Erlebnisbericht Spreewald-Triathlon 16.6.2018

von Denise Kottwitz

Da war es nun, mein zweites Saisonhighlight (nach den Halbmarathon auf dem Darß): die Große Spreewaldfrau, also eine Triathlon Mitteldistanz. Hier startete ich schon im letzten Jahr und war mit Schwimmen und Laufen sehr zufrieden, auf dem Rad aber sehr zurückhaltend. Letzteres sollte sich in diesem Jahr ändern, somit war das Training noch mehr aufs Radfahren ausgerichtet. Ja, ich war sogar das erste Mal in meinem Leben in einem Radtrainingslager auf Mallorca! Zudem litten auch einige kürzere Wettkämpfe, die unter Belastung einer langen Radeinheit am Vortag durchgeführt wurden. Ich erhoffe mir eine 2.40h auf dem Rad, und danach einen Fünfer Schnitt zu Laufen - also eine Zielzeit von ziemlich genau fünf Stunden.

Neben all den Überlegungen zur eigenen Performanz freue ich mich auf einen schönen Wettkampf im Spreewald mit vielen Bekannten und Vereinskollegen. Der Wetterprognose bin ich ganz positiv aufgeschlossen, denke mir aber schon "könnte etwas warm werden beim Laufen". Ankunft am Briesensee ist ganz entspannt, irgendwie schön, wenn man weiß, wie es läuft. Da ist der Parkplatz, da die Anmeldung, da die Wechselzone usw. Auch der Einweisung braucht man nur mit einem Ohr folgen. Mein Wechselplatz ist am Ende des Teppichs, also orientierungsmäßig top. Allerdings mitten im Gewühle der Einweisung. Ich bekomme Angst, das bei der Einweisung der Olympischen Distanz meine penibel angeordneten Utensilien durcheinander kommen, und akquiriere Anke vom Tri Team, die auf der OD startet, mal einen Blick drauf zu werfen.

So geht es beruhigt zum Schwimmstart, entgegen allen Erwartungen für uns auch mit Neopren. Nach kurzem Einschwimmen geht es los. Am Start quatsche ich noch kurz mit Tobias, der hoffnungsvoll das Ziel ausgibt, mich bei Kilometer fünf mit dem Rad zu erhaschen. Plötzlich ertönt das Startsignal. Rein ins Getümmel, leider ist es um mich rum recht voll und ich muss doch etwas Wasser schlucken. Überhaupt schwimme ich sehr unruhig. Um die erste Boje geht es gut rum, aber ich schnappe in der Zweier-Atmung nach Luft und schaffe es nicht in eine ruhigere Lage mit Dreier-Atmung überzugehen. Ich ergebe mich meinem Schicksal und schwimme erstmal so weiter. Beim Ausstieg ist Tobias immer noch neben mir. Kevin vom Tri Team feuert aus vollem Herzen an, und meint "direkt vor Dir die zweite Frau". Zwischenzeit mit 13 Minuten irgendwas passt auch. Also auf die zweite Runde. Tobias und ein paar andere lasse ich hinter mir. Leider immer noch hastiges Schwimmen in Zweieratmung und zwei Mal böses Wasserschlucken.

Auf dem Weg zum Land gelingt es mir endlich, einen richtigen Schwimmzug einzulegen, und dann verschwindet endlich das Gefühl des Kampfes durch das Wasser und geht in ein "ich schwimme" über. Zweiter Landgang - und auf der dritten Runde geht es in schönem Schwimmzug weiter. Ach ist das schön! Leider etwas spät, aber immerhin etwas gefühlte Entspannung vor dem Umstieg aufs Rad. Wie gesagt gefühlt, die Uhr sagt, dass alle drei Runden etwa gleich schnell waren und so erreiche ich nach ca. 40 Minuten die Wechselzone. Dort sind alle meine Sachen noch immer an Ort und Stelle - DANKE Anke!

Aufs Rad und losfahren. Ohne viel nachdenken, erstmal los. Es läuft gut, anspruchsvoll, aber ich muss nicht kämpfen und beißen. Mal sehen wie lang es gut geht. Bei Kilometer zehn überholt mich Tobias, ich reibe ihm seine Fehleinschätzung gleich unter die Nase. Er nimmt es mit Humor und wünscht mir viel Glück, ich ihm ebenso. Im Folgenden werde ich ein wenig überholt, aber deutlich weniger als im Vorjahr. Ich bin etwas ängstlich, dass das angeschlagene Tempo zu hoch ist, aber rede mir gut zu, dass ich dafür gut trainiert habe. Bei Kilometer zwanzig überholt mich die spätere Gewinnerin Sybille, bleibt aber noch lange in meinem Sichtfeld. Kurz darauf überholen wir die schnellste Schwimmerin. In Straupitz bestätigen mir Helfer meinen aktuellen zweiten Platz, ich bin schon stolz dass mich keine weitere Frau mehr überholt. Kurz vor Ende der ersten Runde überholen mich drei Fahrer, wobei einer dann vor mir deutlich langsamer wird. Also überhole ich ihn. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen, also wieder vorbei.

Ich nehme Tempo raus um den rechtmäßigen Abstand zu halten aber der Typ fängt wieder an zu bummeln. Also wieder vorbei, durch das Gewusel der Wechselzone. Flasche abgeworfen, neue gegriffen. Gleich mal ordentlich kühles Wasser getrunken. Der Typ zieht wieder vorbei, verlangsamt aber das Tempo. Ich muss wieder rausnehmen. Mache ein paar Dehnübungen um die Zwangspause zu nutzen. Als ich dann endlich genug rumgehampelt habe, ziehe ich an dem Typen noch mal vorbei und sage zu ihm "ich muss jetzt noch mal vorbei hier". Er daraufhin: "entschieden wird beim Laufen". Ich bin fassungslos: meint er ernsthaft, das ich bei Rad-Kilometer 50 einen Zweikampf mit ihm anfange? Zum Glück überholen mich zwei weitere Athleten und der Typ hängt sich mit dran. Damit meine ich wirklich in den Windschatten! Manche sind sich echt für nichts zu schade, erst mehrfach eine Frau ausbremsen und dann regelwidrig fahren. Immerhin bin ich ihn für den Rest des Rennens los, und erspähe ihn erst wieder auf der Ergebnisliste: ich habe ihn schließlich überwechselt und war in den Laufschuhen auch schneller unterwegs! Was für eine Genugtuung!

Unabhängig von diesem Zwischenfall bin ich erfreut, dass ich meinen Schnitt über 32 km/h immer noch gut halten kann und keine weitere Frau vorbei gezogen ist. Mittlerweile knallt die Sonne ordentlich auf den Asphalt, ich schwitze unter dem Helm. Ein Gefühl, was ich sogar nicht kenne. Leichter Anflug von Kopfschmerz, insgesamt wird das Fahrgefühl etwas schwerer. Ich schaffe das Tempo zu halten, muss aber die letzten 15 Kilometer doch kämpfen. Doch zu schnell gefahren? Es muss noch gelaufen werden. Ich komme in Briesensee an der Verpflegungsstation vorbei, wo ALLE Athleten langsam gehend sich Wasser und Schwämme über den Kopf gießen, darunter entdecke ich auch Michael. Diese Szene macht mir nicht gerade Mut.

Runter vom Rad, rein in die Laufschuhe und los. Ja, es geht tatsächlich los. Kein Kopfschmerz, keine schweren Beine - einfach nur Lauffreude. Ich schaffe es problemlos meine fünfer Schnitt zu laufen. Ich könnte gern noch mehr, aber das hebe ich mir für später auf. Ich empfinde es auch gar nicht zu heiß, nein es gibt auch ein kühles Lüftchen. So vergeht die erste Runde wie geplant. In der Wechselzone steht Dirk mit dem Fotoapparat, und Kevin vom Tri Team brüllt einen förmlich über die Strecke. Heike und Dani winken, ich freue mich und höre "wenigstens noch einer, der noch lachen kann". Auweia. Das bedeutet nichts Gutes. Also Tempo schön sachte halten, sind noch drei Runden und so langsam merke auch ich, dass Temperaturen und Luftdruck extrem laufunfreundlich sind.

Mein Einbruch kommt aber ganz fies: bei Kilometer sieben ereilen mich Seitenstechen, wie ich sie noch nie erlebt habe. Als hätte mir jemand einen Dolch ins Zwerchfell gestoßen. Ich muss Tempo rausnehmen, kurz anhalten, Arme heben. Nichts hilft. Tief atmen, locker weiter laufen und hoffen das es weg geht. So schleppe ich mich bis zur nächsten Versorgungsstation, aber der Schmerz lässt nach. Wasser über den Kopf, Schwamm, Cola. Und dann kam noch Jochen. Kurzer Wortwechsel (ich habe den Inhalt vergessen), weiterlaufen. Ich merke dass Jochen nur etwas schneller ist, so kann ich mich auf Sichtkontakt etwas festbeißen. Reicht bis zur Wechselzone, die Schmerzen sind weg. Aufmunternde Worte von Heike und Dani, unterstützt von Ingo. Nächste Wasserstation, Jochen immer noch knapp vor mir. Ich brauche Energie, noch zehn Kilometer laufen.

Ein Gel müsste ich mir reinquälen: also Cola, plus zwei Wasser und einen Schwamm über den Kopf. Und dann los, Jochen folgen so lange es geht. Mein Tempo pegelt sich bei 5:10-5:20 ein, neues Ziel ist dieses ohne weitere Einbrüche durchzulaufen. Dann müsste die Zielzeit nur um etwa fünf Minuten verfehlt sein, was in Anbetracht der Umstände, grandios wäre. Jochen entschwindet so langsam meinem Sichtfeld, aber das schlimmste Tief ist überwunden. DANKE Jochen. Ich merke wie sich jemand an mich ranhängt, es ist Jörg vom Tri Team. Wir kämpfen ein paar Meter gemeinsam, dann lasse ich Jörg ziehen (er ist auf Zielkurs, ich muss ja noch eine Runde). Kurz vor der Versorgungsstation überholt mich eine Frau in einem Hammertempo (fühlt sich so an). Ich bin beeindruckt, realisiere somit aber noch mal das es hier nicht nur um den Kampf mit sich selbst sondern auch gegen andere geht. Somit sollte ich auf Platz drei sein.

Noch sechs Kilometer - dass kann bei den Bedingungen alles heißen vom eigenen Ausscheiden bis zum Einbruch der Konkurrenz. Also nichts riskieren. Zwei Wasser, eine Cola, ein Schwamm. Auf jeder Runde. Zwei Mal. Keine Experimente. Marius holt mich ein, wie immer mit einem netten Spruch. Noch einmal an der Wechselzone vorbei, Heike ruft mir zu: "Wenn Du dich beeilst, bekommst du Micha noch". Oh nein, so schlimm? Ich will gar nicht Micha einholen, einfach nur noch die letzten fünf Kilometer durchlaufen. Also zwei Wasser, eine Cola, ein Schwamm. Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir schmerzlich bewusst, dass ich keine Ahnung mehr habe wie die letzte Runde verlaufen ist. Kurz vor Zieleinlauf überrunde ich noch Norman, ich hoffe es demotiviert ihn nicht. Ich darf in den Zielkanal einbiegen. Dritter Platz große Spreewaldfrau, AK gewonnen. Das wichtigste ist aber für mich die Zielzeit auf dem Rad erreicht zu haben, und die Einbußen beim Laufen eher dem Wetter als der falschen Renneinteilung zuzuschreiben!

 


© TriGe Sisu Berlin; 20.6.2018