Bericht Spremberger Volkstri 5.6.2015

von Denise Kottwitz

Ein altes deutsches Volkslied besingt:

"Die Spree fließt durch Spremberg,
erst dann durch Berlin.
Was wir schon längst hatten,
das kommt da erst hin. Holla di…"

Leider gelangte das Lied erst zu Weltruhm, als eine Berliner Großschnauze die Melodie klaute und "Ick steh uff die Brücke und spuck uff'n Kahn" darauf dichtete. Auch der Spremberger Volkstriathlon hat es noch nicht zu Weltruhm geschafft, obwohl die Anzahl der Teilnehmer, und darunter auch vieler Hauptstädter, stetig steigt. Aber eigentlich lebt dieser nette Wettkampf von seinem kleinstädtischen Flair, und es bleibt zu hoffen, dass sein einmaliges Format nicht den gleichen Weg wie die Melodie des Volksliedes findet. Dennoch möchte ich auch in diesem Jahr von dem Wettkampf berichten.

Ort des Geschehens ist das Spremberger Freibad (500 Meter Schwimmen), die Vattenfall Betriebsstraße in den Tagebau (19 km Radwendestrecke) und die Wege um das Schwimmbad (4,6 km Lauf) herum. Wechselzone ist ein Zelt, Bierbänke, zwei Fahrradständer oder was man sonst noch finden kann, um sein Equipment abzulegen. Eintritt ins Schwimmbad ist regulär vier Euro (Ermäßigungen für Kinder und Familien) für eine Tageskarte, was auch die gesamte Teilnehmergebühr für den Wettkampf ist – der Rest wird von der Stadt und Sponsoren getragen. Anmelden kann man sich noch bis 30 Minuten vor Wettkampfstart, was in diesem Jahr auf Grund des grandiosen Wetters noch 42 Teilnehmer taten. Kurz vor Start werden Startnummern verlost: erst Jugend (5 Starter), dann Frauen (10 Starter), dann Herren (55 Starter) und dann Staffeln (7 Mannschaften und 6 Familien). Ich lose Startnummer neun, erhalte meine Tüte mit etwas Verpflegung, einer Stoffbadekappe und einem Leibchen mit der Nummer neun drauf. Gestartet wird mit einer Minute Abstand, so habe ich noch neun Minuten nach Wettkampfbeginn um mich einzuschwimmen.

Besonders freut es mich dass es Benjamin wieder nach Spremberg geschafft hat, und seine Familie gleich mitbrachte, so dass mit Kerstin als Radfahrerin in der BKI Staffel noch eine Sisu am Start ist. Deren Staffel startet erst mit Startnummer 73, und kann mich so anfeuern und nette Fotos machen.

Dann geht es los: ein Spurt zum Beckenrand, mir wird Bahn eins zugeteilt, rein ins Wasser und 500 Meter schwimmen. Die Bahnen werden am Rand genauestens dokumentiert (daher die nummerierte Badekappe). Nach der guten Hälfte kommt Nummer 13 dazu - ich schaffe gerade mal 50 Meter an ihr dranzubleiben, einfach zu schnell (die Ergebnisliste zeigt beruhigend, dass die Athletin dieses enorme Tempo nicht durchgehalten hat). Für mich geht es alsbald zum Rad. Das Überstreifen des Leibchens gelingt mir dank neu erfundener Rolltechnik in jedem Jahr besser, und so geht es problemlos weiter.

Auf der Radstrecke war ich diesmal schon am Vortag unterwegs um ein paar Fotos zu schießen. Auch da was es sehr windig, aber heute schien der Wind noch stärker zu sein, und immer fies von der Seite! Fazit von Kerstin nach dem Rad: "Ich hatte gefühlt nie Rückenwind". Dem stimme ich zu.

Erst kurz vor der Radwende kommen mir drei Fahrer entgegen, somit liegen zu mindestens drei Damen (Startnummer 6-8) hinter mir. Auf dem Rückweg muss ich an den Bahnschienen halten, aber meine Haltezeit wird sehr genau dokumentiert, und ich kann in Ruhe etwas trinken. Allerdings handelt es sich bei der Pause nur um ca. 20 Sekunden, vermutlich brauche ich mehr Zeit um wieder Fahrt aufzunehmen.

Den Wind verfluchend geht es so zurück in die Wechselzone, und auf die Laufstrecke. Einige Fans an der Strecke bejubeln mich, ich kämpfe mich über einen Rasen und dann an einer Eigenheimsiedlung ca. 500 Meter immer leicht bergan. Erst auf dem geraden Stück kann ich etwas besser laufen, muss mich alsbald durch eine Absperrung winden, dann geht es durch den Wald, bergab, wieder zurück ins Schwimmbad.

Am Beginn meiner zweiten Runde geht Nummer 15 auf die Laufstrecke - kurzer Blick auf die Uhr und Kalkulation - wenn sie nicht sofort davon läuft, bin ich vorn. Ich kann auf Abstand hinter ihr bleiben. In der dritten Runde saust Nummer 13 vorbei, schon wieder. Es ist sofort klar, dass sie mit mindestens vier Minuten Vorsprung vor mir ins Ziel kommt. Ich schaffe es immerhin an der 15 vorbeizulaufen, und ins Ziel zu sprinten. Geschafft, die Laufstrecke ist zwar mit 4,6 Kilometern ausgeschrieben, in Wahrheit aber 400 Meter kürzer.

In Ruhe kann ich das Rennen der anderen genießen, etwas auslaufen, schwimmen, duschen, einen Kaffeetrinken und die letzten anfeuern. Bis zur Siegerehrung bleibt es spannend, ich kann immerhin einschätzen dass die drei Sportlerinnen, die vor mir gestartet sind und Nummer 15 hinter mir liegen müssen und die 13 nicht zu schlagen war. Ich vermute bei den Männern war es überhaupt nicht möglich eine Aussage über Sieg und Platzierung zu geben.

Bei mir reicht es am Ende zu Platz zwei, und vor allem deutlich besseren Zeiten als in den Jahren zuvor. Pokale werden von der Spreenixe überreicht, Medaillen und Applaus gibt es für alle Teilnehmer. Bei den Herren entscheiden am Ende wirklich nur Sekunden. Die Staffeln werden noch getrennt als Familie gewertet, so dass auch teilnehmende Kinder eine Chance haben.

Familie Hein landet auf Platz 6, verbringt den Rest des schönen Tages noch im Schwimmbad und wird sicherlich wieder mal bei dem Wettbewerb vorbei schauen. Vielleicht konnte ich mit dem Bericht für das nächste Jahr noch jemanden begeistern? Gerade für Einsteiger ein tolles Rennen, da die Drängelei beim Schwimmen ausbleibt, man sein eigenes Tempo bestimmt und bis fast zum Schluss einiges auf der Strecke los ist. Bei der Auswertung der Zeiten gab es leider in diesem Jahr etwas durcheinander, denn alles wird in liebevoller Handarbeit ausgewertet. Wer also ein Sekundenfuchser ist und nicht die entspannte Atmosphäre eines Volkstriathlons genießen kann, soll lieber zu Hause bleiben und "Ick steh uff die Brücke" singen.

Pl Name, Vorname         Verein         swim bike  run    gesamt
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 1 Friedrich, Konstanze  TV Dresden     8:26 33:22 18:00    59:48
 2 Kottwitz, Denise      Sisu Berlin    8:29 36:34 19:10  1:04:13
 3 Cummerow, Sandra      Berliner TSC   7:09 37:34 20:27  1:05:10

 1 Stiller, Ronny                       7:13 28:38 17:07    52:58
 2 Gelardi, Henry       SSV Hoyerswerda 6:49 30:49 17:38    55:16
 3 Krassek, Leo         Tri Moritzburg  9:03 30:43 16:30    56:16
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 1 Team 265                             7:27 27:20 16:52    51:39
   S: Uwe Noatsch/R: Andreas Berg/L: Enrico Schrobback
 2 Powerteam                            8:04 34:12 18:10  1:00:26
   S: Robert Spexard/R: Uwe Lenk/L: Lars Böhrenz
 3 TOP-FIT 180                         12:10 33:28 17:19  1:02:57
   S: Günter Miersch/R: Klaus Löser/L: Detlef Hoffmann
 6 BKI                                  8:14 42:44 32:22  1:23:20
   S: Benjamin Hein/R: Kerstin Hein/L: Ilona Durmus
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© TriGe Sisu Berlin; 9.6.2016