Challenge Roth 9.7.2017

von Dirk Hunke

Vor zwei Jahren entschloss ich mich, meinen Traum, einmal einen Ironman zu finishen, endlich zu verwirklichen und plante daraufhin mein Training und meine Wettkämpfe, um gut gerüstet an den Start zu gehen. Es kam leider alles anders, so dass ich 3 Tage vor dem Wettkampf am Freitag nach Roth fuhr, ohne in den letzten 20 (!) Jahren einen Triathlon bestritten zu haben, dementsprechend aufgeregt war ich im Vorfeld.

Am Freitag gleich nach der Ankunft in Roth besorgte ich mir meine Startunterlagen, was sehr schnell ging, da es noch sehr leer war. Dann traf ich mich mit Carola und Carsten, die beide ebenfalls gemeldet waren, und wir flanierten entspannt über die Messe und besuchten abends die Pasta-Party.

Nachdem mir Carola davon abriet, am Samstagmorgen die Schwimmstrecke zu testen (eine gute Entscheidung, danke dafür), fuhr ich die Rad-Strecke mit dem Auto ab. Dabei bekam ich leichte Panik bezüglich des Profils, sodass ich entschied, wenigstens die ersten 10KM noch vor der Radabgabe abzufahren, um zu sehen in welchen Gängen ich fahren kann, bzw. muss. Danach - einigermaßen beruhigt - checkte ich mein Rad ein und verbrachte den Rest des Tages mit Faulenzen und die restlichen Wechselbeutel vorzubereiten.

Ich hatte viel von morgendlichen Staus bei der Anreise zum Schwimmstart gelesen, deshalb wollte ich nicht zu spät losfahren. Als ich dann um 4:50 alleine in der Wechselzone vor meinem fertig präparierten Rad stand, kam mir allerdings der Gedanke, dass ich ruhig etwas später hätte losfahren können. So schaute ich mir das Material der anderen Starter an und prägte mir schon mal die Laufwege ein. Es gab eine kurze Begrüßung mit Carola und Carsten, ansonsten war jeder auf seinen Wettkampf fokussiert.

Dann wurden die ersten Gruppen gestartet, jede mit einem unglaublich lauten Knall. Man wird in Gruppen durch einen engen Bereich zum Start geführt, dabei wird nur die Gruppe in den direkten Startbereich gelassen, die auch gerade startet. Ich schaut mir das an und sah, dass viele Starter nicht zur Startline vorschwammen entweder aus Zeitgründen, oder weil sie es nicht wollten. 5 Minuten Startabstand sind nicht viel, da das Startband 100 Meter vom Wassereinstieg entfernt ist, dazu das Gedränge durch die schmale Gasse zum Wassereinstieg.

Als schlechter Schwimmer entschied ich, dass ich es mir nicht leisten kann, nicht direkt an der Linie zu starten. So schwamm ich selbstbewusst direkt mittig an die Linie, um keine Zeit zu verschenken. Dort war es verhältnismäßig leer, da es viele vorzogen, am Ufer zu bleiben, wo man stehen konnte, bzw. 50 Meter zurück zu bleiben. Der Startdonner erfolgte und ich schwamm zügig los. Es gab ein bisschen Gedränge, aber nach 200 m hatte sich alles sortiert und ich fand meinen Rhythmus. Es war super, im Kanal schwimmen ist wie Bahnen ziehen im Schwimmbad, keinerlei Orientierungsprobleme. Am Kanalrand sind alle 200 m Streckenmarkierungen, so dass man immer weiß, wie weit es noch ist.

Nach 1800 m schwamm ich auf einen Pulk der Startgruppe vor mir auf, so dass ich ein bisschen mehr schauen musste, um nicht aufzuschwimmen, aber da der Kanal breit ist, war auch dies kein Problem. Ich fühlte mich sehr gut, zumal ich Schwimmer überholte, die jedenfalls in der Überwasserphase sogar wie Schwimmer aussahen. Nach 3000 m wurde das Feld dichter, wahrscheinlich die Startgruppe davor, so dass Körperkontakt teilweise nicht ausblieb, wenn man zwischen zwei Schwimmern durchschwimmen musste und einer auf einmal zur Seite abdrehte. Nach 1:15 h kam ich euphorisch aus dem Wasser, das hatte richtig Spaß gemacht! (Danke an Olaf)

Dann rauf aufs Rad und los. Meine Bedenken im Vorfeld zu den Verpflegungsstationen und zur Streckenlänge und -profil waren völlig unbegründet. Die Strecke ist durch den Wechsel von Anstiegen und Abfahrten mit schön langen Flachstücken, wo man richtig mit Geschwindigkeit dahinrollt, einfach GEIL! Die Verpflegungsstationen sind problemlos, nie gab es Gedränge, oder Hektik. Dazu die Hotspots an den Anstiegen SAUGEIL! Ich fuhr sehr kontrolliert, um ja nicht zu überzocken, einzig an dem Anstieg in Greding musste ich etwas mehr geben. Am Ende der 2. Runde überholte ich Carola beim Anstieg am Solarer Berg, Carsten hatte ich auch schon überholt, wusste es aber zu dem Zeitpunkt noch nicht (er hatte Fußprobleme). Die letzten Kilometer sind noch einmal richtig schön abschüssig und toll zu fahren. Als ich nach 5:42 h vom Rad stieg, fühlte ich mich sehr gut, vielleicht ein bisschen zu gut, das wäre sicherlich auch schneller gegangen.

In der Wechselzone wird einem das Rad aus der Hand gerissen und man wird zu seinem Beutel geführt. Kaum im Zelt angekommen hatte ich meine persönliche Betreuerin, die meinen Beutel auskippte und mir beim Wechseln half: Sie war so fix, dass ich ihr sagte, sie könne es ruhig etwas langsamer angehen lassen, da ich es nicht so eilig hätte.

Da ich dieses Jahr wegen meiner Achillessehnenprobleme so gut wie nicht gelaufen bin, wusste ich, dass ich keinen Marathon laufen kann (auch ohne Radfahren vorher). So hatte ich den Plan, auf gerader und abschüssiger Strecke zu laufen und bergan zu gehen, um mich so irgendwie ins Ziel zu bringen. Da ich mich auf dem Rad nicht verausgabt hatte, fühlte ich mich hervorragend und da der erste Kilometer abschüssig war, lief ich gleich entspannt und locker los. Schon bald kam der erste Anstieg, und ich fing an zu gehen und wieder zu laufen, so schaffte ich es immerhin, die ersten 10 km in 1:01 h zu bewältigen. Es ist schwer hier zu gehen, die Stimmung ist super, man wird ständig von den Zuschauern motiviert.

Nun kam der neue Laufabschnitt nach Büchenbach, meine Prognose "hier fällt keine Weltbestleistung mehr", ein satter 2,5 km Anstieg auf Willi-Niveau, unterbrochen von kürzeren Flachstrecken. Oben in Büchenbach dreht man eine Runde um den Teich und es geht zurück. Die Verpflegung auf der gesamten Strecke ist hervorragend, hier braucht man wirklich keinerlei Eigenverpflegung. Meine Beinkraft war am Ende und ich entschied, auf der zweiten Runde nur noch bergab zu laufen und ansonsten zu gehen. Ungewollt duellierte ich mich mit ein paar Mitstreitern, die durchliefen, da ich sie begab immer wieder überholte. So schaffte ich es immerhin, einen 6:36er Schnitt pro Kilometer zu halten, was für eine Marathonzeit von 4:33 reichte und das, obwohl ich 3 Viertel der Strecke gegangen bin. Noch einmal aufgerafft und die Beinschmerzen ignoriert und locker durch die lange Zielgasse ins Stadion gelaufen, geschafft!

Soviel Spaß hatte ich noch nie bei einem Wettkampf! Ich kann nur jedem empfehlen, hier mal zu starten. Die Schwimmstrecke ist absolut problemlos, die Radstrecke kurzweilig, die neue Laufstrecke ist selektiv, dafür hat man aber durchgehend Zuschauer, gefühlt wie beim Berlin-Marathon, nur viel bessere Stimmung. Einwohner, die getrennt von den Verpflegungsstationen Schwämme reichen, die jeden einzelnen mit Namen motivieren über Stunden. Diese Atmosphäre ist einzigartig, hier gibt auch jeder Zuschauer Vollgas, unbeschreiblich!!

  Pl  Name              AK  Pl   gesamt       swim       T1    bike         T2   run
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   1  Bart Aernouts     Pro   1  7:59:07    52:55(  23) 1:40 4:19:02(   5) 1:21 2:44:10(   1)
1466  Dirk Hunke        M45 268 11:46:43  1:15:24(1334) 8:50 5:41:51(1384) 7:12 4:33:28(1461)
2384  Carsten Moeller   M40 478 14:32:49  1:16:16(1440) 6:13 6:27:36(2287) 9:20 6:33:26(2436)
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© TriGe Sisu Berlin; 26.7.2017