Bericht Trans-Vorarlberg-Triathlon 27.8.2017

von Martin Seller; Fotos: privat und © Sportograf

Vorab – es war brutal und für uns Flachlandtiroler gnadenlos hart. Die Idee der Teilnahme kam von Dani. Ok, eigentlich hatte ich vorher schon mal damit geliebäugelt, da es doch eine perfekte Vorbereitung für den Ironman Wales 2 Wochen später darstellen würde, aber der Reiseaufwand (ca. 700 km) ist doch schon sehr hoch. Als dann aber Dani meinte, sie würde da selbst sehr gerne starten, haben wir nicht lange gezögert und uns 3 Wochen vorher angemeldet. Zudem konnten wir von den Erfahrungen von unseren "Locals" (Yvonne und Per), die auch beide starteten, profitieren.

Der Transvorarlberg Triathlon startet in Bregenz am Bodensee mit einer 1,2 km langen Schwimmstrecke. Danach geht es mit dem Rad 93 km quer durch Vorarlberg über den Hochtannbergpass (1675 m üNN) nach Lech am Arlberg. Die Radstrecke ist mit über 2.000 hm gespickt. Da dies nicht hart genug ist, muss am Ende noch in Lech ein Crossberglauf absolviert werden. Dies bedeutet 2 Runden á 6 km mit insgesamt 250 hm.

Donnerstags 3 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns auf nach Dornbirn. Ohne Stau sind wir gut durchgekommen und waren zum Frühstück bei Yvonne und Per angekommen. Danach hatten wir noch den Tag, um etwas zu trainieren.

Logistisch ist dieses Rennen auch sehr anspruchsvoll, da Start und Ziel weit auseinander liegen. Freitag Nachmittag war der Rad Check-In in Bregenz. Wir wollten also unser Auto irgendwie schon am Zielort in Lech geparkt haben und haben uns in den Tagen vorher schon ständig Gedanken gemacht, wie das alles funktionieren soll.

Die beste Idee hatte Yvonne am Ende. "Fahr doch mit Auto hoch, Rad im Kofferraum und dann mit dem Rad zum Check-In. Dann siehst du die Strecke schon mal." – Gesagt, getan. Ich wollte eh das Rennen aus dem Training heraus absolvieren, da dies die letzte harte Trainingswoche vor der Taperphase ist. So konnte ich noch 90 km Radfahren am Freitag und bereits Erkenntnis über die Strecke sammeln, wenn auch rückwärts.

Freitagnachmittag war dann das Race-Briefing. Da wir auf der Radstrecke mehrfach Tunnel durchfahren werden müssen, bestand Lichtpflicht! Lichtpflicht??? Wie soll das denn bitte an einem TT-Bike funktionieren?? Für dieses Problem gab es Aussteller draußen, die spezielle Lampen anboten. Die funktionierten ganz gut und passten sich auch aerodynamisch ans Rad an.

Der nächste Hinweis vom Veranstalter betraf die Verkehrsregelung. Leider darf der Veranstalter die Strecke nicht sperren, sodass zwar Ordner an den Kreuzungen standen, aber sonst der Verkehr normal fahren konnte. Der Pass ist auch die einzige Straße nach Lech.

In diesem Jahr gab es noch eine zusätzliche Auflage vom Landkreis. Ca. bei Kilometer 34 bis 40 gab es eine etwas steilere Abfahrt in einen Ort. Aus Sicherheitsgründen sollten dort die Teilnehmer langsam fahren. Deshalb hat man eine "neutrale Zone" eingerichtet, d.h. vor der Abfahrt und am Ende der Abfahrt gab es eine Zeitmessmatte. Man sollte für diese 3 km-Abfahrt mindestens 5 min benötigen, längstens 10 min. Die Zeit wird am Ende von der Gesamtzeit abgezogen. Wer zu schnell fahren würde, wird am Ende disqualifiziert. Wer zu langsam fährt, bekommt nur die 10 min am Ende abgezogen.

Renntag

Kurz nach 6 Uhr sind wir nach Bregenz zum Schwimmstart gefahren. Die Stimmung war gut, das Wetter hervorragend. Der Sprecher vor Ort entschuldigte sich für ein Malheur, denn eigentlich sollte ein Shuttlebus von Lech nach Bregenz eingerichtet sein, damit alle Teilnehmer ihre Autos im Ziel parken können und dann zum Start gebracht werden. Dieser sollte 5 Uhr die Teilnehmer zum Start bringen. Doch der Bus kam nicht. So mussten die Teilnehmer mit ihren Autos zum Start fahren. Der Veranstalter hatte dann angeboten, dass man die Autoschlüssel abgibt und die Autos wieder zum Ziel gebracht werden. Na vielen Dank auch. Gut, dass wir es anders gelöst hatten.

Der Schwimmstart erfolgte pünktlich 8 Uhr von Land. 500 Teilnehmer schwammen dann ca. 550 m raus zur ersten Boje, dann 100 m parallel zum Strand und wieder 550 m zum Schwimmausstieg.

© Sportograf
© Sportograf

Meiner Meinung nach war die Strecke für die Anzahl der Teilnehmer zu kurz. Es war ein ziemliches Gedränge. Erst nach der zweiten Boje hatte es sich etwas beruhigt, doch dann war man ja fast schon wieder fertig. Als 15. der Männer bin ich aus dem Wasser raus. Dann ab aufs Rad und los ging's. Ich hatte mir wieder eine gute Ernährungsstrategie zurechtgelegt, die als Test für Wales dienen sollte. 1,5 h-Energie in der Flasche zwischen den Extensions und 2 h in der Gelflasche im Rahmen. Eine dritte Flasche wollte ich aus Gewichtsgründen nicht mitnehmen.

Kaum raus aus Bregenz gingen die Anstiege schon los. Ich wollte stur nach Wattwerten fahren. Links und rechts sind mir bereits die Ösis und die alpinerfahrenen Deutschen um die Ohren gefahren. Egal, ich fahr meinen eigenen Stiefel. Die erste Verpflegungsstation kam leider schon recht früh (nach ca. 40 min). Voll panisch habe ich dann kurz vorher meine vordere Flasche geleert. Also 1,5 h Energie in 40 min. Oh oh, hoffentlich geht das gut. Dann kam die besagte Abfahrt mit der neutralen Zone. Ich habe diese genutzt, um den Rücken mal zu lockern und wirklich entspannt den Berg runter zu rollen.

Doch leider waren ich und meine unmittelbaren Mitstreiter viel zu schnell. Dies hatte zur Folge, dass wir alle vor der zweiten Zeitmessmatte anhielten und warteten, bis diese 5 Minuten rum waren. Das muss von außen ein lustiges Bild gewesen sein. Einige Radfahrer haben die Pause auch zur Erleichterung genutzt. Dann ging's munter weiter.

© Sportograf

Auch bei der zweiten Verpflegungsstation habe ich nur eine Wasserflasche genommen. Dies war leider ein Fehler, denn die dritte Station sollte erst sehr viel später kommen. Zwischendrin konnte ich in den flacheren Passagen wieder ein paar Kontrahenten überholen. Leider wäre ich beinahe auch mit einem Auto kollidiert.

Ich, dick am Drücken, Kopf unten, schaue auf einmal kurz nach oben und sehe, wie ca. 5-10m vor mir ein Auto an einer Verkehrsinsel vor einem Zebrasstreifen anhielt, um Fußgänger rüber zu lassen. Also Vollbremsung, Brüllen und auf den Aufprall vorbereiten. Gott sei Dank ist der Autofahrer dann einen Meter auf die Insel ausgewichen, sodass ich vorbeischlittern konnte. Der Ordner, der leider 10 Meter nach und nicht am Fußgängerüberweg stand, zeigte dem Autofahrer dann noch den Vogel und machte noch einen lustigen Spruch in meine Richtung. Danke, du!

Bei KM 50 ging dann der eigentliche Anstieg zum Hochtannbergpass los. Dieser sollte über 30 km lang sein. Und da kamen wir dann zu meinem Problem. Es gab vorher keine Verpflegungsstation mehr. So kam es, wie es kommen musste. Ich hatte kein Wasser mehr und aus meiner Gelflasche kann ich ohne Wasser zusätzlich auch nichts trinken.

© Sportograf

Irgendwann sprach ich verzweifelt einen überholenden Staffelfahrer an, ob er weiß, wo der nächste VP kommt. Er meinte, sind noch ca. 6km. Das hätte ich nicht geschafft. Also hielt ich im nächsten Ort an einem Spar an und fragte eine Zuschauerin, ob es hier Wasser gibt. Sie rannte rein und kaufte mir eine Wasserflasche. Top, fand ich echt klasse. Bei Ironman wäre ich wahrscheinlich disqualifiziert wurden, wegen Annahme fremder Hilfe...

Naja, so konnte ich wenigstens wieder meine Gelflasche nutzen und Energie tanken, denn die sank in der letzten Stunde rapide. Ist aber ganz allein mein Fehler gewesen. Hätte ich vorher das Racebooklet ordentlich studiert, hätte ich gewusst, wo die VPs sind und mir einfach beim letzten VP eine weitere Flasche gegriffen und in meinen hinteren leeren Halter gepackt (wollte ich ja aus Gewichtsgründen nicht).

© Sportograf

Leider gingen mir die Gänge aus, je länger der Berg wurde. 39/25 reicht nicht für diese Strecke. Ich hätte mir ein 28er Ritzel montieren sollen. Nach 80 km war man oben angekommen und konnte etwas die Beine lockern, da die nä. 13km zum Wechsel flach, bzw. wieder etwas bergab verliefen. Ich war total ausgepowert. Wie soll ich jetzt noch laufen können.

Die Laufstrecke hatte dann die nächste Überraschung in sich. Es ging nur rauf und runter. Den ersten Berg konnte ich in der ersten Runde noch laufen, in der zweiten Runde musste ich ihn teilweise gehen und meine Knie stützen. Ich dachte mir aber immer, dass es die beste Vorbereitung für Wales ist, da dort auch 500hm auf der Laufstrecke zu bewältigen sind. Ich hatte dennoch meine Laufbeine gefunden und kam eigentlich ganz gut über die Strecke und konnte wieder ein paar Leute einsammeln.

© Sportograf

Am Ende sprang Platz 45 raus, was vollkommen in Ordnung geht, wenn man es als Trainingswettkampf betrachtet. Als Berliner ist man Berge einfach nicht gewöhnt. Als ich dann Dani sah, wie sie die zweite Laufrunde begann und dabei strahle, war ich super froh. Sie hat die Radstrecke also auch problemlos bewältigt. Im Ziel war sie vollkommen euphorisch. Sie hatte jede Sekunde genossen und am Ende sprang sogar ein 40 Platz raus (8. AK).

© Sportograf
© Sportograf

Die Nacht blieben wir dann in Lech und am nächsten Morgen sind Dani mit Yvonne im Auto zurück nach Dornbirn gefahren und Per und ich sind die Strecke quasi nochmals rückwärts wieder nach Hause gefahren. Ab jetzt ist das Training in den Büchern, nun beginnt die Taperphase.

 


© TriGe Sisu Berlin; 5.9.2017