Bericht SwimRun Rheinsberg 10.7.2016

von Jörg Zotzmann

Am 10. Juli hat im brandenburgischen Rheinsberg der erste offizielle SwimRun Wettkampf Deutschlands stattgefunden, veranstaltet vom SCC Berlin. Zur Auswahl stand neben dem SwimRun über eine Gesamtdistanz von ca. 19 km auch noch eine Sprintdistanz über ca. 9 km.

Der SwimRun wurde in Schweden erfunden, bekam dort 2006 seinen ersten offiziellen Wettkampf, den inzwischen legendären "Ö-till-Ö" und erfreut sich seit dem zunehmender Beliebtheit. Wie der Name schon sagt, wird geschwommen und gelaufen, allerdings im Gegensatz zum Swim&Run bzw. Aquathlon beide Sportarten im Wechsel mehrmals hintereinander ohne den Wechsel von Ausrüstung oder Kleidung (weitere Details unter swimrun-rheinsberg.de und otilloswimrun.com).

Der SwimRun ist ursprünglich als Wettkampf von Zweier-Teams konzipiert, in Rheinsberg war jedoch auch der Start als Einzel-"Schläufer" möglich. Auch war der sonst übliche Höchstabstand zwischen den Teampartnern nicht Bedingung, es wurde die Zeit des Team-Zweiten gewertet. Hilfsmittel wie Pullkick, Pullbuoy, Paddles oder Schleppleine waren erlaubt, Bedingung war lediglich, dass auf dem Weg zwischen Start und Ziel nichts weg- oder dazukommt. Nach mehrmaligem Trainieren und Testen am Schlachtensee haben Norman und ich uns entschieden, mit Pollbuoy, Paddles und 3 m Schleppleine zu starten. Das funktionierte nicht nur im Training sondern auch dann beim Wettkampf sehr gut. Weiterhin erwies es sich als Vorteil, in den Schuhen enge Socken zu tragen, die sich im nassen Zustand nicht weiten. So wurde die Reibung mit Sandkörnchen minimiert, die sich unweigerlich bei den vielen Läufen durch flaches Wasser im Schuh ansammelten.

Das Sisu Berlin SwimRun Team vor dem Transfer zum Start

Zur An- und Abreise von und nach Berlin wurde ein Busshuttle angeboten, da in Rheinsberg die Parkmöglichkeiten extrem limitiert waren. Für 21 Euro haben wir beide den Service gern wahrgenommen. Der Bus vom Alexanderplatz ging zwar schon 6:30 Uhr, aber man kam auf diese Weise pünktlich und völlig entspannt in Rheinsberg an und am Nachmittag auch wieder nach Hause. Am Tage vorher hatte ich noch gelesen, dass der IronMan Weltmeister von 2005 am SwimRun teilnehmen würde als Vorbereitung auf den Ö-till-Ö im Herbst. An der Anmeldung haben wir Ihn dann tatsächlich getroffen und ein paar Worte gewechselt. Faris war super drauf und hat sich bereitwillig von jedem anfragenden Triathleten fotografieren lassen.

Zum Startpunkt bei Flecken Zechlin sind dann 30 min vor dem Start alle Starter mit dem Bus gebracht wurden (Kleiderbeutelabgabe vorher in Rheinsberg). Dort sind auch Faris, sein Teampartner und ein sehr erfolgreicher Ultra-Läufer vom Moderator vorgestellt worden. Ein großer Pluspunkt war die entspannte Toilettensituation. Nicht eine einzige Schlange, überall freie Toiletten, sowohl bei der Anmeldung in Rheinsberg als auch im Startbereich bei Flecken Zechlin. Das hatte ich vorher noch nie erlebt. Im Startbereich gab es auch schon Wasser vor dem Start, was besonders bei den kurz vor dem Mittag schon recht hohen Temperaturen sehr wichtig war.

Der Start erfolgte in drei Wellen von jeweils 50 bis 100 Sportlern (first come first served). Wir haben uns in der zweiten Welle aufgestellt. Die ersten hundert Laufmeter ging es bergauf, so dass mit vergleichsweise geringer Geschwindigkeit gestartet wurde. Ohne Drängelei hat sich das Feld dann recht schnell auseinandergezogen. Der erste Sprung ins Wasser fühlte sich sehr kalt an, aber so war man wenigstens für den nächsten Lauf erfrischt. Die ersten zwei, drei Wechsel kamen Schlag auf Schlag wegen der kurzen Distanzen am Anfang und es war schwierig, den Puls unten zu halten. Aber wir hatten ja gut trainiert und haben deshalb schnell unseren Rhythmus gefunden.

Die Laufstrecke war super: Es war alles dabei, schmale und breite Waldwege, Schotterwege, Asphalt- und Betonplattenwege, jedoch immer im Wald oder auf verkehrsberuhigten Wegen. Die Landschaft war wunderschön, wir sind ja immer durchs Grüne durch von einem See zum anderen gelaufen. Je näher wir Rheinsberg kamen, umso schöner wurde die Strecke. Am Schluss ging es noch durch den Schlosspark am Schloss vorbei, fantastisch. Ich bin am Schluss immer schneller gelaufen, weil es so viel Spaß gemacht hat. Streckenposten waren sehr sparsam aufgestellt (außer an den Wasser-Ein- und Ausstiegen), aber Schilder oder Flatterband haben die Strecke ausreichend markiert. Das Laufen in nassen Schuhen ging besser als erwartet. Nur die ersten 10 Schritte nach dem Ausstieg sind unangenehm, wenn das Wasser aus den Schuhen schwappt. Aber dann fühlt es sich nicht mehr komisch an und man denkt nicht mehr dran.

Verpflegungsstellen waren jeweils am Anfang und am Ende der zwei langen Laufstrecken positioniert, fast immer dann, wenn wir sie auch gebraucht haben. Die Stationen bestanden jeweils nur aus zwei Tischen und das Angebot war mit Wasser, Iso, Tee, und Bananen sehr überschaubar, aber für uns war es genau richtig, es waren auch nie mehr als 6 Läufer an den Tischen.

Die Bojen waren mir jedoch zu klein. Außerdem waren sie rot wie die Badekappen der SwimRunner und deshalb schwer auszumachen, wenn vor einem noch ein paar andere rote Punkte hergeschwommen sind. Einmal ging es nach dem Ausstieg bergan durch knöcheltiefen Sand. Das war dann sehr unangenehm, und wir mussten langsam gehen, um nicht die nassen Schuhe komplett mit Sand zu panieren. Der vorletzte Schwimmausstieg hielt auch noch eine Überraschung parat. Alle sind auf einen kleinen Hafen zugeschwommen weil dort auch eine rote Boje zu sehen war. Aber dann ging es doch zu einer nochmal 100 m weiter entfernten Badestelle. Dort tauchten dann plötzlich Schwimmleinen auf, die den Badebereich absperrten. Solche Leinen mussten zweimal untertaucht werden, nicht einfach mit Pullbuoy und Paddles.

Wir haben beim Laufen immer wieder dasselbe Team überholt, welches uns offensichtlich immer wieder beim Schwimmen überholt hat. Das Ziel befand sich am Ende der letzten Schwimmstrecke. Diese ist wohl kurzfristig verlegt worden, sie war jedenfalls ganz anders, als online angegeben. Das war einesteils ein Glücksgriff, weil wir so anstatt in den Hafen einzuschwimmen unter großem Jubel durch einen kleinen Park dann eine Rampe hinauf, über eine weiße hölzerne Hafenbrücke gelaufen und dahinter in einem kleinen Türmchen eine Wendeltreppe hinabgeklettert sind. Das hatte einen hohen Spaßfaktor. Andererseits war es unangenehm, danach in das Hafenbecken einzuspringen um die letzten 200 m zu schwimmen. Es gab zwar den Hinweis vorsichtig zu springen, da das Wasser hier nicht sehr tief sei. Aber statt festen Boden unter den Füßen zu spüren bin ich erst mal 20 cm in Schlick eingesunken. Der Wasserausstieg führte dann 20 m vor dem Ziel über eine eigens errichtete Aluminiumtreppe. Helfer haben uns dort aus dem Wasser auf die Treppe gezogen, da wäre ich ohne Hilfe gar nicht rausgekommen. Die 20 m Zieleinlauf waren dann eher unspektakulär, aber wir haben bei dem letzten kurzen Schwimmen und dem Ausstieg tatsächlich noch drei Schläufer überholt.

Mit Altweltmeister und SwimRun Gewinner Faris Al-Sultan nach dem Wettkampf

Der Moderator hat jeden Athleten begrüßt, die Nachzielverpflegung war wie erwartet gut mit dem üblichen Repertoire inklusive Erdinger alkoholfrei. Das Team von Faris hat am Ende den SwimRun gewonnen (wer hätte das gedacht?). Der Altweltmeister ist also noch fit. Aber auch wir (beide keine guten Schwimmer und eher mittelschnelle Läufer) sind erstaunlich weit nach vorn gekommen. Mit dem 10. Platz in der Teamwertung haben wir Sisu Berlin sicherlich würdig vertreten.

Kleiderbeutel abholen und Umziehen im geräumigen aber völlig überhitzten Umkleidezelt ging schnell (endlich raus aus den nassen Schuhen!). Die Pastaparty war nach dem Wettkampf. Und da wir noch viel Zeit bis zu unserem Rücktransfer hatten, haben wir noch erlebt, wie Faris den letzten Schläufern persönlich die Medaillen überreicht hat. Der Transfer nach Berlin hat auch wieder sehr gut geklappt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die SwimRun-Premiere vom erfahrenen SCC gut organisiert war und sehr viel Spaß gemacht hat. Ein oder zwei kleinere Pannen trüben das Erlebnis nicht. Die Strecke war top und verträgt sicherlich ohne Probleme auch 500 Starter oder mehr.

Die einzelnen Strecken (8 x Laufen und 8 x Schwimmen) gliederten sich folgendermaßen auf: 1,5 Laufen – 0,2 Schwimmen – 0,6 Laufen – 0,2 Schwimmen – 0,8 Laufen – 0,4 Schwimmen – 1,1 Laufen – 0,55 Schwimmen – 5,4 Laufen – 0,25 Schwimmen – 1,0 Laufen – 0,3 Schwimmen – 4,6 Laufen – 0,3 Schwimmen – 1,4 Laufen – 0,2 Schwimmen, so dass Gesamtstrecken von ungefähr 2,4 km Schwimmen und 16,4 km Laufen resultierten.

Swimrun Einzel 19km, 212 Männer und 61 Frauen im Ziel

Pl  Name             Verein                AK   Pl  Zeit
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 1  Katja Wächter    KW Personal Training  W40   1  1:58:20
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 1  Faris Al-Sultan  Alte Tribären         M35   1  1:42:51
56  Norman Pagel     Sisu Berlin           M35  15  2:15:05
57  Jörg Zotzmann    Sisu Berlin           M45  13  2:15:05
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SwimRun Teamwertung 19km, 63 Teams im Ziel (Zeit des Team-Zweiten wurde gewertet)

Pl  Namen                            Team           Zeit
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 1  Werner Leitner, Faris Al-Sultan  Alte Tribären  1:42:51
10  Norman Pagel, Jörg Zotzmann      Sisu Berlin    2:15:05
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© TriGe Sisu Berlin; 18.7.2016