sisus am Streckenrand sehr freuen. Es ist immer wieder kaum zu glauben, wie viel Kraft es einem noch einmal gibt, wenn man angefeuert wird, oder man von den Zuschauern mit Namen angesprochen wird! Der Mann mit dem Hammer kam aber trotzdem ab Kilometer 25. Mit Hilfe der vielen Versorgungsstellen konnte ich ihm dennoch ziemlich gut trotzen. Dass ein Marathon bei einer Langdistanz ein Kinderspaziergang wird, hat ja auch nie jemand behauptet. Auf Kilometer 39 war dann auch endlich nochmal meine Family da und feuerte mich für die letzten 3 km an: "Gleich geschafft! Bring es nach Hause! Spitzenzeit! Wir sehen uns gleich im Ziel!"

Und dann war es wirklich geschafft... Das Gefühl ins Stadion zu laufen ist unbeschreiblich klasse! 11:33:27 h Ich kann es kaum fassen! Ich habe wohl meinen perfekten Tag erwischt!!!!

Ein ganz besonderer Dank an Marcus, der mich in allem unterstützt, begleitet und motiviert hat! Ich Liebe Dich!

Danke an Alle, die die mir mit Rat und Tat zur Seite standen und die Daumen für mein Ziel gedrückt haben.

Herzlichen Glückwunsch an alle Finisher, insbesondere an die Sisus die an diesem Tag ihre großartigen Leistungen gezeigt haben!

In diesem Sinne "HAPPY LEG DAY"


© TriGe Sisu Berlin; 21.7.2015