Mitteldistanz in Waren/Müritz - 26.7.2008

von David Greve

Operation Preisgeld

Schon vor Wochen hatte ich mir für die Mitteldistanz in Waren/Müritz (2 - 77 - 20 km) das Ziel gesetzt, unter den ersten Sechs zu finishen: Die erhalten nämlich ein Preisgeld. Mein Ergebnis in Moritzburg (9. Platz) schuf ordentlich Nährboden für derartige Ziele. Aber wie das so ist, wurde es mir Tag für Tag unwahrscheinlicher, dass es klappen könnte.

Dennoch strahlte ich weiter Optimismus aus, auch wenn dieser beim Eintreffen in der Wechselzone merklich gedämpft wurde: Neben ein paar absoluten Topleuten (wie Thoralf Berg) drängelte sich die erweiterte Spitze und das vordere Mittelfeld um die besten Startplätze. Reihenweise wurden Räder in die Zone geschoben, deren Preis mir Augentränen verursacht und die dazugehörigen rasierten Waden sahen auch sehr bedenklich aus.

Ich wiederholte mir immer wieder mein Mantra "Nicht die Optik zählt sondern das, was in den Beinen steckt" und hechtete Punkt 12:00 Uhr mit 200 anderen Verrückten in die 19 °C warme Müritz. Es galt, zwei Runden á 1.000 m zu absolvieren, dazwischen sorgte ein kurzer Landgang für dramatischen Temperaturanstieg im Neopren. Nach gut 29 min wurde ich zusammen mit der zweiten Frau als 10. an Land gespült. Damit war ich auf Tuchfühlung zu Leuten wie Ronald Pierenz (Ski Club Berlin) der gerade sein Rad aus der Wechselzone schob und lag vor Thoralf Berg. Auf dem Rad musste ich gleich feststellen, dass es nichts werden würde mit dem geplanten 38er-Schnitt. Tatsächlich sollten es überhaupt nur drei Athleten schaffen, unter 2 h Rad zu fahren. Allen anderen wurde das vom kräftigen Ostwind, den knalligen Temperaturen und der knackigen mecklenburgischen Endmoränen-Landschaft verwehrt. Dennoch zischte der eine oder andere "dicke Oberschenkel" an mir vorbei, aber auch ich konnte ein, zwei Mal überholen.

Bei der Einfahrt in die Wechselzone als 16. hatte ich schon mit allem abgeschlossen: Gänsehaut auf den letzten Kilometern war ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich viel zu wenig getrunken hatte. Es war mir völlig schleierhaft, wie ich den 6. Platz noch schaffen sollte. Zwar hätten alle die, die vor mir aus der Wechselzone gekommen wären, total bescheiden ausgesehen und ihnen wäre die Angst vor den kommenden 20 km ins Gesicht geschrieben gewesen - mir aber auch. Dafür waren die Zeitabstände riesig.

Dennoch ließ ich den Motor gleich heiß laufen: Standesgemäß legte ich für den ersten Kilometer eine 3:48 min hin - und war schon auf Platz 15. Aufwind gab auch ein Zuschauer, der mir zurief, keiner vor mir hätte so locker ausgesehen wie ich. Nun gut, aussehen und fühlen sind ja zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe und dementsprechend baute ich rasend schnell ab. Rasend schnell aber nicht im Vergleich zu den "Leichen", die noch vor mir waren. Von denen taumelten einige nur noch.

So war ich beim ersten Zieldurchlauf nach 10 km bereits auf Platz 8 vorgerückt. Der Sprecher flippte deshalb beim Vorbeilaufen völlig aus, mir aber waren Lauf- und Endzeit inzwischen völlig egal. Stattdessen machte ich mir große Sorgen, ob und wie ich es überhaupt ins Ziel schaffen würde. Tatsächlich aber gelang mir das: Ich ließ mir an den Verpflegungspunkten (6 pro 10 km) jetzt immer zwei Becher Wasser + einen Becher Cola/Iso geben und lag bei km 12 auf Rang 7. Nach 15,5 km hatte ich Ronald Pierenz gestellt und war jetzt im Preisgeld unterwegs. 1,5 km vor dem Ziel dann die beunruhigende Nachricht: "Der hinter dir kommt noch mal - hat nur noch 150 m Rückstand."

Am Ende hat's gereicht - mir auch. Selten war ich so kaputt. Und das bei einer für meine Verhältnisse schlechten Laufzeit von 1:23 h und der eher mäßigen Endzeit von 4:01:14 h.


© TriGe Sisu Berlin; 1.8.2008