Finale 1. Bundesliga beim City Triathlon Tübingen 24.7.2016

von Dirk Bettge

Hier ist nun mein länglicher Bericht vom letzten Rennen der 1. Triathlon-Bundesliga in Tübingen. Nach den Jedermann-Wettkämpfen fand mit dem 4. Rennen das Finale der 1. Bundesliga bei den Frauen und den Männern statt. Susi, Domenic und ich fanden es sehr spannend und sind ja auch emotional besonders betroffen, klar.

Juliette, Jessica, Sonja und Agata vor dem Start
Juliette, Jessica, Sonja und Agata vor dem Start

Die Ausgangslage war nach den Rennen im Kraichgau, Ingolstadt und Düsseldorf sehr erfreulich mit einem 9. Platz in der Tabelle von insgesamt 16 Mannschaften. Das Team der Damen vom TuS Neukölln musste auf Bianca verzichten, die bei der Junioren-DM in Nürnberg startete und in den ersten Rennen jeweils die Top-Platzierung des Teams eingefahren hatte. Für sie kam Jessica Lambracht mit nach Tübingen, ihres Zeichens aktuelle deutsche Vizemeisterin der Cross-Radfahrer 2016, deutsche Meisterin 2015 – und gelernte Triathletin mit Zweitliga-Erfahrung. Der Vorsprung vor den Verfolgern aus Griesheim (10., 1 Punkt zurück), Bonn und Hagen war mit nur wenigen Punkten denkbar knapp. Im Gegensatz zum Vorjahr ging es also nicht mehr um das Verhindern des Abstiegs, sondern darum, möglichst wenig abzurutschen und den 9. Platz zu behaupten. Dazu würden eine gute Mannschaftsleistung und ein wenig Glück nötig sein.

Bundesliga-Radständer
Zuschauer auf der Neckarbrücke
Bundesliga-Radständer und Zuschauer auf der Neckarbrücke

Die Ligastarter hatten ihre Wechselbereiche nicht wie die anderen auf der Neckarinsel, sondern oben auf der Brücke, alles schön grundiert mit blauem Teppich (auf dem es sich übrigens komisch Rad fährt). Die Messung der Wassertemperatur des Neckars ergab im Gegensatz zu allen anderen Rennen des Tages erstmals knapp über 20 Grad, so dass Neo-Verbot ausgesprochen wurde. Warm würde es beim Schwimmen also nicht werden.

Start zum Rennen 1. BuLi Frauen
Spitzengruppe auf dem Rückweg
Sonja beim Schwimmen
Schwimmen im Neckar

Nach der üblichen Team-Präsentation begaben sich alle Starterinnen nebeneinander ins flache Wasser an der Startlinie an der Brücke, günstig für die Zuschauer. Unsere Mädchen mussten sich von der in der Tabelle davor liegenden Mannschaften vom Rand in die Mitte verscheuchen lassen und kamen damit mal wieder ins Zentrum der Dichte. Schnell stellte sich nach dem Startschuss das übliche Bild ein. Agata löste sich langsam von den anderen, Juliette und Sonja versuchten, nicht abreißen zu lassen und Jessica musste sich darauf konzentrieren, den Rückstand in akzeptablen Grenzen zu halten. Ich möchte dazu anmerken, dass ich dieselbe Strecke mit Neo in 13:22 geschwommen bin – Jessica brauchte 13:36 ohne Neo, Sonja und Juliette um 12:30, Agata 12:05 und die Spitze des Frauenfeldes 10:42. Die doch deutliche Strömung tat sicherlich einiges zu dieser deutlichen Spreizung des Feldes.

Radstart
Teleblick auf die Radrunde
Sonja mit ihrer Gruppe
Sonja und Agata an der Wende
Raus aus der Wende
Sonja und Agata beim Radfahren

Die Spitze um Favoritin Jodie Stimpson bildete die erste Radgruppe und versuchte gleich Druck zu machen. Nach einigen kleineren Grüppchen (u.a. mit Olympiahoffnung Anne Haug) bildete sich eine größere Verfolgergruppe, die Agata gut und Juliette in letzter Sekunde erreicht hatten. Sonja verlor beim Schwimmen ein paar Sekunden auf Juliette, ein paar beim Ausstieg und ein paar weitere weil eine Konkurrentin beim Aufsteigen vor ihrer Nase stürzte – da war die Gruppe weg. Jessica sprang bereits recht abgeschlagen in Crosser-Manier auf ihr Rad und musste die 5 Radrunden mit jeweils 2 Wenden praktisch im Alleingang bewältigen.

Juliette mit ihrer Gruppe
Juliette in der Wende
Raus aus der Stadt
Bianca an der Wende
Juliette und Jessica beim Radfahren

Während sich Juliette routiniert in der großen Gruppe halten konnte, fiel Agata bald zurück und wurde von Sonjas Gruppe eingesammelt. Anfangs versuchte Sonja mit ein paar anderen den Rückstand nach vorn zu verringern, aber Juliettes Gruppe machte richtig Druck und sammelte sogar noch Anne Haug ein. Da nun etwas langsamer gefahren wurde, hatte Agata die Chance, diese Gruppe zu halten und schaffte dies mit viel Willen und Sonjas Unterstützung auch.

Laufen in der Tübinger Altstadt: Juliette
Laufen in der Tübinger Altstadt: Sonja
Laufen in der Tübinger Altstadt: Agata
Laufen in der Tübinger Altstadt: Bianca
TuS Neukölln auf der Laufstrecke

Beim Laufen war u.a. die Frage, ob Sonja das durchstehen würde, denn beim Schwimmen in Düsseldorf hatte sie an einer Wendeboje einen Tritt in den Brustkorb abbekommen und eine sehr schmerzhafte Rippenprellung davon getragen. Sowas ist langwierig und nach 4 Wochen keinesfalls schon wieder gut (bei mir hat's nach dem Radsturz im Dezember mehrere Monate gedauert, bis ich wieder schnell laufen konnte). Der Laufkurs war extrem anspruchsvoll – die Runde war kürzer als die bei den Jedermann-Rennen und hatte durch die Auslassung des Fußgängertunnels praktisch keinen ebenen Meter, die Länge dürfte insgesamt knapp 5 km betragen haben. Nun war individuelles Quälen angesagt, das man in den Gesichtern gut ablesen konnte.

Radaufstieg der Spitzengruppe
Jody Stimpson nach der Radwende
Jody Stimpson überrundet Sonja
Jody Stimpson (Nr. 1) bei ihrem Start-Ziel-Sieg

Es war schwer beeindruckend, wie die Spitzenläuferinnen des Feldes wie Jodie Stimpson und Anne Haug die Hügel rauf und runter flogen. Während Stimpson nach dem Schwimmen und Radfahren bereits in Führung lag, musste Anne Haug mit ihrer im Vergleich gewohnt schwachen Schwimmleistung kämpfen. Eine Minute nach der Spitzengruppe aus dem Wasser gelangen auf dem Rad keine Wunder, im Gegenteil wurde ihre Gruppe sogar noch von Juliettes Gruppe geschluckt. Eine herausragende Laufleistung reichte in diesem Umfeld nur noch für Platz 10, während es die nicht für Rio nominierten Hanna Philippin unbd Anja Knapp als beste Deutsche auf die Plätze 4 und 5 schafften. Dies wirft nochmal einen Schlagschatten auf die deutsche Olympia-Nominierungs-Querelen, die in der Szene immer noch heiß diskutiert werden. Mit der Nichtnominierung von Philippin sowie der kompletten Nichtnominierung deutscher Männer hat sich der Deutsche Olympische Sportbund m.E. schwer ins Knie geschossen in einer beliebten Volkssportart.

Anne Haug auf der Verfolgung
Anne Haug auf der Verfolgung
Anne Haug fliegt durch die Altstadt
Anne Haug fliegt durch die Altstadt
Anne Haug (Nr. 22) auf dem Weg nach vorn

Im Mittelfeld gaben Sonja, Juliette und Agata jedenfalls alles und blieben recht dicht hintereinander. Juliette fiel etwas zurück und wurde schließlich von Sonja eingeholt. Gemeinsam stürmten sie Richtung Ziel. Noch auf dem blauen Teppich konnten sie mit einem sehenswerten Schlussspurt noch ein paar Platzziffern gutmachen. Sonja war schon eine ganze Weile unter Schmerzen gelaufen und blieb nach dieser Anstrengung mehrere Minuten im Ziel liegen, wurde schließlich von Agata wieder aufgerichtet und wankte zu uns in den Nachzielbereich, während auch Jessica das Ziel erreichte.

Zieleinlauf durch die Wechselzone
Sonja und Juliette beim Zielsprint
Zielsprint auf der Neckarbrücke

Ohne Bianca gab's also keine Spitzenplatzierung, aber immerhin die Plätze 36, 38 und 43 (von 60). Das reichte in der Tageswertung zwar nur für Platz 13., aber während der TuS Griesheim noch vorbeizog, erging es den in Lauerstellung liegenden Teams nicht besser bzw. nicht gut genug. PV Witten hatte einen schlechten Tag und fiel zurück, daher blieb der 9. Gesamtplatz in der Endabrechung erhalten – ein weiteres Jahr in der 1. Bundesliga ist also gesichert!

Tus Neukölln im Ziel vereint
Glückwünsche und erste Analyse
Im Ziel

Es bleibt noch, dem Trainer der TuS-Ligamannschaften, Joachim Hergesell für seine professionelle Arbeit zu danken. Angesichts der dünnen Personaldecke im Bereich der schnellen Frauen, hat er das maximal mögliche herausgeholt, u.a. durch akribisches Wechsel- und Koppeltraining, genaue Besichtigung aller Wettkampfstrecken an den Vortagen mit dem Team und nicht zuletzt durch kilometerreiche Fuhrdienste durch die gesamte Republik. Lassen wir es erstmal sacken, eine Pause machen und die restliche Saison vorbereiten. Mit einigem Abstand wird dann die Saison 2017 geplant werden.

Hier ist der Rennbericht von Juliette auf der TuS-Website sowie die Seiten der Triathlon-Bundesliga.

Ergebnisse

1. Bundesliga 0,75 - 22 - 5,0 km, Windschattenfreigabe, 60 Frauen im Ziel
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 Pl Name               Verein                      swim      T1   bike      T2   run        gesamt
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  1 Jodie Stimpson     EJOT Team Buschhütten       10:51( 4) 0:30 31:38( 6) 0:42 16:10( 1)  1:00:03
 36 Sonja Bettge       TuS Neukölln Berlin         12:37(47) 0:41 33:38(39) 0:46 19:25(31)  1:07:09
 38 Juliette Gogoll    TuS Neukölln Berlin         12:29(41) 0:38 32:35(15) 0:46 20:40(43)  1:07:10
 43 Agata Kilich       TuS Neukölln Berlin         12:05(28) 0:39 34:18(50) 0:47 19:54(33)  1:07:45
 50 Jessica Lambracht  TuS Neukölln Berlin         13:36(54) 0:39 34:48(51) 0:48 20:23(41)  1:10:16
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Ergebnislisten beim Zeitnehmer; Veranstalter-Website


© TriGe Sisu Berlin; 28.7.2016