Bericht Ironman Vichy, Frankreich 28.8.2016

von Michael Noll

Meine Langdistanz in diesem Jahr fand recht spät in der Saison in Vichy statt. Der Start ist mit anschließendem Urlaub verbunden. Während ich diese Zeilen schreibe, sind wir bereits am Meer in Arcachon, an der Küste vor Bordeaux, also schon weit von Vichy entfernt.

Vichy liegt im Landesinneren in der Auvergne und ist ein Kurort. Es gibt ein traditionelles Kurviertel mit schönen Häusern. Für die Kur gibt es einige große Thermen und auch Heilquellen mit entsprechendem Wasser. Die Quellen sind zum Teil öffentlich zugänglich, so dass man sich sein Wasser abzapfen oder vor Ort trinken kann. Manche Quellen sind auch für verschriebene Kuren reserviert. Bevölkert wurde der Ort am Rennwochenende allerdings im Wesentlichen nicht von Kurgästen, sondern von über 4000 Triathleten. Es gibt einen Ironman 70.3, der am Samstag stattfindet mit 2200 Teilnehmern. Die volle Distanz ist sonntags fällig, da waren 1850 Teilnehmer gemeldet.

Die Tage vor dem Rennen waren die Temperaturen bei über 30 Grad, auch am Samstag zum 70.3-Wettkampf waren es deutlich über 30 Grad im Schatten. Zum Sonntag war allerdings angesagt, dass sich die Temperaturen etwas mäßigen sollten. Durch die Hitze der Vortage war dann zum Schwimmen auch Neo-Verbot angekündigt: Wassertemperatur 25 Grad.

Geschwommen wird im lac d'Allier, der Fluss Allier ist hier aufgestaut, so dass sich ein etwa 2,5 km langer See gebildet hat. Es waren 2 Runden zu schwimmen mit kurzem Landgang. Der Start erfolgte im neuen Verfahren des rolling start, das war für mich auch zum ersten Mal das Erlebnis. Alle 5 Sekunden werden 4 Athleten losgeschickt. Man sortiert sich vorher in Boxen ein, die der erwarteten Schwimmzeit entsprechen. So wird das Feld entzerrt. Da ohne Neo geschwommen wurde, sind die Zielzeiten natürlich anders. Unter 1 Stunde ist dann für mich unrealistisch, aber ich bin mal davon ausgegangen, dass sich die meisten mit der Neo-Zeit einsortieren. Ich habe mich dann als Kompromiss in die Box für 1 Stunde sortiert. Also eigentlich über meinen Möglichkeiten.

Letztlich habe ich aber beim Schwimmen im Wesentlichen überholt. Da haben sich sicher fast alle mit der Neo-Zeit einsortiert. Das Schwimmen ist dann mit dem Startprocedere tatsächlich ohne Geprügel und die Abstände auf der Radstrecke sind danach auch gegeben. Das mindert die Windschattenproblematik in der Tat. Aus dem Wasser kam ich nach 1:07. Neo hilft mir schon deutlich bei der Wasserlage. Im Vergleich zur der Zeit in Roth bei der Staffel waren über 10 Minuten Unterschied, ich hätte da eher auf etwa 7 getippt. Also Schwimmen war nicht ganz so, aber noch im Rahmen.

Anschließend ging es dann auf die Radstrecke, es mussten 2 Runden gefahren werden. Die Strecke war auf der Wettkampfbesprechung mit 177 km Länge angesagt worden, also um 3 km kürzer, aber betrifft ja alle gleich. Wie gesagt, war durch den rolling start beim Schwimmen auch die Radstrecke nicht zu dicht bevölkert. Es wurde auch durchgehend fair gefahren, was ich gesehen habe. Die Penalty-Boxen waren immer leer als ich vorbeikam. Angesagt war, dass es etwa 1200 Höhenmeter gibt, also in etwa wie in Roth. Gefühlt sind die Höhenmeter dann hier leichter verteilt, nennenswerte große Anstiege gibt es nicht. Also kein Niveau wie Kalvarienberg. Im Streckenprofil war ja ein Anstieg sehr heftig angegeben. Aber da sieht man, was eine Maßstabsabbildung an Eindrücken verschaffen kann. Die Senkrechte im Profil war letztlich ein Anstieg Länge Willi im Grunewald, nur ein wenig steiler. Also insgesamt vom Profil eine schnelle Strecke. Gehört hatte ich ja, dass der Asphalt etwas rau sei. Das kann ich nun deutlich bestätigen. Meist ist es so wie beim Spreewald-Triathlon auf der rauen Strecke bei Straupitz.

Hinzu kommt hier allerdings noch, dass die Straßen oft mit Wellen und Dellen versehen sind. Auf Löcher musste man auch achten. Es hat unterwegs ganz schön gescheppert. Auf jeden Fall sollte man vorher also alle Schrauben anziehen und prüfen. Ich habe ja meine Werkzeugboxen im Flaschenhalter hinter dem Sattel und die mit Schlaufen aus Fahrradschläuchen fixiert. Dennoch sind die Schlaufen verrutscht und ein verschraubter Deckel der Box hat sich unterwegs wohl auch noch gelöst. Zum Glück waren in der Box 2 Ersatzschläuche, die so gut innerhalb geklemmt haben, dass ich diese nicht auch noch unbemerkt verloren habe. Ansonsten gibt es natürlich die für Frankreich typischen Kreisverkehre, die zu durchfahren sind. Einige winklige Ortspassagen hatte es auch, also ab und zu war auch mal bremsen angesagt.

In diesem Jahr habe ich ja erstmalig eine Wattmessung am Rad, damit war das auch das erste Mal, dass ich die lange Triathlonstrecke damit absolviert habe. Insofern war das auch ein guter Test für eine realistische Hausnummer im Wettkampf. Im Schnitt waren es dann etwa 260 Watt, was dann einer Geschwindigkeit von nicht ganz 37 km/h entspricht. Damit war ich dann tatsächlich im Bereich meiner Bestzeit auf dem Rad aus dem Jahr 2010. Auf der etwa 3 km kürzeren Strecke war der Radsplit mit 4:47 beendet. Insofern ging es guten Mutes auf die Laufstrecke.

Gelaufen wird 4 Runden um den besagten aufgestauten See. Die Laufstrecke erinnert insofern sehr an Frankfurt. Es wird über 2 Brücken jeweils in der Runde der Fluss gequert. Die Laufstrecke macht noch einen Abstecher vom Fluss weg in das Kurviertel. Man läuft an der Alten Oper vorbei und unter einer überdachten Kurkollonade. Zu Beginn des Laufs hat es sich etwas bewölkt und sogar kurzzeitig etwas genieselt – da ich ja nicht so der Hitzewettkämpfer bin also ganz gut. Um eine realistische Chance auf einen der begehrten Quali-Plätze für Hawaii zu haben, war klar, dass ich den Marathon in mindestens 3:30 laufen musste, eher etwas schneller. Insofern bin ich mit Zeiten um 4:45 pro km angegangen. Das lief sich auch so, dass ich keinen Zweifel hatte. Letztlich musste man das riskieren, damit die Chance erhalten bleibt. Die Geschichte ging auch für 2 Runden gut.

Im Verlauf der dritten Laufrunde konnte ich das Tempo leider nicht mehr halten. Auf der 4. Laufrunde wurde es dann schon sehr elend. Am Ende stand dann zwar noch eine Zeit von knapp unter 3:40, aber bei den Laufzeiten insgesamt muss man berücksichtigen, dass der Marathon gut 1 km zu kurz war (zumindest nach meiner Uhr). Betrifft zwar auch alle gleich, aber relativiert die absoluten Zeiten. Hätte ich das Tempo halten können, hätte ich bei etwa 3:20 auf dieser Strecke landen können. Und genau da liegen die 20 Minuten, die zum Traumziel gefehlt haben.

Wie sich rausstellen sollte, gab es in der AK nur 4 Quali-Plätze, und der 4. hatte 9:21 gebraucht. Hätte wenn und aber gilt letztlich nicht. Insofern bleibt ein Trainingsansatz für die nächste Saison: Tempohärte. Weiter bleibt als Erkenntnis beim Laufen auf genügend Energienachschub zu achten, um den Hammermann zu verbannen: mehr Gels mit Wasser statt nur flüssigen Energiedrink und weniger Gels. Insgesamt also für mich selbst Licht und etwas Schatten. Aber nächste Jahr kommt bestimmt und in der neuen AK gibt's einen Anlauf in Frankfurt. Da macht es gleich mehrfach Spaß, weil wir ja auch mit einigen Sisus am Start sind.

Jetzt ist erst mal Saisonpause und dann geht's mit neuer Motivation in die neue Saison. Insofern gilt zu meinem Saisonausklang der Dank unseren Trainern für das Training. Da sind wir immer sowohl mit Spaß und Eifer bei den abwechslungsreichen Trainingsprogrammen zu Wasser und auf der Bahn. Schön waren auch unsere weiteren gemeinsamen Trainingsstunden in der Gruppe, sei es vorab auf dem Rad, zum Hauptprogramm und natürlich im Cafe. Da hat man doch gleich wieder Lust zum Rennradeln – und damit ich meinem Ruf gerecht werde: noch 6 Monate und 1,5 Wochen bis Mallorca.


© TriGe Sisu Berlin; 4.9.2016