Schneeglöckchenlauf Ortrand 24.3.2018

von Denise Kottwitz

Einer der wenigen Läufe in der Niederlausitz, die ich bis dato tatsächlich noch nicht kenne, ist der Schneeglöckchenlauf in Ortrand. Laufen kann man hier u.a. 10, 15 und 30 Kilometer – und da ich ein paar Freunde habe, die die lange Strecke als willkommende Abwechslung im Marathontraining nutzen wollen, lerne ich nun auch diese Veranstaltung kennen. Noch etwas müde vom Trainingslager melde ich mich bewusst auf der 15 Kilometerstrecke: Man läuft keiner Bestzeit hinterher, und die Konkurrenz sollte wegen der Ausschreibung in diversen Läufercups groß genug sein, um am Ende ernsthaft um eine Platzierung kämpfen zu müssen. Soll ja nur ein netter Trainingslauf werden.

Die Anmeldeliste ist recht lang, doch als wir den Veranstaltungsort erreichen sind wir platt: auf einer Wiese stehen bis zum Horizont die Autos der Teilnehmer. Die Lage zwischen Berlin und Dresden, ca. 2 Minuten Fahrt nach der Abfahrt von der Autobahn A13, scheint wohl für viele attraktiv zu sein. Obwohl es noch 40 Minuten bis zum Start sind, kommen wir etwas in Bedrängnis. Nach 20 Minuten waren Startnummer abgeholt und Toilettengang bewältigt, wir wollen nur noch die wärmende Kleidung im Auto ablegen: doch wo haben wir geparkt? Wir irren hin und her und bekommen so ein unkonventionelles Aufwärmtraining! Dann finden wir das Auto noch rechtzeitig, laufen zum Start, und da sind dann noch 8 Minuten, so dass ich sogar noch eine Stadionrunde zusätzlich einlaufe.

Eigentlich will ich mich auch noch etwas weiter vorn an den Start begeben, aber treffe ich aber noch ein paar Lauffreunde und plausche ein wenig. Dann geht es auf die Reise: 15 Kilometer lang überholen, überholen und überholen. Anfangs stockt es etwas, es sind ein paar schmalere Wege zu passieren. Ist mir egal, denn ich treffe noch den ein oder anderen Bekannten – alles Leute mit Marathon- oder Langdistanzsmotivation auf der 30 Kilometerstrecke. So werden ein paar Worte gewechselt, und dann geht es weiter – Leute überholend. Erst auf Straßen, dann breiten Feldwege, und dann geht es in den Wald. Teilweise ist es ziemlich matschig, besonders wenn man die Fahrspur zum überholen verlassen muss. Und da irgendwie immer noch viele 30 km-Läufer um mich herum sind, muss ich ziemlich oft in den Matsch. Gut das ich mich für die robusten Schuhe entschieden habe.

An der Wendemarke beschließe ich, das Tempo etwas anzuziehen, was leicht gelingt, da es bergab geht. Da ich nun schneller als auf der ersten Teilstrecke bin, heißt es weitere Überholvorgänge, diesmal die 15 km-Läufer. Bei etwa 10 Kilometer wird das Läuferfeld endlich etwas lichter. Oh nein! Es stoßen die Walker der 10 km-Strecke dazu. Also wieder überholen. Zu allem Überfluss geht es noch auf schmalen Wegen durch den Stadtpark. Aber die Walker ziehen bei einem kurzen "Achtung"-Ruf die Stöcke ein, und so gibt es keine Rangeleien.

Zurück am Ausgangsort ist noch eine Stadionrunde zu laufen, dann bin ich erstaunt, dass der aufgebaute Zielbogen gar nicht das Ziel ist. Es muss noch einmal um die Halle gelaufen werden, denke ich, als ich realisiere: es muss in die Halle gelaufen werden. "Einlauf in der Festhalle" – gibt es sonst nur in Frankfurt.

Im Ziel gibt es die Schneeglöckchenmedaille umgehangen, die tatsächlich bimmelt. Wenn man die Augen schließt möchte man meinen, auf einer Kuhweide gelandet zu sein. Für die Läufer auf der 30 km-Strecke gibt es ein Glöckchen in einer anderen Farbe – und mit einem anderen Klang. Auch die Langstrecke war sehr abwechslungsreich zu laufen, und alle sind mit ihren Ergebnissen zufrieden. Statt Auslaufen springe ich kurzhand auf das Rad. So fahre ich einen Teil der RTF, die am Folgetag angeboten wird (40,70 oder 110 km). Und muss sagen, die Strecke macht Lust auf mehr: es wird Richtung Dresden schon recht hügelig und Wälder und Dörfer scheinen herzallerliebst.

Ich kann im Nachhinein die Beliebtheit der Veranstaltung verstehen, die Werbung mit "nicht untrainiert zum Spreewaldmarathon" macht. Für ein abwechslungsreiches Training durchaus zu empfehlen.


© TriGe Sisu Berlin; 7.4.2018