Bericht Volkstriathlon Spremberg 1.6.2014

von Denise Kottwitz

Schwimmen ohne Prügelei, einsamer Kampf gegen die Zeit, garantierter Aufruf bei der Siegerehrung, 4 Euro Startgebühr – das ist der Spremberger Volkstriathlon. Falls man mich als Neu-Sisu noch nicht kennt, liegt es wahrscheinlich daran, dass ich die Radausfahrten nicht mitmache, da ich die meisten Wochenenden im netten Städtchen Spremberg in Südbrandenburg verbringe. Hier ist ein Ausdauersportparadies, und es gibt zudem regelmäßige sportliche Großevents.

Am 1.Juni stand der Volkstriathlon auf dem Plan, in seiner 6. Wiederauflage. Der perfekte Wettkampf für Neueinsteiger oder ein ambitioniertes Training. Für mich sollte es die vierte Teilnahme werden. Schon bei der Ankunft im Spremberger Schwimmbad bin ich überrascht, wie das Teilnehmerfeld in den letzten zwei Jahren, in denen ich nicht dabei war, gewachsen ist. Aber vom Körbchenfahrrad bis zur Zeitmaschine ist wieder alles dabei. Auch aus Berlin sind ein paar Kollegen vom SCC angereist.

Die Wechselzone ist immer noch ein Bierzelt mit Bierbänken. Irgendwo sollte man sich ein Plätzchen für Fahrrad und Bekleidung suchen. Kurz vor dem Start werden die Startplätze verlost: zuerst die Jugend, dann die Frauen, dann die Männer und schließlich die Staffeln.

Ich ergattere Startnummer 14 – nach fünf Jugendlichen, also acht Frauen vor mir, zwei hinter mir. Dann folgen 28 Herren und 8 Staffeln. Gestartet wird im Abstand von 1 min, also für mich um 10.14 Uhr. Nach dem mir an der Startlinie ein "Start" zugerufen wird erfolgt ein 50 Meter Sprint zum Beckenrand. Ein fleißiger Helfer ruft mir zu, auf welcher Bahn ich zu schwimmen habe: Bahn 2 heißt es so. Also rein und los – ohne Prügelei, ich habe zwischen 2 und 3 Mitschwimmer auf der Bahn. 500 Meter gilt es zu schwimmen. Ich war der Meinung, diese schon bewältigt zu haben, aber die Bahnenzähler schicken mich noch auf weitere 50 Meter. Ganz schön kühl das Wasser, Neopren wäre grundsätzlich erlaubt - aber ich habe das auf der Strecke mal ausprobiert und mich danach für die freiere Schwimmvariante entschieden. Der Ausstieg aus dem Becken über eine Kante erschwert die Rückkehr in die Wechselzone... ich erblicke Startnummer 15. Mist, eine Minute beim Schwimmen verloren. Ich sollte mal wieder über reguläres Schwimmtraining nachdenken!

Lange kann ich mich diesen Überlegungen nicht hingeben, denn die größte Herausforderung dieses Wettkampfes steht bevor. Denn statt einer Startnummer, muss man sich hier ein Leibchen überstülpen – was definitiv schwerer ist, als einen Neo auszuziehen (und besonders bei den Staffeln viel Hektik hervorruft). Dann Helm auf und rauf aufs Rad. Über einen kleinen steilen Anstieg geht es aus dem Schwimmbad hinaus auf die Radstrecke, mitten durchs Tagebaugebiet - eine 19 km Wendepunktstrecke. Tagebau heißt kaum Vegetation, dafür reichlich Wind – so dass der erste Teil wird ein mühsamer Kampf gegen den Wind wird. Startnummer 15 im konstanten, dann aber doch leicht wachsenden Abstand vor mir. Sonst ist es recht leer. Erst bei der Wende kommen mir ein paar Jugendteilnehmer entgegen. Wer es gemütlich angeht, kann zwischendurch die Tagebaubagger bewundern.

Dann geht es mit Rückenwind zurück, Startnummer 15 verschwindet aus meinem Blickfeld. Kurz vor dem Schwimmbad holt mich Startnummer 16 ein. Mist, schon mindestens 2 Minuten verloren. Wir wechseln zusammen, ich gehe aber als erstes auf die Laufstrecke. Hierbei sind 4,6 km zu bewältigen – drei mal ums Schwimmbad herum. Erst über eine unebene Wiese, dann einen langen Anstieg über Asphalt, dann über Stock und Stein durch den Wald, und dann die Rollstuhlrampe runter durchs Schwimmbad. Ich überhole ein paar Läufer, aber kann nicht mehr zuordnen, wer hier wie startet. In Runde drei überholt mich ein männlicher Starter, ich schaffe noch gut an ihm dranzubleiben (was mich wundert und ihn noch vielmehr) und komme zufrieden ins Ziel. Starterin 16 kommt nach mir, aber ich zweifle, die zwei Minuten auf der Laufstrecke wieder aufgeholt zu haben.

Der Wettkampf geht noch eine Weile durch die vielen Starter und der gestaffelten Startzeit, und so ist es besonders für die Volkssportler ein nettes Erlebnis, da gerade auf der Laufstrecke bis fast zum Ende etwas los ist und man nicht erst mit dem Abbau in das Ziel gelangt.

Die Siegerehrung ist in Spremberg immer eine besondere Zeremonie. Jeder wird mit seiner Zielzeit aufgerufen, erhält eine Medaille und darf mit auf das Pressefoto. Meine Platzierung ist mir völlig unklar, ich weiß noch nicht mal meine Zeit. So lausche ich geduldig der Frauenplatzierung und freue mich als ich, bei den Podiumsplätzen angekommen, noch nicht meinen Namen gehört zu haben. Dritte wird Starterin 16, ich habe tatsächlich die zwei Minuten beim Laufen wieder aufgeholt und werde somit zweite. Die Gewinnerin darf verdient ganz oben strahlen. Bei den Herren und Staffeln werden neue Streckenrekorde aufgestellt – also trotz Volkstriathlon geht es ziemlich ambitioniert zu.

Ergebnisliste hier

Am ersten Juniwochenende im nächsten Jahr folgt die Wiederholung, mehr hier


© TriGe Sisu Berlin; 6.6.2014