Bericht Ironman 70.3 Rügen 14.9.2014

von Martin Seller

=> Bericht Jochen

3 Sisus waren angetreten...

...um sich beim Ironman 70.3 Rügen für die 70.3-WM zu qualifizieren, wobei einer nicht mehr musste (hatte den Slot bereits in Wiesbaden bekommen) und ein anderer nicht wollte (heiratet an dem WM-Wochenende :-). Nur der Jochen setzte noch alle Karten auf dieses Rennen. Sollte er es schaffen? Beim "Trainingswettkampf" BerlinMan 2 Wochen zuvor mussten wir uns schon durch widrige Bedingungen (Regen, Kälte) kämpfen. Ich hatte zuvor noch nie einen kompletten Triathlon bei so einem Wetter absolviert. Aber dass es noch schlimmer geht, wusste ich bis dahin nicht.

Eine Woche vorher sahen die Wetterprognosen noch sehr gut aus. Der Sommer sollte zurückkommen mit milden Temperaturen. Ab Mitte der Woche wechselte die Vorhersage auf Regen und starken Wind aus Nordost, also Wind vom Meer in die Bucht. Zum Spaß stellte ich mittwochs die kühne Behauptung auf, dass das Schwimmen wohl bei dem Wind ausfallen wird. Die Behauptung kam nicht von ungefähr, da Dani und ich in unserem Urlaub Anfang August bereits ein Streckencheck auf Rügen durchgeführt hatten und die Hotelchefin so ein Szenario im September befürchtete, da sie die Wetterbedingungen vor Ort ja kennt. Naja Ironman Europe wird schon wissen, was sie tun.

Freitags angekommen fanden wir aber das vor, was wir vermuteten:

Der Pfeil zeigt jeweils auf den Schwimmer!

Schon bei der Pastaparty wurde verkündet, dass man spätestens am Sonntag früh entscheiden will, was man mit dem Schwimmen macht. Samstagmorgens versuchten sich einige Athleten mal mit dem Schwimmen. Von der Seebrücke konnten wir das ganz gut beobachten und mussten tierisch lachen, da sie unter größter Anstrengung nicht einen Meter wirklich vorwärts kamen. Die Strömung nach den Wellen ließ sie wieder raustreiben. Also das schlimmste sind nicht nur die bis zu 2m hohen Wellen, sondern auch die Brandung und die Strömung. Man würde es also kaum nach draußen schaffen und hätte dann noch größere Probleme wieder an Land zu schwimmen.

Faris Al-Sultan sagte selbst, dass gute Schwimmer es unter großen Kraftanstrengungen schon schaffen werden, aber es für weniger gute Schwimmer schon lebensgefährlich werden würde, wenn wir mal von der Orientierung nach möglichen Bojen absehen. Wie soll die DLRG bei dem Seegang erkennen, wenn einer von 1300 Schwimmern in Not gerät? Bei der Athletenbesprechung ließ man sich die Entscheidung aber noch bis Sonntag 8 Uhr offen. Es gab 3 Szenarien: 1. Schwimmen findet wie geplant über 1,9 km statt 2. Schwimmen nur um die Seebrücke, also knapp 500m 3. Ein Duathlon mit 5 km Lauf vorab.

Die Wechselzone verlief dennoch am Strand durch tiefen Sand, dann über eine künstlich angelegte ca. 7 m hohe Brücke, die über die Laufstrecke führte (wahrscheinlich damit sich alle Goliaths auf der Laufstrecke nicht den Kopf stoßen) zu den Rädern, die an einer ca. 500 m langen Straße (ohne Teppich) aufgereiht waren. Die Wechselzeiten von über 4 min spiegeln dies ganz gut wieder. Rad-check-in war am Samstag bis 19 Uhr.

Raceday

Start der Profis 10 Uhr, danach in Wellen nach Altersklassen. Meine AK sollte 10.30 Uhr starten, Jochen und Stephen 10 min später. Der Wecker klingelte um 7:30 Uhr. Erster Blick aus dem Fenster: Regen und starker Wind. Super. Facebook gecheckt und die Mitteilung bekommen, dass Schwimmen ausfällt. Also dann ein Duathlon. Na super!

Die letzten Vorbereitungen am Rad wurden dann bereits im strömenden Regen erledigt. Dann noch schnell einlaufen, es war kalt, also war die Erwärmung umso wichtiger. Pünktlich 10 Uhr wurden die Profis auf die 5 km Schleife geschickt. Ich lief mich warm, sofern man von "warm" reden konnte. Es regnete und regnete. Zwischendrin begegnete ich Stephen, der bereits die Sisu-Windweste trug, um nicht auszukühlen. 10 min vor meinem Start sah es am Horizont so aus, dass es heller wird und aufhören könnte zu regnen. Die einsetzende Vorfreude wurde durch einen lauten Donnergroll und einsetzenden Platzregen leider wieder getrübt.

10:30 Uhr Start. Ok, also nur nicht überziehen, da alle losgerannt sind, als wäre es NUR ein 5 km Laufwettkampf. Die Laufstrecke verlief über die Promenade in ein kurzes Waldstück und zurück. Sie musste beim abschließenden Halbmarathon 4mal gelaufen werden. Dani hatte mir am Samstag schon gesagt, als sie selbst laufen war, dass der Untergrund sehr schwierig ist. Es war eine Kopfsteinpflasterstraße, die gewölbt war, also zur Seite immer abfallend. Das bedeutete, dass man immer mit einem Bein höher aufgesetzt hat, als mit dem anderen. Zu deutsch: es lief sich besch...

Danach ab auf's Rad. Das lief ganz gut, außer dass der Regen permanent stärker wurde und man Probleme hatte, geradeaus zu schauen, da des dann in den Augen schmerzte. Man schaute also eigentlich nur nach unten. 2 Runden á 46,2 km mussten gefahren werden (gesamt also knapp über 92km). Die Strecke an sich war super, bis auf 2 unnötige Kopfsteinpflasterpassagen, die bei den Bedingungen saugefährlich waren. Nach einer Abfahrt und scharfen Linkskurve wurden sogar ca. 5 m hohe Strohballen aufgestellt, für die, die die Kurve nicht schaffen.

In der 2. Runde in Putbus (KM 75) kam von hinten auf einmal ein schnellerer Radfahrer, der mir schon von hinten zurief: "Hey Martin (Name stand auf der Startnummer), gib Gas, jetzt kommen schon die alten 40 jährigen vorbei." Naja, der Kamerad sollte seine AK dominieren. Ich begann aber nur zu fürchten, dass mich Stephen bald einholen wird.

An einem Wendepunkt bei KM 80 kam mir dann Stephen irgendwann entgegen. Ich sollte ihn aber (überraschender Weise) doch erst auf der Laufstrecke wieder sehen. Ende der 2. Runde setzte sogar kurzfristig Hagelniederschlag ein. Fehlte eigentlich nur noch Blitzeis.

Da ich vergessen hatte, meinen Garmin zu starten, wusste ich also auch nicht, wie schnell ich war. Somit bin ich nur nach Gefühl gefahren. Die 2:29 auf 92 km bedeuteten einen 37er Schnitt. Damit war ich sehr zufrieden.

Doch dieses Tempo und den ersten 5km Lauf sollte ich bereits auf den ersten Metern des Halbmarathons zu spüren bekommen. Es lief sich einfach schlecht. Durch den gewölbten Untergrund schmerzten meine Füße, Knöchel und Knochen. Ich kam einfach nicht in Fahrt. Auf der Wendepunktstrecke sah ich dann, dass Stephen und Jochen immer näher kamen.

Kurz vor Ende der vorletzten Runde war es dann soweit. Stephen überholte mich. Er wirkte zwar nicht frisch, hatte aber dennoch ein gutes Tempo drauf. Ich versuchte nicht einmal an ihn dran zu bleiben. Meine Motivation war dahin. Ich wollte eigentlich nur noch ins Ziel. In der letzten Runde wollte ich aber noch versuchen, zumindest nicht von Jochen noch eingeholt zu werden und versuchte noch einmal zu beschleunigen (nur nochmal zu Erinnerung: beide sind 10 min NACH mit gestartet).

Dies ist mir dann auch gelungen, aber auch nur, weil Jochen selbst zu kämpfen hatte. Im Ziel war ich einfach nur noch froh, dass es vorbei war. Es hat einfach keinen Spaß gemacht. Stephen war zufrieden, ist er doch 6. in seiner AK geworden und hätte somit wieder einen direkten Slot für die WM geschafft. Jochen kam kurze Zeit später ins Ziel und war bedient, da er kurz vor dem Ende noch von 2 schnelleren Athleten seiner AK überholt wurde. Nun hieß es bangen.

Bei der Siegerehrung und Slotvergabe drückten wir Jochen die Daumen, dass es doch noch klappen würde. Er war 10. in seiner AK. 7 Plätze wurden seiner und in meiner AK vergeben. Stephen war ja bereits auf dem Heimweg und ich hatte mit Platz 13 sowieso eher schlechte Karten (außerdem wollte ich ja nicht ;-).

So fieberten wir heftig mit, als die ersten Slots vergeben wurden. Stephen's Platz wurde nach unten vergeben. Ein weiterer Athlet war nicht mehr da, also ein 2. Platz wurde nach unten vergeben. Dann wurde Platz 8 gefragt: ja, noch ein Platz! Platz 9?? JA! Mist. Damit waren alle Slots vergeben. Es war einer von denen Athleten, die Jochen kurz vor dem Ziel noch überholt hatten und damit 10 Sekunden, die fehlten. Jochen war etwas geknickt, aber er hat sich gleich für Kraichgau 2015 angemeldet. Neue Chance!

Fazit: Für's Wetter kann niemand was, obwohl man im Herbst an der Ostseeküste mit so einem Wetter nun mal rechnen muss. Radstrecke super, Laufstrecke totaler Mist. Nächstes Jahr nochmal? Ich weiß nicht. Jetzt freue ich mich auf die Saisonpause, zumal sich durch die Bedingungen doch ein kleiner Schnupfen gerade breit macht.


© TriGe Sisu Berlin; 17.9.2014